GIB DEIN BESTES, UND KṚṢṆA WIRD DIR JEDE HILFE GEBEN er Tempel in Montreal war von Janardana gegründet worden, einem Gottgeweihten aus dem französischsprachigen Teil Kanadas, den Prabhupāda im Oktober 1966 von New York nach Montreal geschickt hatte, um eine Auswahl an Kṛṣṇa-bewusster Literatur für die Weltausstellung im Frühling 1967 vorzubereiten. Prabhupāda wollte auch in Montreal einen Tempel eröffnen. Er hatte einmal in einem Brief angedeutet, dass seine Mission erfolgreich wäre, wenn es Tempel in New York, San Francisco, Montreal und London gäbe. Im Winter 1966 kam Samuel Greer, ein Kriegsdienstverweigerer aus Amerika, nach Montreal. Ein Jahr zuvor war Sam mit dem Schiff von Kanada nach Europa gereist, hatte Amsterdam, Kopenhagen und Florenz besucht und den größten Teil des Sommers damit verbracht, kreuz und quer durch Europa und Teile Nordafrikas zu trampen. Aber weil ihm in Großbritannien, wo er sich eigentlich hatte niederlassen wollen, die Einreise verweigert wurde, kehrte er wieder nach Kanada zurück.
Nach seiner Ankunft in Montreal mietete Sam eine kleine Wohnung in der Nähe der McGill-Universität, wo es preiswerte Studentenunterkünfte gab. Eines Abends begegnete er in der Studentenvereinigung Janardana, der dort Plakate für einen Mantra-Rock-Dance im Montrealer Hare-Kṛṣṇa-Tempel aufhängte. Er sprach ihn an, und Janardana lud ihn ein, zur Tanzveranstaltung zu kommen. Sam ging zwar nicht zum Mantra-Rock-Dance, aber etwas später besuchte er den Tempel. Was ihn am Anfang besonders faszinierte, war das ungewöhnliche, exotische Essen, prasādam genannt, und die spirituelle Atmosphäre des Tempels, und so kam er öfter. Nachdem Sam regelmäßig an den Vorlesungen aus der Bhagavad-gītā und dem Śrīmad-Bhāgavatam teilgenommen hatte, zog er nach einigen Wochen in den Tempel ein, um Mönch zu werden. Sechs Monate später, im Juli 1967, erhielt er per Brief von Śrīla Prabhupāda die Einweihung und seinen spirituellen Namen: Śivānanda dāsa Brahmacārī. Ein Jahr später, im Sommer 1968, traf Śivānanda seinen spirituellen Meister zum ersten Mal persönlich.
ŚIVĀNANDA DĀSA: Während Prabhupādas Besuch in Montreal begleiteten wir ihn oft auf seinen morgendlichen Spaziergängen. Auf einem dieser Spaziergänge erzählte ich ihm von den verschiedenen Orten in Europa, die ich besucht hatte. Nachdem er voller Interesse zugehört hatte, sagte er, „Oh, du solltest dorthin zurückgehen und in all diesen Städten Tempel eröffnen.“ Ich hatte keine Ahnung, dass Prabhupāda schon lange geplant hatte, Kṛṣṇa-Bewusstsein auch außerhalb von Nordamerika zu verbreiten. Deshalb war ich ganz begeistert, als ich hörte, dass er jemanden schicken wollte, um einen Tempel in London zu eröffnen. London war bekannt als Drehund Angelpunkt der europäischen Gegenkultur, angeführt von den Beatles. Außerdem gab es dort eine große Gemeinschaft ausgewanderter Inder. Ich bot mich also an, nach England zu reisen und einen Tempel zu eröffnen. Aber Prabhupāda meinte wohl, dass ich doch nicht die richtige Person sei, und sagte nur: „Wir werden sehen. Vorerst solltest du lieber hier in Montreal bleiben.“ So weit ich im Rückblick beurteilen kann, lag der Grund wohl darin, dass er meine Unerfahrenheit sah und wusste, dass es für mich nicht einfach sein würde, allein in der Welt zurechtzukommen.
Gib dein Bestes, und Kṛṣṇa wird die jede Hilfe geben
Doch dann kam das Thema wieder zur Sprache. Heute denke ich, dass es mir eher darum ging, ein Abenteuer zu erleben, als Kṛṣṇa-Bewusstsein zu verbreiten und meinen spirituellen Meister zufriedenzustellen. Weil ich schon durch Europa gereist war und nie Schwierigkeiten gehabt hatte, einen Platz zum Schlafen zu finden, dachte ich, ich wäre der Situation gewachsen, und so fragte ich Prabhupāda wieder, wie es damit stünde, nach London zu gehen. Endlich gab er nach und sagte: „Also gut.“ Aber dann fügte er hinzu: „Du weißt, ich war ein Kalkutta-Junge. Mich hat nie jemand reinlegen können, als ich in New York war.“ Er erinnerte mich daran, dass ich noch sehr unerfahren sei. Aber weil er meinen Eifer sah, ließ er mich dann doch gehen. Voller Begeisterung rief ich sofort meine Mutter an und bat sie, das Geld für den Flug nach Europa zu spenden. Sie war einverstanden, aber nur unter der Bedingung, dass ich nach meiner Rückkehr wieder aufs College gehen würde. Unschlüssig, was zu tun sei, fragte ich Prabhupāda: „Wenn ich zurück aufs College gehe, was soll ich dann studieren?“ Er zögerte kurz und sagte dann: „Studiere Englisch.“ Natürlich ging ich nie aufs College zurück, aber meine Mutter hatte das Glück, der Mission Śrī Caitanya Mahāprabhus geholfen zu haben. Es dauerte nicht lange, bis ich alle Vorkehrungen für die Reise getroffen hatte. Ich war mir sicher, dass sie erfolgreich sein würde, denn dies war Śrī Caitanyas Bewegung, und sie war authentisch. Trotzdem wandte ich mich an Hansadutta, als ich in den Bus zum Flughafen einstieg, und fragte ihn, „Wenn ich in London ankomme, was meinst du, wie ich am besten anfangen soll?“ Seine Antwort war einfach: „Sobald du aus dem Flugzeug steigst, setz dich dahin, wo ein paar Leute sind, und chante Hare Kṛṣṇa. Spiele dazu karatālas, so wie es Prabhupāda vor zwei Jahren in New York gemacht hat. Wenn sich eine Menschenmenge bildet, halte einen kurzen Vortrag über KṛṣṇaBewusstsein und bitte um Spenden für die Mission. So wirst du bestimmt Erfolg haben.“ Einige Stunden später war ich in der Luft und auf dem Weg zur anderen Seite des Atlantiks. Bevor ich Gottgeweihter wurde, hatte ich zweimal versucht, nach London einzureisen, (zuerst als Kriegsdienstverweigerer aus den Staaten und später auf der Rückreise von Nordafrika), und beide Male war mir die Einreise verweigert worden. Jetzt kam ich in dhoti gekleidet, mit kahlrasiertem Kopf, mit śikhā und mit tīlaka auf der Stirn in England an. Außerdem hatte ich eine kleine mūrti (Altargestalt) von Jagannātha in meinem Koffer. Die Zollbeamten verdächtigten mich, Drogen dabei zu haben, und zerschnitten Jagannāthas Kleider auf ihrer Suche, fanden aber natürlich nichts. Dennoch misstrauten sie meinen Absichten und lehnten es rundweg ab, mich ins Land zu lassen. Ich musste also woanders hin und entschied mich, den nächsten Flug nach Amsterdam zu nehmen. Die Niederlande waren eines der liberalsten Länder Europas, und besonders Amsterdam war zum Mekka der blühenden Hippiekultur geworden. Ich hatte keinerlei Schwierigkeiten, durch