EIN NEUER ANFANG
m Februar 1976 hatte Śrīla Prabhupāda in Mayapur Harikeśa Dāsa sannyāsa gegeben und ihn nach Amerika geschickt. Auf dem Weg dorthin machte Harikeśa Swami in London Halt, wo er Hansadutta traf, der noch immer GBC für Nordund Osteuropa war. Hansadutta erzählte ihm von einem Predigtprogramm in Ungarn. Er selbst konnte nicht daran teilnehmen, weil er nach Indien fliegen und an den GBC-Treffen teilnehmen musste. Also nahm Harikeśa Mahārāja seinen Platz ein und tat sich mit Alanātha zusammen, um nach Budapest zu fahren.
HARIKEŚA DĀSA (SWAMI VON 1976-1998): Wir chanteten hauptsächlich Hare Kṛṣṇa und verteilten prasādam, denn in einem kommunistischen Land war es problematisch, öffentliche Vorträge über Religion zu halten. Zunächst einmal brauchte ich einen Übersetzer, und es war oft schwierig, passende Worte für viele unserer ungewohnten philosophischen Begriffe zu finden. Außerdem war es riskant, in einem atheistischen Staat über Gott zu sprechen. Doch das Chanten und das Verteilen von prasādam hatten eine enorme I
Wirkung. Prabhupādas Antwort auf meinen Bericht belebte und erleuchtete mich: Es ist ein gutes Zeichen, dass sich die Menschen in Ungarn von unserem kirtana und prasadam angezogen fühlen. Wenn sie unsere Philosophie als zu revolutionär betrachten, ist es nicht notwendig, sofort Bücher zu drucken. Zuerst muss das Herz durch das Chanten von Hare Krishna und das Annehmen von Krishna prasadam gereinigt werden. In einem solchen Land geboren zu werden, ist die Folge unfrommer Handlungen in der Vergangenheit; daher ist es für diese Menschen nicht leicht, unsere Philosophie sofort anzunehmen. Gebt ihnen einfach das Chanten und prasadam. Ihr müsst sehr geschickt vorgehen, um an solchen Orten zu predigen. Wenn du möchtest, kannst du dort eine Schallplatte herstellen, wie du es vorgeschlagen hast. Wenn die jungen Leute Krishna-Bewusstsein ernst nehmen und du meinst, es sei hinderlich, wenn sie dhoti tragen und sich den Kopf rasieren, ist das nicht notwendig. Führe einfach das Chanten und die Verteilung von prasadam ein; auf diese Weise werden sie allmählich zu Vaisnavas werden. Ein Vaisnava steht über allen materiellen Umständen. Folglich wird ein Vaiṣṇava selbst unter solchen Umständen keine Unannehmlichkeiten empfinden Prabhupādas Brief bedeutete für mich, dass er wollte, dass ich diese Programme fortsetze, und so beschloss ich, nach Deutschland zu gehen, um eine Basis für das Predigen im Osten zu haben. Als ich im April im Schloss Rettershof ankam, stellte ich fest, dass der GBC ein anderer war. Zuvor hatte ich mit Hansadutta zu tun gehabt; nun war Jayatīrtha verantwortlich. Ich war mir nicht sicher, an wen ich mich wenden sollte, um das zu bekommen, was ich brauchte. Zunächst brauchte ich einen Kleinbus. Also ging ich ins Büro des Schatzmeisters, und dort war Sucandra, der überhaupt nicht begeistert war, Geld für das Predigtprogramm eines neu angekommenen sannyāsīs auszugeben. Doch nach einer Stunde Diskussion überzeugte ich ihn, dass der Bus letztlich ein Gewinn für den Tempel sein würde, und ich versicherte ihm, dass ich ihn gut instand halten würde. Ich bekam einen Mercedes, den ich mit einem Waschbecken, einem Schlafplatz und allem anderen ausstattete, was man zum Reisen und Predigen brauchte.
