DER EXODUS

as Predigen von Dorf zu Dorf war eines von Prabhupādas bevorzugten Programmen gewesen, seit er seine Mission begonnen hatte. Bereits 1969 hatte er an Krishnadas geschrieben: „Wenn du Back to Godhead auf Deutsch verteilst, indem du von Dorf zu Dorf gehst, dann wirst du meine Mission erfolgreich machen.“ Während der Tour durch Indien im Jahr 1971 bemerkte Prabhupāda mit Freude die überwältigend positive Resonanz auf seine westlichen „tanzenden weißen Elefanten“. Als Upendra von einer ähnlich positiven Aufnahme durch die Landbevölkerung in Fidschi berichtete, schrieb Prabhupāda ihm: Wir haben kürzlich in einigen kleinen Dörfern gepredigt und saṅkīrtana abgehalten, und das Ergebnis ist sehr gut. Die einfachen Dorfbewohner fühlen sich vom saṅkīrtana sehr angezogen und nehmen bereitwillig daran teil und hören aufmerksam zu. Daher freue ich mich, dass auch du auf dem Land predigst. Das ist sehr gut. Śrī Caitanya wollte, dass sich Seine Bewegung überall verbreitet, in jedem Dorf und jeder Stadt, und nun wird durch deine Mitarbeit Sein heiliger Wunsch erfüllt. D

Nach seiner Rückkehr aus Indien im Sommer 1971 begann Hansadutta in Deutschland ein ähnliches Programm; Prabhaviṣṇu tat dasselbe in England, und Tamāla Kṛṣṇa Goswami organisierte mit Viṣṇujana Swami die RadhaDamodar-Sankirtan-Party in Amerika. Prabhupāda war von dem Erfolg der reisenden Saṅkīrtana-Busse so erfreut, dass er diese Art des Predigens oft als praktischer und wirkungsvoller bezeichnete als die Gründung von Tempeln. Im August 1973 hatte er Jagadīśa geraten: Hansadutta hat in Deutschland, anstatt die Zahl der Tempel und die MurtiVerehrung zu vermehren, die Sankirtan-Gruppen ausgeweitet. Er ist jetzt mit acht neuen Bussen unterwegs und verteilt große Mengen Literatur. Das ist wichtiger, als Tempel zu eröffnen. Während Prabhupādas Aufenthalt in Bombay im November 1975 besuchte ihn Mahāṁsa Swami und berichtete über die Predigtarbeit in Hyderabad. Als Prabhupāda hörte, wie begeistert die Menschen in den Dörfern auf saṅkīrtana und prasādam reagierten, wurde er sehr belebt und sagte zu Mahāṁsa: „Sieh nur, wie schnell es eine Reaktion gibt. Deshalb habe ich darauf bestanden: ‚Geht von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt.‘ Śrī Caitanya Mahāprabhu hat es vorhergesagt: pṛthivīte āche yata nāgarādi grāma. „Der heilige Name wird auf der ganzen Welt zu hören sein.“ Diese Art der Predigt wird also niemals fehlschlagen. Wir sollten daher von jetzt an von Dorf zu Dorf predigen!“ Ein wohlhabender Geschäftsmann aus Hyderabad hatte ein Grundstück unweit der Stadt gespendet, und Hansadutta wurde zusammen mit Mahāṁsa Swami damit betraut, dort eine Farm aufzubauen und durch kīrtana sowie die Verteilung von prasādam in den umliegenden Dörfern Kṛṣṇa-Bewusstsein zu verbreiten. Hansadutta war weiterhin der GBC für Nordeuropa, doch man erwartete von ihm, dass er auch Zeit in Indien verbringen, das HyderabadProjekt finanziell unterstützen und Männer schicken würde, um es mit aufzubauen. Während seines Monats als Prabhupādas Sekretär fühlte sich Hansadutta durch Prabhupādas Begeisterung für das Predigen von Dorf zu Dorf belebt. In ihm wuchs der Wunsch, sich daran zu beteiligen. Er sah darin eine große Gelegenheit, sich spirituell zu erneuern und zugleich von den harten Auseinandersetzungen in Deutschland Abstand zu gewinnen. Als

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Hansadutta Prabhupāda anbot, ein solches Programm in Indien zu organisieren, begrüßte Prabhupāda seinen Vorschlag.

HARI-ŚAURI DĀSA: Prabhupāda gab Hansadutta die Erlaubnis, einen Bus zu kaufen und in Indien eine reisende Saṅkīrtana-Gruppe zu beginnen. Er schlug vor, die Gaura-Nitāi-Mūrtis in einer Kiste mitzunehmen, und wo immer sie anhalten würden, sollten sie die mūrtis herausnehmen, sich unter einen Baum setzen und kīrtana abhalten. Prabhupāda versicherte ihm, dass viele Menschen kommen würden. Anschließend könnten sie prasādam verteilen und einen kurzen Vortrag halten. „Fange sobald wie möglich an!“, sagte Prabhupāda begeistert zu Hansadutta. Mitte Dezember lud Yaśomatīnandana Prabhupāda zu einer Vortragsreise rund um die Stadt Ahmedabad ein. Mehrere Programme in Dörfern waren organisiert worden, und Prabhupāda war in bester Laune. Er betonte die Bedeutung des Predigens in den Dörfern. Er sagte zu Hansadutta, Harikeśa und mir, dass er schon vor seiner Reise in den Westen den Wunsch gehabt habe, in Indien von Dorf zu Dorf zu predigen, dies jedoch nicht habe verwirklichen können. Nun bekam er die Gelegenheit, diesen Wunsch zu erfüllen. Prabhupāda ermutigte Hansadutta, ein solches Programm zu organisieren, und erklärte, dass er persönlich mit seiner Gruppe reisen würde. Es war eine so faszinierende Vorstellung, und Prabhupāda war davon so begeistert, dass gar nicht zur Sprache kam, wie sehr ein solches Programm seine körperlichen Kräfte überstiegen hätte. Für Prabhupāda bedeutete Predigen, dass es keine andere Überlegung gab, als Kṛṣṇa-Bewusstsein zu verbreiten – koste es, was es wolle.

