(Nach Bhaktivinoda Ṭhākuras Liedern Aruṇadoya kīrtana I + II )
Als die aufgehende Sonne am Himmel erschien, erhob sich Gaurāṅga, das Juwel der Heiligen, und zog mit einer Schar von Geweihten hinaus durch Dörfer und Städte, von Haus zu Haus …
… Tontrommeln ertönten, Zimbeln erklangen, als Gaura tanzte und die Geweihten sangen. Sein goldener Leib erstrahlte klar und rein, Seine Fußglöckchen klingelten im Morgenschein.
Die Schlafenden weckten sie mit froher Empfehlung: „Singt ‘Mukunda’ und ‘Madhava’ zu eurer Erhebung. Lasst ‘Yādava’ und ‘Hari’ eure Lippen beleben – wer weiterschläft, geht nur dem Tod entgegen.“
„Ihr schmückt eure Körper, vergeudet eure Zeit, vergesst, dass das Leben hier dem Ende ist geweiht. Die Geburt als Mensch – ein Geschenk, ein höchstes Gut. Verehrt Yaśodās Sohn und entkommt dem Tod!”
Wach auf, schlafende Seele, erwache geschwind! Der Goldene Mond ruft dich, liebes Kind. Du schläfst im Schoße einer Hexe voll List, wie lange noch willst du träumen und vergessen, wer du bist?
Mit jedem Aufgang und Untergang der Sonne vergeht ein Tag – für immer zerronnen. Warum also träge und gleichgültig bleiben, statt dem Herrn des Herzens unser Leben zu weihen?
Verloren im Kreislauf von Geburt und Tod, verstrickt in Illusion, entfremdet – voll Not, vergessen wir, was ewig ist, was wirklich schützt, und verkennen das, was uns wahrhaft nützt.
Der Goldene Mond bringt einen heilenden Trank, unser einziger Freund in dieser Welt so krank, einen mantra aus Namen des göttlichen Herrn – die einzige Hoffnung für Seelen nah und fern.
Der heilige Name leuchtet wie die Sonne am Himmel des Herzens, überflutet mit Wonne. Er befreit die bedingten Seelen aus ihrer Hülle – ein Nektarquell, der ewig fließt in göttlicher Fülle.
Der reine Nektar des heiligen Namens hat Bhaktivinodas Seele erfüllt. Kein Schatz ist vergleichbar in den vierzehn Welten hari-nāma zum Reich des Herrn uns führt. Wach auf, schlafende Seele, erwache geschwind! Der Goldene Mond ruft dich, liebes Kind. Du ruhst im Schoße einer Hexe voll List, wie lange noch willst du träumen und vergessen, wer du bist?
Wach auf, o schlafende Seele, wach auf! Der Goldene Mond ruft dich.
‘Mukunda’, ‘Mādhava’, ‘Yādava‘ und ‘Hari’, chante diese Namen – sei für immer frei! ‘Mukunda’, ‘Mādhava’, ‘Yādava‘ und ‘Hari’, Chante diese Namen – für immer glücklich sei.
Kommentar
Weckruf ist eine Kombination von zwei Liedern – Udila aruṇa und Jīv jāgo – in denen Bhaktivinoda Ṭhākuras beschreibt, wie Śrī Caitanya Mahāprabhu und Seine Gefährten kurz nach Sonnenaufgang von Dorf zu Dorf zogen, um das gemeinsame Chanten der heiligen Namen – hari-nāma-saṅkīrtana – zu verbreiten. Der Titel Weckruf soll ihre Stimmung widerspiegeln, denn mit dem Klang des heiligen Namens wollten sie die Menschen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch aufwecken. Solange wir nicht innerlich erwachen, nach dem Sinn des Lebens fragen und über die wahre Natur des materiellen Daseins nachdenken, bleibt das volle Potenzial einer menschlichen Geburt ungenutzt – und echte Selbsterkenntnis außer Reichweite.