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In der Zwischenzeit half ich im Tempel aus, indem ich Vorträge gab und die Gottgeweihten persönlich betreute. Es lag viel Spannung in der Luft; der Tempel war in einem schlechten Zustand, und seine Bewohner waren deprimiert. Sucandra saß in seinem Büro mit dem Kopf in den Händen und überlegte, wie er die Situation bewältigen sollte, und er fragte mich, was zu tun sei. Ich sagte: „Mir scheint, dieser Tempel ist in māyā. Am besten gehen du und ich einfach hinaus und predigen.“ So fuhren wir ein paar Mal nach Ungarn, in die DDR und nach Polen.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI: Wir entwickelten ein System, um Bücher in die DDR zu schmuggeln: Zwei identische Kleinbusse fuhren über die Grenze, einer mit einem Transitvisum für West-Berlin und der andere mit einem regulären Einreisevisum für die DDR. Der Bus, der nach West-Berlin unterwegs war, durfte nur auf der Transitstrecke fahren und wurde daher nicht kontrolliert. Der andere Bus, der in die DDR einreiste, wurde jedoch durchsucht. Wir luden den Transitbus mit Büchern voll und ließen den anderen leer. Auf der Autobahn trafen sich die beiden Busse an einem Rastplatz, und wir luden alle Bücher in den leeren Bus um. Das einzige Problem war, dass die Rastplätze von der Volkspolizei streng überwacht wurden. Immer wenn wir ein Polizeiauto näherkommen sahen, stellte sich einer von uns demonstrativ hin, um in die Richtung der Polizisten zu urinieren. Als wohlerzogene Männer wandten sie natürlich den Blick ab, als sie vorbeifuhren. Wir verluden die Bücher so schnell wie möglich. Es hat immer funktioniert.
KṚṢṆA-KṢETRA SWAMI: Einmal fuhr ich einen Kleinbus voller Bücher von West-Berlin nach Ost-Berlin, nicht über einen der Grenzübergänge, sondern indem ich West-Berlin auf der Transitstrecke Richtung Westdeutschland verließ und dann auf einem Umweg wieder nach Ost-Berlin zurückkehrte. Ich fuhr einige Kilometer auf der Transitautobahn Richtung Hannover und nahm dann eine Abfahrt auf die Straße nach Polen, was streng verboten war. Von dort kannte ich eine Abzweigung, die nach Ost-Berlin führte. Doch gerade als ich diese Ausfahrt nahm, tauchte ein Polizeiwagen auf und hielt mich an.
Ich zog meinen amerikanischen Pass hervor und setzte ein unschuldiges Gesicht auf. Ich sagte: „Ich glaube, ich habe mich verfahren. Ich will nach Hannover, aber ich denke, das ist der falsche Weg?“ Als der Polizist sah, dass ich Ausländer war, wurde er hilfsbereit und erklärte mir, wie ich wieder auf die Hauptstraße zurückkomme. Ich bedankte mich und fuhr in Richtung Westdeutschland weiter. Fünf Kilometer später sah ich eine Nebenstraße, und Kṛṣṇa inspirierte mich, sie zu nehmen. Auf dieser Straße gab es keine Polizei, und bald erreichte ich Ost-Berlin. Ich fuhr direkt zum Haus eines Gottgeweihten am Stadtrand und lud die Bücher ab. Die Bücher waren auf Polnisch, und die Gottgeweihten aus Polen kamen später mit dem Zug, füllten ihre Koffer mit Büchern und kehrten in ihr Land zurück. * * * HARIKEŚA DĀSA: In Leipzig wohnte ein netter Junge, der von Prabhupāda eingeweiht worden war, Haladhara Dāsa Adhikārī, und den wir regelmäßig mit Büchern versorgten. Taponidhi und Gaura-kiśora fuhren den Bus mit den Büchern, und ich fuhr den anderen Wagen. An der Grenze wurde der Beamte misstrauisch, weil mein Auto leer war. Ich hatte nur eine kleine Tasche dabei. Doch nachdem ich ihm versicherte, dass ich nur eine Nacht bleiben würde, ließ er mich durch. Als ich auf den Parkplatz fuhr, wo der andere Bus wartete, kam ein Polizeiwagen hinter mir her. Wir beschlossen, lieber auszusteigen und ein paar Äpfel zu essen. Wir setzten uns an einen Picknicktisch und taten so, als wären wir Touristen, aber die Polizei beobachtete uns weiter und vermutete wahrscheinlich, dass wir etwas im Schilde führten. Schließlich fuhren sie weg, und wir sprangen auf und luden die Bücher um. Dann fuhr ich mit allen Büchern davon. Etwa zwei Minuten später sah ich die Polizei am Straßenrand stehen und mir mit der Kelle zuwinken. Ich solle anhalten! Ich dachte: „Oh nein, jetzt erwischen sie mich mit all diesen Büchern!“ Also schaute ich stur nach vorne und tat so, als würde ich sie nicht sehen. Dann trat ich aufs Gaspedal und raste so schnell die Straße hinunter, wie der Bus fahren konnte. Sofort liefen sie zu ihrem Wagen, um mich zu verfolgen, doch genau in diesem Moment schickte Kṛṣṇa den heftigsten Regen, den ich je gesehen habe.