An seinem letzten Tag als Prabhupādas Sekretär trat Hansadutta an seinen spirituellen Meister heran, um mit ihm die Pläne zur Umsetzung des Predigens von Dorf zu Dorf in Indien durchzugehen. Hansadutta war von seiner zukünftigen Aufgabe so angeregt, dass er sich bereits über Preise für Fahrzeuge und Ausrüstung informiert hatte. Als er jedoch seinen Plan darlegte, einige seiner Männer aus Deutschland mitzubringen, um an der reisenden Saṅkīrtana-Gruppe teilzunehmen, warnte ihn Prabhupāda.

HARI-ŚAURI DĀSA: Obwohl Prabhupāda die Idee unterstützte, wollte er nicht, dass Hansadutta seine Aufgaben in Deutschland vollständig aufgab. Er sagte ihm, dass trotz der enormen Schwierigkeiten dort die Bemühungen für die langfristige Etablierung des Kṛṣṇa-Bewusstseins aufrechterhalten werden müssten. Hansadutta hatte maßgeblich zur Entwicklung der deutschen ISKCON beigetragen, und Prabhupāda wollte nicht, dass er seinen Verantwortungsbereich verließ und am Ende alles zusammenbräche. Gleichzeitig hatte er jedoch keinerlei Einwände dagegen, dass Hansadutta in Indien predigte – zumindest vorübergehend, bis die Schwierigkeiten in Deutschland abflauten.

Zurück in Deutschland fand Hansadutta mühelos Anhänger, die bereit waren, an dem neuen Busprogramm teilzunehmen. Für viele Gottgeweihte war die Aussicht, die düstere Atmosphäre ihrer feindseligen Heimat gegen den sonnigen Himmel Indiens einzutauschen, eine Gelegenheit, die sie sich nicht entgehen lassen wollten. Bis Ende Januar hatte Hansadutta vier Mercedes-Busse gekauft, von denen jeder fünfundvierzig Passagiere befördern konnte. Dann begann er, die Busse für die neue Mission auszurüsten. Er plante, zwei Busse rechtzeitig zum Mayapur-Festival nach Indien zu bringen. Die anderen beiden waren für ein ähnliches Predigtprogramm in Deutschland vorgesehen. Zwei Wochen später, als die Busse abfahrbereit waren, informierte Hansadutta Prabhupāda, der sich bereits in Mayapur aufhielt.

HARI-ŚAURI DĀSA: Zusammen mit seinem Brief legte Hansadutta einen Flyer bei, der für das neue Saṅkīrtana-Programm warb. Der Flyer war dazu gedacht, Gottgeweihte zur Teilnahme zu bewegen. Oben zeigte er ein Bild der vier Busse sowie einige eingängige Slogans, die den Kern des Programms erklärten.

PRABHUPADAS WELT- SANKIRTANA-PARTY
Im Tempelleben verstrickt?
Auf Sankirtana ausgebrannt?
Dann ist dieses neue Programm für dich.
Einfach chanten, tanzen
und Krischna-prasadam verteilen.

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Um die Geweihten zusätzlich zu motivieren, erwähnte der Flyer, dass Prabhupāda versprochen hatte, persönlich mit der Gruppe zu reisen. Außerdem enthielt er eine lebhafte Beschreibung der kürzlichen Predigttour rund um Ahmedabad. Prabhupāda war sehr erfreut über den Eifer und die Begeisterung, mit der sich Hansadutta dem Predigen von Dorf zu Dorf widmete. In seiner Antwort bestätigte er seine Absicht, daran teilzunehmen: „Ja, mit großer Freude werde ich euch begleiten, und wir werden von Dorf zu Dorf fahren. Ich habe die Bilder gesehen, und die Busse sehen sehr schön aus.“