den Zoll zu kommen, und saß bald Hare Kṛṣṇa chantend auf dem Damplatz — dem Treffpunkt der Jugend Europas im Amsterdamer Stadtzentrum. Meine Nicht-von-dieserWelt-Erscheinung sorgte für Aufsehen, und bald wurde ich von einem Reporter fotografiert und interviewt. Am nächsten Tag brachte eine der führenden Amsterdamer Tageszeitungen einen Artikel über KṛṣṇaBewusstsein und meine Predigertätigkeit, den ich dann ausschnitt und an Prabhupāda schickte. In meinem Bericht erwähnte ich, dass ein junger Mann aus Finnland Interesse an unserer Philosophie gezeigt und mir seine Hilfe angeboten habe, und dass ich aus Gesprächen mit ihm den Eindruck gewonnen hätte, dass die Leute in Holland finanziell nicht besonders gut gestellt seien, und es wohl schwierig sein würde, einen Tempel zu eröffnen. Deshalb hätte ich hin und her überlegt, in welch andere europäische Stadt ich gehen könnte, und wäre schließlich zu dem Schluss gekommen, West-Berlin könnte ein geeigneter Ort sein. Am Ende erwähnte ich noch, dass ich sowohl Prabhupāda als auch meine Gottbrüder und -schwestern sehr vermisste. Eine Antwort Prabhupādas kam postwendend am 27. August: Ich bin überglücklich, deinen Brief vom 21. August 1968 erhalten zu haben, und erkläre hiermit, dass es Krishnas Wunsch war, dass du in England abgewiesen wurdest und so nach Amsterdam kamst. Ich habe auch den Artikel gesehen, der deine Bemühungen in Amsterdam beschreibt, konnte aber leider die Sprache nicht verstehen. Aber ich sah, dass mein Name, Swami A. C. Bhaktivedanta, in ihm erschien, was ein Zeichen dafür ist, dass deine Reise durch Europa erfolgreich sein wird. Ich bin froh, dass du nach WestBerlin gehst und hoffe, dass du diesen Brief noch rechtzeitig erhältst. Bleibe entschlossen und chante immer Hare Krishna. Du wirst erfolgreich sein. Als
Gib dein Bestes, und Kṛṣṇa wird die jede Hilfe geben ich 1965 nach New York kam, war ich in einer ähnlichen Lage, und allmählich sind viele Schüler wie du zu mir gekommen. Lass dich nicht entmutigen. Gib dein Bestes, und Krishna wird dir jede Hilfe geben. Die ermutigenden Worte meines spirituellen Meisters gaben mir Auftrieb, und mit frischem Vertrauen und fester Überzeugung stieg ich in den Zug nach West-Berlin. Nach meiner Ankunft verbrachte ich die ersten Wochen in einer Jugendherberge. Dann begann ich umherzuziehen, übernächtigte an verschiedenen Orten, einmal sogar in einem Kloster, wusste aber, dass ich eine feste Bleibe finden musste. Manchmal saß ich auf dem Kurfürstendamm, Berlins berühmter Einkaufsstraße, und sang kīrtana. In Montreal hatte mir Hansadutta eine Bettelschale und einige Karten gegeben, auf denen stand: „Chante Hare Kṛṣṇa, und dein Leben wird die Vollkommenheit erreichen.“ Ich stellte die Schale mit den Karten vor mich hin und begann Hare Kṛṣṇa zu chanten, und natürlich warfen Leute immer ein paar Münzen hinein. Wenn sich eine ausreichend große Zuschauermenge versammelt hatte, unterbrach ich mein Singen und predigte. Weil ich kein Deutsch konnte, musste ich unter den Schaulustigen jemanden finden, der Englisch sprach und meine Worte übersetzen konnte. West-Berlin hat eine große Universität, und es gab immer Studenten, die bereit waren, meine Dolmetscher zu sein. So hatte ich fast nie Probleme. *** Kurz nach Śivānandas Abreise bekam Śrīla Prabhupāda einen Brief von Krishnadas, einem seiner Schüler in San Francisco, der ihm den Wunsch unterbreitete, Kṛṣṇa-Bewusstsein außerhalb der USA zu predigen. Prabhupāda schlug sofort vor, dass er sich Śivānanda in Deutschland anschließen solle. Während seines nächsten Besuches in San Francisco Mitte September besprach er die Einzelheiten mit Krishnadas und einem weiteren Schüler, Uttamaśloka, einem deutschstämmigen jungen Mann, der die letzten fünfzehn Jahre in Amerika gelebt hatte. Uttamaśloka wollte Krishnadas begleiten und Prabhupādas Bücher ins Deutsche übersetzen. Prabhupāda fühlte sich durch ihren Predigergeist angeregt und informierte Śivānanda umgehend per Brief über die vielversprechenden Entwicklungen:
Ich habe heute mit Krishnadas und einem deutschen Jungen, Uttamasloka das, gesprochen. Beide sind bereit, Ende des Monats nach Deutschland zu kommen. Sriman Uttamasloka ist bereits eingeweiht und ist außerdem der deutschen Sprache mächtig. Er hat mir die Übersetzungen meiner englischen Essays gezeigt und es sieht so aus, als könne er im Berliner Tempel von großer Hilfe sein. Ich bin dabei, ihm die Grundideen der Philosophie des KrishnaBewusstsein zu vermitteln, und heute morgen hatten wir die erste Lehrstunde. Der Berliner Tempel wird eine der wichtigsten Niederlassungen in Europa werden, und ich hoffe, dass in der Zukunft viele Deutsche, die unter den Europäern als sehr intelligent gelten, unsere Lehren annehmen werden. Du weißt vielleicht, dass ich einen deutschen Gottbruder habe, Sadananda Swami, der einen anderen deutschen Gelehrten beeinflusst hat, Vamana dasa (Walter Eidlitz), der seinerseits ein sehr schönes Buch über Sri Caitanya in Deutsch geschrieben hat. In diesem bedeutenden Land haben die Leute ein großes Interesse an Indiens ursprünglichem spirituellen und kulturellen Leben, und Krishna-Bewusstsein ist der beste Weg, die Kultur Indiens zu vermitteln. Sri Caitanya ist das Symbol der unverfälschten Kultur Indiens und der perfekte Botschafter, um auf dem vedischen Wissen beruhende philosophische Gedanken der Welt näherzubringen. Ich hoffe, dass unsere Bücher – Bhagavad-gita As It Is, Teachings of Lord Caitanya und Srimad-Bhagavatam – bald in die deutsche Sprache übersetzt und der noblen deutschen Nation zur Verfügung stehen werden. Für das kommende Jahr solltest du erst einmal keine Pläne machen, einen weiteren Tempel zu eröffnen. Sobald Krishnadas und Uttamasloka dort ankommen, bemüht euch bitte gemeinsam, die Bewegung für KrishnaBewusstsein in diesem Land bekannt zu machen. Sie werden eine MridangaTrommel mitbringen. Ich habe gehört, dass in Deutschland hervorragende Harmoniums hergestellt werden. Bitte erkundige dich danach und gib mir Bescheid. Andernfalls bringt Krishnadas außer der mridanga auch noch ein Harmonium mit. Durch alle diese wunderbaren Beiträge in Form von Musik, Philosophie, spiritueller Kultur und dem persönlichen Beispiel, das im beispielhaften Charakter der Gottgeweihten gipfelt, wird die Bewegung für KrishnaBewusstsein zweifelsohne einen tiefen Wandel im Leben der Menschen im Westen bewirken.