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Es war, als würde vom Himmel eimerweise Wasser geschüttet. Es war Mitte Juli, und die Straße war so heiß, dass der Regen sofort verdampfte, sodass man praktisch nichts mehr sehen konnte. Ich fuhr mit voller Geschwindigkeit durch diesen dichten Nebel, und die Polizei verlor mich irgendwie aus den Augen. Ich nahm die nächste Ausfahrt und fuhr dann über Nebenstraßen bis nach Leipzig. Es war bereits dunkel, als ich gegen zehn Uhr abends bei Haladharas Haus ankam. Aber ich war so aufgedreht, dass ich eine Kiste mit Büchern – für die normalerweise zwei Personen nötig waren – aufhob, zu Haladharas Fenster rannte und sie hineinwarf. Haladhara wusste nicht, wie schwer die Kiste war, und als sie ihn an der Brust traf, fiel er nach hinten – bum! – und die Bücher verteilten sich im ganzen Zimmer. Doch ich brachte weiterhin so schnell wie möglich die Kisten hinein, weil der Bus unter einer Straßenlaterne stand und jeder sehen konnte, was ich tat. Nachdem ich alle Bücher abgeladen hatte, sagte ich zu ihm: „Bis morgen.“ Dann fuhr ich zu einem Campingplatz. Ich war völlig erschöpft. Gegen Mitternacht schlief ich endlich ein. Um halb sechs hörte ich ein lautes Klopfen an meinem Fenster. Ich dachte: „Jetzt haben sie mich.“ Jemand rief: „Herr Campagnola!“ Und ich dachte: „Oh nein, sie kennen sogar meinen Namen!“ Doch es war nur der Platzwart. Er sagte: „Telefonanruf.“ Ich taumelte aus dem Bus, ging zum Telefon. Sucandra war am Apparat. Er teilte mir mit, dass er einen Anruf aus Amerika erhalten habe, in dem es hieß, ich solle sofort nach London kommen und wieder Prabhupādas Sekretär werden.
HARI-ŚAURI DĀSA: Nachdem Śrīla Prabhupāda im Sommer 1976 England und Frankreich besucht hatte, kehrte er nach Indien zurück. Bald wurde immer deutlicher, dass Jayatīrtha Deutschland nicht so engagiert betreute, wie es zunächst den Anschein gehabt hatte. Er verbrachte den größten Teil seiner Zeit im Bhaktivedanta Manor, und seine Besuche auf Schloss Rettershof waren selten und kurz. Prabhupāda war besorgt. Daher dachte er, dass vielleicht Hansadutta nach Deutschland zurückkehren sollte, um sich um die Situation zu kümmern, für die er schließlich verantwortlich war.
BHAKTI GAURAVANI GOSWAMI: Anfang September erreichte uns die Nachricht von Hansaduttas möglicher Rückkehr. Die Aussicht auf sein Wiederkommen ließ alle erschaudern. Jayatīrtha berief eine Versammlung ein, und alle Anwesenden beschlossen, er solle einen von allen unterzeichneten Brief an Prabhupāda schreiben, in dem es hieße, dass Hansaduttas Rückkehr nicht nur unerwünscht, sondern katastrophal wäre. Die Angelegenheit wurde so ernst genommen, dass Pṛthu und ich gebeten wurden, den nächsten Flug nach Indien zu nehmen und den Brief Śrīla Prabhupāda persönlich zu überbringen, damit wir sofort vor Ort wären, falls es Klärungsbedarf gäbe.