SARVABHĀVANA DĀSA: Nachdem ich im Sommer 1975 von Prabhupāda eingeweiht worden war, verspürte ich den starken Wunsch, ihn persönlich kennenzulernen. Ich hatte seine Bücher gelesen und war von der Philosophie überzeugt, aber er sagte Dinge wie: „Du wirst Kṛṣṇa von Angesicht zu Angesicht sehen und noch in diesem Leben Seine Lotosfüße erreichen“, was ich nicht so ganz verstand. Ich fragte mich, wie das möglich sein sollte. Ich hatte das Gefühl, Prabhupāda persönlich sehen zu müssen und einen lebendigen Beweis zu haben, um mich zu überzeugen, dass er wirklich meinte, was er sagte. Als ich also vom Busprogramm hörte, zögerte ich keinen Augenblick. Es war eine goldene Gelegenheit, nach Indien zu fahren und meinen spirituellen Meister zu treffen. Nachdem wir im frühen Frühjahr 1976 mit den Bussen in Mayapur angekommen waren, verließ ich die Gruppe und reiste allein weiter nach Vṛndāvana. Prabhupāda wurde für den letzten Märztag im Krishna-BalaramMandir erwartet. Ich war voller Hoffnung, ihn zu treffen und meine Fragen zu klären. Wir versammelten uns vor dem Tempel, um ihn zu empfangen. Ein rubinfarbener Ambassador hielt am Tor, und einer der Tempelleiter eilte herbei, um die Tür zu öffnen. Dann stieg Prabhupāda aus dem Wagen. Als ich ihn sah, waren all meine Fragen beantwortet. Ich fiel einfach flach auf den Boden, um ihm meine Ehrerbietungen darzubringen. Spontan überkam mich ein überwältigendes Gefühl völliger Geborgenheit. Ich erkannte, dass ich mich in der Gegenwart einer Persönlichkeit befand, die weit über jede hinausging, der ich in meinem Leben bisher begegnet war. Hier war eine heilige Person, deren jedes Wort von gelebter Erkenntnis getragen war. Es war, als ob alles, was ich in seinen Büchern gelesen hatte, nun lebendig geworden wäre. Ich fühlte mich überglücklich und vollkommen zufrieden. Später wurde ich eingeladen, Prabhupāda in seinem Zimmer zu besuchen, und als er hörte, dass ich eine formale Ausbildung hatte, sagte er: „Oh, du solltest meine Bücher in die bengalische Sprache übersetzen.“ Ich erwiderte: „Aber Prabhupāda, mein Bengalisch ist nicht besonders gut, denn ich habe in Kalkutta nur englischsprachige Schulen besucht. Bengalisch habe ich immer vermieden.“ „Oh, das ist nicht gut“, sagte er. „Dann solltest du das Śrī Caitanya-caritāmṛta studieren. Auf diese Weise wirst du gutes Bengalisch lernen. Mein Guru Mahārāja pflegte zu sagen, dass die ganze Welt Bengalisch lernen werde, um das Śrī Caitanya-caritāmṛta lesen zu können.“ Und so lernte ich wieder Bengalisch. Was das Übersetzen betrifft, gab mir Prabhupāda Anweisungen, die ich sehr schätze und so gut wie möglich zu befolgen versuche. Er erklärte mir, dass es zwei Arten von Übersetzungen gibt: die eine ist wörtlich, und die andere wird bhavārtha genannt, was bedeutet, den inneren Sinn zu erfassen. BhaktiSchriften sind tiefgründige spirituelle Werke, die die hingebungsvolle Stimmung der Autoren vermitteln, die allesamt ācāryas sind. Prabhupāda sagte: „Ich persönlich bevorzuge bhavārtha, also den Geist und die Stimmung der Schriften wiederzugeben, anstatt einer rein wörtlichen Übersetzung. Ich möchte, dass du den Originaltext liest, ihn verstehst, und die Übersetzung in deinen eigenen Worten formulierst.“ Als Satsvarūpa Mahārāja einmal anwesend war, sagte Prabhupāda zu ihm: „Du solltest Renunciation Through Wisdom redigieren, es ist ein sehr wichtiges Buch.“ Und tatsächlich ist es ein außergewöhnliches Werk – eine schrittweise Entfaltung der Philosophie und Bedeutung der Bhagavad-gītā. Prabhupādas ursprüngliche Fassung ist in einem hochgelehrten Bengalisch geschrieben. In der englischen Version hat Prabhupāda meiner Meinung nach versucht, einfacher zu schreiben, doch sein Bengalisch ist eine sehr gelehrte und tiefgehende Darstellung. Dieses Werk zu übersetzen, war eine große Herausforderung, und jeden Tag bat er mich, ihm die englische Übersetzung vorzulesen, während er den bengalischen Originaltext las. Er war mit meiner Arbeit zufrieden, und das machte mich natürlich sehr glücklich.