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ŚIVĀNANDA DĀSA: Prabhupādas Brief war natürlich sehr ermutigend, aber es war nicht leicht, so ganz allein und auf mich selbst gestellt zu sein, weshalb ich etwas unruhig geworden war. Ich überlegte, ob ich nicht besser in die Schweiz reisen sollte, doch als ich Prabhupāda um Rat bat, schrieb er mir: „Du kannst natürlich 12 Dollar auf Reisen verdienen, aber du kannst 13 Dollar verdienen, indem du an einem Ort bleibst, vorausgesetzt du weißt, wo der beste Sitzplatz ist. Sicherlich kannst du auf Reisen gut predigen, so wie ich es tat, als ich in euer Land kam. Aber seitdem ich mich ab Juli 1966 in der 26 Second Avenue aufhalte, hat sich die Gesellschaft zu ihrer heutigen Form entwickelt.“ Ich nahm mir seinen Rat zu Herzen und begann erneut, nach einem geeigneten Ort für einen Tempel zu suchen. In der letzten Septemberwoche fand ich ein kleines Ladenlokal in Kreuzberg, in der Manteuffelstraße. Die Nachbarschaft war nicht die beste, und die Gebäude wiesen immer noch Einschläge auf, die durch Artilleriegefechte im Zweiten Weltkrieg entstanden waren. Dennoch zog ich ein und begann, regelmäßig kīrtanas zu singen. Von Zeit zu Zeit fuhr ich in die Stadtmitte und setzte mich zum Singen in die Nähe der Gedächtniskirche, der berühmten ausgebombten Kirche, die man als Mahnmal stehen gelassen hatte. Nach ungefähr einer Woche kamen Krishnadas und Uttamaśloka. Nachdem sie die Situation beurteilt hatten, kamen wir zu der Entscheidung, dass es effektiver für die Predigtarbeit sein würde, nach Westdeutschland umzuziehen, denn immer mehr junge Leute verließen Berlin, eine geteilte Stadt, die mitten in der DDR lag. Infolgedessen entschlossen wir uns, nach Hamburg zu gehen. In Hamburg angekommen, stellten sich uns dieselben Probleme wie zuvor: Wir kannten niemanden und hatten nur wenig Geld. Glücklicherweise wurde es uns erlaubt, für einige Zeit in der Deutsch-Dänischen Akademie zu bleiben. Obwohl wir noch keinen geeigneten Ort für einen Tempel gefunden hatten, bestärkte uns Prabhupāda in unseren Bemühungen. Am 21. Oktober erhielten wir einen Brief: In London haben die Geweihten bis jetzt auch noch keinen Tempel eröffnet, aber sie führen zweibis dreimal am Tag kirtana durch: in Parks, Schulen, Hochschulen, Vereinen sowie Gemeindeund Privathäusern. Auf diese Weise wird unsere Öffentlichkeitsarbeit nicht unterbrochen. Auch wenn ihr also in
Hamburg noch keinen geeigneten Ort für einen Tempel gefunden habt, könnt ihr zu dritt dennoch den Hare Krishna kirtana chanten, so wie sie es in London und anderen Städten auch tun. Uns geht es in erster Linie ums Predigen. Es spielt keine Rolle, ob wir einen Tempel haben oder nicht. Aber wenn die Predigtarbeit weitergeht, dann können wir sehr zufrieden sein. Nach ungefähr einem Monat fanden wir im Eppendorfer Weg ein kleines Ladenlokal, das wir uns leisten konnten. Weil die Räumlichkeit sehr begrenzt war, mussten wir eine Trennwand ziehen. Auf der einen Seite war der Tempelraum und auf der anderen hatten wir eine kleine Küche eingerichtet, die aus einer Spüle und einer Kochplatte auf einem Heizkörper bestand. Da wir weder Bücher noch Zeitschriften in deutscher Sprache hatten, konnten wir kein Geld durch Buchverteilung sammeln, und so riet uns Prabhupāda, arbeiten zu gehen, um den Tempel zu erhalten. Krishnadas bekam eine Lehrstelle als Goldschmied, während Uttamaśloka und ich eine Anstellung im Botanischen Garten fanden. Wann immer wir Zeit hatten, gingen wir hinaus, um auf den Straßen zu chanten, und setzten so unsere demütigen Predigerbemühungen fort. Ich schickte Prabhupāda einen Bericht über unsere Lage und stellte ihm auch mehrere Fragen. Seine Antwort kam Ende Januar 1969: Mein lieber Sivananda, Bitte nimm meinen Segen entgegen. Ich habe deinen Brief vom 14. Januar 1969 erhalten und den Inhalt zur Kenntnis genommen. Es freut mich sehr zu hören, dass ihr alle gern auf die Straße geht, um zu chanten und die Botschaft der Bhagavad-gita zu predigen. Das ist eine sehr gute Haltung und steht im Einklang mit den Lehren Sri Caitanyas, der die Unterweisung gab, dass die Menschen auf der ganzen Welt Sankirtana hören sollen. Daher solltest du, soweit es dir möglich ist, weiterhin in die Öffentlichkeit gehen, um zu chanten, und ich bin sicher, dass die anderen in deinem Tempel es schätzen werden, mit dir zu gehen, sofern sie verfügbar sind. Gewiss wird diese Praxis viele Menschen anziehen, ein gewisses Interesse an dieser Bewegung für Krishna-Bewusstseins zu entwickeln. Was deine Bitte um Informationen zum Kochen betrifft, so ist es am besten, wenn du Yamuna Dasi in London um Rat fragst. Sie ist eine sehr erfahrene Köchin und wird in der Lage sein, alle deine Fragen in Bezug auf die Zubereitung von prasadam zu beantworten. Ich habe gehört, dass Yamuna ein