PṚTHU DĀSA: Wir erreichten Vṛndāvana gegen Mittag. Nachdem wir uns schnell geduscht und frische Kleidung angezogen hatten, gingen wir zu Prabhupādas Haus. Harikeśa Swami öffnete die Tür. Er konnte kaum glauben, dass wir nur wegen eines Briefes den ganzen Weg nach Indien gekommen waren. Er teilte uns mit, dass Prabhupāda gerade seine Massage bekomme und nicht gestört werden solle. Also ließen wir den Brief bei ihm.
HARIKEŚA DĀSA: Nach dem Mittagessen las ich Prabhupāda den Brief vor. Jayatīrtha schilderte das Chaos, das Hansadutta und seine Männer verursacht hatten, und ging sogar so weit, Hansadutta mit der Pest zu vergleichen. Prabhupāda zog die Augenbrauen hoch. „Die Pest?“, fragte er. Sichtlich betroffen wiederholte er die Worte immer wieder – „wie die Pest“ – und stimmte schließlich zu, dass Hansadutta unter diesen Umständen nicht nach Deutschland zurückkehren sollte.
BHAKTI GAURAVANI GOSWAMI: Am nächsten Morgen begleiteten wir Prabhupāda auf seinem Spaziergang. Es war das erste Mal, dass ich Indien unmittelbar nach der Regenzeit besuchte, und Vṛndāvana erschien ganz anders als im späten Frühling. Ein leichter Nebelschleier lag über den Feldern, und die Luft war feucht und duftend. Der Wind trieb gewaltige weiße Wolken über den Himmel. In einen grauen Woll-Chadar gehüllt, chantete Prabhupāda leise auf seiner Gebetskette, als wir den Krishna-Balaram-Mandir verließen. Mit ihm in dieser Umgebung zu sein, gab mir einen schwachen Eindruck davon, was es
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bedeutet, sich in Vaikuṇṭha zu befinden – einer Atmosphäre frei von Angst. Während wir durch die frische Morgenluft gingen, verschwanden alle Probleme und Befürchtungen.
PṚTHU DĀSA: Wir gingen den Feldweg entlang in der Nähe der gośālā, als Prabhupāda sich plötzlich umdrehte und mit seinem Spazierstock auf meine Brust deutete. „Seid ihr zufrieden?“ Überrascht lächelte ich nur und sagte: „Ja, Prabhupāda, sehr zufrieden.“ Dann fragte er: „Wann geht ihr zurück nach Deutschland?“ Ich antwortete, dass wir vorhätten, in ein paar Tagen zurückzukehren. „Oh nein!“, meinte er, und seine Augen wurden groß. „Genießt die spirituelle Atmosphäre. Bleibt mindestens drei Wochen.“ Wir folgten seiner Anweisung gerne. Schließlich war es eine direkte Anordnung unseres spirituellen Meisters. *** Während Harikeśa Swami Prabhupāda in Vṛndāvana als Sekretär diente, erhielt er Briefe von Sucandra, Dvārakeśa und Prabhujaka, in denen sie die neuesten Entwicklungen der Predigtarbeit in Osteuropa schilderten. Im Frühsommer hatten sie ihn auf seinen Reisen nach Ostdeutschland, Polen, Jugoslawien und Ungarn begleitet und versprochen, ihn auf dem Laufenden zu halten. Als Harikeśa Swami von den wunderbaren Erfolgen seiner Gottbrüder las, war er sicher, dass Prabhupāda sich freuen würde, darüber informiert zu werden. Als Prabhupāda hörte, wie begeistert die Menschen hinter dem Eisernen Vorhang auf kīrtana und prasādam reagierten, schrieb er den Predigern einen ermutigenden Brief: Ich habe euren Brief an Harikeśa Swami vom 23. August 1976 zur Kenntnis genommen und seinen Inhalt mit Freude gelesen. Bitte setzt euer Predigtprogramm in Osteuropa unter allen Umständen fort, denn dieses Programm liegt mir sehr am Herzen. Die GBC-Mitglieder vor Ort in Europa sollten euch finanziell unterstützen. Dieses Programm ist sehr wichtig. Seit 1971 hatten