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Prabhupāda sprach auch mit mir darüber, ein Restaurant zu eröffnen, da ich Koch bin. Er sagte, dass Restaurants im Westen ein wirksames Mittel seien, unsere Philosophie zu predigen. Er war stolz auf die Govinda’s-Restaurants, die erstklassiges prasādam servierten. Er wollte, dass seine Schüler besonders zu den Stammgästen predigen. *** RAMBHORŪ DEVĪ DĀSĪ: Während des Mayapur-Festivals 1976 wurde Hansaduttas Traum schließlich Wirklichkeit: Aus Hansadutta Dāsa wurde Hansadutta Swami. Himavatī, die sich noch in Vṛndāvana aufhielt, war völlig aufgewühlt. Tagelang schwankte ihre Stimmung zwischen Aufgebrachtheit und Niedergeschlagenheit. Sobald Prabhupāda im Krishna-Balaram-Mandir eintraf, verlangte sie, ihn zu sehen. „Seit mein Mann sannyāsa angenommen hat, hasse ich jeden und alles in dieser materiellen Welt“, erklärte sie. Prabhupāda sah sie an und sagte einfach: „Oh, du machst großen Fortschritt.“ Als Himavatī sich mit der neuen Lage abgefunden hatte, ging sie in Vṛndāvana umher und fragte verschiedene Witwen, wie sich eine Frau verhalten solle, nachdem der Ehemann sannyāsa angenommen hatte. Als man ihr sagte, dass es üblich sei, seine Schuhe oder ähnliche persönliche Gegenstände zu verehren, kam sie auf die Idee, Hansadutta in Form eines mūrtis zu verehren. Im Loi Bazar kaufte sie Messing-Mūrtis von Gaura-Nitāi und gab Gaura einem Schmied, damit die Figur schlanker gemacht werde und mehr wie Hansadutta aussehe. Danach kleidete sie die Messingfigur in sannyāsa-Gewänder, gab ihr einen daṇḍa in die Hand und stellte sie – natürlich ohne Nitāi – auf ihren kleinen Altar. All dies geschah, während Śrīla Prabhupāda sich in Bombay aufhielt. Als er zurückkam, wollte Himavatī ihm zeigen, wie sie nun ihren Mann treu in Trennung verehrte. Sie brachte die Figur zu Prabhupāda. Vermutlich dachte sie, er würde erkennen, dass es sich um eine Darstellung von Hansadutta handelte, doch als Prabhupāda die Figur sah, rief er aus: „Oh nein! Du kannst Gaura-Nitāi nicht wie sannyāsīs kleiden. Wir verehren Sie wie Prinzen.“ Sie brachte es nicht übers Herz, ihm zu sagen, dass dies eigentlich Hansadutta darstellen sollte. Doch sie erkannte, dass ihre Idee nicht angebracht war, und gab sie auf.

Während des GBC-Treffens in Mayapur schlug Prabhupāda vor, dass einige Mitglieder ihre Zonen wechseln sollten. Infolgedessen erhielten mehr als die Hälfte der GBCs neue Aufgabenbereiche. Hansadutta bat seine Gottbrüder, ihn von seiner Verantwortung in Europa zu entbinden, damit er sich voll auf das Predigtprogramm in Indien konzentrieren konnte, und sie stimmten seinem Vorschlag bereitwillig zu. Jayatīrtha, der bis dahin GBC für Kalifornien gewesen war, wurde nun für Deutschland, die Britischen Inseln, Irland, Skandinavien und den Ostblock verantwortlich. Als Jayatīrtha in Deutschland ankam, war er schockiert zu sehen, dass sich die Zahl der Gottgeweihten nahezu halbiert hatte. Diejenigen, die sich nicht Hansaduttas Bussen angeschlossen hatten, sondern auf Schloss Rettershof geblieben waren, zeigten Anzeichen von Depression. Die Umstände waren nach der Razzia ohnehin schon schwierig genug gewesen, doch die jüngsten Ereignisse, nämlich der Exodus so vieler Gottbrüder und Gottschwestern, hatten die Moral zusätzlich untergraben.

HARI-ŚAURI DĀSA: Während wir im Mai den Tempel in Honolulu besuchten, erhielt Prabhupāda Jayatīrthas ersten GBC-Bericht aus seiner neuen Zone. Seine Einschätzung der Lage in Deutschland war düster. Im ganzen Land waren nur noch fünfundfünfzig Gottgeweihte übrig, die sich schwertaten, die Tempelverehrung und die Predigtarbeit aufrecht-zuerhalten. Die deutschen Medien und die Regierung führten eine Kampagne, um ISKCON in Misskredit zu bringen. Die Regierung verfolgte ihren Fall gegen ISKCON weiter und verlangte zusätzlich zu den bereits beschlagnahmten 700.000 DM weitere 625.000 DM. Außerdem, so sagte er, habe sich die Situation durch Hansaduttas Missmanagement noch verschlechtert. Er war der Meinung, dass sich unser Ansehen auf zwei Weisen verbessern ließe. Erstens sollten alle Bücher ins Deutsche übersetzt und an Universitäten und Hochschulen verteilt werden. Rezensionen angesehener Professoren würden ISKCON als authentisch etablieren. Zweitens sollte jedes Jahr ein neuer Tempel eröffnet und solide aufgebaut werden, mit regelmäßigen Programmen von saṅkīrtana, Sonntagsfesten und Festivals. Mit wachsender Zahl an Mitgliedern könnte in jeder größeren Stadt eine Zweigstelle eröffnet

