DAS AMSTERDAMER CHAOS
ach einer Woche in Paris besuchte Śrīla Prabhupāda Amsterdam, wo die niederländischen Gottgeweihten ihn zum ersten Mal in ihrem kleinen Tempel in der Bethanienstraat empfingen. Obwohl das Zentrum neu war und keiner von ihnen mit der Leitung eines Tempels vertraut war, hatten sie Prabhupāda gebeten, die mūrtis von Jagannātha, Baladeva und Subhadrā zu installieren. Die Geweihten aus Deutschland wollten noch einige Tage länger mit ihrem spirituellen Meister verbringen, und da Amsterdam nur ein paar Autostunden von Paris entfernt war, stiegen sie in ihre Busse und fuhren nach Norden.
CHAKRAVARTĪ DĀSA: Wir begrüßten Prabhupāda am Amsterdamer Flughafen mit einem enthusiastischen kīrtana und begleiteten ihn in die VIPLounge, wo er sich hinter einem riesigen Konferenztisch vor einer Menge von Reportern niederließ. Es war ein heißer Augusttag, der Raum hatte keine Klimaanlage und die Gottgeweihten hatten keinen Pfauenfächer mitgebracht. Als ich sah, wie Schweißperlen über Prabhupādas Gesicht liefen, nahm ich eine Zeitschrift und sorgte für etwas kühlende Luft. Am nächsten Tag N veröffentlichte eine der großen Zeitungen ein Foto von mir an Prabhupadas Seite. Die Bildunterschrift besagte, dass einer der jungen Schüler des Swamis seinem spirituellen Meister diente, indem er ihm mit einer Zeitschrift Luft zufächelte. * * * Für Freitagund Samstagabend hatten die Gottgeweihten einen Saal im Hotel Krasnapolsky gemietet, einem der vornehmsten Vier-Sterne-Hotels in Amsterdam, das in der Nähe des Dam liegt, dem Hauptplatz in der Innenstadt.
PṚTHU DĀSA: Um die Menschen zu Prabhupādas Vortrag zu locken, führten Hansadutta und Revatīnandana Swami einen großen harināma durch das Zentrum von Amsterdam und um den Dam-Platz herum. Als sie die Halle erreichten, folgte ihnen eine Menge Hippies. Der kīrtana wurde noch eine gute Weile auf der Bühne fortgesetzt, bis Prabhupāda kam und sich auf dem vyāsāsana niederließ. Er nahm seine karatālas, chantete Jaya RādhāMādhava und hielt einen kurzen Vortrag. Dann rief er Hansadutta zu sich, wechselte einige Worte mit ihm, stand auf und ging. Hansadutta informierte uns, dass Prabhupāda gesagt hatte, diese Leute seien nutzlos. Am besten sei es, einfach kīrtana zu machen und ihnen prasādam zu geben; es habe keinen Sinn, Philosophie zu erklären, denn sie stünden alle unter dem Einfluss von Drogen. Also veranstalteten wir ein Festivalprogramm mit ununterbrochenen kīrtana und verteilten Hunderte von Tellern mit prasādam.
CHAKRAVARTĪ DĀSA: Eine meiner Aufgaben war es, für Ordnung zu sorgen. Vier oder fünf junge Männer, die wir heutzutage als Punks bezeichnen würden, begannen zu rauchen. Ich forderte sie auf, ihre Zigaretten auszumachen. Dann begann einer von ihnen während Prabhupādas kīrtana, den Tanz der Gottgeweihten nachzuahmen und sich darüber lustig zu machen. Wir ignorierten ihn, und der Rest des Abends verlief ohne Zwischenfälle.
