DER ERSTE BESUCH
nde Juni hatten Krishnadas, Śivānanda und Jaya Govinda den Tempel so weit hergerichtet, dass sie sich trauten, Śrīla Prabhupāda auf einen Besuch einzuladen. Aber Prabhupāda antwortete ihnen, er käme lieber im August, wenn seine Schüler in London, die noch immer keinen geeigneten Ort für einen Tempel gefunden hatten, vielleicht auch so weit wären, ihn zu empfangen. Am 21. August kam endlich ein Telegramm mit der langersehnten
Nachricht:
ANKUNFT HAMBURG
FLUG 409 LUFTHANSA
25. AUGUST 6:10
BHAKTIVEDANTA SWAMI
ŚIVĀNANDA DĀSA: Wir wussten nicht so recht, wie wir Prabhupāda empfangen sollten; deshalb legten wir einen Teppich in der Flughafenhalle aus, setzten uns hin und sangen Hare Kṛṣṇa. E
VĀSUDEVA DĀSA: Die Rolle des spirituellen Meisters war mir damals noch nicht ganz klar. Jaya Govinda hatte ein Porträt Prabhupādas aus Indien mitgebracht, aber darauf sah er so hager und krank aus, dass es mir schwerfiel, seine transzendentalen Eigenschaften wertzuschätzen. Meine profane Vorstellung von Prabhupādas äußerer Erscheinung löste sich sofort auf, als ich ihn im Flughafen sah. Sobald er durch den Zoll kam, schien der goldenen Glanz seines strahlenden Gesichts und seiner safranfarbenen Gewänder alles in Licht zu tauchen. Als Prabhupāda auf uns zukam, schien er nicht zu gehen, sondern fast zu tanzen, und es machte den Eindruck, als schwebe er über den Boden. Wir brachten ihm Ehrerbietungen dar und chanteten weiter. Sein Lächeln zeigte seine Freude über unser Bestreben, ihm mit dem Chanten des heiligen Namens einen angemessenen Empfang zu bereiten.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Als Prabhupāda in die Ankunftshalle kam, blieben wir sitzen und sangen weiter. Sein schönes safranfarbenes Seidengewand beeindruckte mich — er wirkte strahlend und vornehm. Ein Inder aus Kalkutta hatte uns begleitet, und nachdem Prabhupāda einige Worte mit ihm gewechselt hatte, gingen Prabhupāda, sein Sekretär Puruṣottama und Maṇḍalibhadra, der ein Taxi bestellt hatte, zum Ausgang. Als Prabhupāda an uns vorbeiging, wussten wir nicht, ob wir weitersingen, uns verneigen oder aufstehen und ihm folgen sollten. Da sprang Jaya Govinda auf, lief auf Prabhupāda zu und warf sich ihm zu Füßen. Sichtlich bewegt von der liebevollen Geste seines Schülers, strich Prabhupāda ihm sanft über den Kopf. Danach stieg er ins Taxi, und wir packten schnell unsere Sachen zusammen und fuhren mit dem Bus zum Tempel.
MAṆḌALIBHADRA DĀSA: Während der Taxifahrt sprach Prabhupāda wenig. Er bemerkte, dass die schönen Gebäude ihn an die Häuser erinnerten, die die Briten in Kalkutta erbaut hatten. Es war früh am Sonntagmorgen, und die Straßen Hamburgs waren fast leer. Nach einer halben Stunde erreichte das Taxi die Fruchtallee, wo die Gottgeweihten ein Appartement gemietet hatten. Es lag im 15. Stock eines Hochhauses, nur fünf Minuten vom Ladengeschäft im Eppendorfer Weg entfernt, das zu klein war, um Gäste zu beherbergen.
Der erste Besuch
Prabhupāda war mit den getroffenen Vorkehrungen zufrieden, und schon bald hatte er sich mit Puruṣottama und Śivānanda, der sein persönlicher Diener während seines Aufenthaltes sein sollte, gut eingerichtet. Śivānanda informierte Prabhupāda, dass er einen Indologen der Hamburger Universität eingeladen habe, aber sonst keine weiteren Termine für Predigten arrangiert hätte, und dass er befürchte, es würden nur wenige Zuhörer zu Prabhupādas Vorträgen kommen, die für Montag, Mittwoch und Freitag vorgesehen waren. Prabhupāda blieb gelassen. Er war in erster Linie gekommen, um seine Schüler zu ermutigen und ihnen zu helfen, Fortschritte im Kṛṣṇa-Bewusstsein zu in der Öffentlichkeit war sicherlich willkommen, aber sein Hauptanliegen war, das Bewusstsein seiner Schüler zu erhalten und zu vertiefen. Er hatte auch kleine Radha-Kṛṣṇa-Mūrtis aus Messing mitgebracht, die er in Hamburg aufzustellen beabsichtigte.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Nachdem wir in Prabhupādas Appartement angekommen waren, sagte man mir, sein Diktiergerät funktioniere nicht. Mein Vater hatte ein Tonbandgerät. Ich bot also meine Hilfe an und machte mich sofort auf den Weg nach Hause. Ich überredete meinen Vater, nahm das Gerät und kehrte zum Appartement zurück. Dort wurde ich in Prabhupādas Zimmer geführt, weil ich ihm die Bedienung erklären musste. Bevor ich wieder ging, fragte ich ihn, ob ich eingeweiht werden könne, worauf er einfach nur zustimmend mit dem Kopf nickte. Gegen sieben Uhr abends versammelten wir uns wieder in Prabhupādas Appartement. Als ich aus dem Fahrstuhl trat, nahm ich den Geruch von Räucherstäbchen wahr und hörte die Klänge eines Harmoniums. Das Instrument war von einem Herrn Samantha, einem eingewanderten Geschäftsmann aus Kalkutta, gestiftet worden. Er schätzte die Gottgeweihten und verkaufte in seinem Laden Prabhupādas erste Schallplatte, Govinda. Wir mussten in Prabhupādas kleinem Zimmer ziemlich zusammenrücken. Prabhupāda saß mit dem Harmonium auf seinem Bett und sang „Kiba-jaya“, während Purusottama den Radha-Kṛṣṇa-Mūrtis eine ārati darbrachte. Die Gheelampe wurde herumgereicht, und ich lernte, wie man die Hand über die Flammen hält und dann die Stirn berührt. Ich saß direkt vor Prabhupāda und beobachtete, wie sich seine Finger über die Tasten bewegten. In solch einer einzigartigen und intimen Situation fühlte ich mich in eine andere Welt versetzt. Nach der ārati hörte Prabhupāda auf zu spielen. Ganz in der Nähe arbeitete jemand mit einer elektrischen Kreissäge, und das Kreischen der Säge erinnerte uns abrupt wieder an die materielle Welt. Prabhupāda richtete sich kurz an seine Schüler. Maṇḍalibhadras Mutter war auch gekommen, und als Prabhupāda ihr sagte, ein guter Sohn stamme von einer guten Mutter ab, war sie sichtlich berührt. Sie war Prabhupāda dankbar, und später bot sie uns in Berlin, wo sie wohnte, ihre Hilfe an.