Ein Ruf zum spirituellen Erwachen
In diesem Lied beschreibt Bhaktivinoda Ṭhākura, wie Gauracandra (wörtlich: der Goldene Mond) alle Menschen auffordert, aus ihrem spirituellen Schlummer zu erwachen. Er richtet sich an die „schlafende Seele“ und vergleicht das Leben in der materiellen Welt mit einem langen Traum, der aus zahllosen Tagund Nachtträumen besteht. Dabei verweist Er auf die Gefahr, die dieser Zustand in sich birgt: Die Seele ruht auf dem Schoß der materiellen Natur, die in den vedischen Schriften als māyā-piśācī, als die Hexe Māyā (Illusion), beschrieben wird. Diese verführerische und bindende Kraft hält das Lebewesen in einem Zustand des Vergessens, indem sie es dazu bringt, sich mit dem vergänglichen materiellen Körper und seiner Umgebung zu identifizieren. Unter ihrem Einfluss hat die jīva (die individuelle Seele) Wahnvorstellungen und denkt: „Ich bin ein Mann“, „Ich bin eine Frau“, „Ich gehöre zu dieser Familie“, „Ich gehöre zu diesem Land“, „Ich bin dies“, „Ich bin das“ – und zahllose andere Trugbilder. Doch all diese Vorstellungen sind illusorisch, da sie
sich ausschließlich auf die vergängliche Hülle beziehen, nämlich den materiellen Körper, den die spirituelle Seele früher oder später ablegen muss.
Die Nutzlosigkeit materieller Bestrebungen
Die zweite Strophe des Liedes führt diesen Gedanken weiter aus. Menschen auf der ganzen Welt investieren enorme Mengen an Zeit und Energie in Tätigkeiten, die über die Grundbedürfnisse des Lebens weit hinausgehen. Sie erkennen nicht, dass solche Bestrebungen letztlich keinen bleibenden Nutzen bringen. Geblendet von der Identifizierung mit dem Körper, geben die Bewohner dieses Planeten jedes Jahr schätzungsweise 500 Milliarden Euro für Schönheitsund Pflegeprodukte aus. Dazu kommt noch die Modeindustrie mit einem Jahresumsatz von ungefähr 200 Milliarden Euro. All diese aufwendigen Maßnahmen fallen unter die Kategorie „das vergängliche Äußere verschönern“ – aus höherer Sicht eine Verschwendung von Zeit, Energie und Geld. Keine Hautcreme, keine Botox-Injektion, keine Schönheitsoperation kann verhindern, dass ein hübsches Gesicht im Laufe der Zeit von Falten durchzogen wird und immer mehr verwelkt. Die Gesetze der Natur sind unerbittlich: Nichts bleibt. Niemand bleibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass spirituell orientierte Menschen ihren Körper vernachlässigen. Sie leugnen nicht die Notwendigkeit von Gesundheitsvorsorge und grundlegender Pflege – etwa durch ausreichende Ernährung, nötige Erholung und persönliche Hygiene. Aber die bedingte Seele neigt dazu, das Maß zu verlieren, ihre Grundbedürfnisse zu übersteigen und sich übermäßig mit dem Körper zu identifizieren. Das führt zu Gleichgültigkeit gegenüber dem spirituellen Aspekt des Lebens. Wenn dies bereits im Bengalen des 16. Jahrhunderts der Fall war – wie sehr trifft es dann auf die heutige Zeit zu? Der zunehmend künstliche Lebensstil, den die Menschen in den letzten Jahrhunderten geschaffen haben, hat immer neue
Schichten über das wahre Selbst gelegt – und die Seele dadurch noch weiter vom Erwachen entfernt.