REVATĪNANDANA DĀSA: Am Samstag hatten wir ein ganztägiges Programm im Vondelpark. Prabhupāda empfahl uns, hauptsächlich kīrtana abzuhalten,
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denn diese Menschen seien zu nichts nutze. Er meinte, wir sollten nicht viel über Philosophie sprechen, denn wenn wir etwas Falsches sagten, könnten sie überreagieren oder sogar gewalttätig werden. Ich stimmte ihm zu und berichtete von meinen eigenen Erfahrungen: Nach zehn bis fünfzehn Minuten würden solche Menschen oft unruhig. „Ja", sagte Prabhupāda, „höchstens zehn, fünfzehn Minuten sprechen, und keine Fragen." Am Morgen begann ich das Programm mit kīrtanas und kurzen Vorträgen. Prabhupāda blieb in einer nahegelegenen Wohnung. Sein Vorderfenster ging zum Park hinaus. Sein Diener erzählte mir später, dass Prabhupāda auf den Balkon herauskam, als er unser Programm hörte, und dort eine ganze Weile stehenblieb. Er genoss es offensichtlich, uns durch Chanten und Vorträge predigen zu hören. Ein Gottgeweihter hatte in Indien einen neuen mantra aufgegriffen: he kṛṣṇa govinda hari murāri / he nātha nārāyāṇa vāsudeva. Als Prabhupāda ihn singen hörte, rief er uns in sein Zimmer und sagte: „Das ist kein vedischer mantra; das ist ein Lied aus einem Film. Ein intelligenter Schüler nimmt das, was sein spiritueller Meister ihm gibt, und betrachtet es als ausreichend. Es gibt viele Namen Gottes, die man chanten kann, aber es ist am besten, das zu nehmen, was in der guru-paramparā weitergegeben wird und was der spirituelle Meister einführt.
CHAKRAVARTĪ DĀSA: Im Vondelpark hatten sich so viele Hippies niedergelassen, dass mindestens vierbis fünftausend Leute kamen, als Prabhupāda auf dem vyāsāsana Platz nahm und seine Ansprache hielt. Es war wieder meine Aufgabe, für Sicherheit zu sorgen, und plötzlich näherte sich dieselbe Gruppe von Rowdys, die schon am Vorabend unser Programm gestört hatte. Als Pradyumna, Prabhupādas Sanskrit-Redakteur, sie entdeckte, suchte er mich und riet mir, wie ich mit dem Kerl umgehen sollte, der sich über unser Tanzen lustig gemacht hatte: „Wenn er irgendeinen Unsinn macht, schreite ein!“ Ich war seit weniger als einem Jahr Mitglied, und die Worte eines von Prabhupādas persönlichen Mitarbeitern waren für mich wie die absolute Wahrheit. Von diesem Moment an behielt ich den Störenfried im Auge und warnte ihn sogar, dass er keine Provokation wagen sollte. Wohin er auch ging, ich folgte ihm wie ein Schatten. Schließlich trat er direkt vor die
Bühne und starrte Prabhupāda an, der zu einer riesigen Menge junger Leute sprach. Dann wagte es dieser Idiot, Prabhupāda eine lange Nase zu drehen. Ich stand oben auf der Bühne, also sprang ich wie ein Tiger auf ihn. Er verlor das Gleichgewicht und wir fielen beide zu Boden. Drei oder vier Gottbrüder eilten mir zu Hilfe, und im Nu sammelte sich eine Menschenmenge um uns. Wütende Stimmen wurden laut. Plötzlich hörten wir den Klang von karatālas. Prabhupāda begann Hare Kṛṣṇa zu chanten. Als die transzendentale Schwingung seiner Stimme die Luft erfüllte, ließ die Spannung nach, und die Situation beruhigte sich wie von selbst Nach dem Programm rief Prabhupāda uns zu sich und tadelte uns für unser voreiliges Handeln. Er war besorgt und meinte, dass nur das Chanten des heiligen Namens eine Katastrophe verhindert hätte: fünftausend Hippies im Kampf gegen nur etwa hundert von uns. Er sagte, es sei eine unserer westlichen Krankheiten, leicht die Beherrschung zu verlieren und wegen jeder Kleinigkeit einen Streit anzufangen. Am nächsten Tag kam der Junge, den ich angegriffen hatte, in den Tempel und entschuldigte sich. Zu meinem Erstaunen gestand er, dass ihn mein entschlossenes Vorgehen beeindruckt hatte. Er blieb und wurde später selbst ein Gottgeweihter. *** Der Vorfall machte Prabhupāda nachdenklich. Bei anderen Gelegenheiten hatte er bereits mehrmals erwähnt, dass die Hippies die besten Kandidaten für ein spirituelles Leben seien, weil sie das materialistische Leben ihrer Eltern freiwillig aufgegeben hatten, um nach einem besseren Leben zu suchen. Tatsächlich stammten die meisten von Prabhupādas Schülern aus der Gegenkultur. Doch die ursprünglichen Ideale der Gegenkultur verfielen rasch zu Hedonismus und Zynismus, wie er es in Amsterdam miterlebte. Am nächsten Tag schrieb er einen Brief an Hridayānanda Mahārāja, der an amerikanischen Universitäten Vorträge hielt: Wir beobachten hier in Europa, dass sehr viele Hippies vom materiellen Leben nichts mehr wissen wollen, zugleich aber so tief gesunken sind, dass sie unsere Philosophie nicht hören wollen und sich nur über uns lustig machen. Daher sollten unsere Mitglieder so gut geschult werden, dass sie deren Zweifel
