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achdem die deutschen Prediger zwei Wochen mit Śrīla Prabhupāda verbracht hatten, waren sie voller Begeisterung und Tatendrang. Sie wollten Kṛṣṇa-Bewusstsein überall in Deutschland verbreiten, doch es fehlte an Leuten. Es wurde zunehmend schwierig, allen Verpflichtungen nachzukommen, gleichzeitig Bücher zu verteilen und Spenden zu sammeln und sich noch dazu um Neuankömmlinge zu kümmern. Obwohl Prabhupāda Hansaduttas Begeisterung begrüßte, mahnte er ihn dennoch, sich nicht zu übernehmen: Jetzt haben wir so viele Schüler und so viele Tempel, aber ich befürchte, dass uns eine zu schnelle Expansion schwächen wird und dann nach und nach alles verloren geht. Es ist wie mit Milch. Man kann sie immer mehr mit Wasser verdünnen, um die Kunden zu täuschen, aber am Ende ist es keine Milch mehr. Es ist besser, die Milch kräftig zu kochen und sie dick und süß zu machen – das ist die beste Strategie. Wir sollten uns daher darauf konzentrieren, unsere Mitglieder gründlich im Wissen des KṛṣṇaBewusstseins und den richtigen Schlussfolgerungen zu unterweisen, und zwar anhand unserer Bücher, Tonaufnahmen und durch philosophische Gespräche. N

Auf dieser Grundlage wirst du in der Lage sein, unsere Predigtarbeit zufriedenstellend fortzuführen. Doch wenn es an Wissen mangelt oder Vergessenheit eintritt, wird mit der Zeit alles verderben. Daher musst du besonders darauf achten, dass die Schüler jeden Tag so viel wie möglich unsere Bücher lesen. Du musst ihnen zeigen, wie die Bücher zu verstehen sind, und sie dazu anleiten, die Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Wenn wir auf diese Weise unsere Zunge ständig im Dienst des Herrn beschäftigen – sei es durch philosophische Gespräche oder das Chanten von Hare Kṛṣṇa – wird Kṛṣṇa sich uns offenbaren und uns zu verstehen geben, wie wir handeln müssen. Mit diesen Worten seines spirituellen Meisters im Sinn traf sich Hansadutta im Herbst 1972 mit den führenden deutschen Gottgeweihten zu einer Lagebesprechung. Die Tempel in Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart hatten die größten Schwierigkeiten, da in jedem nur zwei oder drei Mitglieder waren. Sie beschlossen, diese drei Tempel zu schließen und sich auf eine fruchtbarere Region zu konzentrieren: eine Stadt mit vielen jungen Menschen. Die natürliche Wahl fiel auf Heidelberg, eine weltberühmte Universitätsstadt mit 15.000 Studenten, die genau zwischen Frankfurt und Stuttgart und in der Nähe anderer wichtiger Städte wie Karlsruhe, Mannheim, Wiesbaden und Mainz lag. Eine weitere Idee, um junge Leute anzuziehen, war die Organisation von Hare-Kṛṣṇa-Festivals. Chakravartī und Uthāl fuhren nach London, der Musikhauptstadt der Welt, und kauften eine 2000-Watt REM-Soundanlage, mit der sie eine Kṛṣṇa-bewusste Version der immer beliebter werdenden dreitägigen Rockfestivals veranstalten wollten.

ŚILPARĀRIṆĪ DEVĪ DĀSĪ: 1969 – ich war vierzehn Jahre alt und ging noch zur Schule – sah ich die Kṛṣṇa-Geweihten beim Harināma-Singen in Hamburg zum ersten Mal. Jemand hatte mir eine Einladungskarte zum Sonntagsfest gegeben. Als ich zum Tempel in der Bartelsstraße kam, trug mir als Erstes jemand tīlaka auf die Stirn auf. Dann wurde ich in den Tempelraum zur ārati geführt, und nach dem Vortrag erhielt ich mein erstes prasādam: Simply Wonderfuls, purīs und andere Zubereitungen, die ich nicht kannte. Während dieses Besuchs erklärte mir niemand etwas über die Philosophie des Kṛṣṇa-Bewusstseins. Wahrscheinlich hielt man mich für zu jung, um eine

