DIE NACHWIRKUNGEN

ie Medien feierten ein wahres Fest mit Berichten über Mönche, denen Betrug, Kindesentführung und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen wurde. Noch Wochen und Monate nach der Razzia brachten Zeitungen, Zeitschriften und das Fernsehen Schauergeschichten über die Hare-Krishnas. Sie wurden meist als Kriminelle dargestellt, die Hausfrauen betrogen und riesige Geldbeträge an ihren scheinheiligen Guru nach Amerika überwiesen. Drei Jahre sollten vergehen, bis es zum Prozess kam, in dem alle strafrechtlichen Anklagepunkte fallen gelassen wurden und die Gottgeweihten lediglich wegen Verstoßes gegen das Sammlungsgesetz zu Geldstrafen verurteilt wurden. Doch die Propaganda, angeheizt von verbitterten Eltern und Kirchenführern, zielte darauf ab, den KrishnaMönchen ihr scheinbar harmloses und friedliches Aussehen zu nehmen und stattdessen ein dunkles Bild von destruktiven Kriminellen zu zeichnen.

BHAKTI GAURAVANI GOSWAMI: Wir fühlten uns isoliert. Harināma in Frankfurt konnte gefährlich sein. Die Reaktion der Öffentlichkeit war kühl, D wenn nicht offen feindselig, und die Polizei nahm uns regelmäßig fest und ermahnte uns, wir sollten die Störung beenden und nach Hause gehen. Auf der Straße ohne schriftliche Genehmigung zu singen, verstieß gegen das Gesetz.

EKĀ DĀSA: Ich lebte im Berliner Tempel. Eines Morgens um 4:30 Uhr fielen drei Schüsse und zerschmetterten das rechte Schaufenster. Ich rannte in den Tempelraum, wo Jayagoura auf dem Boden lag – lebendig. Die Kugeln hatten ihn nur um Zentimeter verfehlt, weil er sich genau in diesem Moment vor dem Pañca-tattva verbeugt hatte.

Die Nachricht von dem versuchten Anschlag in Berlin erreichte Hansadutta und Prabhupāda in Honolulu. Hansadutta schlug einen Plan vor, um der Propaganda und Verfolgung entgegenzuwirken, und Prabhupāda bestätigte ihn in einem Brief an alle Tempelpräsidenten: Kürzlich haben in Deutschland die Regierung, die Polizei und die Kirche begonnen, unsere Bewegung durch Verhaftungen, Ermittlungen und das Sperren unserer Bankkonten zu verfolgen. Durch ungerechte und verleumderische Propaganda in Zeitungen und im Fernsehen haben sie unseren Ruf ruiniert und die Öffentlichkeit gegen uns aufgebracht. Wir können nicht untätig bleiben. In Berlin wurde sogar versucht, eines unserer Mitglieder durch Schüsse zu töten. Hansadutta Prabhu hat einen Plan ausgearbeitet, um bei allen deutschen Botschaften weltweit zu protestieren. Dieser Plan hat meine Zustimmung. Er wird euch in dieser Angelegenheit kontaktieren. Bitte arbeitet mit ihm zusammen. Brahmānanda Swami erreichte Schloss Rettershof am 5. Januar 1975. Die Gottgeweihten brauchten die Ermutigung und die Gemeinschaft eines von Prabhupādas führenden Schülern. Die Buchverteilung ging irgendwie weiter, aber die Einnahmen waren erheblich zurückgegangen. Jemanden dazu zu bewegen, eine Spende zu geben, war nicht leicht, im Gegenteil.

BHAKTI GAURAVANI GOSWAMI: Um der Propaganda entgegenzuwirken, reisten Pṛthu und ich durch Deutschland mit dem Ziel, die Unterstützung angesehener Persönlichkeiten zu gewinnen. Wir besuchten Graf Dürckheim,

Die Nachwirkungen

Pater Jungclaussen und andere am Kṛṣṇa-Bewusstsein interessierte Sympathisanten, die in der Lage waren, uns zu helfen. Doch die Reise brachte nur geringe Ergebnisse. Obwohl die meisten Verständnis zeigten, zögerten sie, öffentlich für uns einzutreten. * * * Anfang März äußerte Prabhupāda den Wunsch, dass möglichst viele seiner Schüler aus der ganzen Welt nach Indien kommen sollten, um am jährlichen Mayapur-Vṛndāvana-Festival teilzunehmen und die Eröffnung des KrishnaBalaram-Mandirs am 20. April zu feiern. Für die deutschen Gottgeweihten waren diese Pilgerreise und der Besuch der heiligen Orte in Verbindung mit Śrī Caitanya und Kṛṣṇa genau die Medizin, die sie brauchten, um neuen Mut und frische Kraft zu schöpfen.