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Kochbuch geschrieben hat, das die Gottgeweihten in London bald drucken wollen, was in dieser Angelegenheit ebenfalls hilfreich sein wird. Was den Dienst an deinen Gottbrüdern betrifft, so ist dies eine sehr gute Haltung. Der spirituelle Meister ist niemals ohne Seine Anhänger; dem spirituellen Meister zu dienen, bedeutet daher auch, seinen Schülern zu dienen. Wenn man dem König dienen will, muss man auch seinem Minister, seinem Sekretär und jedem dienen, der ihm dient. Und dem Diener des Königs zu dienen, kann ihn mehr erfreuen, als dem König persönlich zu dienen. Der spirituelle Meister ist also nicht allein. Er ist immer von Seinem Gefolge umgeben. Wir sind keine Unpersönlichkeitsphilosophen. Wir tragen für jeden Teil des Ganzen Sorge, so wie man sich sowohl um seinen Hut als auch um seine Schuhe kümmert. Beides ist für die Erhaltung des Körpers gleichermaßen wichtig. Ich hoffe, dass du dies verstehst. Es ist wichtig, dass wir die Botschaft des Krishna-Bewusstseins genau so predigen, wie wir sie von unserem spirituellen Meister gehört haben. Dieselbe Philosophie und derselbe Geist müssen unverändert bewahrt werden. Ich zum Beispiel predige hier in deinem Land, wie ich es von meinem spirituellen Meister gehört habe, aber ich nehme entsprechend Zeit, Umständen und Zuhörern Anpassungen vor. Der Geist der guru-paramparā darf nicht verändert werden, doch wir können Anpassungen vornehmen, um den besonderen Umständen gerecht zu werden. Was deine letzte Frage nach der Bedeutung des Chantens betrifft: Chanten ist in diesem Zeitalter, dem Kali-yuga, der einzige Weg, vollständiges KrishnaBewusstsein zu erlangen. Sri Caitanya hat diese Tatsache besonders betont, und wir können uns auf Seine Autorität stützen und davon ausgehen, dass keine andere Methode erfolgreich sein wird. Setze daher die Arbeit in unserem Hamburger Tempel so weit wie möglich fort. Du bist nach Deutschland gegangen, ohne die Sprache zu kennen, und du versuchst, den Menschen dort das seltenste Juwel zu geben: KrishnaBewusstsein. Ich weiß, dass Krishna mit all deinen Bemühungen dort sehr zufrieden ist, und gewiss wird Er dir alle Möglichkeiten geben, in deinen Bemühungen erfolgreich zu sein. Ich hoffe, dass dich dieser Brief bei guter Gesundheit antrifft. Es war uns bewusst, dass unsere Predigtarbeit ohne Druckschriften wenig effektiv sein würde, und so hatten wir vor, uns ein Kopiergerät zuzulegen. Als Prabhupāda von unseren Plänen hörte, schickte er uns einen ermutigenden Brief:
Ich habe mit großer Freude zur Kenntnis genommen, dass ihr unsere Artikel in deutscher Sprache maschinell vervielfältigen wollt. Das ist eine gute Nachricht. Aber macht es bitte ordentlich. Diese Druckerzeugnisse müssen allen Menschen zur Verfügung gestellt werden, so dass ihr Interesse an Krishna erweckt wird und sie mehr erfahren wollen. Das wird viele Leute dazu bringen, mit dem Chanten zu beginnen und diese Philosophie zu studieren. Versucht es also auf diese Art, denn es handelt sich hierbei um ein sehr wichtiges Bestreben. In den Vereinigten Staaten haben wir nun endlich die Bhagavadgita As It Is veröffentlicht, und im nächsten Monat werden wir Teachings of Lord Caitanya drucken. Wenn du unsere Bücher auch in deutscher Sprache veröffentlichen könntest, wäre das ein großer Erfolg. Schließlich fanden wir ein Vervielfältigungsgerät zum Schnäppchenpreis und begannen sofort, Flugblätter, die von Uttamaśloka übersetzt worden waren, auf Deutsch zu drucken. *** Aber nach einigen Monaten wurde Uttamaśloka ruhelos, hörte mit seiner Übersetzungsarbeit auf und verließ den Tempel. Prabhupāda war sich der schwierigen Lage bewusst, in der sich seine Schüler in Hamburg befanden, und so sorgte er dafür, dass sich ihnen ein anderer Gottgeweihter anschloss. Jaya Govinda war gerade mit Acyutananda in Indien, doch als er vom Predigen in Deutschland hörte, schrieb er an seinen spirituellen Meister: Soweit ich weiß, liegt die Druckarbeit in Deutschland still, und da ich mich mit Drucken und Grafikarbeit auskenne, dachte ich, Hamburg wäre vielleicht ein geeigneter Ort für mich. Auf Prabhupādas Bitte hin buchte Krishnadas Jaya Govindas Flug nach Deutschland, und Anfang Mai 1969 kam dieser in Hamburg an. Unterdessen traf Kṛṣṇa, so wie Prabhupāda es vorausgesehen hatte, weitere Vorkehrungen für die Verbreitung des Kṛṣṇa-Bewusstseins in Deutschland. Seit Anfang 1968 stand Prabhupāda in Briefkontakt mit Mario Windisch, einem in Schweden lebenden Deutschen, der Vāmaṇa Dāsa, einen Schüler Sadānanda Swamis, getroffen hatte. Mario zeigte großes Interesse an Śrī Caitanyas Philosophie, und während einer Reise nach Kanada besuchte er Śrīla Prabhupāda in Montreal. Am 3. April schrieb dieser an Krishnadas, der
Gib dein Bestes, und Kṛṣṇa wird die jede Hilfe geben sich nach Uttamaślokas Ausscheiden derartig entmutigt fühlte, dass er daran dachte, nach Amerika zurückzukehren: Gestern abend habe ich einen jungen Deutschen eingeweiht (er heißt jetzt Mandalibhadra), und er wird sich um die Übersetzung meiner Bücher ins Deutsche kümmern. Also wird es von nun an keine Schwierigkeiten mehr geben, die deutsche Ausgabe von Back to Godhead mit eurer vor Kurzem erworbenen Druckpresse zu drucken. Siehst du nicht die Zeichen, die Krishna uns gibt? Die Druckpresse ist bereits da; der Drucker, Jaya Govinda, ist auf dem Weg, und ein in der deutschen Sprache gewandter Gottgeweihter hat sich uns angeschlossen. Erkennst du nicht Krishnas Hinweis, dass wir Aufklärung in deutscher Sprache in diesem Teil der Welt machen müssen? Du musst nun die Umstände dem Hinweis Sri Krishnas gemäß anpassen. Handle nicht nach Lust und Laune. Die einzuschlagende Richtung zeigt dir der spirituelle Meister, und jeder, der nach der Weisung des spirituellen Meisters handelt, um so die Wünsche des Herrn in die Tat umzusetzen, ist eine vollkommen ergebene Seele. Anfang Juni hatte Śivānanda wunderbare Nachrichten: die erste Frucht ihrer Predigtarbeit. Ein junger Künstler namens Oliver hatte sich entschlossen, im Tempel zu leben und Gottgeweihter zu werden. Prabhupāda war hocherfreut und prägte Śivānanda mit Nachdruck den unschätzbaren Wert einer so seltenen Seele ein: Es ist sehr ermutigend, dass sich ein netter