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ernsthafte Anwärterin für das Leben im Tempel zu sein. Aber ich kam noch einige Male wieder, weil mir das Chanten und das prasādam wirklich gefielen. Schließlich sprach Kulaśekhara mit mir. Er erzählte mir vom Unterschied zwischen Seele und Körper und dass ein Gottgeweihter nach dem Verlassen des Körpers in die spirituelle Welt zurückkehrt. Ich verstand nicht viel davon, und eigentlich interessierte mich Philosophie auch nicht besonders. Aber irgendwie fühlte ich mich zum Chanten hingezogen. In den nächsten Jahren gab es mehrere Situationen, besonders wenn ich mich ängstlich fühlte, in denen ich leise für mich selbst chantete. 1971 fuhr ich nach Amerika, wo ich ein starkes Interesse an Yoga entwickelte. Ich begann, Bücher darüber zu lesen, und nach meiner Rückkehr nach Hamburg dachte ich, ich sollte den Hare-Kṛṣṇa-Tempel wieder besuchen. Vielleicht würde ich jetzt mehr von der Philosophie verstehen. Als ich in der Bartelsstraße ankam, erfuhr ich, dass der Tempel in den Kapitelbuschweg umgezogen war. Bei meiner Ankunft am Abend war ich, vermutlich aufgrund des Wochentags, der einzige Gast. Vaidyanātha gab mir prasādam, und ich kaufte ein Exemplar der Śrī Īśopaniṣad. Im Tempelraum sah ich zu, wie die Gottgeweihten einer nach dem anderen aufstanden und vor den Altargestalten Bericht erstatteten, welche Dienste sie im Laufe des Tages verrichtet hatten. Ich erinnere mich, wie Aṣṭaratha sagte: „Meine lieben Rādhā und Kṛṣṇa, ich habe heute diese Opferung für Euch gekocht, dann jene andere Opferung und noch eine weitere Opferung – eigentlich habe ich den ganzen Tag nur für Euch gekocht!“ Ich dachte mir: „Was für ein wunderbares Leben! Diese Leute genießen den ganzen Tag.“ Danach gab es einen Vortrag, aber ich achtete nicht besonders darauf. Abgesehen davon, dass ich der einzige Gast war, war ich auch das einzige Mädchen inmitten einer Schar von brahmacārīs, was mein Unbehagen nicht gerade minderte. Ich empfand regelrecht Erleichterung, als ich endlich die Tempeltür hinter mir zumachte. Ich hatte keine Lust, so bald wiederzukommen. Etwa ein halbes Jahr später, im Frühling 1973, traf ich die Gottgeweihten wieder, als ich die Mönckebergstraße hinunterging. Einer von ihnen reichte mir eine Einladung zu einem Hare-Kṛṣṇa-Festival, das im Hamburger

Amerikahaus stattfand. Ich war überrascht, dass die Hare-Kṛṣṇas jetzt auch Festivals veranstalteten, und beschloss hinzugehen. Der Eintritt war frei. Das Programm war einfach: kīrtana, Vortrag, prasādam, mehr kīrtana, ein weiterer Vortrag, noch mehr prasādam – so ging es abwechselnd. Die meisten Vorträge hielt Chakravartī, und diesmal hatte ich das Gefühl, dass seine Erklärungen viele Fragen beantworteten, über die ich schon immer nachgedacht hatte, aber nie richtig formulieren konnte. Ich akzeptierte sofort, dass wir nicht der Körper sind und dass unser verunreinigtes Bewusstsein einem schmutzigen Spiegel gleicht, der gereinigt werden muss. Ebenso akzeptierte ich, dass die Reinigungsmethode im Chanten der heiligen Namen Gottes besteht. Nach dem Vortrag gab es wieder einen kīrtana, und Ātmavidyā sprang von der Bühne herunter und bewegte sich durch die Reihen des Publikums – wir saßen alle da und schauten zu wie bei einem Konzert –, wobei er uns mit lebhaften Gesten einlud mitzumachen. Ich wurde von seiner Begeisterung mitgerissen und stand bald selbst auf der Bühne, klatschte in die Hände, chantete und tanzte. Die kīrtanas damals waren besonders ekstatisch. In der Pause servierten die Gottgeweihten halavā mit Erdbeeren, und Niṣpāpa schenkte mir eine Musikkassette mit Aufnahmen von The RadhaKrishna Temple, die ich gerne annahm. Nachdem das Festival zu Ende war, half ich beim Aufräumen, und als ich gerade gehen wollte, hängten mir die Gottgeweihten die Blumenketten um, die zuvor die Bilder von Prabhupāda und dem Pañca-tattva geschmückt hatten. Außerdem gaben sie mir einen riesigen Teller halavā mit nach Hause. Es war schon spät, und ich musste mich beeilen, um die letzte S-Bahn noch zu erwischen. Es war Samstagnacht, und der Waggon war voller Menschen, aber glücklicherweise fand ich einen Sitzplatz. Mit den Blumenketten um den Hals und dem großen Teller prasādam auf dem Schoß muss ich ziemlich komisch ausgesehen haben, aber das war mir völlig egal. Ich hatte gerade ein wunderbares Erlebnis gehabt, das mein Leben grundlegend verändern sollte. In dieser Nacht hörte ich die Radha-Krishna-Temple-Kassette immer wieder, bis sechs Uhr morgens – die Musik war so anziehend. Von diesem Tag an besuchte ich den Tempel regelmäßig. Ich kam jeden Morgen um acht und blieb bis zum Abend. Die Gottgeweihten beschäftigten

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mich damit, die Messing-Ārati-Platten zu polieren, Töpfe zu waschen und zu nähen. Von Zeit zu Zeit setzte sich Jayagoura neben mich und las aus der Bhagavad-gītā vor, oder Bharata zeigte mir seine Fotosammlung von Śrīla Prabhupāda. Dann fragte mich Jayagoura eines Tages, wann ich einziehen würde. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Eigentlich hatte ich angenommen, dass ich dort nicht wohnen dürfte, deshalb war ich zunächst überrascht. Aber dann dachte ich: „Na gut.“ Also holte ich meine Sachen von Zuhause und zog in den Tempel. Das Leben eines Gottgeweihten ist einfach. Alles dreht sich um den Dienst für Kṛṣṇa, und für mich war jeder Aspekt davon mit Glückseligkeit erfüllt. Nach einer Weile bat mich Hansadutta, nach Heidelberg zu gehen, wo seine Frau lebte und der Tempel bessere Unterkünfte für Frauen hatte. Bald darauf begann ich, in der Heidelberger Innenstadt Bücher zu verteilen.