JANMĀNALĀYA DĀSA: Nach dem Festival blieb ich als pūjārī im KrishnaBalaram-Mandir. Bevor ich zu den Gottgeweihten gekommen war, hatte ich in Wien Kunst studiert, doch nachdem ich in den Tempel gezogen war, hatte ich mit dem Malen aufgehört. Nun verspürte ich wieder den Wunsch zu malen, aber ich wusste nicht, wie ich nach so vielen Jahren ohne Übung anfangen sollte. Eines Morgens erzählte ich Prabhupāda von meiner Vergangenheit als Kunststudent und meinem Wunsch, mein Talent in Kṛṣṇas Dienst zu stellen. Ich zeigte ihm eine Zeichnung, die ich von ihm gemacht hatte. Er war freudig überrascht und setzte auf meine Bitte hin sogar seinen Namenszug darunter. Seine Anweisung an mich war einfach: „Mach einfach weiter mit dem Malen.“ Froh über seine Zustimmung begann ich Porträts von Prabhupāda zu malen, während ich weiterhin meinen Dienst als pūjārī verrichtete. Später ging ich nach Mayapur, wo es zu meinen Aufgaben gehörte, während Prabhupādas Aufenthalt vor seinem Zimmer Wache zu halten. Eines Morgens saß ich auf der Veranda nicht weit von seiner Tür entfernt. In der Nähe lief in einem leeren Raum ein Deckenventilator. Offenbar hatte jemand vergessen, ihn auszuschalten. Als Prabhupāda aus seinem Zimmer kam und die Veranda entlangging, kam er an dem Raum mit dem laufenden Ventilator vorbei. Er blieb stehen und fragte mich: „Warum läuft dieser Ventilator?“ Verlegen antwortete ich: „Ich weiß es nicht. Jemand muss ihn angelassen haben.“ „Warum hast du ihn dann nicht ausgeschaltet?“, wollte er wissen, sichtlich verärgert. Als ich die dumme Ausrede gab, ich hätte es vergessen, sagte er nur: „Du bist zu nichts nütze. Warum verschwendest du Kṛṣṇas Energie?“ Ich senkte den Kopf, und mir traten Tränen in die Augen. Prabhupādas offensichtlicher Unmut hatte mich tief getroffen, und ich hätte mich am liebsten im Ganges ertränkt. In meiner Verzweiflung ging ich zum Tempelpräsidenten und erzählte ihm, was geschehen war. Was sollte ich nun tun? Sollte ich meine Sachen packen und gehen oder in den Ganges springen? Doch er maß dem Vorfall keine große Bedeutung bei und ermutigte mich, mit meinen Dienst einfach weiterzumachen. Also setzte ich mich wieder vor Prabhupādas Tür. Nach einigen Minuten rief Prabhupāda mich in sein Zimmer und bat mich, den Wasserkrug aus seinem Schlafzimmer zu holen und den Becher auf seinem Schreibtisch zu füllen. Als ich den Krug abstellte und seinen kleinen Tondeckel wieder aufsetzte, legte Prabhupāda seine Hand auf meine und bewegte den Kopf in entschuldigender Weise, als wollte er sagen: „Was kann ich tun? Es ist meine Pflicht, dich zu korrigieren.“ Sofort hatte ich das Gefühl, ihn umarmen zu wollen. Der Vorfall, der mir so viel Kummer bereitet hatte, verwandelte sich auf wundersame Weise in die schönste Erfahrung. Prabhupāda strahlte die Wärme und Liebe eines wahren Vaters und Wohltäters aus. In Mayapur gab es viele Insekten, besonders braune, schabenartige geflügelte Tiere. Jeden Abend schwirrten Tausende von ihnen um die Lampen im Tempelraum, und am Morgen lagen sie alle tot auf dem Boden. Es war mein Dienst, den Tempelraum zu fegen und die Insekten zu entsorgen. Es waren ganze Eimer voll. In einem seiner Vorträge bezog sich Prabhupāda auf diese Insekten, die unter den Gottgeweihten als fliegende Datteln bekannt waren, und verglich unsere Lage in der materiellen Welt mit der ihren. So wie sie vom grellen Licht angezogen werden, nur um am nächsten Morgen tot dazuliegen, so werden wir von der blendenden materiellen Energie angezogen, nur um dem Tod zu begegnen.