deutscher Junge entschlossen hat, in eurem Tempel zu leben. Das ist ein klarer Beweis dafür, dass ihr aufrichtig im Dienste Krishnas tätig seid und dadurch eine aufrichtige Seele angezogen habt, die sich euch nun anschließt. Wo immer ein wahrer Vaishnava hingeht, wird der spirituelle Instinkt fortgeschrittener Seelen, die mit ihm in Berührung kommen, erweckt, und sie fühlen sich spontan angezogen. Bitte kümmert euch um Oliver, so gut es geht, und helft ihm in jeder Beziehung. Im Krishna-Bewusstsein ist jeder Einzelne ungemein wichtig, weil jegliche Tätigkeiten eines einzigen Dieners des Herrn dem Wohl aller Lebewesen dienen. Wenn es irgendwelche Fragen gibt, bei denen ich ihm weiterhelfen kann, so stehe ich euch stets zur Verfügung. OLIVER: Als ich siebzehn oder achtzehn Jahre alt war, empfand ich eine tiefe Unzufriedenheit mit den von der Gesellschaft vermittelten Vorstellungen von Wirklichkeit, Moral und Ethik. Intuitiv wusste ich, dass es jenseits der
Trugbilder des alltäglichen Daseins eine andere Wirklichkeit geben musste, und ich hoffte, mich dieser Wirklichkeit durch Kunstexperimente in der Form von Malerei, Musik und Happenings zu nähern. Im Verlauf dieser künstlerischen Experimente wurde ich immer mehr davon überzeugt, dass diese andere Wirklichkeit keine Einbildung war, sondern eine greifbare Wahrheit, die man erfahren konnte. Im Frühjahr 1969 gab mir ein Freund eine Einladungskarte zu einem Fest im Rādhā-Kṛṣṇa-Tempel in Hamburg. Am nächsten Sonntag ging ich also in das Ladenlokal im Eppendorfer Weg, wo Śivānanda und Krishnadas mich empfingen. Nachdem wir einige einleitende Worte gewechselt hatten, erklärten sie mir, dass sie vor dem Fest die heiligen Namen Gottes chanten würden. Die Worte waren auf ein an der Wand hängendes Tuch gestickt, und ich war herzlich eingeladen, am Chanten teilzunehmen. Mit den Gottgeweihten gemeinsam im kīrtana zu singen war eine besondere, ja ekstatische Erfahrung. Von Anfang an gab ich mich dem Chanten ganz hin. Ich fühlte mich auf eine andere Ebene der Existenz erhoben, eine Ebene jenseits der belastenden Routine des materiellen Lebens. Ich bedauerte nur, dass der kīrtana nicht ewig andauerte. Dann wurde das Festmahl serviert. Der Duft und der Geschmack des prasādams waren eine weitere einzigartige und wunderbare Erfahrung. Während der Mahlzeit spielten die Gottgeweihten Prabhupādas erste Schallplatte, Govinda, und seine Stimme hinterließ bei mir einen tiefen Eindruck. Mir gefiel alles am Tempel – die Musik, das Essen, die Gottgeweihten –, der einzige Nachteil war die Verständigung. Weder Śivānanda noch Krishnadas sprachen gut genug Deutsch, um mir die Philosophie richtig erklären zu können, und mein Englisch war für Gespräche nicht ausreichend. Auch gab es weder Bücher noch Zeitschriften in deutscher Sprache. Aber all diese Einschränkungen waren mir nicht so wichtig. Durch Kṛṣṇas Gnade hatte ich am Chanten Seines heiligen Namens Geschmack gefunden – ich konnte stundenlang den Hare Kṛṣṇa mahā-mantra chanten. Einige Wochen später wurde mir die tiefe Bedeutung des heiligen Namens immer klarer, und ich bekam einen flüchtigen Einblick in seine absoluten und transzendentalen Eigenschaften. Ich hatte versucht, meine spirituellen
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Gefühle in einem Bild mit dem Titel Absolute Sofortige Spontaneität zum Ausdruck zu bringen, wobei mir bewusst wurde, wie schwierig es ist, Spiritualität durch ein materielles Medium zu kommunizieren. Der Klang von Kṛṣṇas heiligem Namen war anders: Ich hatte keinen Zweifel, dass das Chanten mit den Gottgeweihten eine spirituelle Erfahrung war. Ich entschied mich daher, wieder zum Tempel zu gehen. Das war es, wonach ich gesucht hatte. Ich wickelte mein Bild in ein Tuch und ging zum Eppendorfer Weg, um meine Erkenntnis mit einem der Gottgeweihten zu teilen. Śivānanda empfing mich und folgte aufmerksam meinem ungeschickten Versuch, in gebrochenem Englisch die Bedeutung von Absolute Sofortige Spontanität zu erklären. Ich bezweifle, dass er auch nur ein Wort verstand, aber er gab mir das Gefühl, ernstgenommen zu werden, und ermutigte mich einfach, meine spirituelle Suche fortzusetzen, ganz besonders durch das Chanten von Gottes heiligen Namen und durch Tempelbesuche. Ende Mai war dann mein Wunsch, mit den Gottgeweihten zusammenzuleben, so stark geworden, dass ich mich entschloss, in den Tempel zu ziehen. Der entscheidende Auslöser aber war eigentlich der heilige Name. Seit meinem ersten Besuch hatte mich Kṛṣṇas Name in seinen Bann gezogen, und ich fühlte, dass es nur in der Gemeinschaft der Geweihten im Tempel möglich wäre, dem Namen nahe zu sein und dienen zu können. Während meines ersten Sonntagsfestes als Mitglied der Tempelgemeinschaft fiel es mir schwer, über Kṛṣṇa zu sprechen. Wegen meiner Unerfahrenheit fühlte ich mich unfähig zu predigen, weshalb ich Angst hatte, mit den Gästen überhaupt zu reden. Ich wurde so verzweifelt, dass ich den Tempelraum verließ und mich nach unten in den Keller zurückzog. Ich brach in Tränen aus und betete zu Kṛṣṇa: „Welche Bedeutung kann mein Leben haben, wenn ich nicht einmal über Dich und meine Erfahrung mit Dir sprechen kann?“ In diesem Moment fand eine innere Wandlung statt, und mein Herz füllte sich mit einem Gefühl glückseliger Freude. Frisch belebt ging ich nach oben und begann ganz einfach über meine eigene Erfahrung mit dem Hare Kṛṣṇa mantra zu sprechen. Es war erstaunlich, wie sich meine Beziehung zu den Gästen in einen warmen und liebevollen Austausch verwandelte.