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beseitigen und sie im Kṛṣṇa-Bewusstsein festigen können. Wenn wir in der Öffentlichkeit predigen, besonders zu den Hippies, ist es ratsam, nicht allzu viel Philosophie zu präsentieren. Versuche vielmehr, sie irgendwie dazu zu bringen, den Hare Kṛṣṇa mantra zu chanten. Wenn einige von ihnen daran interessiert sind, etwas zu lernen, können sie eines unserer Bücher erwerben. Aber schon mit uns zu chanten, wird ihnen helfen. PṚTHU DĀSA: Eines frühen Morgens gingen wir mit Prabhupāda im Vondelpark spazieren, wo die meisten Hippies die Sommernacht in Schlafsäcken verbracht hatten. Meine Aufmerksamkeit wurde von einem Paar angezogen, das unter einem Baum lag. Sie schliefen nicht mehr, sondern waren bereits miteinander beschäftigt. Ich war neugierig zu sehen, wie Prabhupāda reagieren würde, also beobachtete ich ihn aus dem Augenwinkel. Doch Prabhupāda hatte mich beobachtet, und als sich unsere Blicke trafen, schüttelte er missbilligend den Kopf, als wollte er sagen: „Nein, nein, wir schauen nicht zu! Ein Gottgeweihter beobachtet keine Menschen, die sich ihren lustvollen Neigungen hingeben.
REVATĪNANDANA DĀSA: Als wir an dem Hippie-Paar vorbeigingen, bemerkte Prabhupāda: „Seht nur! In der materiellen Welt spielt es keine Rolle, ob jemand reich oder arm ist – es wird immer eine Gelegenheit für Sex geben.
AṢṬARATHA DĀSA: Wir erreichten Amsterdam einen Tag vor Prabhupādas Ankunft. Sobald wir im Tempel ankamen, wurde eine iṣṭa-goṣṭhī abgehalten, um allen zu erklären, wie sie sich zu verhalten hatten und welche Dienste benötigt wurden, denn die Vorbereitungen waren noch in vollem Gange. Prabhupādas Empfang am Flughafen musste organisiert werden, die neu errichteten Holzbögen im Tempelraum mussten hellblau und rosa gestrichen werden, und Kleider für Jagannātha, Baladeva und Subhadrā mussten genäht werden. Als die Frage gestellt wurde: „Wer kann nähen?“, zeigte einer der Hamburger Geweihten, für den ich einmal einen Japa-Beutel gemacht hatte, auf mich und sagte: „Er kann nähen.“ Obwohl ich nur wenig Erfahrung hatte, dachte ich angesichts der Umstände: „Nun, ich habe noch nie Kleider genäht, aber irgendwie werde ich schon etwas zustande bringen.“
Freitagmittag versammelten wir uns alle vor dem Tempel, um Prabhupāda zu empfangen. Kiśorī hatte Mühe mit ihren Kindern. Ihre kleine Tochter hatte den ganzen Morgen lang geweint und ließ sich durch nichts beruhigen. Und es war unmöglich, Kiśorī davon zu überzeugen, es wäre besser, wenn sie ihr weinendes Kind woanders hinbringen würde. Sie bestand darauf, mit ihren Kindern anwesend zu sein, um Prabhupāda zu empfangen. Als Prabhupāda aus dem Auto stieg und das schreiende Kind in Kiśorīs Armen sah, ging er auf sie zu, tätschelte dem Kind den Kopf und sagte: „Alles wird gut.“ Und sofort wurde das Kind ruhig. Ich war verblüfft. Der Tempel bestand aus einem ziemlich großen Altarraum, einer Küche, einem Büro und einem weiteren kleinen Zimmer für die weiblichen Geweihten. Die brahmacārīs schliefen auf dem Dachboden. Wir teilten den Frauen-Ashram mit einem Vorhang, und ich saß zum Nähen im vorderen Teil mit Jagannātha, Baladeva und Subhadrā – und verschiedenen Stoffen. Die Nähmaschine war kaputt, sodass ich alles von Hand nähen musste. Da die Installation in zwei Tagen stattfinden sollte, musste ich die Nächte durcharbeiten. Meine einzigen Gefährten in diesen beiden Nächten waren einige Mäuse, die überall herumliefen. Ich stellte mir in Gedanken unsere Jagannātha-Deities in Hamburg vor und versuchte, ähnliche Gewänder anzufertigen. Die Turbane waren der schwierigste Teil, und nur durch Kṛṣṇas Barmherzigkeit gelang es mir nach zahlreichen erfolglosen Wickelversuchen, etwas herzustellen, das einem Turban ähnelte. Am Sonntagmorgen vollendete ich die letzten Details, und völlig erschöpft flüchtete ich mich in unseren VW-Bus, um mich dort etwas auszuruhen, bevor die Installation am Nachmittag stattfinden sollte.