Die Nachwirkungen

SARVABHĀVANA DĀSA: Im Frühjahr 1970 reisten ein Freund (der später Bhakti Chāru Swami wurde) und ich von Kalkutta nach Hamburg. Dort trafen wir zum ersten Mal die Kṛṣṇa-Geweihten und nahmen eine Einladung zum Sonntagsfest an. Leider endete unser Besuch im Tempel in der Bartelsstraße auf recht unerfreuliche Weise. Wir gerieten in eine Auseinandersetzung mit Krishnadas, der abfällige Bemerkungen über Inder machte, die in den Westen kamen. Nachdem wir den Tempel verlassen hatten, waren wir uns einig, dass wir mit diesen kṛṣṇa-bhaktas nichts mehr zu tun haben wollten. Unsere Vorstellung von einem Gottgeweihten war die eines nach innen gekehrten Weisen, der friedfertig in den Bergen lebt. Später sah ich die Gottgeweihten gelegentlich vor dem Dammtor singen, aber ich vermied den Kontakt mit ihnen. 1973 lernte ich eine junge deutsche Frau kennen, die später als Śubhāṅgī Dāsī eingeweiht wurde. Wir heirateten und zogen im Herbst 1974 nach Berlin. Dort trafen wir auf der Straße Śāntimātī, die mir ein Zurück zur Gottheit gab. Auf der Vorderund Rückseite waren Fotos von Schloss Rettershof und Gottgeweihte bei verschiedenen Tätigkeiten zu sehen. Später traf ich Indira, die mir Lord Caitanya in Five Features – einen Auszug aus dem Śrī Caitanya-caritāmṛta auf Englisch – und eine illustrierte Broschüre gab, die erklärte, wie man eine Gebetskette herstellt. Ich kaufte das Buch hauptsächlich wegen der bengalischen Verse, aber als ich mich in die Lektüre vertiefte, beeindruckten mich besonders Śrīla Prabhupādas Erläuterungen. Meine Frau und ich praktizierten Yoga; jeden Morgen verbrachten wir eine Stunde mit āsanas. Doch nachdem ich über bhakti-yoga und das Chanten gelesen hatte, schlug ich vor, dass wir es einmal damit versuchen sollten. Also chanteten wir eine Zeit lang, während wir auf dem Kopf standen, und wir hatten das Gefühl, dass das Chanten eine besondere Wirkung auf unser Bewusstsein hatte. Wir setzten diese Praxis fort und kauften sogar Holzperlen in einem Spielwarengeschäft, um daraus japa-mālās zu machen. Nachdem ich Lord Caitanya in Five Features gelesen hatte, begann ich den Tempel in Berlin zu besuchen. Ein Bild von Rādhā und Kṛṣṇa auf einer Lotosblume zog mich besonders an. Während der ārati betrachtete ich das Bild immer wieder, und ich hatte das Gefühl, als würde Kṛṣṇa mich auffordern, zu Ihm zu kommen.

Ich besuchte auch ein Teehaus im selben Gebäude, und eines Abends saß ich dort, trank Tee und aß Kekse, als jemand Prabhupādas Album Kṛṣṇa Meditation abspielte. Ich mochte klassische Musik – besonders Kirchenmusik und Opern –, aber als ich Śrīla Prabhupāda singen hörte, hatte ich das Gefühl, dass er mit echter Hingabe sang, im Gegensatz zu vielen klassischen Sängern, die in ihren Darbietungen meist nur Gefühle vortäuschen. Als ein Arzt meiner schwangeren Frau zu einer Abtreibung riet, dachte ich: „Was für eine dämonische Gesellschaft. Ich will nicht mehr Teil davon sein.“ Ich begann ernsthaft darüber nachzudenken, was ich meinem Kind bieten konnte, sobald es geboren wäre. Was waren meine Pläne für die Zukunft? Mir wurde klar, dass ich eine Entscheidung treffen musste. In den folgenden Tagen dachte ich intensiv darüber nach, was ich tun sollte, und als die Bilder der Gottgeweihten, die ich in der Zeitschrift gesehen hatte, vor meinem inneren Auge auftauchten, wusste ich: Das ist es. Ende März 1975 rief ich in Schloss Rettershof an. Ātmavidyā ging ans Telefon. Als ich ihm erklärte, dass meine Frau und ich Mitglieder werden und in den Tempel ziehen wollten, antwortete er: „Ihr müsst leider warten. Hier ist im Moment niemand. Alle sind zu einem Festival nach Indien gereist.“ Ich war etwas enttäuscht, aber ich fügte mich und wartete. Eine Woche später rief ich wieder an. Ich war entschlossen, meine Entscheidung in die Tat umzusetzen. Doch man sagte mir erneut, ich solle warten, weil die Gottgeweihten noch nicht zurückgekehrt seien. Ich dachte: „Das ist doch lächerlich. Ich will sofort Mitglied werden.“ Also packten meine Frau und ich unsere Sachen und fuhren mit dem Zug nach Frankfurt und von dort nach Königstein. Am nächsten Abend zogen wir in den Tempel ein.