Samstags und sonntags gingen wir morgens mit einem kleinen Teppich hinaus, um den heiligen Namen in der Öffentlichkeit zu chanten. Oft gingen Śivānanda und ich alleine, und während der eine von uns mṛdaṅga spielte und sang, verteilte der andere Einladungskarten. Aber mir fiel es schwer aufzuhören, wenn ich einmal mit dem Chanten angefangen hatte. Ich gewöhnte mich daran, mich in den heiligen Namen so zu vertiefen, dass ich glaubte, der transzendentale Klang umfange alles. Dann hatte ich den Wunsch, immer lauter und klarer zu singen, um den heiligen Namen immer eindringlicher widerhallen und immer weiter in die Mauern, Bäume und das ganze Universum eindringen zu lassen. So sang ich gewöhnlich immer weiter. Der arme Śivānanda war enttäuscht, wenn ich nicht nach einer Weile aufhörte, denn Einladungskarten zu verteilen, war keine solch nektarreiche Beschäftigung und war mit Beleidigungen von Leuten verbunden, die nicht von „indischen Mönchen“ angesprochen werden wollten. Später ging ich dann fast täglich nach draußen, meistens am Nachmittag, und allein. Ich nahm eine kleine Handkarre mit, um den Teppich, den Korb und die Musikinstrumente zu transportieren, und setzte mich auf den Bürgersteig, dort wo die Reeperbahn beginnt, und chantete den mahāmantra fünf oder sechs Stunden lang. Ich gewöhnte mich so sehr daran, dass ich praktisch nicht mehr leben konnte, ohne täglich hinauszugehen und den heiligen Namen zu chanten. Manchmal ging ich abends in die Hippie-Kommunen, wo die meisten Leute unter dem Einfluss von Marihuana und LSD standen. Ich betrachtete es als meinen besonderen Auftrag zu versuchen, die depressive Stimmung dort durch den heiligen Namen zu reinigen. Ich hatte fast zwei Jahre lang selbst in Kommunen gelebt und wollte nun mein großes Glück mit meinen ehemaligen Freunden teilen. Im Allgemeinen duldeten sie mich und es wurde mir erlaubt, über Kṛṣṇa-Bewusstsein zu sprechen und den heiligen Namen zu singen. Es war eine besondere Freude zu sehen, wie einige der Anwesenden sichtlich Auftrieb bekamen, wenn sie am Chanten teilnahmen. *** Ende Juni konnten die Hamburger Schüler Śrīla Prabhupāda weitere gute Nachrichten mitteilen. Mit Jaya Govindas Hilfe hatten sie endlich die erste
Gib dein Bestes, und Kṛṣṇa wird die jede Hilfe geben deutsche Ausgabe der Zeitschrift Back to Godhead mit dem Titel Zurück zur Gottheit gedruckt. Voller Dank schrieb Prabhupāda an Jaya Govinda: Bitte nimm meine Segnungen entgegen. Ich habe mit großer Freude deinen Brief vom 23. Juni zusammen mit der deutschen Ausgabe von Back to Godhead empfangen. Die Zeitschrift ist wirklich sehr schön. Du hast dir eine große Segnung meines Guru Maharaja verdient. Mein Guru Maharaja hatte das Ziel, die Botschaft Sri Caitanyas in allen Sprachen zu veröffentlichen, und so druckte er zu Lebzeiten sechs Zeitschriften in fünf Sprachen, in Hindi, Assami, Bengali, Englisch und Oriya. Euer Zurück zur Gottheit ist für mich ein einzigartiges Geschenk, an das ich mich für immer erinnern werde. ŚIVĀNANDA DĀSA: Als wir endlich Zurück zur Gottheit hatten, konnten wir harināma und die Verteilung von Druckschriften mit viel größerer Wirkung durchführen. Wir gingen hinaus, rollten unseren Teppich aus, setzten uns hin und chanteten, während einer von uns Zurück zur Gottheit verteilte. Anfang August entschied sich ein weiterer Junge, in den Laden im Eppendorfer Weg zu ziehen. Stefan, ein Freund Olivers, hatte die Gottgeweihten seit ihrer Ankunft in Hamburg beobachtet und nach und nach Aspekte des Kṛṣṇa-Bewusstseins in sein Leben einbezogen.
BHAKTI-BHŪṢAṆA SWAMI (Stefan): Wie viele meiner Altersgenossen in den späten Sechzigern hatte auch ich mit LSD und Mescalin experimentiert – nicht um der Welt zu entfliehen und ins große Vergessen einzutauchen, sondern um Einsicht in eine höhere Wirklichkeit zu gewinnen. Ich war in einem Grafikunternehmen angestellt. Obwohl der Job gut bezahlt wurde, fühlte ich mich leer und unzufrieden. Ich wusste, dass das Leben für etwas Anderes gedacht war. In meiner Frustration zog ich sogar in Erwägung, nicht älter als dreißig zu werden, denn ein höheres Alter erschien mir trostund sinnlos. Auf meiner Suche nach dem Sinn des Lebens las ich Bücher über Mystik und spirituelle Themen. Ich befasste mich eingehend mit dem Leben Jesu und Ramakrishnas, und versuchte sogar, mich in diese Persönlichkeiten hineinzuversetzen. Nachdem ich ein Buch über Zen gelesen hatte, unternahm ich einen langen Spaziergang mit meinem Freund Oliver. Wir gingen die ganze Nacht hindurch in der Erwartung, neue Erkenntnisse zu erlangen.