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werden, was uns eine dauerhafte Präsenz verschaffen und es ermöglichen würde, verlässliche Unterstützer zu gewinnen. Abschließend berichtete Jayatīrtha, dass eine neu formierte BBT-Gruppe unter der Leitung von Alanātha Skandinavien, Deutschland und Österreich bereisen würde, um Bücher zu verteilen und Festivals zu veranstalten. Dadurch würden die großen Bestände an Büchern abgebaut, die – wie er sagte – „im Keller des Schlosses lagen und Staub sammelten“, und es würde möglich werden, neue deutsche Bücher zu drucken. Prabhupāda hörte den Bericht mit Genugtuung. Er hatte sich große Sorgen um ISKCON Deutschland gemacht und beurteilte Jayatīrthas Pläne als positiv und gut durchdacht. Er sagte zu Puṣṭa Kṛṣṇa und mir, dass Jayatīrtha der beste Manager in unserer Gesellschaft sei. In seiner Antwort ermutigte er Jayatīrtha mit persönlichem Lob und einigen praktischen Ratschlägen: Dein Bericht über zunehmenden saṅkīrtana ist sehr ermutigend. Mach weiter so, und verteile immer mehr Bücher. Was die Situation in Deutschland betrifft, so bist du der richtige Mann, um die Gottgeweihten auszubilden. Es ist Kṛṣṇas Wunsch, dass Hansadutta durch dich ersetzt wird. Ich habe bestätigt, dass du unser erstklassiger Tempelmanager bist. Eine kleine Veränderung wirkt belebend, also versuche, mir nach besten Kräften zu dienen. Prabhupāda schlug Jayatīrtha vor, seine Bücher in Deutschland zu drucken und dann die Rechnung der Bank vorzulegen, die unser Geld zurückhielt. Vor Ort zu drucken, könnte dazu beitragen, unseren guten Ruf wiederherzustellen: Das wird unser Ansehen in der Öffentlichkeit fördern, und gleichzeitig werden wir Bücher haben. Ob das Geld illegal oder legal gesammelt wurde – es wird in Deutschland ausgegeben. Es geht nicht ins Ausland, also warum wird es unrechtmäßig zurückgehalten? Wir wollen es in Deutschland ausgeben. Es ist unser Geld, darüber besteht kein Zweifel. Es ist nicht das Ziel unserer Gesellschaft, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Du kannst ihnen unsere Ziele erklären. Einige unserer Mitglieder mögen falsch gehandelt haben, aber wir bemühen uns, die ganze Welt und die Menschen in Deutschland mit guter Literatur zu erleuchten.

Er sagte, wir sollten sie überzeugen, dass unsere Bewegung Menschen von bestem Charakter formt: Wenn einzelne Mitglieder Fehler gemacht haben, sollte das nicht die gesamte Gemeinschaft gefährden. Viele, die alle möglichen schlechten Angewohnheiten hatten, haben sich durch unsere Gemeinschaft zum Positiven verändert und führen nun ein reines, glückliches Leben. Nachdem er seine Antwort diktiert hatte und Puṣṭa Kṛṣṇa gegangen war, um den Brief zu transkribieren, fragte ich Prabhupāda, wie wir zwischen Kṛṣṇas Anordnung und unserer eigenen schlechten Verwaltung unterscheiden können. Die schwierige Lage in Deutschland schien mir eindeutig durch Fehler und Unüberlegtheit einiger Mitglieder verursacht worden zu sein. Ich fragte ihn, ob Kṛṣṇa Dinge misslingen lässt, wenn wir Fehler machen oder nicht korrekt handeln. Bestraft uns Kṛṣṇa, um uns eine Lektion zu erteilen? Prabhupāda erklärte mir, dass Kṛṣṇa einen Plan hat, doch wenn wir nicht mit Ihm zusammenarbeiten, dann schlagen die Dinge fehl. „Kṛṣṇa bestraft Seine Geweihten nicht“, sagte er. „Die Probleme werden von den Dämonen verursacht, nicht von Kṛṣṇa. Aber wenn wir Fehle-ntscheidungen treffen, dann bekommen die Dämonen die Gelegenheit, in unserer Mission Schaden anzurichten.“ Dann lächelte er und fügte hinzu: „Aber sie können nicht lange stören.“

Als Jayatīrtha und die Gottgeweihten im Schloss Rettershof Prabhupādas Brief erhielten, fühlten sie sich ermutigt, ihre Bemühungen zu verstärken und sich den Herausforderungen zu stellen. Doch ein unerwartetes Ereignis dämpfte bald ihren neu gewonnenen Enthusiasmus. In der ersten Juniwoche kehrte Hansadutta Swami mit einigen Männern aus Indien zurück. Er plante, drei weitere Busse zu kaufen, neue

Ausrüstung
zu
besorgen
und
noch
mehr
Mitglieder
für
sein
Predigtprogramm in Indien zu rekrutieren.

BHAKTI GAURAVANI GOSWAMI: Ich hatte Jayatīrtha von Los Angeles nach Mayapur und von Mayapur nach Deutschland begleitet. Kurz nach unserer Rückkehr wurde ich mit der Leitung des Schlosses betraut, und Pṛthu ging nach München, um dort einen neuen Tempel zu eröffnen. Wir hatten das