RAMBHORŪ DEVĪ DĀSĪ: In den frühen 70er-Jahren studierte ich am Guilford College in North Carolina Religion und Philosophie. Ich war Quäkerin geworden, obwohl ich aus einem Southern-Baptist-Hintergrund stammte. Ich belegte einen Bhagavad-gītā-Kurs bei einem Māyāvādī-Professor, der Indian Studies unterrichtete, und wir sollten uns unsere eigene Bhagavad-gītā besorgen. In einem Hippie-Buchladen fand ich Prabhupādas Bhagavad-gītā und kaufte sie. Mein Professor mochte sie nicht. Er sagte, Bhaktivedanta Swami versuche aus etwas rein Wissenschaftlichem etwas Devotionales zu machen. Aber mir gefiel das Buch; es war anschaulich, und ich benutzte es weiter. Als ich las, man sollte nicht mehr als sechs Stunden schlafen, versuchte ich, mich danach zu richten, indem ich um Mitternacht ins Bett ging und um sechs Uhr morgens aufstand. Ohne die Gesellschaft von Gottgeweihten konnte ich die Lehren der Gītā jedoch nicht richtig umsetzen. Im Frühsommer 1973 traf ich die Geweihten Kṛṣṇas zum ersten Mal. Zwei brahmacārīs kamen in unser College, gekleidet in blaue Arbeitshemden und gelbe Polyester-Bettlaken. Sie sahen furchtbar aus. Als Quäkerin taten sie mir leid, und ich wollte ihnen eigentlich predigen, denn das war meine Pflicht als Christin. Ich hielt mich gerade im Studentenwohnheim auf, als ein brahmacārī von Tür zu Tür ging. Als ich ihm öffnete, fiel er zu Boden und erwies Ehrerbietung. Dann stand er auf, zog ein Buch hervor und sagte: „Hier, nimm es bitte und gib eine Spende.“ Ich hatte überhaupt keine Lust. Der Typ sah so seltsam aus, aber ich glaube, ich kaufte eine Zeitschrift, nur um ihn loszuwerden. Später sah ich ihn in der Bibliothek wieder, und ich dachte: „Ich muss diesen armen Kerl retten; er ist offensichtlich einer Gehirnwäsche unterzogen worden.“ Also setzte ich mich neben ihn. Im College hatte ich gelernt, dass Blickkontakt bei der Kommunikation wichtig ist, aber ich wusste nicht, dass ein brahmacārī einer Frau nicht in die Augen schauen darf. Da saß ich nun und versuchte angestrengt, mit ihm zu kommunizieren, doch er wich meinem Blick aus. Als ich mich verzweifelt bemühte, seine Augen zu finden, schaute er auf meine Schulter. Ich senkte den Kopf, um seinen Blick einzufangen, doch er senkte ihn nun noch mehr, um weiter auf meine Schulter zu schauen. Ich dachte mir: „Diese Typen sind wirklich bemitleidenswert.“ Es war der absurdeste Kommunikationsversuch, den ich je erlebt hatte. Während ich bei meiner Schwester in South Carolina zu Besuch war, begegnete ich wieder zwei Gottgeweihten. Sie waren auf saṅkīrtana. Als sie an mir vorbeigingen, hörte ich ihre Stimmen und dachte: „Oh, das klingt, als wären sie Quäker.“ Als Quäkerin war ich ebenfalls Vegetarierin geworden und lebte einen naturverbundenen Lebensstil. Die Klangschwingung und die Stimmung dieser beiden Gottgeweihten erinnerten mich an die Christen, mit denen ich verkehrte. Das weckte meine Neugier. Dann ging ich für ein ökumenisches Auslandsjahr nach Heidelberg. Wir Studenten sollten auch in den Nahen Osten reisen und Orte besuchen, die mit Jesus in Verbindung stehen – eine Art Pilgerfahrt. Also schrieb ich mich an einem College in Heidelberg ein. Aber auf Fragen wie „Was geschieht nach dem Tod?“, antworteten die Professoren: „Damit können wir uns jetzt nicht beschäftigen; das ist Stoff für das Aufbaustudium.“ Ich war enttäuscht. Ich studierte Religion nicht, um einen Job zu bekommen. Ich wollte Antworten auf meine Fragen. Aber niemand sprach darüber. Ich versuchte auch, die Quäker-Gemeinde in Heidelberg zu finden, und bekam eine Adresse. Ich ging zu einer der Sonntagsversammlungen, die sie abhielten, aber die meisten Teilnehmer waren über fünfzig Jahre alt. Mir wurde klar, dass sie für mich keine Gemeinschaft darstellen würden. Ich fühlte mich sehr allein.