Verloren im Kreislauf von Geburt und Tod
Wie die vierte Strophe beschreibt, ist die jīva in der materiellen Welt verwirrt und verloren, gefangen im endlosen Kreislauf von Geburt und Tod. Das ist das eigentliche Problem – und die Suche nach einer Lösung ist der wahre Sinn des Lebens. Doch durch die Illusion verblendet, verliert sich die bedingte Seele in unzähligen Nebensächlichkeiten und bleibt dabei blind für ihre eigentliche Lebensaufgabe. Wie Ṛṣabhadeva im Śrīmad-Bhāgavatam (5.5.16) seine Söhne lehrt: Aus Unwissenheit weiß der materialistische Mensch nichts über sein wahres Selbstinteresse, den segensreichen Pfad des Lebens. Er ist lediglich durch lüsterne Begierden an materiellen Genuss gebunden, und alle seine Pläne dienen nur diesem einen Ziel. Für flüchtige Sinnesfreuden schafft er eine Gesellschaft des Neids, und durch diese Mentalität stürzt er sich in den Ozean des Leids. Solch ein törichter Mensch weiß nicht einmal, dass dies seine Lage ist.
Die Rolle des Gottgeweihten und Mitgefühl
Im nächsten Vers erklärt Ṛṣabhadeva, dass jeder, der über wahre spirituelle Erkenntnis verfügt, aus Mitgefühl handelt und versuchen muss, andere Seelen aufzuwecken und zu einem höheren, sinnvolleren Leben zu führen: Wenn jemand unwissend ist und auf dem Pfad des saṁsāra wandelt, wie kann ein wirklich gebildeter, barmherziger und spirituell fortgeschrittener Mensch ihn zu fruchtbringenden
Handlungen ermutigen und ihn so noch tiefer ins materielle Dasein verstricken? Wenn ein Blinder einen falschen Weg einschlägt, wie kann ein hilfsbereiter Mensch ihn gewähren lassen? Wie kann er eine solche Handlungsweise gutheißen? Kein weiser und edelmütiger Mensch wird dies zulassen. Bhaktivinoda Ṭhākura und viele andere Lehrer in der Schülerfolge Śrī Caitanya Mahāprabhus sind solche edlen und weisen Seelen. Sie setzen sich voller Mitgefühl für das spirituelle Erwachen der Menschheit ein – nicht aus Missionseifer, sondern aus echter Barmherzigkeit.
Das Gegenmittel zum Materialismus
In der nächsten Strophe wird Gauracandra – der goldene Mond – als einziger wahrer Freund bezeichnet, denn Er verteilt ein wirksames Gegenmittel gegen die Pandemie des Materialismus, die die Weltbevölkerung fest im Griff hat. Im ursprünglichen bengalischen Gedicht heißt es: enechi auṣadhi māyā nāśibāra lāgi’ – „Ich habe ein wirksames Heilmittel, um die Illusion Māyās aufzulösen.“ Der Herr sagt weiter, man brauche Ihn nur darum zu bitten, dann werde Er es sofort bereitwillig geben. Dieses Heilmittel ist der heilige Name Kṛṣṇas in Form eines mantras: hari-nāma mahā-mantra lao tumi māgi’ – Hare Kṛṣṇa Hare Kṛṣṇa Kṛṣṇa Kṛṣṇa Hare Hare Hare Rāma Hare Rāma Rāma Rāma Hare Hare. Der heilige Name wird mit der strahlenden Sonne verglichen, die selbst die dichteste Dunkelheit vertreiben kann. Im Padma Purāṇa werden die wunderbaren Eigenschaften des heiligen Namens folgendermaßen beschrieben: Der heilige Name Kṛṣṇas ist transzendental und voller Glückseligkeit. Er verleiht alle spirituellen Segnungen, denn er ist Kṛṣṇa selbst, der Ursprung aller Freude. Kṛṣṇas Name ist vollkommen und die Verkörperung aller transzendentalen Geschmacksrichtungen. Unter keinen Umständen handelt es sich um einen materiellen Namen; seine Kraft ist der Person Kṛṣṇa in nichts unterlegen. Da Kṛṣṇas Name nicht mit materiellen Eigenschaften behaftet ist, hat er in keinerlei Beziehung zu Māyā. Kṛṣṇas Name ist unter allen Umständen frei und spirituell; er ist niemals den Gesetzen der materiellen Natur unterworfen. Das ist so, weil zwischen Kṛṣṇas Namen und Kṛṣṇa selbst kein Unterschied besteht – sie sind identisch. Diese einzigartige Eigenschaft des heiligen Namens wird durch die Worte abhinnatvān nāma-nāminoḥ ausgedrückt: „Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Namen und dem Benannten – Kṛṣṇa und Sein Name sind eins.” Bhaktivinoda Ṭhākura hat diesen Vers in seinem Werk Harināmacintāmaṇi eingehend kommentiert. Dort behandelt er zentrale Themen wie das Wesen und die Herrlichkeit des heiligen Namens, und wie man Hindernisse auf dem Weg zum reinen Chanten erkennen und überwinden kann.