Als sich die Flower-Power-Bewegung Ende 1967 in Europa auszubreiten begann, wurde London zum Mittelpunkt der Hippie-Kultur, und so reiste ich im Sommer 1968 nach England, um Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln. Aber bald schon kehrte ich frustriert nach Hamburg zurück. Es muss ungefähr zu dieser Zeit gewesen sein, dass ich zum erstenmal das Hare Kṛṣṇa Chanten hörte, denn ich kann mich an eine Fernsehsendung erinnern, die Allen Ginsberg zeigte, wie er während eines Happenings auf einem kleinen Harmonium spielte und den mahā-mantra sang. Irgendwann im Herbst 1968 sah ich zum erstenmal einen Gottgeweihten. Ich wollte gerade einen öffentlichen Platz in der Nähe der Reeperbahn überqueren, als ich aus der Ferne den Klang von Handzimbeln hörte. Dann entdeckte ich eine kahlköpfige Gestalt, einen jungen Mann in schwarzem Anzug und weißem Hemd, der mit einem kleinen Korb vor sich auf einer Strohmatte auf dem Bürgersteig saß. Er hatte seine Augen geschlossen und schien völlig vertieft in das Chanten von Hare Kṛṣṇa. Es war Śivānanda. Sobald der Klang der Zimbeln meine Ohren erreichte, spürte ich eine besondere Vertrautheit damit, als ob ich diesen Klang schon einmal gehört hätte. Ich beobachtete Śivānanda eine Zeit lang und ging dann weiter. Aber der Anblick hatte einen tiefen Eindruck auf mich hinterlassen. Ein paar Tage später sah ich Śivānanda wieder. Er und Krishnadas standen am Eingang zu einem Rockkonzert und verteilten eine Broschüre: die Friedensformel. Einer der beiden hatte einen Harināma-Chadar umhängen, ein beliebtes Symbol der Hippies, und mein Eindruck war, dass inmitten aller Heuchelei, diese beiden wie Mönche gekleideten Personen echt waren. Eine mystische Aura umgab sie, aber sie waren keine Scharlatane. Sie waren authentisch. Einige Monate später, Anfang 1969, gab mir Kṛṣṇa erneut ein Zeichen. Ich besuchte regelmäßig Hamburgs bekanntesten Hippieklub, das Grünspan, in dessen Eingangshalle sich auf beiden Seiten mehrere Vitrinen befanden, in denen Bands angekündigt und Werbung oder andere Bekanntmachungen ausgehängt wurden. Ich bemerkte, dass eine der Vitrinen sich wesentlich von den anderen unterschied. Die Gottgeweihten benutzten sie, um auf KṛṣṇaBewusstsein und das Sonntagsfest aufmerksam zu machen. In der Mitte hing ein kleines Bild von Kṛṣṇa, von welchem Linien wie Strahlen mit Zitaten von
Gib dein Bestes, und Kṛṣṇa wird die jede Hilfe geben berühmten Persönlichkeiten, unter ihnen Allen Ginsberg, Timothy Leary und Prabhupāda, ausgingen. Ich hatte keine Ahnung, wer Prabhupāda war, und es war mir nicht ganz klar, um was es eigentlich ging, aber weil die Einladung zum Sonntagsfest kostenloses Essen erwähnte, dachte ich, es handele sich um ein Restaurant. Dann begann ich in verschiedenen Kommunen zu leben, und eines Tages schloss sich uns ein junger Mann an, der Jesus verehrte. Es stellte sich heraus, dass Uttamaśloka, den Prabhupāda nach Deutschland geschickt hatte, um Śivānanda zu helfen, wegen Meinungsverschiedenheiten mit den anderen Gottgeweihten bezüglich der Stellung Jesu Christi den Tempel verlassen hatte und jetzt unserer Kommune beitreten wollte. Wir hatten einen großen Altar am Ende des Hauptraumes, auf den jeder ein Bild von dem, was er verehrte, stellen konnte. Dort hingen auch viele Bilder von angeblichen Yogis und Heiligen, es gab mystische Symbole, Lichter usw., und ich sah auch ein Bild von Prabhupāda. Inmitten dieses Mischmaschs empfand ich eine starke Anziehung zu Uttamaśloka, da ich spürte, dass er anders war. Er war kein gewöhnlicher Hippie, sondern schien es mit dem spirituellen Leben richtig ernst zu meinen. Er war strikter Vegetarier, ging nicht freizügig mit dem anderen Geschlecht um, und stand morgens sehr früh auf. Ich fand ihn faszinierend. Eines Tages im Frühjahr 1969 nahm er mich mit zum Sonntagsfest im Tempel am Eppendorfer Weg. Es war ein Erlebnis, zum erstenmal prasādam zu probieren, besonders weil Süßes und Salziges zusammen auf demselben Teller serviert wurde. Dieses, in Verbindung mit dem Geruch von Räucherstäbchen, machte alles ungewöhnlich und exotisch. Śivānanda gab eine Vorlesung, aber weil er kaum Deutsch sprach, war es ein ziemlicher Wirrwarr, und ich glaube, nur wenige Besucher konnten sich einen Reim darauf machen. Aber wir alle waren irgendwie von der spirituellen Atmosphäre wie verzaubert. Während der Vorlesung saßen einige von uns im Lotossitz, mit geschlossenen Augen, voll konzentriert auf die Worte der Weisheit, die da gesprochen wurden, und auch während des kīrtanas blieben wir so sitzen und ließen den Fluss der transzendentalen Schwingungen auf uns einwirken. Wochen später begann ich, den Tempel regelmäßig zu besuchen, aber ich dachte nicht daran, als Mönch einzuziehen. Ich war noch nicht bereit, meine eigenen Wege aufzugeben. In einer Samstagnacht im Frühjahr, als ich gerade das Grünspan betreten wollte, hörte ich den vertrauten Klang eines kīrtanas. Ich drehte mich um und sah auf der anderen Straßenseite die Gottgeweihten, die auf dem Bürgersteig saßen und Hare Kṛṣṇa chanteten. Neben Śivānanda und Krishnadas erkannte ich meinen Freund Oliver, der vor Kurzem in den Tempel eingezogen war. Obwohl die Gruppe wie ein Magnet auf mich wirkte und ich eine unwiderstehliche Anziehung zum Chanten verspürte, wollte ich mich lieber nicht darauf einlassen, und so ging ich ein wenig weiter die Straße hinunter und setzte mich auf ein geparktes Auto. Während ich die Gottgeweihten aus der Ferne beobachtete, bemerkte Śivānanda mich. Er winkte mir zu und deutete an, zu ihnen zu kommen. Mir blieb nichts anderes übrig, als seiner Einladung zu folgen. Ich setzte mich neben Śivānanda, und dann geschah etwas völlig Unerwartetes. Er gab mir ein Paar karatālas und ermunterte mich mitzusingen. Danach fragte er mich: „Hast du bemerkt, wie dein kleiner Lotos sich geöffnet hat.“ Heute kann ich verstehen, dass er die Kletterpflanze des hingebungsvollen Dienstes meinte, aber damals wusste ich nicht so recht, was er damit sagen wollte. Aber es gefiel mir. Es klang so mystisch. Es war Śivānanda, der mir am Anfang am meisten zur Seite stand. Er war mein vartma-pradarṣaka-guru, jemand, der einem Neuling den Weg zeigt. Er hatte eine angenehme Persönlichkeit und war immer für mich da. Die anderen waren eher zurückhaltend, noch nicht bereit, sich selbst mehr einzubringen, wohingegen Śivānanda freundlich und leicht zugänglich war. Als nächstes legte ich mir einen Beutel mit einer Gebetskette und ein Paar Handzimbeln zu und begann regelmäßig, einige Runden des mahā-mantras zu chanten. Noch gab es keine Bücher in deutscher Sprache, aber die Gottgeweihten liehen mir ein paar amerikanische Back to Godhead Hefte, die Bilder von Kṛṣṇa enthielten, manche mit einem psychedelischen Touch, was mich natürlich sehr ansprach. Einmal ging ich in einen Wald, um fern vom städtischen Treiben zu meditieren, und verbrachte dort Stunden damit, über die Kṛṣṇa-Bilder und das Chanten Seines heiligen Namens nachzudenken. Ich versuchte, Kṛṣṇa-Bewusstsein durch mein eigenes Bemühen zu ergründen.