BHAKTI GAURAVANI GOSWAMI: Am Morgen der Installation wurde ich gebeten, Blumenketten anzufertigen. Kiśorī war für die Dekoration und die Blumen zuständig, und so gab sie mir Nadel und Faden sowie einen Eimer voller weißer, roter und rosa Nelken. Ich hatte keine Ahnung, wie man Blumen zu einer Kette aufreiht, und Kiśorī war zu überfordert, um mir genaue Anweisungen zu geben oder meinen Dienst zu beaufsichtigen. Akṣayānanda, der Tempelpräsident, hatte ihr die gesamte Verantwortung für
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die Vorbereitungen übertragen, weil er selbst mit den Vorbereitungen für seine Sannyāsa-Einweihung beschäftigt war, die am selben Nachmittag direkt nach der Mūrti-Installation stattfinden sollte. Kiśorī bemühte sich aufrichtig, alles gut zu organisieren, doch die Aufgabe überstieg ihre Kräfte. Die Situation war chaotisch. Wie macht man eine Blumenkette aus Nelken? Ich hatte keine Ahnung, und es kam mir auch nicht in den Sinn, sie der Länge nach aufzufädeln, indem man die Blüten öffnet und den festen grünen Teil in die vorherige Blume hineindrückt, sodass am Ende nur die Blütenblätter sichtbar sind. Stattdessen stach ich die Nadel seitlich durch und drehte die Nelken so, dass die Blüten in verschiedene Richtungen zeigten. Solange die Blumenketten auf einem Tuch auf dem Boden lagen, sahen sie ganz gut aus. Die Ernüchterung kam, als ich als Belohnung für meine Bemühungen Prabhupāda eine der Blumenketten umlegen durfte. Ich fühlte mich stolz und zufrieden, dass Seine Göttliche Gnade für alle sichtbar eines meiner „Kunstwerke“ trug,. Doch schon bald begann meine sorgfältige Anordnung der Nelken auseinanderzufallen. Eine Blume nach der anderen drehte sich zur Seite oder nach unten und zeigte ihren grünen Stielansatz. Abgesehen davon, dass es unschön aussah, müssen die harten grünen Teile Prabhupāda gestört haben, doch er schien unbeeindruckt. Er kümmerte sich nicht um seinen eigenen Komfort. Vielmehr war er um die Vorbereitungen für die Zeremonie besorgt, denn nicht nur seine Blumenkette entsprach nicht den Erwartungen, auch viele der notwendigen Utensilien für die Installation fehlten.