Die Essenz von bhakti
In der letzten Strophe empfiehlt uns Bhaktivinoda Ṭhākura: nāmāśraya kari – „sucht beim heiligen Namen Zuflucht“. Zuflucht zu suchen bei Kṛṣṇa, Seinen Lotosfüßen, Seinem Namen und Seinen Geweihten ist Essenz von bhakti. Das Lied Weckruf endet mit der kraftvollen Feststellung: nāma vinā kichu nāhika āra, caudda-bhuvana-mājhe. „Außer dem Namen gibt es nichts in allen vierzehn Welten.“ Dies bedeutet, dass nur etwas Spirituelles bleibenden Bestand hat. Alle anderen Objekte in der materiellen Welt sind vorübergehende Erscheinungen, die wie Schaum auf den Meereswellen aufsteigen und wieder untergehen. Folglich kann man sagen, dass nur die jīvas, als ewige Teile Kṛṣṇas, und Kṛṣṇa selbst in Gestalt Seines Namens die einzigen Wesen wahrer Substanz im Schattenreich Māyās sind.
Die Originalfassung
Udila aruṇa
(Aruṇodaya-kīrtana I) Bhaktivinoda Ṭhākura udila aruṇa pūraba-bhāge, dvija-maṇi gorā amani jāge, bhakata-samūha loiyā sāthe, gelā nagara-vrāje udila—das Aufgehen; aruṇa—die Röte; pūraba—östlich; bhāge—am Horizont; dvijamaṇi—das Juwel der Zweifachgeborenen; gorā—Gaura; amani jāge—erwacht sofort; bhakata-samūha—alle Geweihten; loiyā sāthe—mit sich nehmend; gelā— wanderte; nagara-vrāje—durch Städte und Dörfer. Als die Sonne im Osten aufging, erwachte Gaurasundara, das Juwel der Zweifachgeborenen. Zusammen mit Seinen Geweihten wanderte Er durch die umliegenden Städte und Dörfer. ‘tāthaī tāthaī’ bājala khol, ghana ghana tāhe jhājera rol, preme ḍhala ḍhala soṇāra aṅga, caraṇe nūpura bāje ‘tāthaī tāthaī’—die Töne „tāthaī tāthaī“ erzeugend; bājala khola—die mṛdaṅga (Tontrommel) erklang; ghana ghana—im Takt gespielt; tāhe—in diesem kīrtana; jhājera—der großen Metallzimbeln; rola—das Getöse; preme—in ekstatischer Liebe; ḍhala ḍhala—leicht bebend; soṇāra aṅga—Gaurāṅgas goldener Körper; caraṇe—an Seinen Füßen; nūpura bāje—die Glöckchen klingelten. Während die Tontrommeln der Geweihten ertönten und ihre Zimbeln im Takt erklangen, bebte Gaurāṅgas schimmernder goldener Körper vor ekstatischer Liebe, und Seine Fußglöckchen klingelten im Morgenlicht.