VĀSUDEVA DĀSA: Sobald bestätigt war, dass Prabhupāda kommen würde, brauchten wir einen vyāsāsana. Ich wollte etwas Besonderes für ihn tun und bot mich daher an, einen zu bauen. Doch als ich um Geld für den Kauf von Holz und Stoff bat, erklärte mir Krishnadas, der für die Tempelkasse zuständig war, dass die finanzielle Lage eine so hohe Ausgabe nicht erlaube und dass ich die Materialien erbetteln solle. Also ging ich zu Hamburgs größten Kaufhäusern – Karstadt, C&A und Penndorf – und bat um Holzlatten, Sperrholzplatten und Stoffe. Ein HareKṛṣṇa-Mönch mit rasiertem Kopf und dhotī war noch immer ein ungewohnter Anblick. Die Leute hielten mich für einen Ausländer und halfen mir bereitwillig. Schon bald hatte ich alles, was ich brauchte, und ein paar Tage später war der Sitz fertig. Da er etwas wackelig war, musste sich Śivānanda daraufsetzen, um sicherzustellen, dass er das Gewicht eines Mannes tragen würde. Als letzten Schliff fügte ich ein hellblaues Baldachin hinzu. Als Prabhupāda den Sitz sah, warf er ihm einen skeptischen Blick zu. Mein Herz blieb fast stehen, als er die drei kleinen Stufen hinaufstieg, den Baldachin berührte, um zu prüfen, ob er fest sei, und schließlich mit einiger Mühe durch die Holzlatten hindurchkam und sich setzte. Er blickte erneut auf den Baldachin über sich, nicht ganz überzeugt, dass er wirklich halten würde, und wandte sich dann an die kleine Gruppe von Schülern und Gästen vor ihm. *** Prabhupādas erster Vortrag fand am Abend nach seiner Ankunft statt. Erfreut, die beiden neuen Schüler Oliver und Stefan zu sehen, hieß er sie sowie einige Gäste herzlich willkommen, darunter Dr. Franz Bernhard, den
Der erste Besuch
Indologieprofessor, den Śivānanda eingeladen hatte. Prabhupāda begann mit einem sanften kīrtana. Man hatte ihm mitgeteilt, dass die Nachbarn sich beschwerten, wenn das Singen zu laut wurde, und dass sie sogar die Behörden eingeschaltet hatten. Während Prabhupāda im winzigen Hamburger Tempel über Kṛṣṇa sprach, kamen ihm Zweifel, ob der Ort für die Aufstellung von Altargestalten geeignet sei. Nach der Vorlesung hatte er ein langes Gespräch mit Professor Bernhard. Der Indologe bat Prabhupāda höflich und respektvoll, ihm den Unterschied zwischen Advaitavāda und Kṛṣṇa-Bewusstsein zu erläutern. Im Laufe des Gesprächs wurde deutlich, dass er die Geweihten Kṛṣṇas für Hippies hielt, da Allen Ginsberg offenbar mit ihnen in Verbindung stand. Am nächsten Tag brachte Śrīla Prabhupāda seine Besorgnis darüber in einem Brief an Brahmānanda zum Ausdruck, der bei der Herausgabe der Zeitschrift Back to Godhead in den USA mithalf: Ich freue mich, dir mitteilen zu können, dass unser Flug von New York nach Hamburg sehr angenehm war und wir pünktlich wohlbehalten angekommen sind. Die Jungs waren da, um uns zu empfangen, und die Wohnung, die sie ausgewählt haben, ist sehr schön. Beiliegend sende ich dir einen Brief an Hayagrīva. Den zweiten Teil des Artikels über das Gespräch mit Allen Ginsberg sollten wir nicht veröffentlichen. Unser Leitfaden sollte es sein, in unseren Veröffentlichungen ausschließlich Artikel über Krishna-Bewusstsein in seinen verschiedenen Formen zu bringen. Wir befassen uns mit keiner anderen Bewegung außer dem Krishna-Bewusstsein in seiner reinen Form. In Indien sagt man, dass eine kleine Menge einer reinen Sache weit besser ist als Unmengen unreiner, verfälschter Dinge. Bitte versucht daher, diese Linie zu verfolgen und im BTG ausschließlich reine Artikel über Krishna-Bewusstsein zu veröffentlichen. Ich glaube nicht, dass ich hier die Altargestalten aufstellen kann, denn der Ort ist nicht besonders geeignet. Außerdem erhebt das Gesundheitsamt Einwände gegen unser Kirtan-Singen. Wie dem auch sei, die Geweihten machen ihre Sache sehr gut, und bei der Montagsversammlung war ein gewisser Dr. Franz Bernhard anwesend, ein gelehrter Indologe, der großes Interesse an unserer Bewegung zeigt. Gestern hatte ich etwa zwei Stunden lang ein Gespräch mit ihm, und er ist beeindruckt, wie du in dem Brief an Hayagrīva nachlesen kannst.
ŚIVĀNANDA DĀSA: Dr. Bernhard hatte Vaiṣṇavismus studiert, stimmte jedoch mit vielen philosophischen Konzepten nicht überein. Als er eine Frage zum Thema „kosmopolitisches Bewusstsein“ stellte, unterbrach Prabhupāda ihn: „Was meinen Sie mit kosmopolitischem Bewusstsein? Sie töten dort draußen Tiere“ – womit er auf einen Schlachthof in der Nähe unseres Tempels anspielte. Er erklärte, dass wahres kosmopolitisches Bewusstsein Kṛṣṇa-Bewusstsein bedeute, weil der Gottgeweihte in allen Lebewesen die gleiche Essenz sieht. Schließlich sind auch die Tiere Teile Kṛṣṇas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes. *** Śrīla Prabhupāda verbrachte zweieinhalb Wochen in Hamburg, vom 25. August bis zum 11. September, und obwohl der Himmel meist bedeckt und es für den Sommer recht kühl war, ging er regelmäßig zu einem Morgenspaziergang an die frische Luft.
ŚIVĀNANDA DĀSA: Bis auf wenige Ausnahmen war ich sein einziger Begleiter, da Prabhupādas Sekretär der Meinung war, dass Prabhupāda sich besser entspannen könne, wenn ihn beim Spaziergang nur eine Person begleite. Als ich Prabhupāda darauf ansprach, wischte er den Gedanken beiseite: „Was soll das? Wie kann man sich entspannen, wenn man spazieren geht?“ Wie dem auch sei, die Idee setzte sich durch, dass im Allgemeinen nur eine Person mit ihm gehen sollte – und das war ich. Aber von Zeit zu Zeit kamen auch die anderen Geweihten mit uns.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Eines Morgens gingen wir zu Prabhupādas Wohnung hinauf, als er sich gerade für den Spaziergang fertigmachte. Śivānanda half ihm, eine lange Unterhose anzuziehen. Gewöhnlich trug er einen dunklen Mantel und eine Mütze aus Kunstpelz, doch diesmal wickelte er einen orangefarbenen Schal um seinen Kopf. Als Krishnadas über die Art, wie er den Schal umlegte, kicherte, bemerkte Prabhupāda: „Oh, kleidet man sich hier nicht so?“ Wann immer ich an einem Spaziergang teilnahm, musste ich irgendwann die Gruppe verlassen und zur Arbeit gehen. Also warf ich mich dort auf der Straße zu Boden, um meine Ehrerbietungen darzubringen. Eines Morgens
Der erste Besuch
versank ich so tief in meine Gebete, dass Prabhupāda und die anderen Gottgeweihten bereits weitergegangen waren, als ich wieder aufstand. Die Leute starrten mich an und fragten sich, was ich auf dem Boden gemacht hatte.
VĀSUDEVA DĀSA: Als wir Prabhupāda auf seinen Morgenspaziergängen begleiteten, ging ich gewöhnlich ein wenig voraus, um den Weg freizumachen, Hindernisse wie herabgefallene Äste zu beseitigen oder auf Pfützen hinzuweisen. Einmal wollte sich Prabhupāda im Hafen auf eine Bank setzen, und da sie noch nass war, breitete ich meine Jacke aus, damit Prabhupāda darauf sitzen konnte. Als er mein bescheidenes Angebot tatsächlich annahm, war ich überglücklich und trug die Jacke später so lange, bis sie fast in Fetzen war.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Eines Morgens begleiteten wir Śrīla Prabhupāda mit der U-Bahn vom Tempel am Eppendorfer Weg zu den Landungsbrücken im Hamburger Hafen. Auf der Fahrt hatte er seine schwarze Mütze abgenommen und neben sich gelegt. Als wir aussteigen mussten, stand er auf und ließ die Mütze liegen. Im letzten Augenblick bemerkte es jemand und rief: „Prabhupādas Mütze!“ Einer der Mitreisenden hielt die Türen offen, ich sprang zurück in den Wagen, holte die Mütze und gab sie Prabhupāda, bevor die U-Bahn weiterfuhr. Damals arbeiteten die Werften rund um die Uhr. Als wir die U-BahnStation verließen, kamen uns zahlreiche Arbeiter entgegen, die gerade ihre Nachtschicht beendet hatten. Sie wirkten erschöpft und abgearbeitet. Inmitten dieser Atmosphäre führten wir Prabhupāda durch den Hafen. Dort beobachteten wir, wie ein großes Schiff mit dem Bug voran von Schleppern ins Hafenbecken gezogen wurde. Ozeanriesen sind selbst zu träge und schwer, um in den engen Becken sicher zu manövrieren und könnten Kollisionen nicht vermeiden. Deshalb stellen sie ihre Motoren ab und lassen sich von Schleppern bugsieren. Als Prabhupāda das Manöver sah, bemerkte er: „Seht ihr? Dieses Schiff ist sehr groß, aber es wird von einem kleinen Boot gezogen. Ebenso werden wir, wenn wir unser Kṛṣṇa-Bewusstsein abschalten, von Māyā fortgezogen.“
Manchmal gingen wir auch zur Christuskirche, die in der Nähe von Prabhupādas Apartement lag. Dort setzte sich Prabhupāda gern auf eine Bank und sprach mit seinen Schülern. Da es damals weder Mobiltelefone noch andere einfache Aufnahmegeräte gab, versuchten wir, seine Bemerkungen und Gespräche so gut wie möglich schriftlich festzuhalten. Deshalb hatte fast immer jemand ein Notizbuch zur Hand – meistens war es Maṇḍalibhadra –, um seine Worte aufzuschreiben.