AṢṬARATHA DĀSA: Ich wachte um 15:30 Uhr auf, voller Sorge, ob die Kleider noch da waren, und nach einer raschen Dusche betrat ich den Tempelraum und bahnte mir meinen Weg zum Altar. Das war nicht einfach, denn der Tempel war überfüllt. Es waren so viele Gäste da, dass viele von ihnen auf dem Bürgersteig stehen mussten – drinnen war einfach kein Platz mehr. Ich blickte in den Frauen-Ashram und war erleichtert – die Kleider und die mūrtis waren noch da. Doch dann wurde mir klar, dass kaum etwas für die Installation vorbereitet war. Nicht dass ich genau wusste, was für die Zeremonie benötigt wurde, aber ich hatte gehört, dass die mūrtis in Milch und Joghurt gebadet werden sollten und dass anschließend ein Feueropfer stattfinden würde. Doch ich sah keinerlei Anzeichen dafür, dass diese Dinge vorbereitet wurden. Ich fragte einige Amsterdamer Geweihte danach, aber sie beachteten mich nicht einmal, weil sie damit beschäftigt waren, mit Gästen zu sprechen und sich um die Presse und das Fernsehteam zu kümmern. Also dachte ich: „Was tun? Ich muss Prabhupāda anrufen. Es muss etwas geschehen.“ Nanda-kumāra nahm den Hörer ab. „Ich bin hier nicht verantwortlich“, sagte ich, „aber soweit ich sehen kann, ist nichts für die Installation vorbereitet.“ Er konnte es kaum glauben. Schnell gab er mir mehrere Anweisungen, insbesondere dass die Deities in weiße Tücher gehüllt werden müssten und dass wir große Gefäße für das Bad benötigten. Also holten wir von den Nachbarn ein Bettlaken, das wir in drei Teile rissen, und einige große Töpfe aus einem nahegelegenen Hotel. Nach und nach kamen einige Vorkehrungen zustande, doch insgesamt waren sie mehr als unzulänglich.
REVATĪNANDANA DĀSA: Als wir mit Prabhupāda am Tempel ankamen, wurden wir von einem ekstatischen kīrtana empfangen, und Hunderte neugierige Zuschauer fragten sich, was hier vor sich ging. Prabhupāda lächelte zufrieden über den Enthusiasmus seiner Schüler, doch seine Miene versteinerte sich, als er den Tempelraum betrat und sich umsah. Chaos. „Was ist denn das? Keine Früchte? Keine Blumen? Was sollen diese Töpfe? Darin wollt ihr die mūrtis baden?“ Der Ärger in seiner Stimme war unüberhörbar und ließ alle erstarren. „Wie kann ich den Herrn des Universums hierher bringen? Das ist eine Farce! Wie könnt ihr glauben, dass mit so wenig Vorbereitung Jagannātha an diesem Ort wohnen wird?“ Doch nach einigen Sekunden des Überlegens lenkte er ein. „Gut, macht weiter. Aber ich denke nicht, dass dies sehr schön ist.
BHAKTI GAURAVANI GOSWAMI: Ein Neuankömmling lebte erst seit ein paar Wochen im Tempel, und immer wenn er gereizt war, hatten die Geweihten ihm geraten, Hare Kṛṣṇa zu chanten. Als er sah, dass Prabhupāda verärgert war, sagte er zu ihm: „Warum chantest du nicht einfach Hare Kṛṣṇa?“ Ohne ein Wort zu sagen, nahm Prabhupāda seinen Japa-Beutel und begann zu chanten. Als schließlich die notwendigen Utensilien vorhanden waren, stand der Zeremonie nichts mehr im Wege.
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AṢṬARATHA DĀSA: Prabhupāda war furchteinflößend. Als er das Chaos sah, wandte er sich an seine führenden Schüler und verlangte eine Erklärung: „Wer ist dafür verantwortlich? Wer ist der pūjārī?“ Akṣayānanda fasste sich ein Herz: „Ich hatte Kiśorī beauftragt…“ „Eine Frau?“, unterbrach ihn Prabhupāda und sah ihn ungläubig an. Eisiges Schweigen. Die Atmosphäre war so angespannt, dass man sie mit einem Messer hätte schneiden können. Ich hatte das Gefühl, im Erdboden versinken zu wollen. Was für eine peinliche Situation! Mein einziger Gedanke war: „Ich hoffe, dass wenigstens die Mūrti-Kleider in Ordnung sind.“ Dann senkte Śyāmasundara, Prabhupādas Sekretär, den Kopf und fragte betreten: „Sollten wir nicht einige Früchte besorgen?“ „Sag mir nicht, was ich tun soll!“, donnerte Prabhupāda. Nach einer Weile kam Kiśorī mit Früchten herein – einem riesigen Teller Obstsalat – und wurde prompt wieder in die Küche zurückgeschickt. Schnell brachte jemand einige ganze Früchte, und Prabhupādas Diener Nandakumāra begann Jagannātha, Baladeva und Subhadrā zu baden. Als er fertig war, brachte er die Altargestalten hinter den Vorhang, um Sie anzukleiden. Eigentlich sollte Kiśorī dies tun, aber sie war mit ihren Nerven am Ende. Also sagte Nanda-kumāra ihr ersteinmal, dass sie nicht gebraucht werde. Ich stand in der Nähe, bereit einzuspringen, falls nötig, und schon bald rief er mich, um ihm beim Ankleiden der mūrtis zu helfen.