mukunda mādhava yādava hari,
balena bala re vadana bhari',
miche nida-vaśe gela re rāti,
divasa śarīra-sāje
mukunda mādhava yādava hari—mit den heiligen Namen „Mukunda!“, „Mādhava!“, „Yādava!“ und „Hari!“; balena—chantend; bala re—oh, singt!; vadana bhari’—eure Münder füllend; miche—nutzlos; nida-vaśe—unter der Macht des Schlafes; gela— habt ihr verbracht; re—oh!; rāti—die Nächte; divasa—die Tage; śarīra-sāje—mit dem Schmücken eurer Körper. Sie riefen den noch schlafenden Menschen zu: „Chantet die heiligen Namen ,Mukunda’, ,Mādhava’, ,Yādava’ und ,Hari’ und füllt eure Münder mit ihrem Klang! Ihr verschwendet eure Nächte mit Schlaf und eure Tage mit dem Schmücken eures Körpers!“ emana durlabha mānava-deha, pāiyā ki kara bhāva nā keha, ebe nā bhajile yaśodā-suta, carame paribe lāje emana—diesen; durlabha—seltenen; mānava-deha—menschlichen Körper; pāiyā— erlangt habend; ki kara—was macht ihr?; bhava nā keha—habt ihr überhaupt nicht darüber nachgedacht; ebe—jetzt; nā bhajile—wenn ihr nicht verehrt; yaśodā-suta— den Sohn Yaśodās; carame—letztlich; paribe—werdet ihr fallen (sterben); lāje—in Scham. „Jetzt habt Ihr diesen seltenen menschlichen Körper erlangt, doch ihr wisst dieses Geschenk nicht zu schätzen. Ihr verehrt den Sohn Yaśodās nicht und werdet schließlich in den letzten Augenblicken eures Lebens beschämt dem Tod entgegengleiten.“ udita tapana hoile asta, dina gela bali' hoibe byasta, tabe kena ebe alasa haya, nā bhaja hṛdaya-rāje udita—aufgestiegen; tapana—die Sonne; hoile asta—untergegangen; dina gela— der Tag vergeht; bali’—indem man sagt; hoibe byasta—wird verloren sein; tabe kena—warum also; ebe—jetzt; alasa haya—bleibt ihr untätig; nā bhaja—ihr verehrt nicht; hṛdaya-rāje—den Herrn des Herzens. „Mit jedem Sonneaufgang und jedem Sonnenuntergang vergeht ein Tag und ist verloren. Warum also bleibt ihr untätig und dient nicht dem Herrn des Herzens?“
jīvana anitya jānaha sāra, tāhe nānā-vidha vipada-bhāra, nāmāśraya kari' yatane tumi, thākaha āpana kāje jīvana—Leben; anitya—ist vergänglich; jānaha sāra—erkennt diese grundlegende Wahrheit; tāhe—in diesem Leben; nānā-vidha—verschiedene; vipada-bhāra— Lasten von Leid; nāmāśraya kari’—sucht beim heiligen Namen Zuflucht; yatane—mit Sorgfalt; tumi—du; thākaha—verbleibe stets tätig; āpana kāje—in deinem eigenen ewigen Dienst. „Das Leben in dieser Welt ist vergänglich und von verschiedenen Leiden geprägt. Erkennt diese Wahrheit und sucht Zuflucht beim heiligen Namen als eure einzige wahre Aufgabe.“ jīvera kalyāna-sādhana-kāma, jagate āsi' e madhura nāma, avidyā-timira-tapana-rūpe, hṛd-gagane virāje jīvera—aller Lebewesen; kalyāṇa-sādhana-kāma—um das Wohl bemüht; jagate asi’—in die materielle Welt gekommen; e—dieser; madhura nāma—süße Name Kṛṣṇas; avidyā-timira—das Dunkel der Unwissenheit; tapana-rūpe—in Gestalt der Sonne; hṛd-gagane—im Himmel des Herzens; virāje—leuchtet. Um das Dunkel der Unwissenheit zu vertreiben und alle zu segnen, ist der süße heilige Name wie die strahlende Sonne am Himmel des Herzens aufgegangen.