AṢṬARATHA DĀSA: Nach dem Mayapur-Festival bat mich Hansadutta, noch eine weitere Woche in Indien zu bleiben und Zubehör für die Marmor-Murtis zu besorgen, die er im Sommer 1972 aus Paris mitgebracht hatte. Er wollte sie so bald wie möglich installieren. Ich war überrascht. Immer wenn Hansadutta Prabhupāda um Erlaubnis gebeten hatte – einmal in einem Brief aus Heidelberg im Jahr 1973 und dann während Prabhupādas Besuch auf Schloss Rettershof im Jahr 1974 – hatte er die Antwort bekommen, noch zu warten.

Die Nachwirkungen

In Mayapur beschloss Hansadutta, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Er sagte zu mir: „Ich werde Sie jetzt einfach installieren; sonst wird es nie geschehen.“ Als ich Anfang Mai nach Deutschland zurückkehrte, waren die Vorbereitungen für die Installation bereits in vollem Gange. Am Sonntag, dem 11. Mai 1975, führte Hansadutta die Installationszeremonie durch und gab den mūrtis Ihre Namen: Śrī Śrī Rādhā-Madana-mohana. Er sagte mir, dass er Prabhupāda über die Installation per Brief informieren würde.

Rādhā-Kṛṣṇa-Mūrtis ohne Prabhupādas ausdrückliche Genehmigung aufzustellen, war zweifellos anmaßend, und Hansadutta überlegte lange, wie er seinem spirituellen Meister die Nachricht überbringen sollte. Erst vor acht Monaten hatte Prabhupāda ihn getadelt, weil er einen Tempel ohne Erlaubnis geschlossen hatte. Nun riskierte er erneut den Zorn seines spirituellen Meisters. Hansadutta dachte, der beste Weg sei vielleicht, Prabhupādas Erlaubnis einzuholen, ohne ihm zu sagen, dass die mūrtis bereits installiert waren. So schrieb er am 15. Mai einen Brief und bat um seine Genehmigung. Nur zehn Tage später erhielt er die kurze, unmissverständliche Antwort: „Es besteht zurzeit keine Notwendigkeit, Altargestalten aufzustellen. Ein schönes Predigtzentrum genügt.“ Hansadutta fragte sich, warum Prabhupāda so ablehnend auf seinen Vorschlag reagierte. In London und Paris hatte er nicht nur die Installation von Rādhā-Kṛṣṇa-Murtis genehmigt, sondern die Zeremonien sogar persönlich durchgeführt. Und in wenigen Wochen würde er in New Mayapur in Frankreich ein weiteres Paar großer Rādhā-Kṛṣṇa-Murtis installieren. Prabhupāda hatte Deutschland immer als eines der wichtigsten Länder Europas bezeichnet, wenn nicht als das wichtigste. Waren das nur aufmunternde Worte? Nach Jahren harter Arbeit, um Kṛṣṇa-Bewusstsein zu etablieren, hatte Hansadutta mit Schloss Rettershof einen repräsentativen Ort gefunden, und Prabhupāda hatte es dort gefallen. War es nicht offensichtlich, dass kleine Messing-Rādhā-Kṛṣṇa-Murtis auf dem Altar eines so großen Gebäudes fast unverhältnismäßig wirkten?

Aber Prabhupādas Antwort schien Hansadutta nicht von seinen Plänen abzubringen. Sobald jedoch Śrī Śrī Rādhā-Madana-mohana installiert waren, wurde deutlich, dass Sie immer noch verhältnismäßig klein waren – nur etwa dreißig Zentimeter hoch –, ein großer Unterschied zu den fast lebensgroßen mūrtis, die in vielen anderen ISKCON-Tempeln verehrt wurden. Hansadutta war nicht zufrieden.