ŚIVĀNANDA DĀSA: Nach der Rückkehr von den Spaziergängen ging ich gewöhnlich sofort in die Küche und bereitete das Frühstück zu. Ehrlich gesagt hatte ich kaum Erfahrung, aber irgendwie ergab es sich so. Zum Frühstück hatte Prabhupāda meist Früchte und geröstete Nüsse. Nicht weit vom Tempel gab es ein Obstgeschäft, dessen Inhaber uns sehr wohlgesonnen war. Als er hörte, dass Prabhupāda zu Besuch gekommen war, besorgte er erstklassige Früchte auf dem Großmarkt, die wir dann zu einem sehr günstigen Preis von ihm kauften. Während ich einmal in der Küche das Mittagessen zubereitete, kam Prabhupāda an die Tür und sagte: „Komm mit mir.“ Ich folgte ihm in sein Zimmer, wo er einen kleinen Schrank öffnete, in dem er einen Altar für Rādhā und Kṛṣṇa eingerichtet hatte. „Du bist in der Küche“, sagte er, „aber du musst wissen, dass du eigentlich für Sie kochst, nicht für mich.“ Damals gab es in ISKCON nur wenige mūrtis, und ich hatte praktisch keine Ahnung, was ihre Verehrung bedeutete. Prabhupāda versuchte in seiner Güte, mir die Bedeutung des Dienens am Herrn in Seiner Altargestalt bewusst zu machen, aber ich muss zugeben, dass ich nicht viel von dem verstand, was er mir zu vermitteln versuchte. Prabhupāda aß genügsam, sodass auf seinem Teller gewöhnlich genug Reste übrigblieben, um als mein Frühstück zu dienen. Ich muss gestehen, dass ich damals ziemlich selbstsüchtig war und die Reste meistens alleine aß. Aber eines Morgens waren kaum noch Reste übrig, und ich hatte noch Hunger. Also machte ich mir etwas Grießbrei, indem ich Grieß mit Wasser und Zucker aufkochte. Als ich mit der Opferung fertig war, stand Prabhupāda in der Tür und fragte: „Was war das?“ Ich erklärte ihm, dass ich etwas Grießbrei gekocht hatte. „Bekommst du nicht genug zu essen?“, fragte er.
Der erste Besuch
„Nun“, antwortete ich, „ich hatte heute Morgen ein wenig Hunger.“ „Gut, komm her“, sagte er und ging zum Herd, wo er mir zeigte, wie man halavā macht. Und er machte es wirklich schnell. Ich glaube, es dauerte nicht länger als fünf Minuten. Er gab etwas Ghee und Grieß in einen Topf und drehte die Flamme ganz hoch. Normalerweise röstet man den Grieß langsam, damit er nicht anbrennt, und gibt am Schluss eine Mischung aus heißem Wasser und Zucker hinzu. Aber Prabhupāda kochte den Grieß sehr schnell mit dem Ghee, fügte dann etwas Zucker hinzu, goss Wasser darüber – und psssch! Das wars. Als der halavā fertig war, sagte er: „Wenn du etwas essen möchtest, mach einfach halavā.“ Nach dem Frühstück pflegte Prabhupāda zu chanten und Briefe zu beantworten, während ich sein Mittagessen zubereitete. Da ich, wie schon erwähnt, wenig Ahnung vom Kochen hatte, dachte ich aus irgendeinem Grund, Auberginen seien das beste Gemüse, das man zubereiten könne. Jeden Tag machte ich also ein anderes Auberginengericht, bis mich Prabhupāda eines Morgens in sein Zimmer rief und wissen wollte: „Was kochst du heute zum Mittagessen? Ich hoffe keine Auberginen!“ „Oh nein!“, dachte ich, „jetzt habe ich ein Problem.“ Aber ich ergab mich meinem Schicksal und fragte nur demütig: „Prabhupāda, was hättest du denn gerne?“ „Gibt es hier Kohl?", wollte er wissen. In Amerika sind die Deutschen als Krauts bekannt wegen ihrer großen Vorliebe für Sauerkraut, das aus Kohl gemacht wird, also antwortete ich: „Oh ja, Prabhupāda, hier gibt es reichlich Kohl, kein Problem.“ Nachdem ich Kohl besorgt hatte und in die Küche gegangen war, erschien Prabhupāda plötzlich an der Tür und fragte: „Weißt du, wie man Kohl zubereitet?“ Meine bejahende Antwort überzeugte ihn nicht, also erklärte er: „Du nimmst den Kohl und schneidest ihn in feine Streifen, dann gibst du ihn in einen Topf mit Butter, Salz und Pfeffer und deckst ihn ab. Kein Wasser. Der Kohl gart in seinem eigenen Saft.“ Also tat ich das, und es schmeckte ihm sehr gut. Einmal wollten wir Mangos kaufen, konnten aber nur grüne finden. Wir wussten, dass Prabhupāda zum Mittagessen gerne eine Mango aß, da sie eine gewisse Heilwirkung hat, aber die grünen Mangos waren ziemlich hart, und ich war mir nicht sicher, wie ich sie zubereiten sollte. An jenem Tag kam
Prabhupāda erneut in die Küche, um nachzusehen, wie ich vorankam und was ich zubereitete. Als er die grünen Mangos sah und erfuhr, dass ich nicht wusste, was ich damit anfangen sollte, sagte er: „So bereitet man sie zu: Du schälst die Mangos, schneidest sie in Stücke, schmilzt dann etwas Zucker, vermischst die Stücke damit, kochst es eine Weile, und danach gibst du alles in einen Behälter und lässt es ziehen.“ Ich folgte seinen Anweisungen, und nach etwa einer Woche war der Saft der Mangos mit dem Zucker verschmolzen und das Ganze hatte eine violette Farbe angenommen. Ich schätze, es ist eine Art Mango-Chutney. Prabhupāda nahm jeden Tag ein wenig davon zu seinem Mittagessen. Kurz zuvor war Prabhupāda zur Küchentür gekommen und hatte mir gesagt, ich solle darauf achten, nichts zu verschwenden. Als ich nach der Zubereitung des Mango-Chutneys die Mangoschalen auf dem Tisch sah, dachte ich: „Mensch, ich muss aufpassen, dass ich nichts verschwende.“ Also ging ich zu ihm und fragte, was ich damit machen solle. Er lächelte nur und meinte: „Oh, wenn du etwas damit machen willst, gib etwas Senföl und Salz dazu und iss sie so.“ Also nahm ich etwas von dem Senföl, das ich für Prabhupādas Massage verwendete, gab ein wenig zu den Schalen, streute etwas Salz darauf und versuchte sie zu essen, aber sie schmeckten wirklich schrecklich. Später brachte ich diese Zubereitung in den Tempel, und einige der Gottgeweihten probierten sie, aber niemand mochte sie außer Maṇḍalibhadra, der alles aufaß.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Als Śivānanda uns zum ersten Mal die Reste von Prabhupādas prasādam brachte, drängten wir uns sofort um ihn und streckten unsere Hände aus. Er hatte etwas Khadi-Soße, die er in ein Glasröhrchen gefüllt hatte. Es war eine sehr kleine Menge, und er gab jedem Gottgeweihten nur ein paar Tropfen. Der Geschmack war unbeschreiblich. Für uns schmeckte es wie reiner Nektar. Offenbar hatte Śivānanda Schwierigkeiten mit dem Zubereiten von Chaunce, denn nachdem Prabhupāda abgereist war, beschwerte sich der Wohnungsinhaber über die Küche. An den Wänden waren überall Flecken und Spritzer, und der Schrank war rußgeschwärzt. Der ganze Raum roch nach
Der erste Besuch
Ghee und Räucherstäbchen. Wir mussten die gesamte Küche streichen, um sie in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.