Kṛṣṇa-Geweihte den Ostblock besucht, aber nur sporadisch. Niemand hatte seine ganze Energie darauf verwendet, dort Kṛṣṇa-Bewusstsein fest zu etablieren. Doch in nur drei Monaten hatte Harikeśa Swami mehr erreicht als andere in fünf Jahren. Jetzt war er Prabhupādas Sekretär und saß an der Schreibmaschine und tippte seine Briefe. Ja, Prabhupāda war mit seinem Dienst zufrieden, deshalb hatte er ihn im Juli zurückbeordert, doch nach Prabhupādas Ansicht „verrottete“ Harikeśa hinter der Schreibmaschine. Er war ein energischer, begeisterter Prediger, der viel besser eingesetzt werden konnte, indem er die Predigtarbeit in Osteuropa anführte. Tippen konnte jeder. Ein weiterer Gesichtspunkt war die schwierige Lage in Deutschland. Jayatīrtha zögerte, die Verantwortung zu übernehmen, und Hansadutta war unerwünscht. Die Situation verlangte entschlossenes Handeln. Wenn Harikeśa Mahārāja im Osten predigte, lag es nahe, Schloss Rettershof als Basis zu benutzen, und seine Anwesenheit dort wäre hilfreich. Prabhupāda schlug vor, dass er nach Polen gehen solle, wo die Resonanz besonders positiv gewesen war. Er war so sehr daran interessiert, das Osteuropa-Programm auszubauen, dass er Harikeśa Swami für seine unmittelbaren Ausgaben ein Darlehen von 1.000 Dollar gab. Doch als Harikeśa Mahārāja in Delhi ankam, erkrankte er an Malaria und konnte nicht nach Europa fliegen. Sein Geist begann zu schwanken, und so schrieb er Prabhupāda einen Brief, in dem er Zweifel an seinem neuen Auftrag äußerte. Die Sprachbarriere in den osteuropäischen Ländern sei ein großes Hindernis; vielleicht sollte er doch lieber in Amerika predigen. Prabhupādas Antwort war eindeutig: Ich habe dich eigens für die Predigtarbeit in diesen Ländern nach Europa geschickt und dir Geld gegeben. Andernfalls, wozu brauchst du Geld in den USA? Du hast Erfahrung in Osteuropa, deshalb habe ich dir Geld gegeben. Also bitte ich dich, nicht in die USA zu gehen, selbst wenn es ein wenig schwierig ist, hinter dem Eisernen Vorhang zu predigen. Ich habe Guru Dāsa und Sucandra geschrieben, dass sie sich mit dir zusammentun sollen; predigt dort gemeinsam. In den USA gibt es viele Prediger, aber hier gibt es keine. Wenn du jedoch unbedingt auf Englisch predigen willst, dann predige in England. Prabhupāda machte klar, was er wollte, und Harikeśa Swami fügte sich ohne weiteres Zögern seinem Wunsch. Er tat sich mit Sucandra zusammen, und im Oktober fuhren sie nach Jugoslawien. Die Reaktion der Menschen war überwältigend; sie liebten einfach kīrtana und prasādam. Prabhupāda war begeistert, als er Harikeśa Swamis Bericht erhielt:
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Ich freue mich sehr, von unserem Erfolg in Jugoslawien zu hören. Wenn es in diesen Ländern auch nur die geringste Aussicht auf Erfolg gibt, gibt mir das hundertmal mehr Auftrieb als Erfolge an anderen Orten. Wenn die Menschen dort Kṛṣṇa-Bewusstsein annehmen, werden sie es sehr ernst nehmen. Es ist die Vollkommenheit der kommunistischen Ideologie: Alles gehört Gott. Kein Privateigentum. Die Gottgeweihten sind im Radio aufgetreten; das bedeutet, sie haben die ganze Atmosphäre gereinigt. Das ist die Art und Weise, wie man die transzendentale Klangschwingung einführt. Sie wird wirksam sein. Das ist die richtige Methode. Versucht nach und nach, die Menschen dort davon zu überzeugen, dass diese Bewegung die Vollkommenheit