AṢṬARATHA DĀSA: Ein paar Monate nach der Installation schickte Hansadutta Sucandra, Alanātha und mich nach Jaipur. Er sagte uns, wir sollten die größten mūrtis kaufen, die wir finden könnten. Wir gingen von einem Mūrti-Händler zum nächsten, bis wir fanden, wonach wir suchten. Kṛṣṇa maß fast zwei Meter; Er war größer als ich. Es waren zwölf Männer nötig, um Ihn zu heben und in eine Holzkiste zu legen. Ein paar Monate später kamen die mūrtis in Deutschland an. Aber Hansadutta verschiffte Sie schließlich nach Kalifornien, wo er Sie später installierte und verehrte.

Mitte September unternahm Hansadutta einen weiteren Versuch, Prabhupādas Erlaubnis zu bekommen. Er rechnete damit, dass die neu gekauften Altargestalten bald aus Jaipur eintreffen würden, und dachte, wenn Prabhupāda die Installation genehmigen würde, könnte die frühere Aufstellung der Rādhā-Madana-mohana-Murtis nachträglich „offiziell“ miteinbezogen werden. Doch Prabhupāda billigte Hansaduttas Plan nicht: Bezüglich des Frankfurter Tempels und des Murti-Programms: Solange wir kein eigenes Gebäude haben, sollten wir mit der Installation warten. Installiert die großen Murtis nicht, solange wir kein eigenes Gebäude besitzen. * * * BHAKTI GAURAVANI GOSWAMI: Die Polizeirazzia und das anschließende Einfrieren unserer Bankkonten brachten die Buchveröffentlichung zum Stillstand. Śacīnandana ging auf Predigtreise, Vaidyanātha wechselte zum Tempel in Kopenhagen, und Nikhilānanda wurde, da er noch minderjährig war, wieder von seiner Mutter in Obhut genommen. Ich setzte die Übersetzungsarbeit allein fort. Ich hatte begonnen, den Ersten Canto des Śrīmad-Bhāgavatam zu übersetzen, und dabei kam mir der Gedanke, die neue Ausgabe mit dem alten

Die Nachwirkungen

Delhi-Bhāgavatam zu vergleichen, das Prabhupāda 1964 veröffentlicht und auf seiner Reise in den Westen mitgebracht hatte. Zu meiner Überraschung entdeckte ich Änderungen, die ich für unnötig hielt, darunter gestrichene Sätze und ganze fehlende Absätze. Ich informierte Hansadutta, der neben seiner Funktion als GBC auch BBT-Trustee für die deutschen Bücher war, und bat ihn, Prabhupāda die Situation zu erklären und seine Erlaubnis einzuholen, für meine Übersetzungsarbeit das ursprüngliche Bhāgavatam zu verwenden. Die Antwort war kurz und klar: „Wenn du möchtest, kannst du das ursprüngliche Manuskript verwenden, sofern es verfügbar ist.“ Ein Jahr später weitete Prabhupāda diese Erlaubnis auf alle Übersetzer aus. In einem Brief vom 18. September 1976 wies er Rameśvara, den für den amerikanischen BBT zuständigen Trustee, an: „Im Allgemeinen solltest du jedem Übersetzer meiner Bücher, der für seine Arbeit die ursprünglichen Manuskripte benötigt, diese zur Verfügung stellen.“ Ich betrachte diese Anweisung als bedeutungsvoll und folgenreich, denn sie zeigt unmissverständlich, dass Prabhupāda seine ursprünglichen Manuskripte nicht als bloße Entwürfe betrachtete, wie manche heute behaupten. Eigentlich sollen sich die editierten und veröffentlichten Bücher nicht wesentlich von den Manuskripten unterscheiden, da Prabhupādas Richtlinien für die Bearbeitung seiner Übersetzungen sehr restriktiv waren, wie aus einem Brief an Rūpānuga aus dem Jahr 1970 hervorgeht: „Die Bearbeitung sollte sich darauf beschränken, Grammatikund Rechtschreibfehler zu korrigieren, ohne Eingriffe in Stil oder Philosophie vorzunehmen.“ Ich stand auch in Kontakt mit einem pensionierten deutschen Linguistikprofessor, Dr. Wolf-Rottkay, der in Los Angeles lebte und sich mit Svarūpa Dāmodara angefreundet hatte. Nachdem er Prabhupāda mehrfach getroffen hatte, bot er sich an, bei den deutschen Übersetzungen zu helfen. Auf Prabhupādas Wunsch hin schickten wir ihm daher Manuskripte zur Durchsicht. Im Laufe unseres Briefwechsels schlug Dr. Wolf vor, dass ich nach Kalifornien kommen solle. Die dort kürzlich eröffneten BBT-Büros boten hervorragende Möglichkeiten für die Buchproduktion, und gleichzeitig könnten wir enger zusammenarbeiten und effizienter sein.