ŚIVĀNANDA DĀSA: Die gewohnte Zeit für Prabhupādas Massage war um 11:30 Uhr, vor dem Mittagessen um 13:00 Uhr. Nach einem kurzen Mittagsschlaf empfing er Schüler und Gäste im Tempel, und abends trank er heiße Milch und ging gegen 22:00 Uhr zu Bett. Ich weiß nicht, wann er aufstand, denn ich schlief stets tief und fest. Er übersetzte während der Nacht und arbeitete am The Nectar of Devotion. Eine Stunde nach Sonnenaufgang ging er spazieren. Ungefähr gegen 11.30 Uhr war ich mit dem Kochen fertig und ging zur Massage. Prabhupāda zu massieren war etwas ganz Besonderes, da es solch ein persönlicher Dienst ist. Aber genau so wie mit dem Kochen, wusste ich auch über Massieren wenig. So musste mir Prabhupāda erst einmal alles zeigen, indem er mich selbst massierte und gleichzeitig den Zweck der Massage erklärte. Er sagte: „Mit zunehmendem Alter neigt das Verdauungssystem dazu, langsamer zu arbeiten, was bakterielle Fermentationsprozesse und die Entstehung von Gasen begünstigt. Gezielte Massagen können die Darmtätigkeit anregen und den Abtransport dieser Gase unterstützen, was Krankheiten vorbeugt.“ Prabhupāda bevorzugte eine recht kraftvolle Massage, und wollte, dass ich so fest drückte wie ich konnte, aber ich war immer zu vorsichtig, denn es handelte sich doch um den Körper meines spirituellen Meisters. Demzufolge machte sich Prabhupāda über meine Bemühungen lustig und bezeichnete sie als Streicheleien. Prabhupāda zu dienen war anspruchsvoll, und so war ich immer etwas nervös. Ich empfand meinen Dienst als eine Herausforderung, da ich einen ziemlich engen Zeitplan hatte. Infolgedessen fühlte ich mich bei den Morgenspaziergängen oft übermüdet. Ich glaube, Prabhupāda bemerkte es. Eines Tages kamen wir aus dem Haus, gingen die Straße entlang und schlenderten durch einen kleinen Park. Wir gingen um einen See herum und kamen zu einigen Parkbänken. Plötzlich hielt Prabhupāda an und sagte: „Gut, setzen wir uns und ruhen wir uns eine Weile aus.“
Prabhupāda saß so aufrecht, dass sein Körper nicht einmal die Rückenlehne berührte, aber ich war so erschöpft, dass ich, sobald ich mich hinsetzte, gewissermaßen in mich hineinsackte. Nach einer Weile schaute ich zur Seite und sah, dass er wie ein Aristokrat da saß. Dann drehte Prabhupāda den Kopf und sah mich an. Als sich unsere Blicke trafen, dachte ich sofort: „Oh nein, ich kann mich nicht so gehen lassen, wenn Prabhupāda so gerade dasitzt.“ Also richtete ich mich schnell auf, und als Prabhupāda wieder herüberblickte, nickte er zustimmend, als wollte er sagen: „Ja, so sitzt man richtig.“ Nach meiner Rückkehr in den Tempel berichtete ich den Gottgeweihten von diesem humorvollen Ereignis. Am nächsten Morgen kam eine ganze Schar Gottgeweihte mit uns auf den Spaziergang. Wir gingen in einen anderen Park, und Prabhupāda setzte sich wieder auf eine Bank, genau wie am Tag zuvor. Alle waren gut vorbereitet und setzten sich genau so wie er — aufrecht und mit schön geradem Rücken. Als Prabhupāda seine Schüler so dasitzen sah, lächelte er und nickte zustimmend. An einem Sonntag konnte ich wegen meines anspruchsvollen Dienstplans und auch, weil ich das Festmahl im Tempel gekocht hatte, meine JapaRunden nicht beenden. Mir fehlten vielleicht noch vier Runden. Am nächsten Morgen war mein Geist wie aufgewühlt. Ich versuchte mich zu beherrschen, aber während des Morgenspaziergangs fragte ich Prabhupāda: „Was soll ich tun, wenn ich zu beschäftigt war, um alle sechzehn Runden zu chanten?“ „Dann solltest du auf Schlaf verzichten, um mehr Zeit zu haben“, lautete seine Antwort. Ich überlegte kurz und kam zu dem Schluss, dass dies am Vortag nicht möglich gewesen wäre. Also fragte ich noch einmal: „Was, wenn das nicht möglich ist?“ Prabhupāda sah mich an und antwortete: „Dann solltest du sie am nächsten Tag nachholen.“ Ich schätze, weil ich meine Runden nicht beendet hatte, war ich in einer Art herausfordernder Stimmung, also erwiderte ich: „Und wenn das nicht möglich ist?“ Prabhupāda blieb stehen und sah mich streng an. „Dann solltest du für Kṛṣṇa arbeiten gehen!“ Sofort nahm ich meinen Japa-Kette und begann zu chanten: „Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa.“ Ein anderes Mal saßen wir mit Maṇḍalibhadra auf einer Parkbank. Er pflegte alles aufzuschreiben, was Prabhupāda sagte, da wir kein tragbares
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Tonbandgerät hatten. Eine Frau kam mit ihrem Hund vorbei. Obwohl es ein öffentlicher Park war und wir friedlich dasaßen, begann der Hund plötzlich, uns anzubellen. Prabhupāda bemerkte dazu: „Seht nur! Das ist die hündische Mentalität. Wir tun nichts; wir befinden uns nicht einmal auf seinem Grundstück, und er kommt und bellt uns an.“ *** An einem der Vortragsabende sprach Prabhupāda über einen Vers aus dem Viṣṇu Purāṇa: viṣṇu-śakti parā prokta kṣetrajñākhya tathā parā avidyā-karma-saṁjñānyā tṛtīyā śaktir iṣyate Die innere Kraft des Höchsten Herrn Viṣṇu ist, wie die śāstras bestätigen, von spiritueller Natur. Es gibt noch eine andere spirituelle Kraft, die als kṣetra-jña, das Lebewesen, bekannt ist. Die dritte Kraft, die als avidyā, Unwissenheit, bekannt ist, macht das Lebewesen gottlos und erfüllt es mit karma, fruchtbringendem Tun. Prabhupāda erklärte, dass die Energie und ihre Quelle nicht verschieden sind, so wie das Licht der Sonne und der Planet Sonne im Wesentlichen von gleicher Qualität sind, obwohl sie unterschiedlich in Erscheinung treten. Ebenso ist die Energie des Herrn von Natur aus spirituell, erscheint aber in verschiedenen Formen. Er fuhr fort: Demnach ist alles gleichzeitig eins mit dem Höchsten Herrn und verschieden von Ihm. Es gibt zwei Klassen von Philosophen. Eine Klasse sagt, Gott und die Lebewesen seien verschieden, während eine andere Klasse, die monistischen Philosophen, behaupten, Gott und die Lebewesen seien eins. Śrī Caitanya Mahāprabhus Philosophie des acintya-bhedābheda besagt, dass Gott und die Lebewesen gleichzeitig eins und verschieden sind. Sie sind qualitativ eins, so wie die Energie und der Energieursprung, der Sonnenschein und die Sonne selbst. Qualitativ gibt es im Sonnenschein Wärme und Licht. Im Sonnenkörper gibt es auch Wärme und Licht, aber die Grade sind völlig verschieden. Man kann die Wärme und das Licht des Sonnenscheins ertragen, aber man kann nicht zur Sonne gehen oder die Hitze dort ertragen. Als nächstes erklärte er, dass wir Lebewesen, obwohl qualitativ eins mit Kṛṣṇa, quantitativ winzig sind, ja sogar kleiner als ein Atom. Selbst wenn wir dank wissenschaftlichen Fortschritts alle Atome im Universum zählen könnten, wären wir dennoch nicht in der Lage, die Höchste Persönlichkeit Gottes mit unseren materiellen Sinnen wahrzunehmen. Er zitierte den Bhakti-rasāmṛtasindhu (1.2.234): ataḥ śrī-kṛṣṇa-nāmādi na bhaved grāhyam indriyaiḥ sevonmukhe hi jihvādau svayam eva sphuraty adaḥ Da Kṛṣṇas Gestalt sowie Seine Eigenschaften und Spiele alle auf der absoluten Ebene existieren, können die materiellen Sinne sie nicht wahrnehmen. Aber wenn ein bedingtes Lebewesen zum Kṛṣṇa-Bewusstsein erwacht und dem Herrn dient, indem es seine Zunge benutzt, um den heiligen Namen zu chanten und die Überreste der dem Herrn geopferten Speisen zu kosten, wird die Zunge geläutert, und man beginnt allmählich zu verstehen, wer Kṛṣṇa wirklich ist. Während sein junges Publikum mit gespannter Aufmerksamkeit zuhörte, beschrieb Prabhupāda die Bedeutung der Zunge im Dienst des Herrn. Auf diese Weise können auch alle anderen Sinne allmählich beherrscht werden. Er verwies auf die Prasādam-Gebete Bhaktivinoda Ṭhākuras und verglich unseren gegenwärtigen bedingten Zustand mit dem eines in einem Netz gefangenen Fisches und sagte, dass unsere Gefangenschaft in diesem Netz der Unwissenheit nur aufgrund der gefährlichen Sinne fortbestehe: Der menschliche Körper ist ein großes Geschenk für das Lebewesen, das sich durch den Kreislauf von Geburt und Tod bewegt und dabei ständig seinen Körper wechselt. Als Mensch bietet sich ihm jetzt die Gelegenheit, die Zunge richtig zu verwenden und aus diesem Kreislauf herauszugelangen. Sevonmukhe hi jihvādau. Sevā bedeutet „Dienst“ und jihva adau bedeutet „beginnend mit der Zunge“. Wenn wir also unsere Zunge immer damit beschäftigen, den Hare Kṛṣṇa mantra zu chanten, können wir immer mit Kṛṣṇa in Verbindung bleiben, denn der Klang Kṛṣṇa ist von Kṛṣṇa nicht verschieden. Kṛṣṇa ist absolut. Sobald meine Zunge Kṛṣṇas heiligen Namen berührt, bedeutet dies, dass sie sich mit Kṛṣṇa verbindet. Wenn ihr also durch das Chanten dieses mantras ständig mit Kṛṣṇa in Verbindung bleibt, dann stellt euch vor, wie leicht ihr geläutert werdet. Und weil eure Zunge schmackhafte Speisen kosten möchte, ist Kṛṣṇa so gütig und gibt euch Hunderttausende von schmackhaften Gerichten, Reste von Speisen, die Er persönlich gekostet hat. Esst davon. Wenn ihr einfach den Entschluss fasst, eurer Zunge nicht zu erlauben, etwas zu kosten, das nicht