des Kommunismus ist. Singt weiter kṛṣṇa-kīrtana. Das ist unser Programm. Caitanya Mahāprabhu ging hinaus in die Öffentlichkeit und chantete; über Philosophie sprach Er nur in höheren Kreisen. Das Chanten ist sehr wirkungsvoll. Begleitet von tanpura und mṛdaṅga, rhythmisch gespielt, bringt die Menschen dazu zu chanten. Durch solche musikalischen Darbietungen, den Verkauf von Büchern und durch Feste wird alles erfolgreich sein. Es ist ein gutes Zeichen, dass sie diese falschen Yogis nicht mögen, aber den Hare Kṛṣṇa mantra gerne chanten. Gebt ihnen irgendwie die Gelegenheit, den Hare Kṛṣṇa mahā-mantra zu chanten, dann werden sehr bald gute Ergebnisse sichtbar werden. Jayatīrtha war froh, einen sannyāsī auf dem Schloss zu haben, und er regte Harikeśa Swami an, ihm beim Management zu helfen. Unsicher, ob er sich darauf einlassen sollte, was vielleicht die Predigtarbeit beeinträchtigen würde, wandte sich Harikeśa Swami an Prabhupāda, der kurz und bündig antwortete: Bitte nimm meinen Segen entgegen. Ich habe deinen Brief vom 24.11.76 erhalten. Ja, ich befürworte, dass du hilfst, die Situation in Deutschland ins Reine zu bringen. Ich hoffe, dieser Brief erreicht dich bei guter Gesundheit. Harikeśa Mahārāja widmete sich unverzüglich seiner neuen Aufgabe, denn die Rechtslage erforderte sofortige Maßnahmen. Zwei Wochen später war er auf dem Weg zur Farm in Hyderabad, wo Hansadutta Swami sich mit Prabhupāda treffen sollte. Er nutzte die Gelegenheit, denn für den anstehenden Gerichtsfall benötigte er auf verschiedenen Dokumenten Hansaduttas Unterschrift.
HARI-ŚAURI DĀSA: Am frühen Morgen des 10. Dezember rief Prabhupāda Mahāṁsa Swami und Hansadutta Swami zu sich. Harikeśa Mahārāja, der am Vorabend aus Deutschland angekommen war, kam ebenfalls dazu. Am Abend zuvor hatten die Gottgeweihten ein Pāṇḍal-Programm und PrasādamVerteilung organisiert, doch das Programm war schleppend gewesen und das Essen von miserabler Qualität. Prabhupāda war sichtbar unzufrieden und betonte die Bedeutung einer guten Organisation, ohne die alles scheitern würde: Morgen will ich mindestens fünfhundert Personen sehen. Deshalb bin ich hierhergekommen, nicht, um friedlich in meinem Zimmer zu sitzen. Verteilt reichhaltige und schmackhafte Speisen. Bereitet sehr, sehr gutes prasādam zu. Was auch immer an Geld nötig ist, ich werde es bezahlen. Bloße Theorie nützt nichts. Bereitet solches prasādam zu, dass die Menschen verrückt danach werden. Ich habe diese Bewegung allein durch das Sonntagsfest erfolgreich gemacht. Die Leute kamen nicht, um Hare Kṛṣṇa zu hören. Sie kamen wegen des Festessens. Als ich noch in der Second Avenue 26 war, habe ich von Anfang an jeden Sonntag wohlschmeckendes Essen für mindestens zweihundert Personen gekocht. Täglich kamen mehr als fünfzehn, zwanzig Leute. Ich habe selbst gekocht. Das war der Beginn meiner Bewegung. Als Mahāṁsa Swami, der sich für das Fiasko des Vorabends verantwortlich fühlte, zugab, dass das prasādam nicht gut gewesen war, unterbrach ihn Prabhupāda: Nicht gut? Es war nicht einmal für Hunde genießbar! Wer so etwas zubereitet, ist niedriger als ein Hund. Ich war schockiert. Ihr habt einen Straßenfeger kochen lassen. Ich war fassungslos. Wir verteilen prasādam, nicht Hundefraß! Wohlschmeckendes Essen bedeutet, dass selbst jemand, der keinen Appetit hat, essen will. Das ist gutes Essen. Nicht, dass selbst