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Dann traf ich Śilpakāriṇī auf der Hauptstraße in Heidelberg. Als ich sah, dass sie Bücher bei sich trug, bat ich sie um eines. Zu meiner Überraschung war sie überhaupt nicht darauf aus, mir ein Buch zu verkaufen. Ihr Gesicht zeigte absolute Losgelöstheit, voller Liebe und Frieden. Es schien mir, als würde sie es nicht unbedingt mögen, Menschen anzusprechen, sondern einfach nur ihre Pflicht tat. Obwohl sie es nicht mochte, machte sie es, und irgendwie beeindruckte mich das, denn damals war es üblich, dass Leute wie die wiedergeborenen Christen auf einen zugingen, einen küssten oder umarmten und sagten: „Jesus liebt dich“, und das hasste ich. Aber ich war beeindruckt, dass in ihrem Gesicht Spuren der Hingabe zu erkennen waren und dass sie nicht versuchte, mich zu überzeugen. Als ich nach den anderen Gottgeweihten fragte, weil ich so verzweifelt war, sie zu finden, und mich so allein fühlte, sagte sie: „Es ist besser, wenn du erst nächste Woche zum Tempel gehst, denn dann wird jemand da sein, der Englisch spricht und sich mit dir unterhalten kann.“ Also rief ich in der folgenden Woche den Heidelberger Tempel an. Hansadutta war am Telefon, und als ich seine Stimme hörte, spürte ich, dass dieser Mensch mir sagen konnte, wer ich wirklich bin. Ich fühlte mich bei ihm sofort zu Hause – viel mehr als bei den Materialisten, mit denen ich zur Schule ging. Ich ging sofort zum Tempel, und als allererstes bot mir jemand einen Teller prasādam an. Darauf waren Reis, Dhal, Gemüse und alles mögliche andere übereinander gehäuft. Es war steinkalt, aber absolut köstlich. Es war einfach unglaublich. Dann luden die Gottgeweihten mich ein, jeden Tag zu kommen, und erklärten mir, dass alles andere Essen wie Gift sei. Also ging ich jeden Tag eine halbe Stunde bis zum Tempel, um prasādam zu holen, bis ich beschloss, im Tempel zu bleiben.

MAṆIDHARA DĀSA: Ich war vierzehn, als meine Eltern 1968 von Prag nach Deutschland emigrierten. Da ich in einem kommunistischen Land aufgewachsen war, hatte ich genug von sozialen und politischen Themen, und mein Hauptinteresse galt der Kunst, die meine Art war, mit der Welt zu kommunizieren. Als Ausländer hatte ich kaum Freunde, und so verbrachte ich die meiste Zeit zu Hause und malte.

1973 begann ich an der Kunstakademie in Karlsruhe zu studieren, und dort traf ich einen anderen Künstler, der sich für das Kṛṣṇa-Bewusstsein interessierte. Er chantete manchmal auf einer Gebetskette, und sobald wir uns etwas besser kannten, begann er mir die Philosophie des Kṛṣṇa-Bewusstseins zu erklären. Später wurde er als Ajātaśatru Dāsa eingeweiht. Die indische Kultur und die buddhistische Kunst mit ihren Mandalas hatten mich schon immer fasziniert, und so weckte er sofort meine Neugier, als er vom KṛṣṇaBewusstsein sprach. Er zeigte mir, wie man chantet, und an einem Sonntag lud er mich ein, ihn zum Heidelberger Tempel zu begleiten. Ich hatte mir ein Gebäude wie einen griechischen Tempel mit hohen Säulen vorgestellt, und daher war ich überrascht, als er mich zu einem kleinen Haus am Stadtrand führte. Das Erste, was mir auffiel, war der Haufen von Schuhen am Eingang. Ich dachte: „Warum sammeln diese Leute so viele Schuhe?“ Dann sagte jemand zu mir, dass man sich die Schuhe ausziehen müsse, um hineinzugehen. Die erste Person, der ich im Flur begegnete, war Hansadutta. Er hatte sich gerade den Kopf kahl geschoren, und sein Schädel war voller blutiger Schnitte. Er lud mich ein, mich zu ihm zu setzen und begann sofort zu predigen. Beim Sonntagsfest lernte ich andere Gottgeweihte kennen und war absolut fasziniert von ihrer offenen und direkten Art. Ich bin eher verschlossen, und noch nie im Leben hatte ich Menschen getroffen, die so direkt und freundlich zu mir waren. Aber ich war auch besorgt, denn es war mir klar, dass sie etwas von mir erwarteten. Ich begann, den Tempel regelmäßig zum Sonntagsfest zu besuchen, und mit jedem Besuch wurde die Predigtstrategie der Gottgeweihten immer direkter. Pṛthu zum Beispiel war schonungslos offen. Eines Tages meinte er: „Bleib einfach hier. Draußen gibt es ohnehin nichts für dich zu tun. Oder gibt es noch etwas, das du erreichen willst?“ Ich wusste keine Antwort, denn eigentlich hatte ich keine konkreten Pläne für die Zukunft. Also fuhr er fort: „Wohin willst du gehen?“ „Ich muss noch darüber nachdenken“, sagte ich etwas verlegen. „Worüber nachdenken?“, beharrte er. „Siehst du etwas Schlechtes in dem, was wir tun?“