Die Aussicht, zu ISKCONs Hauptsitz in der westlichen Hemisphäre zu reisen und die bedrückende Atmosphäre von Schloss Rettershof hinter mir zu lassen, war verlockend. Doch ich bezweifelte, dass Hansadutta zustimmen würde. Also schrieb ich direkt an Prabhupāda und bat ihn um Rat. Im selben Brief bat ich ihn auch, zwei Fragen zu klären, die ich zum Dritten Kapitel des Madhya-līlā hatte. In der Erläuterung zu Text 98 hatte ich gelesen: Ein reiner vaiṣṇava, das heißt jemand auf der paramahaṁsa-Stufe, sieht dem Herrn geopferte Speisereste (mahā-prasādam) als spirituell an. Er hält sie nicht für materiell oder etwas, das seine Sinne befriedigen soll. Er betrachtet mahā-prasādam nicht als gewöhnlichen dhal und Reis, sondern als spirituelle Substanz. Ganz zu schweigen von den Speiseresten, die ein reiner vaiṣṇava übrig lässt, prasādam ist niemals verunreinigt, selbst wenn es vom Mund eines caṇḍāla berührt wird. Es behält seinen spirituellen Wert. Wenn daher ein brāhmaṇa solches mahā-prasādam isst oder berührt, erniedrigt er sich nicht. Es kann keine Rede davon sein, dass man durch die Berührung der Reste solcher Speisen verunreinigt wird. Ja, wenn man solches mahā-prasādam zu sich nimmt, wird man von allen Verunreinigungen des materiellen Daseins befreit. Das verwirrte mich. Warum warfen wir dann das prasādam weg, das Gäste auf ihren Tellern zurückließen? Es war sicherlich ein Vergehen, und vielleicht wäre es besser, wenn die Geweihten diese Überreste essen würden. Meine zweite Frage bezog sich auf Text 70 desselben Kapitels. In der Erläuterung schreibt Prabhupāda: Śrī Caitanya Mahāprabhu ermutigte sannyāsīs nicht, wohlschmeckende Speisen zu essen, denn der ganze vaiṣṇava-Kult ist vairāgya-vidyā, so entsagungsvoll wie möglich. Caitanya Mahāprabhu riet auch Raghunātha dāsa Gosvāmī, keine wohlschmeckenden Speisen zu essen, keine kostbaren Kleider zu tragen oder über weltliche Themen zu sprechen. Diese Dinge sind verboten für diejenigen, die dem Lebensstand der Entsagung angehören. Ein Gottgeweihter isst nichts, was nicht zuerst Kṛṣṇa geopfert wurde. Alle reichhaltigen Speisen, die man Kṛṣṇa geopfert hat, werden den gṛhasthas, den Haushältern, gegeben. Ich fragte mich daher, warum es in unseren Tempeln üblich war, sannyāsīs große Teller mit reichhaltigem mahā-prasādam anzubieten.

Die Nachwirkungen

Am 4. August 1975 kam Prabhupādas Antwort: Was deine Reise nach Los Angeles betrifft: Wenn Dr. Wolf vorschlägt, dass du kommen sollst, dann solltest du es tun. Du kannst zumindest als Tourist kommen, daher sollte es keine Schwierigkeiten geben. Du solltest dich also mit Dr. Wolf beraten. Was deine Fragen betrifft: Du bist vielleicht noch nicht so weit fortgeschritten, dass du die Überreste von karmīs als prasādam annehmen kannst. Den karmīs sollte man nicht so viel geben, dass etwas verschwendet wird. Man kann ihnen zunächst eine kleine Menge geben, und wenn sie es mögen, kann man ihnen mehr geben. Dieses System sollte überall eingeführt werden. Ich habe selbst gesehen, dass so viel prasādam übrig bleibt. Das ist nicht gut. Was die Haltung beim Verzehr von prasadam betrifft: Wenn man denkt, es schmecke so gut, dass man immer mehr davon essen möchte, dann ist das Sinnesbefriedigung. Dennoch bleibt es prasādam und wird seine reinigende Wirkung entfalten. Prasādam ist transzendental, dennoch sollte man es nicht im Übermaß genießen. Sannyāsīs können mahā-prasādam zu sich nehmen, doch auch sie sollten Maß halten. Caitanya Mahāprabhu nahm es zwar an, hielt sich jedoch aus Prinzip beim Verzehr zurück. Am 9. September kamen Aśoka-kumāra und ich in Los Angeles an. Aśokakumāra war mitgekommen, um die diktierten Übersetzungen zu transkribierentypeset und zu setzen, doch leider konnte er die BBTSatzmaschinen zunächst nicht benutzen. Spezielle Schriftarten für Deutsch, mit diakritischen Zeichen für die Sanskrit-Transliteration, mussten erst hergestellt werden, und das dauerte einige Monate. Dr. Wolf, ein freundlicher Herr Ende sechzig, war froh, uns dort zu haben. Er beherrschte sechs Sprachen fließend und war sehr daran interessiert, uns zu helfen, die Übersetzungen von Prabhupādas Büchern auf ein akademisches Niveau zu bringen. Doch seine Mitarbeit erwies sich als zweischneidiges Schwert. Er hatte viele wertvolle Vorschläge zur Verbesserung des Stils, aber seine Ansichten waren von weltlichen Überlegungen geprägt. Viele von Prabhupādas ursprünglichen englischen Ausdrücken erschienen ihm anstößig, und er wollte sie in der deutschen Ausgabe ändern. Zum Beispiel hielt er es für völlig inakzeptabel, Kṛṣṇas Beine mit Elefantenrüsseln zu vergleichen.