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Gefühl, dass das Leben im Schloss dem Predigen und unserem Ansehen in der Öffentlichkeit eher schadete und dass die Zukunft darin lag, in die Städte zurückzukehren und dort Tempel zu eröffnen. Pṛthu war bereit, den ersten Schritt zu wagen. Es war bereits zwei Jahre her, dass alle Stadttempel – mit Ausnahme einer kleinen Niederlassung in Berlin – geschlossen worden waren. Anfangs hatten viele Menschen Schloss Rettershof aus Neugier besucht, doch mit der Zeit, besonders nach der Razzia, kamen immer weniger Besucher. Die meisten Gottgeweihten waren demoralisiert, und wir hatten das Gefühl, dass es Zeit für eine durchgreifende Veränderung war. Wir wollten Schloss Rettershof verlassen und stattdessen mehrere Stadttempel eröffnen. Dafür benötigten wir jedoch Prabhupādas Zustimmung. Prabhupāda besuchte im Juli England, und Jayatīrtha riet Pṛthu und mir, dorthin zu reisen und ihm unser Anliegen vorzutragen. Vielleicht würde Prabhupāda unseren Vorschlag annehmen, wenn er unsere persönlichen Berichte hörte. Wir kamen am 23. Juli im Bhaktivedanta Manor an, und am nächsten Morgen wurden wir in Prabhupādas Zimmer gebeten. Er saß hinter seinem Schreibtisch, und obwohl er etwas erschöpft wirkte, war sein Auftreten wie immer würdevoll. Kaum hatte ich mich nach meinen Ehrerbietungen erhoben, wollte Prabhupāda wissen, welches Buch ich gerade übersetzte. Ich informierte ihn, dass ich den ersten Band des Dritten Canto abgeschlossen hatte und nun am ersten Band des Madhya-līlā arbeitete, und dass wir zwölf Bücher druckfertig hätten. Prabhupāda nickte zustimmend und fragte: „Welche Bücher verkaufen sich am besten?“ Es bestand kein Zweifel, worauf er Wert legte. Obwohl er sich um die Situation in Deutschland sorgte, war er überzeugt, dass die Bewegung für Kṛṣṇa-Bewusstsein letztlich erfolgreich sein würde, wenn wir die Produktion und Verbreitung von Büchern steigern würden. Dann kam Hari-śauri mit einem Stück Seife herein. Man hatte ihm gesagt, dass Prabhupāda diese Marke mochte, und er wollte wissen, ob sie geeignet sei oder nicht. Prabhupāda wies seine Frage mit einem Lächeln zurück. „Seife ist Seife“, sagte er, und wir konnten uns ein Lachen nicht verkneifen. Als Hariśauri darauf hinwies, dass auf dem Etikett Menthol und Kampfer als

Inhaltsstoffe angegeben waren, schmunzelte Prabhupāda und sagte: „Man kann auf so viele Arten Werbung machen. Es ist eine Kombination aus Öl und Soda, nichts weiter.“ Auch Harikeśa Swami betrat den Raum. In Indien hatte er nach Prabhupādas Anweisung Zahnpasta aus gemahlenen Senfkörnern, Salz, Kalziumkarbonat, Glyzerin, Wintergrünöl, Menthol, Kampfer und Thymol hergestellt. Er wollte wissen, ob er mehr zubereiten solle. Prabhupāda sagte ihm, dass er noch genug Zahnpasta habe und dass sie Wunder wirke. Unter unserem Gelächter sagte er: „Alle meine Zähne kündigen an: ‚Wir arbeiten nicht mehr‘, aber wegen dieser Zahnpasta sind sie dazu verpflichtet. Sie ist sehr gut. Ich könnte euch viele solche Rezepte geben, aber ich möchte eure Aufmerksamkeit nicht zu sehr ablenken. Unser Hauptaufgabe ist die Verbreitung von Kṛṣṇa-Bewusstsein – durch Bücher.“ Nachdem Harikeśa Swami und Hari-śauri das Zimmer verlassen hatten, gab Jayatīrtha Prabhupāda einen kurzen Bericht über die neuesten Entwicklungen in Deutschland. Was Buchbestellungen von Professoren und Bibliotheken betraf, gab es keine positive Rückmeldung, was auf das Erscheinungsbild der Bücher zurückzuführen war. Wir wollten Prabhupādas Zustimmung, die Aufmachung zu ändern und die Bücher kompakter und ansprechender zu gestalten. Außerdem wollten wir Fotografien von historischen Orten wie Kurukṣetra hinzufügen, um die Bücher authentischer wirken zu lassen. Prabhupāda hatte nichts dagegen. Als wir ihm ein Muster zeigten, gefiel es ihm, und er sagte: „Ihr könnt die Bücher so drucken.“ Das nächste Thema war heikler. Jayatīrtha wies darauf hin, dass es in den letzten zwei Jahren keinen Stadttempel gegeben hatte, weil für die Aufrechterhaltung des Schlosses alle Ressourcen und Kräfte gebraucht wurden. Doch kürzlich war Pṛthu nach München gegangen und hatte dort sofort gute Ergebnisse erzielt. Jede Woche kamen mehr als fünfzig Gäste zum Sonntagsfest, und die Gottgeweihten waren neu motiviert, wieder so viele Möglichkeiten zum Predigen zu haben. Jayatīrtha erklärte, dass kaum jemand zum Schloss Rettershof kam. Es lag auf dem Land und war nur mit dem Auto erreichbar. Die nächstgelegene Großstadt, Frankfurt, war zudem der Hauptsitz unserer Gegner. Er schlug vor, das Schloss zu schließen und Tempel in mehreren Städten zu eröffnen.