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„Nein“, antwortete ich, „es ist nicht schlecht, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich schon bereit bin.“ Dann packte er während des Festes vor allen anderen Gästen meine langen Haare im Nacken und hielt sie hoch wie einen Pferdeschwanz. „Das ist der richtige Haarschnitt für dich!“, meinte er mit einem breiten Grinsen. Obwohl ich zunächst schockiert war, war ich auch von seiner ungewöhnlichen und persönlichen Art angetan. Er war für mich wie eine Vaterfigur. Kṛṣṇas Geweihte waren einfach sehr speziell. Zu Beginn des Jahres 1974 kaufte ich eine Bhagavad-gītā, aber ich muss gestehen, dass ich von der Philosophie nur wenig verstand. Mir gefiel jedoch das Chanten, und ich war auch von Prabhupādas bhajanas fasziniert. Ich hatte eine Musikkassette, auf der er das Gurvāṣṭakam sang und einen Kommentar gab, und seine Stimme machte einen tiefen Eindruck auf mich. Während meines Studiums teilte ich eine kleine Wohnung mit einem Künstlerfreund, der sich ebenfalls für das Kṛṣṇa-Bewusstsein interessierte. In der ansonsten leeren Wohnung hatten wir nur die Bhagavad-gītā sowie unsere Gebetsketten und Schlafsäcke. Eine Zeit lang hielten wir uns daher an einen strengen Zeitplan: früh aufstehen, kalt duschen und sechzehn Runden auf der Gebetskette chanten. Einmal fasteten wir sogar drei Tage lang. Wir dachten daran, in den Tempel zu ziehen, aber irgendwie konnten wir uns nicht zu diesem letzten, entscheidenden Schritt durchringen. Doch dann, an einem Frühlingstag, fügte sich plötzlich alles wie ein Puzzle zusammen. Ich nahm meinen Schlafsack und ein paar andere Sachen und ging zum Bahnhof. Genau in diesem Moment fuhr der Zug nach Heidelberg ein und ich war auf dem Weg zum Tempel. Ich hatte keinen einzigen Pfennig und keine Fahrkarte. Als der Schaffner kam, sagte ich einfach: „Ich habe kein Geld, ich chante Hare Kṛṣṇa.“ „Na gut“, sagte er und ließ mich in Ruhe. Als ich im Tempel ankam, waren alle Gottgeweihten zum Predigen ausgegangen, außer Aṣṭaratha, der der pūjārī war. Als er die Tür öffnete, fragte ich, ob ich bleiben könne. „Natürlich!“, rief er mit einem riesigen Lächeln, und ich dachte bei mir: „Allein wegen dieses Lächelns bleibe ich.“

NIKHILĀNANDA DĀSA: Nachdem ich im Sommer 1972 Prabhupāda in Paris und Amsterdam gesehen hatte, war ich zu der festen Überzeugung gekommen, dass ich meine langen Haare loswerden und ein richtiger Gottgeweihter werden wollte. Ich teilte meiner Mutter mit, dass ich entschlossen sei, im Tempel zu leben, aber weiterhin zur Schule gehen und sie regelmäßig besuchen würde. Schließlich gab sie ihre Zustimmung, und ich trat dem Tempel in Hamburg bei. Sogar meine Lehrer und Klassenkameraden akzeptierten meine neue Lebensweise, und ich hatte die Gelegenheit, Vorträge über die Einleitung zu Īśopaniṣad zu halten und in der Schule prasādam zu verteilen. Im November – ich war gerade fünfzehn geworden – meinte Chakravartī, der Tempelpräsident, dass ich für die Einweihung bereit sei, und schlug mir vor, einen Brief an Prabhupāda zu schreiben. Die Antwort erhielt ich im Dezember. Prabhupāda war bereit, mich anzunehmen, hatte aber Chakravartīs Empfehlung noch nicht erhalten und wollte deshalb warten. Er schrieb, er freue sich, dass ich mit der Übersetzung seiner Bücher und der Redaktion von Artikeln für Zurück zur Gottheit beschäftigt sei: „Das ist eine sehr wichtige Arbeit. Ich brauche junge Leute, die ihr Leben der Veröffentlichung dieser Bücher in allen Sprachen der Welt widmen. Wenn du mir dabei helfen kannst, wäre das wunderbar.“ Sein Brief ermutigte mich sehr und half mir, die Tempelleiter davon zu überzeugen, mich von anderen Diensten zu befreien und mir mehr Zeit zum Übersetzen zu geben. So zog ich bald in das Übersetzerbüro, einen provisorischen Schuppen, den wir auf der Terrasse des Tempels gebaut hatten. Dort hatte ich die Gelegenheit, mit Vedavyas zusammenzuarbeiten und meine Übersetzungstechnik zu verbessern. Im März 1973 nahm Prabhupāda mich offiziell als seinen Schüler an, und es dauerte nicht lange, bis māyā mich auf die Probe stellte. Meine Mutter hatte ihre Meinung geändert, und eines Morgens kamen zwei Polizisten, um mich nach Hause zu bringen. Zu Hause richtete ich mir einen Altar ein, und jeden Tag ging ich gleich nach der Schule in den Tempel, um mit der Übersetzungsarbeit weiterzumachen. Sonntags nahm ich den ersten Zug am Morgen, um rechtzeitig zur maṅgala-ārati da zu sein. Es dauerte ein ganzes Jahr, bis mich meine Mutter wieder im Tempel wohnen zu ließ. Gegen Ende 1972 schickte Hansadutta Śrīla Prabhupāda Angebote von Druckereien und Muster des feinen Bibelpapiers, das er für die deutsche