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Kṛṣṇa geopfert wurde, und eure Zunge immer damit beschäftigt, Hare Kṛṣṇa zu chanten, dann ist alle Vollkommenheit in eurer Reichweite. Prabhupāda erklärte weiter, dass geläutertes Chanten schließlich dazu führen würde, transzendentale Glückseligkeit zu erfahren. Folglich habe Rūpa Gosvāmī den Wunsch geäußert, Millionen von Zungen und Ohren zu haben, um das Chanten von Hare Kṛṣṇa voll genießen zu können. Er warnte seine Schüler jedoch davor, solch eine fortgeschrittene Stufe nachzuahmen, indem sie versuchten, Kṛṣṇa mit ihren gegenwärtigen, unreinen Sinnen zu verstehen. Dies würde unweigerlich dazu führen, die Liebesbeziehungen von Rādhā und Kṛṣṇa für gewöhnliche Liebeleien zu halten. Sich über die materielle Ebene zu erheben, sei nur möglich, wenn der Spiegel des Herzens durch Chanten ohne Vergehen gereinigt sei. *** Am 3. September feierten Prabhupāda und seine Anhänger Janmāṣṭamī, den Jahrestag von Kṛṣṇas Erscheinen. Es ist unter Kṛṣṇa-Geweihten üblich, an diesem Tag bis Mitternacht zu fasten und mehr zu chanten und zu lesen, aber Prabhupāda wählte den Morgen dieses glückverheißenden Anlasses, um die neuen Schüler einzuweihen.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Als Prabhupāda mich mit meinen langen Haaren vor sich sitzen sah, fragte er die älteren Schüler, warum ich mir nicht den Kopf rasiert hätte. Diese fragten mich ihrerseits, aber wir waren alle so unerfahren, dass wir keine befriedigende Erklärung geben konnten. Da die Zeremonie kurz vor dem Beginn stand, war es zu spät, um noch etwas zu unternehmen. Während seines Vortrags zeigte Prabhupāda plötzlich auf das Bild des Pañcatattva, das an der Wand hing, und sagte: „Entweder rasiert ihr euren Kopf oder schneidet euch nie die Haare.“ Ich wurde dann so eingeweiht, wie ich war, und da ich an meinen Haaren hing, rasierte ich sie auch nicht danach sofort ab. Erst allmählich begann ich, die Länge zu reduzieren, indem ich meine Haare von Zeit zu Zeit etwas kürzer schnitt. Als ich Prabhupāda meine Gebetskette reichen sollte, damit er darauf chanten konnte, war sie ineinander verschlungen, und ich konnte sie nicht gleich entwirren. Er sah mich ernst an und sagte: „Das ist Māyā.“
*** Die Voraussetzungen, als Schüler angenommen zu werden, waren minimal. Prabhupāda akzeptierte Oliver und Stefan bereitwillig als seine Schüler, obwohl sie erst wenige Wochen am Tempelleben teilgenommen hatten, und er weihte sogar ein junges Paar ein, das gerade erst begonnen hatte, den Tempel zu besuchen. Als die Einweihungszeremonie begann, zeigte Prabhupāda den Anwärtern, wie sie Hände und Mund reinigen sollten, und erklärte die Bedeutung eines mantras, den sie gerade nachgesprochen hatten: oṁ apavitraḥ pavitro va sarvāvasthaṁ gato ’pi va yaḥ smaret pundarikākṣam sa bahyābhyantaram śuciḥ śrī viṣṇu śrī viṣṇu śrī viṣṇu „Jemand mag unrein oder rein sein; wenn er an den Herrn denkt, dessen Augen wie Lotosblütenblätter sind, wird er äußerlich und innerlich geläutert. Śrī Viṣṇu! Śrī Viṣṇu! Śrī Viṣṇu!“ Die Bewegung für Kṛṣṇa-Bewusstsein will die Menschen von dem verunreinigten Zustand des materiellen Daseins läutern. Ein Lebewesen ist eigentlich rein, weil es ein integraler Teil Gottes, des höchsten Reinen, ist. Aber hat es seine ewige Beziehung zu Gott aufgrund seines unreinen Zustands vergessen. Diese Einweihung bedeutet, dass jemand vom spirituellen Meister als Schüler angenommen wird, um ihn allmählich in den geläuterten Zustand zu führen, in dem er sich selbst und Gott erkennen kann. Im verunreinigten Zustand können wir uns Gott nicht nähern. Wenn man zum Beispiel einen bestimmten Ort betreten möchte, muss man sich den dortigen Bedingungen anpassen. Menschen fliegen zum Mond. Dort soll es sehr kalt sein. Also gehen sie in einem speziellen Anzug dorthin. Ähnlich verhält es sich mit dem spirituellen Reich, dem Planeten, auf dem Kṛṣṇa lebt. Wenn ihr dort eintreten wollt, müsst ihr geläutert sein. Prabhupāda fügte hinzu, dass der Versuch, zum Mond zu gelangen, zwangsläufig scheitern müsse, weil die Menschen sich nicht an die Atmosphäre anpassen könnten. Aber Kṛṣṇa-Bewusstsein sei so mächtig, dass es uns ermögliche, unseren Zustand so zu verändern und anzupassen, dass wir nach dem Verlassen dieses Körpers Kṛṣṇas Planeten betreten könnten. Wenn wir mit Kṛṣṇa-Bewusstseins bzw. dem Klang von Hare Kṛṣṇa Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa Hare Hare / Hare Rāma Hare Rāma, Rāma Rāma Hare Hare
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immer in Verbindung blieben, sei es garantiert, dass wir uns rein und frei von jeder materiellen Verunreinigung halten könnten. Er schloss seinen Vortrag mit den Worten: Also versuchen wir im Namen Kṛṣṇas, dieses Wissen zumindest in diesem Teil der Welt zu verbreiten. Nun werden diejenigen, die vom Glück begünstigt sind, es annehmen und davon profitieren. Es liegt an euch. Jede individuelle Seele ist unabhängig. Sie mag es annehmen oder auch nicht. Aber wenn sie es annimmt, ist es zu ihrem Nutzen. Gott greift niemals in eure Unabhängigkeit ein. Nein. Er wird das niemals tun; andernfalls, was wäre der Sinn des Lebewesens? Tote Materie hat keine Unabhängigkeit. Selbst ein großer Berg hat keine Unabhängigkeit. Er steht still. Aber eine kleine Ameise, sogar ein Mikrobe, hat Unabhängigkeit, weil es ein Lebewesen ist. Also hat Gott euch ein wenig Unabhängigkeit gegeben. Unabhängigkeit bedeutet nicht, dass ihr sie missbrauchen sollt. Ihr sollt sie richtig nutzen. Und worin besteht diese richtige Nutzung? Im liebenden Dienst für Gott tätig zu sein. Ihr seid alle Bürger dieses deutschen Staates. Wofür seid ihr bestimmt? Ihr seid dazu bestimmt, dem Staat zu dienen. Dies ist ein kleiner Staat. Aber es gibt einen unendlich großen Staat, die kosmische Schöpfung. Dieser Staat gehört Kṛṣṇa, Gott. Es ist nur natürlich, dem höchsten Staat, dem höchsten Willen, zu dienen. Solange ihr dem höchsten Staat gutwillig dient, ist eure Unabhängigkeit als Bürger gewährleistet. Aber sobald ihr euch gegen den Staat auflehnt, ist eure Unabhängigkeit dahin. Unser jetziges bedingtes Leben ist auf unsere rebellische Haltung gegenüber Gott zurückzuführen. Sobald wir bereit sind, uns zu ergeben und durch transzendentalen liebenden Dienst eins mit Ihm zu sein, wird alles ins rechte Lot gebracht. Die Bewegung für Kṛṣṇa-Bewusstsein will die Menschen lehren und ihnen mit diesem praktischen Vorschlag helfen, sich auf diese Ebene zu erheben. BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Wegen des starken Akzents fiel es mir schwer, Prabhupādas Vortrag zu folgen, aber ich hörte dennoch aufmerksam zu, weil er so ernsthaft und eine so einzigartige Persönlichkeit war. Einfach dadurch, dass ich ihn die ganze Zeit anschaute, akzeptierte ich alles, was er sagte.
ŚIVĀNANDA DĀSA: Nachdem Prabhupāda auf der Gebetskette jedes Kandidaten gechantet hatte, rief er die zukünftigen Schüler einen nach dem anderen zu sich. Nachdem sie die vier regulativen Prinzipien genannt hatten, händigte er ihnen ihre Kette aus und gab ihnen neue Namen. Oliver wurde Vāsudeva Dāsa; Stefan, Sucandra Dāsa, und das Paar erhielt die Namen Viśvanātha Dāsa und Kuntī Devī Dāsī. Dass Prabhupāda das Paar einweihte, überraschte uns alle. Es war nur seiner grundlosen Barmherzigkeit zu verdanken und seinem starken Wunsch, selbst den kleinsten Funken des Interesses am Kṛṣṇa-Bewusstsein zu schüren. Die beiden hatten keine andere Qualifikation gezeigt als ein wenig Anziehung, und leider verließen sie ein paar Wochen später den Tempel und kehrten nie wieder zurück. Als wir Prabhupāda per Brief davon in Kenntnis setzten, deutete er in seiner Antwort indirekt an, dass ein Teil des Grundes für ihr Weggehen unsere Unerfahrenheit im Umgang mit ihnen gewesen sein könnte. Es ist schade, dass Viśvanātha und Kunti Devi die Einweihung nicht ernst genommen haben. Was kann man machen? Sie werden bis zum nächsten Leben warten müssen oder, wenn Krishna barmherzig ist, werden sie sicher wiederkommen. Ich freue mich, dass das nette Mädchen, das bei der VyasaPuja-Zeremonie dabei war, jetzt öfter kommt. Versucht jeden der Interesse zeigt, richtig zu unterweisen. Alles hängt vom Predigen ab. Prabhupāda hatte seine älteren Schülern beauftragt, die notwendigen Zutaten für die Durchführung des Feueropfers zu besorgen. Nachdem die Getreidekörner, das Ghee und etwas Brennholz — die Stücke einer alten Holzkiste — zusammengetragen worden waren, bereitete er in dem Tempelraum eine kleine Opferstätte vor und entzündete, mit Krishnadas als Helfer, das Feuer und vollzog die Zeremonie.