jemand, der Hunger hat, die Nase rümpft und es stehen lässt. Das ist kein gutes Essen. Rādhikāra pakka anna vividha byañjana, parama ānande kṛṣṇa koreṇa bhojana. Rādhikā kocht mit ihren Gefährtinnen, und sie kochen so wunderbar, dass – parama ānande kṛṣṇa koreṇa bhojana – Kṛṣṇa mit großer Freude die Speisen zu sich nimmt. So etwas müssen wir verteilen. Kein Hundefutter. Dann wechselte Prabhupāda das Thema und begann mit Harikeśa Swami über Deutschland zu sprechen. Dieser erklärte, dass nach deutschem Gesetz der Gerichtsprozess etwa vierzehn Anwälte erfordere, einen für jeden
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Angeklagten. Dann legte er seinen Plan vor, wie wir die Anklage entkräften und das beschlagnahmte Geld zurückbekommen könnten. Obwohl die öffentliche Meinung weiterhin deutlich gegen uns gerichtet war, zeigte er sich zuversichtlich, dass am Ende alles gut ausgehen würde. Als Erstes wollte er der schlechten Presse entgegenwirken, indem ISKCON-Mitglieder in jedem Land, in dem es eine deutsche Botschaft gab, Flugblätter verteilen sollten. In den Flugblättern sollten Vergleiche zwischen der Judenverfolgung und der Lage in Deutschland gezogen werden, mit der Aufforderung, bei dem jeweiligen deutschen Botschafter Protest einzulegen. Auf diese Weise hoffte er auch auf eine politische Wende. Bevor die Alliierten sich aus Deutschland zurückzogen, stellten sie die Bedingung, dass im Grundgesetz eine Klausel aufgenommen werde, die Religionsfreiheit und Schutz vor religiöser Verfolgung garantierte. Harikeśa Mahārāja wollte auch darauf Bezug nehmen. Prabhupāda war über den Eifer und die Entschlossenheit seines Schülers sichtlich erfreut. Nach dem Morgenspaziergang kehrten wir zum Tempel zurück, um den Jahrestag des Verscheidens von Bhaktisiddhānta Sarasvatī zu begehen. Prabhupāda hielt einen wunderbaren Vortrag über die ersten vier Verse seines Vyāsa-pūjā-Beitrags von 1936: „Adore, adore ye all..” (Verehrt, verehrt ihr alle...). Während er sprach, erklärte er, dass unser Fortschritt im spirituellen Leben und die Rettung aus dem materiellen Dasein von wiederholter Geburt und Tod davon abhänge, inwieweit der spirituelle Meister mit unserem Dienst zufrieden sei. Um seine Worte zu veranschaulichen, erinnerte uns daran, wie er Harikeśa Swami weggeschickt hatte, um in Osteuropa zu predigen. Es war sein Wunsch, die Missionsarbeit dort voranzutreiben, und er sah in Harikeśa den richtigen Mann dafür. Und sein Schüler war sofort dazu bereit, obwohl er dachte, es wäre eine Strafversetzung. „Es war jedoch keine Strafe“, betonte Prabhupāda. „Ich wünschte mir dieses Programm, und jetzt gibt es einen Hoffnungsschimmer, dass es erfolgreich sein wird. Das oberste Gebot lautet daher, unser Eigeninteresse zur Freude des spirituellen Meisters aufzugeben.“ Am Abend zuvor war Hansadutta zu Prabhupāda gekommen und hatte vorgeschlagen, Harikeśa Mahārāja zum GBC für Deutschland zu ernennen. Er hatte wirklich kein Interesse mehr, dorthin zurückzukehren. Gleichzeitig war er von Harikeśa Swami tatsächlich beeindruckt. Ein Jahr zuvor hatten wir drei einen Monat lang zu Prabhupādas persönlicher Reisegruppe gehört, und während dieser Zeit hatte Hansadutta großen Respekt vor Harikeśas Intelligenz und seiner Hingabe in Prabhupādas Dienst gewonnen. Er sprach also eine nachdrückliche Empfehlung aus, und Prabhupāda war sofort einverstanden.