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Bhagavad-gītā verwenden wollte. Immer bestrebt, seinem spirituellen Meister Ergebnisse zu liefern und ermutigende Worte zu erhalten, erweckte er den Eindruck, die Veröffentlichung der deutschen Bhagavad-gītā stehe unmittelbar bevor, obwohl es noch ein weiteres Jahr dauern sollte, bis sie fertig war. Prabhupādas Antwort kam umgehend: Ich weiß, dass die deutsche Druckund Buchbindekunst erstklassig ist. Wenn du also mit der Qualität zufrieden bist, kannst du wie geplant mit dem Druck beginnen. Das wäre ein wichtiger Schritt bei der Verbreitung des KrischnaBewusstseins in Deutschland. Die Bewegung für Krischna-Bewusstsein basiert auf den Worten Krischnas; daher werden die Menschen unsere Bewegung verstehen, wenn sie selbst lesen können, was Krischna sagt. Andernfalls wird es sehr schwierig sein, sie zu überzeugen. Du hast also das Richtige getan, indem du die Bhagavad-gītā in deutscher Sprache drucken willst, und ich schätze es sehr, dass du diesen großen Dienst geleistet hast. Hansadutta war ehrgeizig und hatte den starken Drang, sich hervorzuheben und für seine Leistungen anerkannt zu werden. Während des alljährlichen GBC-Treffens im März hatte er den Wunsch geäußert, Deutschland zu verlassen und in Amerika eine verantwortungsvolle Position zu übernehmen, doch Prabhupāda hatte diese Pläne nicht gebilligt und ihn stattdessen angewiesen, seine Bemühungen dauerhaft auf die Predigt in Deutschland zu konzentrieren. Es gab noch andere Dinge, die Hansaduttas Geist beschäftigten. Da die Hare-Kṛṣṇa-Bewegung überall auf der Welt wuchs, war es Prabhupāda zuviel geworden, auf den Gebetsketten aller zukünftigen Schüler persönlich zu chanten. Folglich hatte er ein paar ältere Schüler ermächtigt, dies in seinem Auftrag zu übernehmen, so wie sie bereits die Feueropfer in seiner Abwesenheit durchführten. Bisher hatte Prabhupāda jedoch nur zwei sannyāsīs für diesen Dienst ausgewählt: Kīrtanānanda Swami in Amerika und Revatīnandana Swami in Europa. Nun wurde Hansadutta angewiesen, die Gebetsketten an Revatīnandana Swami zu schicken, aber diese Regelung gefiel ihm gar nicht.

Eigentlich hätte er selbst gerne sannyāsa angenommen, aber seine Frau war absolut dagegen und hatte Prabhupāda mehrmals wegen ihrer Bedenken geschrieben. In seinen Antworten hatte Prabhupāda ihr jedes Mal versichert, dass er ihrem Ehemann ohne ihre Zustimmung kein sannyāsa geben würde. Er versuchte, Hansadutta zu beruhigen, indem er ihm die Natur von sannyāsa erklärte: Ihr seid alle mehr als Sannyasis. Jeder, der sein Leben Krischna gewidmet hat, ist ein Sannyasi, ein Yogi und mehr. Das ist die Aussage der Bhagavad-gita: Wer nicht für seinen persönlichen Vorteil arbeitet, ist ein Sannyasi. Es spielt keine Rolle, welche Kleidung er trägt. Daher sind alle unsere Mitglieder mehr als sannyāsīs. Wir gehören zu Krischnas Familie. Unser Ziel ist es nicht, ein Mayavadi-Sannyasi zu werden, sondern Mitglieder der Familie von Krischnas Geweihten zu werden. Krischna unterhält 16.000 Familien, und wenn du die Gelegenheit bekommst, in einer dieser Familien zu dienen, dann ist dein Leben erfolgreich. Wahres Sannyasa bedeutet, kein Interesse mehr an materiellen Tätigkeiten zu haben, sondern sich einfach dem Dienst für Kṛṣṇa zu widmen. Das ist echtes Sannyasa. Du bist also größer als ein Sannyasi. Bilde all diese jungen Gottgeweihten aus, praktische Sannyasis im Dienst Krischnas zu werden. Doch Hansadutta hatte weiterhin das Gefühl, in Deutschland auf der Stelle zu treten, und obwohl er dort die unangefochtene Autorität war, war das Land im Vergleich zu Nordamerika ein relativ kleiner Verantwortungsbereich. Als er erneut seine unterschwellige Unzufriedenheit mit seiner Aufgabe und eine gewisse Entmutigung darüber äußerte, seine Fähigkeiten nicht voll entfalten zu können, schrieb ihm Prabhupāda einen langen Brief, in dem er den Unterschied zwischen gereiftem hingebungsvollem Dienst und launenhaftem Handeln erklärte, das aus dem Wunsch nach Genuss entsteht: Du scheinst etwas ruhelos zu sein. Ich weiß, es liegt in deiner Natur große Dinge zu vollbringen, und du bist ein sehr fähiger und intelligenter junger Mann, der gewaltige Aufgaben im Dienst Krischnas bewältigen kann. Aber ich denke, dass du bereits ein riesiges Betätigungsfeld in den deutschsprachigen Ländern sowie in Skandinavien, in den kommunistischen Ländern und an anderen Orten hast. Arbeite jetzt mit all deiner Kraft daran, diese Gebiete zu entwickeln – das ist die große Aufgabe, die vor dir liegt.