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„Ich denke, wir sollten das Schloss behalten“, sagte Śrīla Prabhupāda, „einfach um das zu bewahren, was wir haben.“ Jayatīrtha versuchte es noch einmal: „Aber niemand schätzt diesen Ort. Im Gegenteil, man kritisiert uns deswegen.“ Prabhupāda zeigte sich unbeeindruckt. „Meiner Ansicht nach sollten wir es nicht schließen“, sagte er, „aber wenn ihr alle entscheidet…“ Er ließ den Satz unvollendet, sah uns ernst an, und wir schwiegen. Es kam nicht infrage, gegen Prabhupādas Wunsch zu handeln. „Es ist ein schöner Ort“, fuhr er fort, „und wenn wir einmal einen Tempel eröffnet haben, können wir ihn nicht wieder schließen. Angenommen, ein Kind wird taub und stumm geboren – bedeutet das, dass man es töten sollte? Es ist vielleicht nutzlos, aber das bedeutet nicht, dass ich es umbringen soll. Auch wenn das Schloss uns keine gute Resonanz bringt – weil es einmal eröffnet ist, könnt ihr es nicht schließen. Wir können nicht Tempel nach Lust und Laune eröffnen und wieder schließen. Vor der Eröffnung können wir uns die Sache hundertmal überlegen. Aber nach der Eröffnung können wir einen Tempel nicht wieder schließen.“ Jayatīrtha unternahm einen letzten Versuch: „Das Problem in diesem Fall ist, dass die Dinge nicht gut überlegt waren.“ „Aber er ist eröffnet“, erwiderte Prabhupāda. Seine Worte klangen wie ein endgültiges Urteil in einem Gerichtssaal. Jayatīrtha warf Pṛthu und mir einen hilflosen Blick zu. Er hatte alles versucht, aber Prabhupāda wollte nichts davon hören, den Tempel zu schließen. Nach einigen Momenten des Schweigens nannte Prabhupāda weitere Gründe. „Es gibt ein englisches Sprichwort“, sagte er. „Ein rollender Stein setzt kein Moos an.“ Also seid keine rollenden Steine. Das ist eine der Gewohnheiten der Europäer: zu rollenden Steinen zu werden, immer alles schnell zu ändern. Das ist nicht gut. Schließlich müssen wir irgendwo leben. Es ist ein schöner Ort. Es mag sein, dass niemand kommt, aber wir sind dort. Wir haben unseren Tempel, kīrtana, prasādam. Wenn jemand kommt, gut. Wenn nicht, was kann man tun? Es ist nicht so, dass wir einen Tempel nur deswegen eröffnen, damit andere kommen. Wir brauchen auch selbst einen Ort zum Leben.“ Alles war gesagt. Mit einem „Jaya Śrīla Prabhupāda!“ brachten wir unsere Ehrerbietungen dar und verließen das Zimmer. Prabhupādas Wunsch war maßgebend. Er stand in Verbindung mit der Überseele, und wir hatten das Vertrauen, dass seine fehlerlose Sicht unserem besten Interesse diente. * * * VIBHĪṢAṆA DĀSA: Eines Morgens, nachdem Prabhupāda in einem Vortrag über die Schönheit des Kṛṣṇa-Bewusstseins gesprochen hatte, fragte ich ihn: „Wenn Kṛṣṇa-Bewusstsein so wunderbar ist, warum kommen dann nicht mehr Menschen zu unserer Bewegung?“ Er antwortete: „Kṛṣṇa-Bewusstsein ist wunderbar, aber das materielle Leben ist wie ein dunkler Brunnen. Wenn man sich im Dunkeln befindet und von Unwissenheit bedeckt ist, fällt es schwer, etwas wertzuschätzen, das jenseits des eigenen Erfahrungsbereichs liegt.“

RAMBHORŪ DEVĪ DĀSĪ: Jeden Morgen machte Prabhupāda seinen Spaziergang auf derselben Strecke vom Bhaktivedanta Manor durch die Felder und zurück nach Letchmore Heath. Eines Tages ging einer der deutschen Schüler, Āma Dāsa, der etwas merkwürdig war – er trug Turbane und benutzte eine übergroße Gebetskette –, Schulter an Schulter mit Prabhupāda, um seine Aufmerksamkeit zu erregen, doch Prabhupāda beachtete ihn nicht. Dann sprach Āma ihn direkt an und sagte: „Ich bin Āma.“ Doch Prabhupāda sah ihn nicht einmal an. Einige Minuten später sagte er wieder: „Ich bin Āma, ich bin Āma.“ Prabhupāda reagierte nicht. Dann versuchte Āma es ein drittes Mal, stellte sich beinahe vor Prabhupāda und sagte: „Ich bin Āma, ich bin Āma.“ Dieses Mal blieb Prabhupāda stehen und sah den Jungen mit ernster Miene an. „Āma Dāsa!“, korrigierte er ihn in einem strengen Ton. In diesem Augenblick schien es, als habe Āma Dāsa eine gewisse Einsicht, und so brachte er Prabhupāda seine Ehrerbietungen dar.