NIKUÑJAVĀSIṆĪ DEVĪ DĀSĪ: Mein ältester Bruder lebte in der Nähe der Bethanienstraat und besuchte den Tempel regelmäßig, um dort prasādam zu bekommen. Manchmal begleitete er die Gottgeweihten sogar auf harināma. Er war die erste Person, die mich mit dem Kṛṣṇa-Bewusstsein in Berührung brachte. Leider schloss er sich später Guru Mahārājī an, wo er keine Prinzipien befolgen musste. Doch mein zweiter Bruder nahm das Kṛṣṇa-Bewusstsein sehr ernst und wurde später als Aṅga Dāsa eingeweiht. Als Prabhupāda nach Amsterdam kam, lud Aṅga meine Eltern und mich in den Tempel ein, um seinen spirituellen Meister kennenzulernen. Mein Bruder erklärte uns: „Das ist ein reiner Gottgeweihter, und selbst wenn ihr nichts versteht, ist alles, was er sagt, reiner Klang und hat eine wohltuende Wirkung.“ Das beeindruckte mich, und ich dachte: „Oh, das scheint etwas ganz Besonderes zu ein. Ich werde einen Heiligen sehen, eine spirituelle
Persönlichkeit.“ Also war ich sehr erwartungsvoll, und so nahmen wir an der Installationszeremonie teil. Ein Fernsehteam war ebenfalls gekommen, und der Tempel war überfüllt. Die Vorbereitungen für die Installation waren so unzureichend, dass Prabhupāda verärgert war. Er gab mit lauter Stimme Anweisungen, und seine Schüler liefen eingeschüchtert umher und versuchten, seinen Anordnungen zu folgen. Schon bevor ich Prabhupāda zum ersten Mal sah, war ich in einer respektvollen Stimmung, doch hätte ich nie erwartet, ihn so zu erleben. Aufgrund der Verbindung meines älteren Bruders mit Guru Mahārājī hatte ich eine bestimmte Vorstellung von einem Guru. Ich hatte immer Bilder von Guru Mahārājī gesehen, auf denen er mit einem großen Lächeln dargestellt war – sein Gesicht rund und strahlend – doch hier war Prabhupāda so zornig. Ich dachte: „Wow, das ist eine ernste Angelegenheit; das erfordert Hingabe. Das ist echtes spirituelles Leben.“ Mir wurde plötzlich klar, dass all die anderen Dinge nur äußerlicher Schein waren, während dies echt war. Dennoch dachte ich nicht, dass ich schon bereit wäre, dem Beispiel meines Bruders zu folgen. Ich hatte großen Respekt vor den Gottgeweihten, weil sie Prabhupādas Schelte so ernst nahmen. Sie waren aufrichtig bemüht, das Chaos zu beheben. Natürlich verstand ich nicht, worum es genau ging. Da waren einige mit Tüchern bedeckte Statuen, in der Mitte war ein Bereich für das Opferfeuer, und Prabhupāda rief laut Anweisungen, während seine Schüler umherliefen – und das alles wurde gefilmt, während wir einfach dastanden und zusahen. Ich war erstaunt, dass Prabhupāda sich überhaupt nicht um die Fernsehkameras oder die Gäste zu kümmern schien. Er tat einfach das Notwendige für eine ordnungsgemäße Installationszeremonie, und das beeindruckte mich sehr. Es ging ihm nicht darum, vor den Fernsehleuten einen guten Eindruck zu machen, indem er die Situation beschönigte. Sein einziges Interesse war es, die richtigen Vorkehrungen für Kṛṣṇas Dienst zu treffen.