HARIKEŚA DĀSA: Während des Morgenspaziergangs stellte Prabhupāda Fragen über die Lage in Deutschland. Plötzlich sagte er: „Jetzt solltest du GBC für Osteuropa werden.“ Ich war vollkommen verblüfft. Dann fügte Hansadutta hinzu: „Und für Deutschland.“ Śrīla Prabhupāda nickte und sagte: „Ja, und Deutschland auch. Und BBT-Trustee.“ Ich war wie vom Schlag getroffen. Ich konnte nicht glauben, dass das alles gerade geschah. Nach der Bhāgavatam-Vorlesung ging ich in Prabhupādas Zimmer und sagte: „Ich verstehe das alles nicht, aber durch deine Barmherzigkeit scheint sich etwas zu entwickeln. Ich werde also mein Bestes tun, um den Dienst so auszuführen, wie du es wünschst.“ Dann fügte ich hinzu: „Und ich verspreche, kein Geld auszugeben.“ Doch Prabhupāda korrigierte mich: „Nein, gib Geld aus. Aber verschwende es nicht.“ Als ich nach Deutschland zurückkehrte, ging ich zu Jayatīrtha mit einem gewissen Schuldgefühl: „Es tut mir wirklich leid. Ich hatte nichts damit zu tun. Es hat mich auch völlig überrascht. Aber hier ist ein Brief von Prabhupāda an dich und Bhagavān: Ich bin mit der Arbeit, die Harikeśa Swami in Deutschland und Osteuropa leistet, sehr zufrieden. Deshalb habe ich ihn bis zum Mayapur-Treffen zum amtierenden GBC/BBT ernannt, um ihn zu ermutigen und ihm die Möglichkeit zu geben, die Lage in Deutschland zu bereinigen. Ihr GBCMitglieder solltet ihm bitte bei seinen Bemühungen helfen, den Prozess dort zu gewinnen, denn dieser Gerichtsfall wird über die Zukunft unserer Bewegung in Europa entscheiden. Nachdem Jayatīrtha den Brief gelesen hatte, stammelte er: „Aber … aber … das ist fantastisch! Ich will gar nicht GBC für Deutschland sein. Das ist wunderbar.“ Und gleich am nächsten Tag reiste er nach London ab.
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Ich war vor allem mit zwei Dingen beschäftigt: dem Gerichtsverfahren und saṅkīrtana. Der Prozess nahm meine ganze Zeit in Anspruch. Wir hatten eine Kopie der offiziellen Anklageschrift bekommen, und ich verbrachte viel Zeit mit Anwälten, um eine Strategie zu entwickeln. Es stellte sich jedoch heraus, dass wir erst ein Jahr später vor Gericht erscheinen mussten. Die Buchverteilung hatte immer weiter zugenommen, hauptsächlich durch die Inspiration von Maṇidhara und Rohiṇī-sūta. Ein paar Wochen zuvor hatte Jayatīrtha Prabhupāda von ihren Leistungen in der Buchverteilung berichtet, und Prabhupāda hatte ihnen einen ermutigenden Brief geschickt: Ich habe einen Brief von Jayatīrtha erhalten, in dem er schreibt, dass ihr in einer Woche jeweils 522 und 521 große Bücher verteilt habt. Das ist wunderbar. Ich danke euch sehr. Ye yathā māṁ prapadyante tāṁs tathaiva bhajāmy aham. Kṛṣṇa freut sich mehr und mehr, wenn Er sieht, wie die Buchverteilung zunimmt. Hingebungsvoller Dienst ist absolut, aber Kṛṣṇa ist besonders erfreut, wenn jemand Seinen Ruhm predigt. In den folgenden Monaten stieg die Buchverteilung dramatisch an. Zur Zeit des Mayapur-Festivals 1977 stand Deutschland weltweit an der Spitze. Wir hatten das meiste Geld an den amerikanischen BBT überwiesen, der die Hälfte seiner Einnahmen nach Indien für den Tempelbau schickte, und wir führten bei der Anzahl der verteilten Bücher. Natürlich war Prabhupāda sehr zufrieden und sagte: „Alle dachten, Deutschland sei erledigt, aber Kṛṣṇa sagte: ‚Nein! Lass die Saṅkīrtana-Bewegung dort wachsen!‘“ Nach dem Māyāpur-Festival explodierte die Buchverteilung regelrecht. Pṛthu war einer der besten Saṅkīrtana-Leiter, die wir je hatten. Er inspirierte alle. Unter seiner Führung waren die Buchverteiler nicht mehr aufzuhalten. Wir ließen die ganze Welt weit hinter uns. Niemand kam uns auch nur annähernd gleich.