Eines Nachmittags gab Prabhupāda in seinem Zimmer eine Audienz. Er saß unter dem großen Bleiglasfenster, durch das man das Gelände des Manors sehen kann. Plötzlich machte er eine Handbewegung, die auf die Büsche in der Ferne zeigte, und sagte, dass Kṛṣṇa ein unglaublicher Künstler sei, weil Er all diese farbenprächtigen Blumen erschaffe und alles so schön aussehe. Dann fügte er hinzu: „Tatsächlich sind all diese Pflanzen und Blumen dem

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Untergang geweiht. Sie sind alle in dieser materiellen Existenz gefangen. Es sieht künstlerisch aus, aber es ist ein Zustand des Leidens.“ Während der Audienz kam ein Schüler herein und brachte seine Ehrerbietungen dar, wobei seine Gebetskette, die um seinen Hals hing, den Boden berührte. Prabhupāda sah ihn missbilligend an und fragte: „Wo ist dein Japa-Beutel?“ „Er ist in der Wäsche“, erklärte der Junge. „Geh in meinen Schrank und hol dir einen“, sagte Prabhupāda. „Du solltest deine Gebetskette niemals so ungeschützt tragen. * * * Zurück auf Schloss Rettershof trafen Hansadutta Swamis Leute ihre letzten Vorbereitungen. Hansadutta Swami war bereits nach Indien zurückgeflogen, und seine Männer planten, Anfang August die sechswöchige Überlandreise zu beginnen. Die meisten von ihnen hatten vor, Deutschland für immer zu verlassen. Noch vor nicht allzu langer Zeit waren sie am Aufbau der Bewegung beteiligt gewesen, und jetzt fühlten sie sich wie Fremde in ihrem Heimatland. Es schien ihnen nichts auszumachen, alle Brücken hinter sich abzubrechen.

HARI-ŚAURI DĀSA: Von London aus reiste Prabhupāda nach New Mayapur in Frankreich. Nach einigen Tagen erhielt er eine Beschwerde von Jayatīrtha, dass Hansadutta Swamis Leute in Deutschland erheblichen Ärger verursachten. Die Gottgeweihten im Schloss Rettershof beschuldigten sie, sich wie Gangster zu verhalten, indem sie den Tempel um Fahrzeuge, Ausrüstung, Männer und Geld erleichterten. Es wurde berichtet, Hansadutta Swami selbst habe mindestens 100.000 DM mitgenommen. Prabhupāda stimmte einem Vorschlag von Jayatīrtha, Bhagavān und Harikeśa Swami zu, dass sie nach Frankreich kommen sollten, um ihn zu treffen, und dass er die Angelegenheit klären würde. Doch nach ihrer Ankunft entschied Prabhupāda, dass seine beiden GBC-Männer, Bhagavān und Jayatīrtha, eine Lösung finden sollten, ohne dass er sich direkt einmischte. Zusammen mit Harikeśa Mahārāja trafen sie sich mit Hansadutta Swamis Leuten und es wurde beschlossen, dass sie die Busse nicht mitnehmen würden. Mitten in der Nacht jedoch nahmen sie die Busse und verschwanden, ohne jemandem etwas zu sagen. Sie waren der Überzeugung, dass Prabhupāda benutzt worden war, um sie nach New Mayapur zu locken und daran zu hindern, nach Indien abzureisen. Prabhupāda räumte ein, dass es verständlich sei, dass diese Geweihten glaubten, getäuscht worden zu sein. Er sagte, es sei die Aufgabe des GBC, solche Situationen mit mehr Geschick zu handhaben. Gleichzeitig lobte er Jayatīrtha für seine Zurückhaltung, sich nicht in einen Streit hineinziehen zu lassen, und dafür, dass er bereit war, konstruktiv mit den verbleibenden Mitteln und Gottgeweihten weiterzuarbeiten. Doch obwohl Jayatīrtha nach außen hin entschlossen wirkte, das Notwendige zu tun, war er innerlich keineswegs begeistert davon, Deutschland wieder aufzubauen. Das hätte enorme Anstrengung und selbstlosen Einsatz erfordert, und Entbehrungen lagen ihm nicht besonders. In England fühlte er sich wohl, nicht zuletzt wegen der Sprache. Auch Amsterdam gefiel ihm, wo die meisten Gottgeweihten und auch die Bevölkerung Englisch sprachen. Er schlug Bhagavān daher vor, Deutschland gegen Holland einzutauschen, aber Bhagavān war nicht interessiert.

NIKUÑJAVĀSIṆĪ DEVĪ DĀSĪ: Während seines Besuchs in New Mayapur leitete Prabhupāda die Installation von Kṛṣṇa-Balarāma. Balarāma und Prabhupāda waren etwa gleich groß, und während Prabhupāda sich vorbeugte und Joghurt aus einer Muschelschale über Kṛṣṇa goss, legte er seine linke Hand auf Balarāmas Schulter. Für mich war es, als stünden drei Freunde zusammen, und wir durften ihnen dabei zusehen. Abends machte Prabhupāda einen kurzen Spaziergang, um das Anwesen zu begutachten, und setzte sich dann unter einen Baum. Er hielt einen kurzen Vortrag, und danach fragte ihn einer seiner Schüler: „Im Guru-vandana heißt es, dass der spirituelle Meister unser guru Leben für Leben ist. Wenn wir es also in diesem Leben nicht schaffen, zurück nach Hause, zurück zu Gott, zu gehen, bedeutet das dann, dass du zurückkommen wirst, um uns zu retten?“ Prabhupāda schlug mit der Faust auf den kleinen Tisch vor sich und sagte streng: „Schaffe es in diesem Leben. Zwing mich nicht zurückzukommen!“