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Du brauchst nicht anderswo nach einer großen Herausforderung zu suchen. Die Herausforderung liegt ganz nah. Arbeite weiter an dem, was du begonnen hast, und baue es aus. Es ist nur natürlich, dass wir nicht geneigt sind, immer wieder dieselbe Tätigkeit zu wiederholen. Das ist die Natur des Lebewesens. Es wünscht sich Abwechslung, doch ein reifes Verständnis bedeutet, unsere Tätigkeit als unsere Pflicht zu betrachten. Angenommen, ich bin ein guter Schreiner, dann wäre es unsinnig, wenn ich nach einiger Zeit denke: „Oh, ich habe schon so oft Holz gesägt, jetzt wird es langweilig und uninteressant, also werde ich Medizin studieren.“ Nein. Das wird weder von Kṛṣṇa empfohlen, noch entspricht es dem gesunden Menschenverstand. Pflichtbewusstsein bedeutet, bei der Art von Tätigkeit zu bleiben, für die ich geeignet bin, und zwar in dem Bewusstsein, dass diese Tätigkeit meine Aufgabe ist und ich daher mein Leben lang verpflichtet bin, sie nach bestem Vermögen auszuführen. Das ist das reife Verständnis von Tätigkeit, was bedeutet, dass ich meine Tätigkeit nicht einmal aus einem sogenannten guten Grund aufgeben darf, wie zum Beispiel Arjuna, der nicht kämpfen wollte, um zu vermeiden, so viele seiner Verwandten, Cousins und Freunde zu töten. Wir sind Prediger im Auftrag Krischnas, das ist unsere pflichtgemäße Tätigkeit. Wir brauchen nicht nach einer neuen Herausforderung zu suchen oder unsere Tätigkeit zu wechseln. Nein. Wir wissen, was wir zu tun haben. Das Beste wird sein, wenn wir das, was wir begonnen haben, weiter entwickeln und ausbauen. Ich habe das Gerüst des Gebäudes errichtet, aber vor uns liegt noch sehr viel Arbeit. Ich habe zwölf GBC-Mitglieder ernannt und die Welt in zwölf Zonen aufgeteilt, die von diesen meinen auserwählten Stellvertretern nach und nach entwickelt werden sollen. Wie auch immer du deine Zone managen willst, das überlasse ich dir. Es geht mir nur darum, dass du nicht den Mut verlierst, so wie du angedeutet hast, denn dafür gibt es keinen wirklichen Grund. Im Gegenteil, die Aussichten sind vielversprechend. Du hast in den deutschsprachigen Ländern etwas Greifbares und Solides aufgebaut. Du druckst Bücher und Zeitschriften, verteilst sie in großem Stil und sammelst große Summen Geld – aber jetzt beginnt die Arbeit erst richtig. Es bieten sich dir günstige Möglichkeiten; nutze also den Umstand, dass Krischna dir Seine Gunst erweist. Betrachte jeden Tag als eine neue Herausforderung, Krischna-Bewusstsein in deinem Verantwortungsbereich zu verbreiten. Meiner Meinung nach entwickelst du die Dinge bereits sehr gut. Du bist einer meiner ältesten Schüler und weißt, was zu tun ist. Du bist nur ein wenig bescheiden, deshalb hast du dich in deinem Brief so zurückhaltend ausgedrückt. Ja, ein Gottgeweihter sorgt sich nicht einmal um Brahma oder Siva, denn als Diener Krischnas zählt er zum Kreis der erhabensten Persönlichkeiten. Dennoch halten sich die Gottgeweihten für niedriger als alle anderen Menschen – und genau diese demütige Haltung ist ihr wahres Verdienst. Welchen Wert hätte es, wenn jemand, der tatsächlich niedriger steht als andere, behaupten würde, besser zu sein? Und selbst wenn er von sich sagt, er sei der Niedrigste – wo läge darin sein Verdienst? Ein Gottgeweihter jedoch, der zur höchsten Stufe der Lebewesen gehört, spricht anderen jedes Verdienst zu und beansprucht selbst keines für sich; das ist sein wahres Verdienst. Ich danke dir und deiner guten Frau Himavati für eure Hilfe bei meiner Mission. Hansadutta beugte sich Prabhupādas Willen, in Deutschland zu bleiben und die Predigt dort weiterzuentwickeln. Er steckte all seine Energie in die Veröffentlichung von Büchern und die Organisation von Festivals. Ein Hare-Kṛṣṇa-Festival zu veranstalten, war keine neue Idee. Genau das hatte Prabhupāda bereits für die World Saṅkīrtana Party geplant und zwei Jahre zuvor mit seinen Schülern in Indien durchgeführt. Jedes Mal, wenn er Berichte über die Erfolge der Festival-Programme in Berlin, Hamburg, München und Heidelberg erhielt, ermutigte er daher Hansadutta voller Begeisterung, mit dieser Art der Predigt fortzufahren. In mehreren Briefen, die er im Mai und Juni 1973 schrieb, brachte Prabhupāda seine uneingeschränkte Zufriedenheit zum Ausdruck: Ich freue mich sehr zu hören, wie gut unser Festival-Programm in Deutschland läuft. Diese Festivals werden auf der ganzen Welt erfolgreich sein. Als GBC-Mitglied ist es deine Pflicht, ein umfassendes Programm zu erstellen, um das Krishna-Bewusstsein in allen Bereichen des Lebens zu etablieren. Dann wird man uns als die wichtigsten Mitglieder der menschlichen Gesellschaft achten. Ich habe den Inhalt deines Briefes zusammen mit den Fotos und dem Poster vom Festival in Heidelberg sorgfältig begutachtet. Dein Bericht ist sehr ermutigend. Die Kommunisten haben mit ihrer trockenen Philosophie praktisch die ganze Welt erobert. Wir veranstalten Festivals mit Festessen, Philosophie und Erlösung – warum sollten wir unseren Einfluss nicht ausbreiten und sie übertrumpfen? Deinen Plan, solche Hare-Kṛṣṇa-Festivals auf der ganzen Welt zu veranstalten, befürworte ich. Ja, tu das, du hast meinen Segen.