VĀSUDEVA DĀSA: Nach der Einweihung verteilte Prabhupāda Blumen an alle, und später durften wir in sein Zimmer kommen. Ich nutzte die Gelegenheit und überreichte ihm ein Ölgemälde von Kṛṣṇa, das ich für ihn angefertigt hatte. Ich war etwas ängstlich bei dem Gedanken, allein mit meinem spirituellen Meister zu sein, aber sobald ich in Prabhupādas Gegenwart kam, verschwand meine Angst. Er war wie ein Vater. Als ich ihm das Gemälde zeigte, sah er mich mit einem Lächeln an und zeigte mit dem Finger auf Kṛṣṇa: „Das ist Vāsudeva, und du bist Vāsudeva Dāsa, der Diener von Vāsudeva.“ Ich nickte einfach zustimmend. Ich verstand die tiefe Bedeutung von Prabhupādas Worten nicht wirklich. Ich hatte nur eine vage
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Vorstellung davon, was es bedeutete, ein Diener zu sein, ganz zu schweigen davon, Kṛṣṇas Diener zu sein.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Am späten Nachmittag des Janmāṣṭamī-Festes versammelten wir uns im Tempelraum, und Hayagrīva, der am Tag zuvor aus den USA eingetroffen war, las aus dem Manuskript des noch unveröffentlichten Kṛṣṇa-Buches vor. Prabhupāda saß auf seinem vyāsāsana und war ganz versunken in Kṛṣṇas Spiele. Es war das erste Mal, dass ich je gefastet hatte, und ich wurde allmählich schwach und benommen. Trotzdem brachte ich es fertig, stundenlang dazusitzen und den Beschreibungen aus dem Kṛṣṇa-Buch zuzuhören. Am Abend ließ sich Prabhupāda den Kopf rasieren, etwas, das er normalerweise nur jeden Ekādaśī tat. Krishnadas betrachtete dies als seinen bevorzugten Dienst und so rasierte er Prabhupādas Kopf mit großer Sorgfalt, während wir gespannt zusahen. Kurz vor Mitternacht kam Herr Samantha in Begleitung eines bengalischen Geschäftsmannes. Nach Mitternacht, als Prabhupāda dabei war, das Fasten zu brechen, boten sie ihm einen Teller mit Früchten an, den sie für ihn vorbereitet hatten, worauf er ein kurzes Gespräch mit ihnen auf Bengalisch führte. Viele Jahre später traf ich einen von ihnen in Hamburg wieder, und er erzählte mir, dass Prabhupāda sie gebeten hatte, uns zu helfen. *** Am nächsten Tag begingen die Gottgeweihten eine weitere glückverheißende Feier: Vyāsa-pūjā, der Erscheinungstag des spirituellen Meisters. In seinem Vortrag sprach Prabhupāda über die Pflicht eines echten spirituellen Meisters und äußerte den Wunsch, dass alle seine Schüler diese Pflicht auf sich nehmen und die nächsten spirituellen Meister werden mögen: Es ist nicht so, dass der spirituelle Meister eine bestimmte Person ist. Der spirituelle Meister ist ein tattva, eine Wahrheit. Und was ist diese Wahrheit? Die Wahrheit ist saṁsāra-dāvānala-līḍha-loka-trāṇāya kāruṇyaghanāghanatvam. Die ganze Welt steht in Flammen und verbrennt in den materiellen Qualen der dreifachen Leiden. Und jemand, der befugt ist, die Menschen von diesen materiellen Qualen zu befreien, wird als spiritueller Meister bezeichnet.
Die Pflicht des spirituellen Meisters ist es also, die Lebewesen zu retten, die so sehr von dem Waldbrand des materiellen Daseins bedrängt werden. Das ist die Pflicht des spirituellen Meisters. Saṁsāra-dāvānala-līḍha-loka. Die ganze Welt steht in Flammen, und so wie in dem lodernden Feuer eines Waldbrands die Tiere hin und her laufen und manche von ihnen sterben, so steht es um die ganze Welt. Wie kann man solch ein Lauffeuer löschen? Mit der Feuerwehr oder ein paar Eimer Wasser? So kann man keinen Waldbrand löschen. Das ist unmöglich. Eine Löschung ist nur möglich, wenn sich über dem Feuer Wolken bilden und es zu regnen beginnt. Dann kann ein Waldbrand gelöscht werden. Keine künstlichen Mittel, keine wissenschaftliche Entdeckung, keine Feuerwehr oder Feuerlöscher. Wir haben so viele Dinge erfunden, aber bei einem Waldbrand sind diese Mittel nutzlos. Nichts hilft. Das einzige Mittel ist Wasser aus einer Wolke. Das wird von Gott veranlasst. Das liegt nicht in unserer Hand. Wir können keine Wolken erzeugen. Wolken entstehen auf Gottes Anordnung hin. Ghanāghanatvam. „Freigebig wie eine Regenwolke.“ Warum wird dieses Beispiel gegeben? Wenn es aus einer Wolke regnet, fällt Wasser in ausreichender Menge, aber wenn wir aus einem Eimer Wasser gießen, wie lange können wir das tun? Der spirituelle Meister muss deshalb wie eine Regenwolke sein. Und das ist nur möglich, wenn er einer Folge von spirituellen Meistern angehört. Er muss Kraft aus einer höheren Quelle schöpfen. Dann ist es möglich, dass durch seine Unterweisungen das in unserem Herzen brennende Feuer gelöscht wird. Wenn wir diese spirituellen Unterweisungen mit Aufrichtigkeit empfangen, werden wir echte Zufriedenheit erfahren. Das ist der Weg. Die Nachfolge der spirituellen Meister ist nicht schwer zu verstehen. Meine Schüler erweisen mir viel Respekt, was nur natürlich ist, aber all diese Ehrerbietungen gebühren eigentlich meinem eigenen spirituellen Meister. Ich bin bedeutungslos. Ich bin wie ein Postbote. Ein Postbote, der einen Brief zustellt, ist für den Inhalt nicht verantwortlich. Er übermittelt einfach die Botschaft. Aber es ist die Pflicht eines Postboten, den Auftrag des Postmeisters aufrichtig auszuführen und den Brief an die richtige Person zuzustellen. Das ist seine Pflicht. Mit dem Paramparā-System verhält es sich ähnlich. Jeder von uns sollte ein spiritueller Meister werden, denn die Welt steht in Flammen. Spiritueller Meister ist keine neue Erfindung. Spiritueller Meister ist jemand, der den Anweisungen seines eigenen spirituellen Meisters folgt. Also möchte ich alle meine hier anwesenden Schüler bitten, spirituelle Meister zu werden. Ihr fühlt euch mir so sehr verpflichtet, aber ich bin euch ebenfalls verpflichtet,
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weil ihr mir bei dieser Missionsarbeit helft. Jeder von euch sollte der nächste spirituelle Meister werden. Und was ist eure Pflicht? Was auch immer ihr von mir hört, was immer ihr von mir lernt, das müsst ihr in toto, also vollständig, weitergeben, ohne etwas hinzuzufügen oder zu verändern. Dann werdet ihr alle spirituelle Meister werden. Das ist die Wissenschaft, wie man ein spiritueller Meister wird. Ein spiritueller Meister zu werden, ist keine Zauberei. Man muss einfach nur eine aufrichtige Seele sein. Das genügt. BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Ich erinnere mich lebhaft an diesen Tag wegen der enormen Angst, die ich durchstand. Ich war gerade erst am Tag zuvor eingeweiht worden, und jetzt sollte ich Prabhupāda vor allen anderen ehren. Er saß auf diesem merkwürdigen vyāsāsana, den Vāsudeva nach Jaya Govindas Entwurf gebaut hatte, eine Art Holzkiste mit vier Pfeilern und einem Baldachin. Prabhupāda hatte Schwierigkeiten, sich darauf zu setzen und wieder herunterzusteigen. Aber als ich ihn dort sitzen sah, hatte ich die starke Erkenntnis, dass er jenseits von Bezeichnungen wie „Mann oder Frau“ war. Ich sah ihn als eine wahrhaft transzendentale Persönlichkeit. In Gegenwart des spirituellen Meisters zu sprechen, ist nicht einfach. Da ich so wenig Englisch konnte, sprach ich auf Deutsch. Halbwegs durch meine kurze Würdigung überwältigten mich meine Gefühle und mir kamen die Tränen. Meine Worte waren ziemlich rührselig, denn wir waren alle echte Grünschnäbel, was philosophische Erkenntnisse betraf, aber der emotionale Gehalt war intensiv. Nachdem alle ihre Worte der Verehrung gesprochen hatten, machten wir einen kīrtana, und soweit ich mich erinnere, war es das erste Mal, dass wir aufstanden und tanzten. Bis dahin waren wir es gewohnt gewesen, während des kīrtanas zu sitzen. Aber Jaya Govinda begann mit erhobenen Armen vor Prabhupāda zu tanzen, und wir folgten seinem Beispiel.