Gib dein Bestes, und Kṛṣṇa wird die jede Hilfe geben
Tatsächlich fühlte ich mich mehr zu Uttamaślokas Methode, KṛṣṇaBewusstsein zu praktizieren, hingezogen als zum Leben im Tempel. Ich dachte, ich könnte vielleicht so sein wie er – die Philosophie studieren und sie dann auf meine Art und Weise leben. Dessen ungeachtet ging ich immer öfter zum Tempel, besonders wenn es prasādam gab und, wie zu erwarten, baten mich die Geweihten schließlich um einen Beitrag, um die Kosten meines Essens zu decken. So endete ich in der Küche und half Mandalibhadra beim Ausrollen von capātīs. Das war meine erste Beschäftigung im hingebungsvollen Dienst. Stundenlang rollte ich die einer dünnen Tortilla ähnlichen capātīs. Sie waren damals das Grundnahrungsmittel. Tatsächlich aßen die Gottgeweihten Riesenmengen an köstlichen gebutterten capātīs. Es war eine richtige Wissenschaft, sie zuzubereiten, aber für mich war es einfach eine nektarhafte Beschäftigung. Ich lebte noch immer in der Kommune, und Śivānanda machte es sich zur Gewohnheit, mich dort des Öfteren zu besuchen. Er kam im dhoti, kochte für uns prasādam und chantete, geduldig darauf hoffend, dass ich bald zum Gottgeweihten werden würde. Die Kommune befand sich in einem anrüchigen Stadtteil Hamburgs, St. Pauli, im ersten Stock eines Wohnhauses. Prostituierte, die unter und über uns wohnten, standen in der Nacht oft auf den Bürgersteigen. Im Frühsommer, als es wärmer wurde, saß ich dort oft am offenen Fenster und chantete mit meinen kleinen Zimbeln Hare Kṛṣṇa. Sobald der heilige Name erklang, bemerkte ich seine Wirkung auf meine Umgebung: Die Vögel wurden still und die ganze Atmosphäre wurde friedvoll. Nachdem ich mehr Selbstvertrauen gewonnen hatte, ging ich manchmal zum Gänsemarkt oder zu anderen viel frequentierten Orten und chantete Hare Kṛṣṇa unter den Leuten. Gelegentlich ging ich auch an die Alster, wo meistens viele Leute saßen und sich in der Sonne entspannten, und sang dort alleine oder auch mit Freunden aus der Kommune den heiligen Namen. Für uns war es ein mystischer Klang, und wir beobachteten gespannt, wie unsere Umgebung – die Schwäne, die Enten, die Leute – auf den Klang reagierten. Einmal chantete ich ganz allein auf dem Gänsemarkt, einem kleinen von Bürogebäuden umgebenen Platz mit einem Brunnen in der Mitte. Obwohl ich allein chantete, war der Klang der karatālas so durchdringend, dass die
Leute ihre Fenster öffneten, um zu sehen, was da vor sich ging. Das war meine erste Erfahrung als Hippie – ich allein mit dem heiligen Namen. Dann kam der Juli, und weil Uttamaśloka nach Kopenhagen gefahren war, entschloss ich mich, auch dorthin zu reisen. Mich begleitete ein Paar, das sich fürs Kṛṣṇa-Bewusstsein interessierte und Vegetarier geworden war. Die Hippies in Kopenhagen hatten eine verlassene Militärbasis übernommen und in eine Enklave, eine Welt vermeintlicher Harmonie – Christiania genannt – verwandelt. Dort lebten sie zu Tausenden zusammen, aber jeder auf seinem eigenen Trip, jeder mit seinem eigenen Ding beschäftigt. Also setzte ich mich mitten in Christiania auf den Boden, so wie ich es Śivānanda in Hamburg hatte tun sehen, schloss meine Augen und chantete Hare Kṛṣṇa. Aber nach einigen Tagen zogen meine Freunde weiter, und ich war wieder allein. Es gab niemanden, mit dem ich über Kṛṣṇa sprechen konnte, denn alle waren geistig wie weggetreten, lebten in ihrer eigenen Welt, und so beschloss ich, nach Hamburg zurückzufahren. Ich ging direkt zum Tempel. Und dort geschah etwas ganz Besonderes, etwas, das mich tief beeindruckte. Als ich an die Tempeltür klopfte, öffnete Śivānanda. Sobald er mich sah, rief er: „Da ist er!“, als hätte er die ganze Zeit auf mich gewartet. Mit dieser kleinen Geste hatte er mich dann endlich ganz für sich gewonnen. Ich wollte in den Tempel ziehen. Aber ich musste noch einiges regeln und ging später wieder nach Hause. Sobald ich zur Tür hineinkam, geriet ich in eine heftige Auseinandersetzung mit meinem Vater. Er warf mir vor, ich sei ein Taugenichts und nur auf meinen Vorteil bedacht. Ich käme nur nach Hause, um zu essen und zu schlafen. Es wäre besser, ich würde gehen und woanders wohnen. Ich war fassungslos. Es war etwas, das ich niemals erwartet hätte, aber das Seltsame daran war, dass ich sofort einverstanden war. Ich packte also ein paar Sachen zusammen und verließ das Haus. Auf der Straße rief ich mir ein Taxi. Dann kam meine Mutter weinend herausgelaufen, und mein Vater, schockiert, dass ich seine Worte ernst genommen hatte, bat mich zu bleiben, aber ich stieg einfach ins Taxi und fuhr davon. Das Leben im Tempel war extrem einfach. Wir waren so arm, dass wir zum Frühstück nur in Wasser gekochte Haferflocken mit etwas Zucker hatten. Nur
Gib dein Bestes, und Kṛṣṇa wird die jede Hilfe geben selten fügten wir etwas Milch hinzu. Aber was immer es auch war, es schmeckte mir wie Nektar. Nachdem ich in den Tempel eingezogen war, gab ich meinen Job auf und spendete all meine Ersparnisse, die für eine Reise nach Indien gedacht waren, um einen guru zu finden. Diese Idee war Teil meiner spirituellen Suche gewesen, aber nun warf ich einfach alle meine Pläne über den Haufen. Ich hörte auf, die Erleuchtung auf eigene Faust finden zu wollen. Aber ich hatte noch immer meine mir liebgewordenen Angewohnheiten, und so trug ich weiter meine Haare lang und zog keinen dhoti an, obwohl ich im Tempel lebte. Nach kurzer Zeit wurde ich zu meinem Erstaunen gebeten, mir wieder eine Arbeit zu suchen, weil der Tempel in finanziellen Schwierigkeiten war. Die Spendeneinnahmen waren nur gering und reichten nicht für die Miete und die täglichen Ausgaben. Ich war nicht begeistert, wieder arbeiten zu gehen und mich mit Nichtgeweihten abgeben zu müssen, aber ich akzeptierte es als eine notwendige Entbehrung, um den Tempel erhalten zu können und für ein lang ersehntes Ereignis besser auszustatten: den Besuch von Kṛṣṇas Stellvertreter: Śrīla Prabhupāda.