In den folgenden Wochen führten wir mehrere ernste Gespräche, und als Dr. Wolf sah, dass ich nicht bereit war, Prabhupādas Ausdrucksweise zu ändern, nur weil eine Beschreibung nicht seinen Vorstellungen entsprach, begann er Prabhupādas Stellung infrage zu stellen. Da er aus NaziDeutschland geflohen war, erschien ihm unsere Auffassung von Prabhupādas Autorität gefährlich ähnlich dem überhöhten Bild Hitlers in den 1930erJahren. Schließlich kam er nicht mehr. Doch er schickte mir einen Brief, in dem er beschrieb, wie unsere Bücher präsentiert werden sollten. Eine Kopie davon schickte er an Prabhupāda, der ihm wie folgt antwortete: Ich bestätige den Erhalt einer Kopie eines Briefes, den Sie am 14. Januar 1976 an Śrīmān Vedavyas geschrieben haben. Weltliche Bücher werden von unvollkommenen Menschen verfasst. Jeder hat seine eigene Theorie, was bedeutet, dass er unvollkommen ist. Im ŚrīmadBhāgavatam heißt es: „Wenn spirituelles Verständnis wirklich vermittelt wird, wird es von hoch gestellten, heiligen Persönlichkeiten akzeptiert, selbst wenn es in holpriger Sprache dargestellt wird, denn es verherrlicht die Höchste Person. Andererseits wird Literatur, die zwar sehr metaphorisch verfasst ist, aber den Herrn nicht verherrlicht, mit einem Ort verglichen, der von Krähen bewohnt wird. Wenn Literatur kein echtes Wissen vermittelt, wozu dient dann blumige Sprache? Wir sind nicht daran interessiert, blumige Sprache zu präsentieren. In Indien ist es üblich, dass die Menschen Jagannatha im Tempel besuchen. Die Altargestalt ist aus künstlerischer Sicht nicht besonders schön, aber dennoch strömen Tausende von Menschen herbei. Dieses Gefühl ist erforderlich. Ähnlich verhält es sich mit unserem kīrtana: Wir verwenden nur Trommeln und karatālas, aber die Menschen gelangen in Ekstase. Es geht nicht um Ausschmückung, es geht um die Ekstase. Diese Ekstase wird durch śravaṇam und kīrtanam von den Gottgeweihten geweckt. Ich hoffe, damit ist alles klar. Ende September 1975 beschwerte sich Alanātha Dāsa, einer der führenden deutschen Buchverteiler, der inzwischen die Leitung des Stockholmer Tempels übernommen hatte, bei Śrīla Prabhupāda über Hansaduttas exzentrisches Verhalten, das die Gottgeweihten in Schweden verwirrte. Prabhupāda nahm die Angelegenheit sehr ernst. Er hatte den GBC geschaffen, um von Managementaufgaben entlastet zu werden, und erwartete