ŚIVĀNANDA DĀSA: Zwei Tage später war Ekādaśī. Nach dem Frühstück saß Prabhupāda in seinem Sessel am Fenster, einen Wollschal über seinen Kopf gezogen, völlig versunken in das Chanten von Hare Kṛṣṇa. Er chantete so den ganzen Morgen lang, etwas, das er normalerweise nicht tat. Als die Zeit für seine Massage kam, stand er auf, kam zu mir herüber und sagte: „Du solltest für mich zu Kṛṣṇa beten.“ Ich war überrascht. Ich stammelte: „Prabhupāda, ich glaube nicht, dass das etwas bewirken wird.“ Aber er antwortete ruhig:
„Warum nicht? Du bist ein Geweihter Kṛṣṇas.“ Also ließ ich es dabei bewenden. Ich war tief bewegt von seiner Demut, der unvorstellbaren Demut eines reinen Gottgeweihten. *** Während seines Aufenthalts in Hamburg war Prabhupāda nicht nur mit dem spirituellen Wachstum seiner Schüler beschäftigt, sondern zeigte auch Sorge um ihr materielles Wohlergehen.
ŚIVĀNANDA DĀSA: Während Prabhupādas Besuch kam die Sonne vielleicht zwei Tage lang heraus, nicht mehr, sodass es morgens ziemlich kühl war. Eines Morgens, nach unserer Rückkehr vom Spaziergang, warteten wir auf den Aufzug, und ich rieb meine Hände aneinander, um ihre Taubheit zu lindern. „Ist dir kalt?“ fragte Prabhupāda und berührte meine Hände. „Fühle meine Hand.“ Ich war überrascht, wie warm sie war. Dann legte er seine Hände auf die Brust und sagte: „Wenn du diesen Teil des Körpers warm hältst, wird der Rest von selbst warm bleiben.“ Prabhupāda war so fürsorglich und liebevoll. Aber so sanft Prabhupāda sein konnte, er konnte auch so hart sein wie ein Donnerkeil. Er war sehr um seine Post besorgt. Während unserer Morgenspaziergänge an den ersten Tagen, schaute er sich die Briefkästen an, um zu sehen, wann sie geleert wurden. Eines Morgens gab er mir ein paar Briefe und bat mich, sie unverzüglich zum Briefkasten zu bringen. Aber ich brachte sie zum Tempel und gab sie einem Gottbruder, der sie an einen anderen weitergab. Einige Tage später wurden die Briefe schließlich abgeschickt. Als Prabhupāda davon erfuhr, war er sehr verärgert und tadelte mich: „Du bist unverantwortlich!“ Ich wagte nicht, etwas darauf zu erwidern. Ich nickte einfach nur und nahm mir vor, verantwortungsvoller zu sein. Prabhupāda war praktisch veranlagt und verschwendete nie etwas. Zum Beispiel öffnete er die Umschläge seiner Briefe, schnitt sie seitlich auf und benutzte die leeren Innenseiten für Notizen. Eines Morgens stand viel Sperrmüll vor den Häusern. Es war der Tag im Monat, an dem die Leute unhandlichen Müll wie Möbel auf die Straße stellen konnten, der dann abgeholt wurde. Während wir spazieren gingen, zeigte Prabhupāda mit seinem Stock auf etwas, das er für nützlich hielt, wie einen Stuhl oder einen Schrank, und sagte: „Warum nehmt ihr den nicht mit?“ Wir
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erklärten ihm, dass wir bereits genug Sachen hatten, weil wir auch an den Sperrmülltagen hinausgingen und nach brauchbaren Gegenständen suchten. Nachdem wir ein Stück weitergegangen waren, zeigte Prabhupāda auf einen anderen Gegenstand und sagte: „Oh, warum nehmt ihr das nicht?“ Die Antwort lautete wieder: „Das haben wir schon.“ Wir hatten es fast bis zum Tempel geschafft, als Prabhupāda etwas entdeckte, das wie ein Perserteppich aussah. Er sagte: „Den habt ihr bestimmt nicht!“ Und wir hatten tatsächlich noch keinen Teppich, und nahmen wir ihn mit und brachten ihn in den Tempel. Nach der Reinigung legten wir ihn auf den Boden des Tempelraums. Prabhupāda mochte ihn sehr. Der Teppich ist auf dem Foto zu sehen, das an Janmāṣṭamī nach der Einweihung aufgenommen wurde.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Die ältere Frau, der unsere Wohnung gehörte, lebte im dritten Stock des Gebäudes. Sie war fast blind, und sie freute sich, die Gottgeweihten bei sich zu haben, weil sie allein lebte und wir kräftigen jungen Männer ihr auf vielerlei Weise behilflich sein konnten. Nachdem sie gehört hatte, wie die Gottgeweihten Prabhupāda mit Begeisterung priesen, war sie gespannt, ihn kennenzulernen, aber während seiner Abendvorlesungen saß sie hinter einem Vorhang, der den Tempelraum vom Treppenhaus trennte. Sie war zu schüchtern, um in den Tempel zu kommen. Eines Abends ging Prabhupāda ins Badezimmer, das sich im Flur befand. Als er den Vorhang öffnete, stand er plötzlich vor dieser Frau. Sie war überrascht – ihre Augen und ihr Mund standen weit offen. Śivānanda stellte sie vor: „Prabhupāda, das ist unsere Vermieterin.“ Als Prabhupāda sah, dass sie die ganze Zeit dort gesessen hatte, fragte er: „Oh, sie ist auch eine Geweihte?“
ŚIVĀNANDA DĀSA: Prabhupāda wollte ein Bankkonto eröffnen, und so brachte ich ihn zur nächsten Filiale der Hamburger Sparkasse an der Eimsbütteler Chaussee. Eine junge Frau bediente uns, und während sie die Formulare ausfüllte, versuchte ich einen Blick auf die Schecks zu werfen, die Prabhupāda einzahlen wollte. Aber er hielt die ganze Zeit seine Hand darüber. Als er unterschrieb, beobachtete ich ihn gespannt, und es fiel mir auf, wie er den Kugelschreiber bedächtig und gewissenhaft führte, während er seinen Namen langsam, Buchstaben für Buchstaben, schrieb.