VAIDYANĀTHA DĀSA: Ich war überrascht, dass eine so erhabene Persönlichkeit wie der guru der Hare-Kṛṣṇa-Bewegung so zornig werden konnte. In meiner Vorstellung blieb ein Transzendentalist immer ruhig und
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gelassen. Ich wusste noch nicht, dass ein Geweihter im Dienst Kṛṣṇas auch ärgerlich sein darf. Ich lebte erst seit weniger als einer Woche mit den Gottgeweihten zusammen. Während des Vortrags lehnte ich mich an die Wand, die Knie unter das Kinn gezogen und die Arme darum geschlungen – genau die Art und Weise, wie man vor den mūrtis nicht sitzen sollte. Prabhupāda muss mich bemerkt haben, denn plötzlich zog er seine Beine hoch und setzte sich auf dem vyāsāsana genau in derselben Haltung hin und sagte: „Es ist ein Vergehen, so vor den Altargestalten zu sitzen. Setzt euch richtig hin!“ Das ist die einzige persönliche Anweisung, die ich je von Prabhupāda erhalten habe, und ich habe versucht, sie im weitesten Sinne anzuwenden: nicht nur im Tempel richtig zu sitzen, sondern auch im hingebungsvollen Dienst immer die richtige Haltung einzunehmen.
REVATĪNANDANA DĀSA: Prabhupāda bat mich, das Feueropfer durchzuführen. Beim Chanten der mantras hatte ich Schwierigkeiten, die zusammengesetzten Wörter richtig zu trennen, und jedes Mal, wenn ich einen Fehler machte, korrigierte mich Prabhupāda. Ich wurde so nervös, dass ich am Ende vergaß, namo mahā-vadānyāya zu rezitieren. Prabhupāda unterbrach mich. „Du chantest namo mahā-vadānyāya nicht? Ich werde es tun!“ Als es Zeit war, das Feuer zu entzünden, nahm ich – da ich Linkshänder bin – die Schöpfkelle für das Ghee mit der linken Hand und das Holz mit der rechten. Als mir dessen bewusst wurde, versuchte ich schnell, beides zu vertauschen, ohne dass es jemand bemerkte, doch Prabhupāda hatte mich bereits missbilligend angesehen, als wollte er sagen: „Seht nur meine Schüler, nicht einmal die Grundregeln kennen sie!“ Das einzige Mal, dass ich Prabhupāda an diesem Nachmittag lächeln sah, war, als er Akṣayānanda seinen Sannyāsa-Stab überreichte und ihn zu Akṣayānanda Swami machte.
AṢṬARATHA DĀSA: Während all dies vor sich ging, waren Nanda-kumāra und ich damit beschäftigt, die mūrtis hinter dem Vorhang anzukleiden. Als wir sie schließlich auf den Altar stellten, bemerkten wir, dass der Baldachin zu klein war – oder vielmehr, dass die Säulen, die ihn trugen, direkt vor Jagannātha und Baladeva standen. Nanda-kumāra überlegte kurz und sagte: „Wir müssen ihn abnehmen.“ Also hoben wir den Baldachin vom Altar. Doch wohin damit? Es war kein Platz vorhanden. Wir mussten ihn hinausbringen, und es gab keinen anderen Weg, als ihn über die Köpfe aller Anwesenden durch den voll besetzten Tempelraum zu tragen. Prabhupāda, der gerade sprach, folgte uns mit einem überraschten Blick. Doch nun wirkte der Altarraum ziemlich leer. Es gab nur den Altar und eine kahle Wand dahinter. An einer Seitewand lehnte ein großes Bild des Pañca-tattva, und als ich es ansah, kam mir eine Idee: „Warum stellen wir das Bild nicht hinter den Altar?“ „Großartige Idee“, sagte Nanda-kumāra. Doch es gab nichts, worauf man das Bild stellen konnte, da der Altar nicht bis zur Wand reichte. Die einzige Lösung war, etwas auf den Boden zu legen. Also steckte Nanda-kumāra den Kopf durch den Vorhang und rief: „Bringt Bücher!“ Verwunderte Blicke richteten sich auf ihn. Da eine ganze Menge Bücher benötigt wurden, musste eine Menschenkette gebildet werden, um die Bücher zum Altar weiterzureichen. Als sich die Vorhänge schließlich öffneten, sah die Anordnung durchaus ansprechend aus, und Nanda-kumāra brachte die erste ārati dar. Die Atmosphäre hatte sich inzwischen entspannt und war sogar festlich geworden, mit einem gewaltigen kīrtana, der das ganze Gebäude erbeben ließ. Nach der ārati wurden an alle Anwesenden große Mengen halavā und Simply Wonderfuls verteilt
REVATĪNANDANA DĀSA: Nach der Zeremonie wollte Prabhupāda gerade ins Auto steigen, als er seinen Diener fragte: „Hast du prasādam mitgebracht?“ Nanda-kumāra sah ihn überrascht an: „Ich dachte, du würdest statt des Festmahls deine übliche, einfache Mahlzeit einnehmen.“ „Nein“, erwiderte Prabhupāda, „dies ist eine Mūrti-Installation. Ich möchte mahā-prasādam ehren. Geh bitte und bring mir einen Teller.“ Also ging Nanda-kumāra zurück in den Tempel und kam mit einem großen Teller prasādam wieder. Der Verkehr in Amsterdam sorgte für eine ruckartige Fahrt; mehrmals kam das Auto abrupt zum Stehen. Als der Fahrer erneut bremsen musste, rutschte der Teller prasādam auf den Boden. Nanda-kumāra wusste nicht, was er tun sollte. Er hoffte, Prabhupāda würde den Teller vergessen, doch sobald wir in
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der Wohnung ankamen, fragte Prabhupāda: „Wo ist das prasādam?“ Sein Diener erklärte ihm, was geschehen war, doch Prabhupāda sagte nur: „Bring es.“ Und er aß alles, nur um uns zu zeigen, dass prasādam spirituelle Nahrung ist, die nie verunreinigt wird.