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Der Fortschritt bei der Übersetzungsarbeit ist ebenfalls lobenswert. Es ist sehr wichtig, dass die Übersetzung der Bücher parallel zu den Festivals vorangeht. Ich habe die Fotos von eurem Festival gesehen, das den Verkehr blockiert hat, und bin sehr ermutigt. Diese Bilder sollten in allen Sprachen erscheinen, und du solltest einen Artikel für das amerikanische Back to Godhead schreiben. Hansadutta kam dieser Aufforderung gerne nach, und so erschien in der Oktober-Ausgabe des BTG seine Beschreibung des Hare-Kṛṣṇa-Festivals in Heidelberg als einer der Hauptartikel: Am 9. und 10. Juni 1973 versammelten sich die Anhänger der Hare-KṛṣṇaBewegung aus Deutschland, Holland, Schweden, der Schweiz, Frankreich und England in Heidelberg, um ein großes Hare-Kṛṣṇa-Festival zu feiern. Was ist ein Hare-Kṛṣṇa-Festival? Es ist ein transzendentales Ereignis, das zur Freude des Höchsten Herrn Kṛṣṇa organisiert wird. So wie in der materiellen Welt eine Versammlung oder Veranstaltung besonders dazu dient, einem bedeutenden Menschen Respekt und Ehre zu erweisen, so findet ein HareKṛṣṇa-Festival besonders deshalb statt, um die Höchste Person zu erfreuen. In jeder menschlichen Gesellschaft finden wir Schriften, die uns Namen Gottes nennen, unter ihnen Allah, Jehova und Kṛṣṇa. Maßgebliche Schriften wie die Bibel, die Bhagavad-gītā und der Koran geben Hunderte von Namen für Gott an, und durch die Barmherzigkeit Caitanya Mahāprabhus kann jeder den heiligen Namen Gottes zu seinem Vorteil nutzen, indem er an solchen Hare-Kṛṣṇa-Festivals teilnimmt, wie es kürzlich in Heidelberg stattfand. Praktisch war die gesamte Stadtbevölkerung auf die eine oder andere Weise mit unserem Hare-Kṛṣṇa-Festival verbunden. Um die Genehmigung für den Umzug auf der Hauptstraße und die Feuerzeremonie auf dem Marktplatz zu erhalten, holten wir die Erlaubnis beim Direktor der Stadtplanung und beim Polizeichef von Heidelberg ein, der sich sehr freute, unserem Umzug eine Polizeieskorte zu geben. Wir beauftragten einen Drucker mit unseren Postern, die eine Werbeagentur überall in der Stadt anbrachte. Die Fernsehleute schickten ihren Mann, um das Festival zu filmen. So richtete zumindest während der Planungsund Durchführungsphase unseres Festivals die Aufmerksamkeit von Menschen aller Gesellschaftsschichten – bewusst oder unbewusst – durch ihre tägliche Arbeit auf Kṛṣṇa, den Höchsten Herrn. Der Erfolg des Festival-Programms hob Hansaduttas Stimmung beträchtlich. Er druckte 100.000 Exemplare der nächsten deutschen Ausgabe der Zeitschrift Zurück zur Gottheit. Prabhupāda gratulierte ihm zu dem hervorragenden Layout: „Das Magazin ist hervorragend, besser als Dai Nippon [die Druckerei des amerikanischen BTG]. Halte diesen Standard bei, erhöhe die Seitenzahl, erhöhe die Artikelanzahl und steigere die Verteilung. Möge Krischna dich mehr und mehr segnen.“ Die Dinge liefen gut. Durch die Festivals und die konzentrierte Predigt in Heidelberg kamen neue Gottgeweihte in Scharen. Der einzige Nachteil war, dass ein weiterer Sommer vergehen würde, ohne dass Prabhupāda Deutschland besuchte. Seit mehreren Jahren war er regelmäßig nach London und Paris gereist, doch Hansadutta fühlte sich nicht in der Lage, Prabhupāda angemessene Unterkünfte und attraktive Predigtmöglichkeiten anzubieten. Die Tempel waren klein und konnten jeweils nicht mehr als dreißig Gottgeweihte aufnehmen. Bisher war es ihm auch nicht gelungen, auf die intellektuellen und wissenschaftlichen Kreise einen starken Eindruck zu machen, sodass es keine Aussicht gab, prominente Persönlichkeiten und Universitäts-professoren einzuladen, um Prabhupāda zu treffen. Folglich würden die deutschen Geweihten erneut nach Paris fahren, wo Prabhupāda im August erwartet wurde. Und einige Wochen später würden sie nach Stockholm reisen, wo zwei junge Schweden, die nach Australien ausgewandert und dort als Vegavān und Ajita eingeweiht wurden, im Mai nach Stockholm zurückgekehrt waren und den ersten Tempel in Skandinavien eröffnet hatten.