Die Nachwirkungen

von dessen Mitgliedern ein vorbildliches Verhalten. Der GBC sollte die Gottgeweihten inspirieren, in einer gemeinsamen Anstrengung die Mission Śrī Caitanya Mahāprabhus zu erfüllen. Zwietracht, die durch persönlichen Ehrgeiz genährt wurde, war eine große Gefahr. Prabhupādas Antwort an Alanātha vom 10. November war ungewöhnlich offen und direkt: Ich weiß, dass Hansadutta sehr gut im Bücherverkauf ist, aber Bücher sind nicht nur zum Verkaufen da, sondern auch zum Lesen. Glaubt der GBC jetzt, er stehe über seinem Guru Mahārāja? Als ob der GBC nur dazu da wäre, sich um die Finanzen zu kümmern. Der GBC kümmert sich nicht um spirituelles Leben – das ist der Fehler. Alle unsere Schüler müssen einmal gurus werden, aber sie sind nicht qualifiziert. Das ist das Problem. Ein Jahr zuvor hatten sich Gottbrüder bereits über Hansaduttas Verhalten beschwert, und nun war er erneut Gegenstand von Streitigkeiten. In einem früheren Brief an Prabhupāda hatte Hansadutta niedergeschlagen geklungen. Er hatte sich selbst als nutzlos dargestellt und sich zu vielen Fehlern bekannt. Um ihn aufzurichten, versicherte ihm Prabhupāda, dass er nicht der Meinung sei, er habe falsch gehandelt, und erinnerte seinen Schüler daran, dass wir Lebewesen begrenzt und eigentlich unwürdig sind, dem Unbegrenzten zu dienen; es sei allein Kṛṣṇas Barmherzigkeit, dass Er unseren unbedeutenden Dienst annimmt. Im selben Brief hatte Hansadutta auch erneut seinen Wunsch geäußert, in den Sannyāsa-Stand einzutreten, doch Prabhupāda hatte ihn nicht dazu ermutigt: Was deinen Wunsch betrifft, deine Familie zu verlassen und sannyāsī zu werden – worin besteht überhaupt deine Familie? Du lebst von deiner Frau getrennt und hast keine Kinder, also bist du praktisch bereits ein sannyāsī. Wie dem auch sei, wir können später darauf zurückkommen. Zuerst müssen wir diese Bewegung voranbringen. Das ist das Wichtigste. Ob gṛhastha oder sannyāsī, das spielt keine Rolle. Zuerst müssen wir die Wissenschaft des KṛṣṇaBewusstseins verstehen. Caitanya Mahāprabhu hat nie gesagt, dass jeder sannyāsī werden müsse. Wir sollten einfach danach streben, ein reiner Diener Kṛṣṇas zu werden. Ende November 1975 flog Hansadutta nach Delhi, um im Dezember als Prabhupādas Sekretär zu dienen. Es war für ihn eine willkommene Pause von den vergangenen spannungsgeladenen Wochen und Monaten. Die Streitigkeiten mit seinen Gottbrüdern hatten einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Er fühlte sich als Opfer unbegründeter Gerüchte. Erneut trat er an Prabhupāda heran und bat ihn um die Einweihung zum sannyāsī.

RAMBHORŪ DEVĪ DĀSĪ: Als Himavatī von Hansaduttas Absichten erfuhr, war sie außer sich. Sie traf sofort Vorbereitungen, um nach Indien zu fliegen, und bat mich, sie zu begleiten. In Vṛndāvana versuchte Hansadutta, sie dazu zu bewegen, seinem Eintritt in den Sannyāsa-Stand zuzustimmen, doch sie wollte davon nichts hören. Jeden Tag ging sie zu Prabhupāda, um mit ihm darüber zu sprechen. Er sagte ihr: „Hansadutta kann kein sannyāsa annehmen, solange du nicht zustimmst.“ Und sie erwiderte: „Ich denke nicht, dass wir bereit für sannyāsa sind. Ich bin mir ganz sicher, dass wir nicht fortgeschritten genug sind, aber wenn du ihm sannyāsa gibst, werde ich das akzeptieren.“ Doch Prabhupāda beharrte: „Nein, nein, du musst zustimmen.“ Tageund wochenlang ging es so hin und her, und schließlich ließ Prabhupāda das Thema einfach fallen.

HARI-ŚAURI DĀSA: Als Prabhupāda sah, wie entschieden Himavatī dagegen war, dass ihr Mann sannyāsa annahm, bestärkte er Hansadutta nicht in seinem Wunsch. Hansadutta war unschlüssig und wollte, dass Prabhupāda über sein Schicksal entschied. Doch Prabhupāda wollte sich nicht einmischen und gab ihm daher keine direkte Anweisung. Er überließ die Entscheidung Hansadutta. Und es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis dieser einen Entschluss fassen würde.