kṛṣṇa-nāma-sudhā kariyā pāna, jurāo bhakativinoda-prāṇa, nāma vinā kichu nāhika āra, caudda-bhuvana-mājhe kṛṣṇa-nāma-sudhā—den reinen Nektar des heiligen Namens Kṛṣṇas; kariyā pāna— trinkend; jurāo—so wird gesättigt; bhakativinoda-prāṇa—Bhaktivinodas Seele; nāma vinā—außer dem heiligen Namen; kichu nāhika āra—gibt es nichts anderes; caudda-bhuvana-mājhe—in allen vierzehn Welten. Trinkt den reinen Nektar des heiligen Namens. Es gibt nichts anderes als den Namen in allen vierzehn Welten. Er hat Bhaktivinodas Seele erfüllt.
Jīv jāgo
(Aruṇodaya-kīrtana II) Bhaktivinoda Ṭhākura
jīv jāgo jīv jāgo, gauracānda bole kata nidrā yāo māyā-piśācīra kole jīv jāgo—wach auf, schlafende Seele!; jīv jāgo—wach auf, schlafende Seele!; gauracānda bole—Gauracandra (der Goldene Mond) ruft; kata nidrā yāo—wie lange willst du noch schlafen?; māyā-pīśācīra—der Hexe Māyā; kole—im Schoß. Gauracandra ruft: „Wach auf, schlafende Seele! Wach auf, schlafende Seele! Wie lange willst du noch im Schoß der Hexe Māyā schlafen?“ bhajiba baliyā ese saṁsāra-bhitare bhuliyā rahile tumi avidyāra bhare bhajiba—ich werde gewiss den Herrn verehren; baliyā—indem du dies sagtest; ese— in diese Welt gekommen; saṁsāra-bhitare—in der materiellen Welt; bhuliyā— vergessen habend; rahile tumi—bist du geblieben; avidyāra bhare—in der Dunkelheit der Unwissenheit. „Als du auf die Welt kamst, versprachst du, den Herrn zu verehren. Doch nun hast du den Weg des hingebungsvollen Dienens vergessen und bist in der Welt von Geburt und Tod verloren.“ tomāre laite āmi hoinu avatāra āmi vinā bandhu āra ke āche tomāra tomāre laite—um dich zurückzuholen; āmi—ich; hoinu avatāra—bin als Inkarnation herabgestiegen; āmi vinā—außer Mir; bandhu āra—ein anderer Freund; ke āche— wer ist da?; tomāra—dein. „Ich bin nur gekommen, um dich zu retten. Wer ist außer Mir dein wahrer Freund in dieser Welt?“ enechi auṣadhi māyā nāśibāra lāgi' hari-nāma mahā-mantra lao tumi māgi'
enechi—ich habe gebracht; auṣadhi—die Medizin; māyā—die Illusion Māyās; nāśibāra lāgi’—um sie zu zerstören; hari-nāma mahā-mantra—den großen mantra der Namen Haris; lao—nimm ihn; tumi—du; māgi’—indem du darum bittest. „Ich bringe die Medizin, die die Krankheit der Illusion, unter der du leidest, heilen kann. Nimm diesen mahā-mantra der heiligen Namen Haris – bitte nur darum!“ bhakativinoda prabhu-caraṇe pariyā sei hari-nāma-mantra loila māgiyā bhakativinoda—Bhaktivinoda; prabhu-caraṇe—zu den Lotosfüßen des Herrn; pariyā—sich niederwerfend; sei hari-nāma-mantra—diesen hari-nāma-mantra; loila—empfing er; māgiyā—nachdem er darum gebeten hatte. Nachdem sich Bhaktivinoda zu den Lotosfüßen des Herrn niedergeworfen und darum gebeten hatte, empfing er den mahā-mantra.