Ein paar Tage später sahen wir auf unserem Spaziergang dieselbe junge Frau aus der Sparkasse. Da ich als brahmacārī lebte, dachte ich, es sei das Beste, sie zu meiden, besonders während ich mit meinem spirituellen Meister spazieren ging; also ignorierte ich sie und wandte meinen Blick ab. Aber Prabhupāda nickte ihr zu und begrüßte sie. Dann wandte er sich mir zu und sagte: „Das war die Dame von der Bank.“ Einmal fragte er mich, warum die Deutschen so dick seien. Ich dachte, es liege wahrscheinlich daran, dass sie viel Fleisch essen, aber ich fühlte mich nicht wohl dabei, das Wort „Fleisch“ in den Mund zu nehmen. Stattdessen sagte ich: „Ich glaube, sie essen viel Kartoffeln.“ Ich bin nicht sicher, ob er meine Gedanken lesen konnte oder ob er einfach den Grund kannte, aber er entgegnete sofort: „Nein, sie essen viel Fleisch.“ Ein anderes Mal hatte ich das Gefühl, dass Prabhupāda tatsächlich meine Gedanken lesen konnte. Während unseres Spaziergangs grübelte ich darüber, warum wir krank werden, das heißt über Krankheit und ihre Ursachen. Liegt es daran, dass wir in Māyā sind, oder gibt es einen anderen Grund? Irgendwie konnte ich die Frage nicht richtig formulieren, aber Prabhupāda hielt plötzlich an und sagte mir unvermittelt: „90 Prozent aller Krankheiten werden durch den Geist verursacht.“ Als sein Besuch sich dem Ende näherte, entschuldigte ich mich für die unzulänglichen Umstände: das zu kleine, für einen Tempel ungeeignete Ladenlokal; den Mangel an Predigtprogrammen, das kühle Wetter, die wenigen Gäste und die wenigen und dazu noch unerfahrenen Schüler. Aber Prabhupāda schien es nichts auszumachen. Er sagte nur: „Wir machen unsere Predigtarbeit, ob wir viel Zuspruch finden oder nicht.“ An einem seiner letzten Abende in Hamburg hielt Prabhupāda einen Vortrag über die Notwendigkeit, nach Lösungen für die Probleme der materiellen Existenz zu suchen. Eine solche Wissbegierde, sagte er, unterscheide das menschliche vom tierischen Bewusstsein. Nachdem er einige Beispiele dafür gegeben hatte, wie eine fortgeschrittene Zivilisation Lösungen für Probleme findet, fragte er sein Publikum:: Was ist also das Hauptproblem? Das Hauptproblem ist, dass wir nicht leiden wollen, aber leiden müssen. Damit ist alles gesagt. Wir wollen ein angenehmes, friedliches Leben führen, aber das ist nicht möglich. Das ist das
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Hauptproblem. Ist es nicht so? Denkt einmal darüber nach. Auf Sanskrit heißt es: atyāntika-duhkha-nivṛttiḥ: das Problem der Leiden zu lösen. Wir wollen kein Elend. Wir wollen nicht leiden. Wir wollen ein friedliches und freudvolles Leben. Aber das ist in der materiellen Welt nicht möglich. Das ist das Problem. Er gab eines seiner Lieblingsbeispiele, um die flüchtige Natur materiellen Glücks zu veranschaulichen: John F. Kennedy. „Er hatte eine schöne Frau, Kinder, Ehre, Ansehen, alles. Er fuhr in einer Eskorte, die Menschen bejubelten ihn, und innerhalb einer Sekunde – alles vorbei.“ Nachdem er weitere Probleme aufgezählt hatte, mit denen die Menschen konfrontiert sind, fragte Prabhupāda sein Publikum: Was ist also die Lösung? Die Lösung finden wir in der Bhagavad-gita, im siebten Kapitel, Vers 14: „Diese Meine göttliche Energie die aus den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur besteht, ist nur schwer zu überwinden. Aber diejenigen, die sich Mir ergeben, können sie leicht überwinden.“ Ja. Die Lösung besteht darin, dass wir uns dem Höchsten ergeben. Wenn jemand von der Polizei verhaftet wird, ist es schwierig, wieder freizukommen, aber wenn man ein guter, dem Staat ergebener Bürger ist, gibt es kein Problem. Man hat mit der Polizei hat nichts zu tun. Ist das so schwer zu verstehen? Prabhupāda machte seinen Zuhörern die Dringlichkeit deutlich, ihr Leben zu vervollkommnen: Bevor der Tod euch einholt, findet eine Lösung für das Problem. Diejenigen, die mit dem Kṛṣṇa-Bewusstsein in Berührung gekommen sind und eingeweiht wurden, sollten sehr entschlossen sein, in diesem Leben eine Lösung zu finden. Keine Rückkehr in den Kreislauf von Geburt und Tod – dazu sollten wir fest entschlossen sein. Wir sollten den Entschluss fassen, eine Lösung zu finden und nach Hause, zu Gott, zurückzukehren, wo uns ein ewiges, glückseliges Leben der Erkenntnis erwartet. Das ist die Essenz unserer Bewegung für Kṛṣṇa-Bewusstsein. Als er um Fragen bat, wollte einer seiner Schüler wissen, ob es möglich sei, schon in diesem Leben Kṛṣṇa-bewusst zu werden. Prabhupāda wandte sich an seine jungen Zuhörer:
In einer Sekunde kann man Kṛṣṇa-bewusst werden, vorausgesetzt man ist ernsthaft. Es ist nicht schwierig. Bahūnāṁ janmanām ante jñānavān māṁ prapadyate: „Wenn jemand nach vielen Geburten weise wird, ergibt er sich Mir“, sagt Kṛṣṇa. Wenn ich also intelligent bin, sehe ich: „Wenn es das Ziel des Lebens ist, sich nach vielen Geburten Kṛṣṇa zu ergeben, warum ergebe ich mich nicht gleich?“ Das ist ein Zeichen von Intelligenz. Warum viele Geburten lang warten, wenn man sich am Ende ohnehin ergeben wird? Zu dieser Erkenntnis zu kommen, erfordert ein wenig Intelligenz. Man braucht nicht viele Geburten. Nur ein wenig Intelligenz. Nehmt dieses Kṛṣṇa-Bewusstsein ernst; dann sind eure Probleme gelöst. Wenn ihr noch nicht überzeugt seid, dann bringt Argumente, studiert die Philosophie, kommt zur Vernunft. Argumentiert weiter. Es gibt Bände von Büchern. Ihr könnt überzeugt werden. Ihr könnt die Philosophie lernen. Jede Antwort findet sich in der Bhagavad-gita. Versucht sie mit auf Vernunft basierenden Argumenten zu verstehen. Prabhupāda fügte dann eine faszinierende Erklärung über Relativität hinzu: Relative Intelligenz ist also erforderlich. Die Welt ist relativ. Man kann sofort, in einer Sekunde, Kṛṣṇa-bewusst werden, oder man wird vielleicht nicht einmal nach vielen, vielen Geburten Kṛṣṇa-bewusst. Es ist also relativ. Wenn man genügend Intelligenz hat, kann man Kṛṣṇa-Bewusstsein ohne Zeitverzug annehmen. Wenn weniger Intelligenz vorhanden ist, wird es Zeit brauchen. Aber es ist nicht so, dass man erst nach einer bestimmten Anzahl von Jahren Kṛṣṇa-bewusst werden kann. Dem ist nicht so. Alles ist relativ. Ein Mensch braucht von hier nach da einen Schritt, aber für eine kleine Mikrobe entspricht dieselbe Entfernung zehn Kilometern. Diese Welt ist eine relative Welt. Es gibt keine Formel, dass man nach so und so vielen Jahren Kṛṣṇabewusst werden kann. Nein. Eine solche Formel existiert nicht. Vielleicht wird man nicht einmal nach Millionen von Geburten Kṛṣṇa-bewusst. Oder man kann innerhalb einer Sekunde Kṛṣṇa-bewusst werden. Wenn wir KṛṣṇaBewusstsein ernst nehmen, können wir schon in diesem Leben die Vollkommenheit im Kṛṣṇa-Bewusstsein erreichen. Ihr seid alle jung. Man kann davon ausgehen, dass ihr noch mindestens fünfzig Jahre leben werdet. Das ist genug Zeit. Mehr als genug. Mehr als genug. Wenn jemand fünfzig Jahre lang einfach „Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa“ chantet, wird er mit Sicherheit vollkommen werden. Daran besteht kein Zweifel. Einfach durch das Chanten dieses mantras — Hare Kṛṣṇa. Daran besteht kein Zweifel.
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Als Nächstes stellte jemand die Frage, warum manche Menschen KṛṣṇaBewusstsein annehmen und manche nicht. Prabhupāda wiederholte, dass die Wahl bei uns liege. Wenn uns etwas aufhalte, dann sei es Māyā, Illusion. Das einzige Heilmittel bestehe darin, durch das Chanten von Hare Kṛṣṇa mit voller Kraft bei Kṛṣṇa Zuflucht zu suchen. Er appellierte an seine Zuhörer, die Menschen dazu zu bewegen, Hare Kṛṣṇa zu chanten, denn so würden sie etwas von echtem Wert empfangen und glücklich werden: Lasst euch nicht durch den Gedanken irreführen, es gebe keine Probleme im Leben. Denkt nicht: „Wir sind sehr glücklich, wir essen, wir schlafen, wir paaren uns.“ Das ist tierisches Leben. Es gibt so viele große Probleme, sehr große Probleme: Geburt, Tod, Alter, Krankheit, und das immer wieder. Bhūtva bhūtva pralīyate: die Schöpfung entsteht und vergeht; dann entsteht sie wieder und vergeht wieder. Löst dieses Problem ein für alle Mal. Yad gatvā na nivartante tad dhāma paramaṁ mama: geht zu Kṛṣṇas Reich. Was ist daran so schwierig? Geht eurer Arbeit nach und chantet Hare Kṛṣṇa. Wir sagen nicht, dass ihr euer Geschäft oder eure Beschäftigung aufgeben sollt. Bleibt da, wo ihr seid. Er zum Beispiel [auf Hayagrīva zeigend] ist Lehrer. Gut, bleib Lehrer. Er hier [auf Krishnadas verweisend] ist Goldschmied. Arbeit weiter als Goldschmied. Jeder geht irgendeiner Arbeit nach. Das spielt keine Rolle. Aber seid Kṛṣṇa-bewusst. Chantet Hare Kṛṣṇa. Denkt an Kṛṣṇa. Esst kṛṣṇa-prasādam. Alles ist da. Und seid glücklich. Das ist unser Angebot. Lernt, Kṛṣṇa-bewusst zu sein, und predigt diesen Vorgang. Das wird die Menschen glücklich machen. Es ist eine einfache Methode. Am 11. September 1969, gegen Mittag, bestieg Śrīla Prabhupāda einen Lufthansa-Flug nach London. In seinem Handgepäck trug er die mūrtis von Rādhā und Kṛṣṇa, die er aufzustellen gehofft hatte. In Erwartung der Verehrung von Rādhā-Kṛṣṇa hatten die Gottgeweihten kunstvoll verzierte Buchstaben auf die Glasscheibe ihres Ladenlokals gemalt: Radha Krishna Tempel. Aber Prabhupāda hatte seinen Schülern die Anweisung gegeben, einen besseren Ort zu suchen.