Prabhupādas Zorn hatte bei den Amsterdamer Geweihten einen tiefen Eindruck hinterlassen. Sie bedauerten zutiefst, dass ihre Unerfahrenheit sein Missfallen hervorgerufen hatte. Akṣayānanda Swami kam, um sich zu entschuldigen, doch Prabhupādas Stimmung hatte sich bereits gewandelt.
REVATĪNANDANA DĀSA: Ich war überrascht, dass Prabhupāda, nachdem er so zornig gewesen war, nun so weich und unberührt wie eine Lotosblume zu sein schien. Ich fragte ihn danach, und er sagte: „Das ist für eure Erziehung, nicht für mich. Ein Gottgeweihter wird nicht zornig, wenn er selbst beleidigt wird, aber wenn er sieht, dass Kṛṣṇa oder ein anderer Geweihter beleidigt wird, kann er sehr zornig werden.“ Dann kam mir eine Frage in den Sinn. Ich wusste aus Erfahrung in Indien und anderswo, dass Prabhupāda es nicht schätzte, wenn man ihn in seiner Gegenwart als reinen Gottgeweihten bezeichnete, denn einmal hatte ich das in Indien getan, und er hatte abweisend geantwortet: „Ich bin kein reiner Gottgeweihter, ich bin ein Schurke!“ Also fragte ich ihn: „Prabhupāda, wie ist das Bewusstsein eines reinen Gottgeweihten zu verstehen? Manchmal scheint er voller Zorn oder voller Freude zu sein, aber wie sieht es eigentlich in seinem Innern aus?“ Mir kam dieser Gedanke, weil er nun keinerlei Spur von Zorn mehr zeigte. Prabhupāda antwortete: „Das Bewusstsein eines reinen Gottgeweihten ist sehr tief, es ist wie der Ozean. An der Oberfläche mögen hohe Wellen schlagen, doch wenn du ein paar Meter unter die Wasseroberfläche tauchst, wirst du sehen, dass alles still ist.“ Ich verstand sofort, was er meinte. Er fuhr fort: „Das Bewusstsein eines reinen Gottgeweihten ist so tief, dass es in Wirklichkeit durch nichts gestört wird. An der Oberfläche mag es hohe Wellen geben, doch darunter bleibt es sehr tief und ruhig.“ Ich fragte: „Ist es auch im Augenblick des Todes so?“ Und er antwortete: „Ja.“
Dann legte er sich auf einen Diwan, um sich eine Weile auszuruhen. Auf dem Rücken liegend zog er die Knie mit den Händen an die Brust und wiegte sich sanft hin und her, während er leise „Haribol! Haribol!“ chantete.
Photographs
Deutschland 1969-1973


























Paris 1972












Amsterdam 1972

















París 1973











Schweden 1973



















































Die ersten deutschen Bücher




