RADHA KRISHNA TEMPEL

nmittelbar nach Prabhupādas Abreise begann Śivānanda nach einer größeren Unterkunft zu suchen. Innerhalb einer Woche fand er ein leerstehendes Büro im dritten Stock eines alten Lagerhauses in der Bartelsstraße, einer kleinen Straße im Industriegebiet von Hamburg. Im Vergleich zu dem bisherigen Ladenlokal wirkte das Büro mit seinen sechs Räumen recht groß, und die Lage war vorteilhaft, denn es lag nur wenige Minuten mit der S-Bahn vom Stadtzentrum entfernt, unweit der Station Sternschanze. In anderer Hinsicht waren die Lage und das Büro jedoch alles andere als ideal: Der Eingang war von der Straße aus nicht zu sehen, weil das Gebäude im hinteren Teil eines Hofes stand, und es gab weder ein Bad noch eine Dusche. Doch der Bericht an Prabhupāda war voller Begeisterung, und als Antwort schrieb er am 26. September an Śivānanda: Es freut mich sehr, dass du einen passenden Ort gefunden hast. Mein Vorschlag ist, dass ihr für den Tempel eine erstklassige Lage wählt; es spielt keine Rolle, wenn die Miete etwas höher ist. Kṛṣṇa wird euch Kraft geben. Aber versuche einen erstklassigen Ort für Kṛṣṇa zu finden. Sobald der Altar U entsprechend dem Entwurf, den ich dir gegeben habe, fertig ist, werde ich kommen und die murtis installieren. Je früher, desto besser, denn wenn es kalt wird, muss ich Europa verlassen. Ich erinnere mich immer an dich und deinen liebevollen persönlichen Dienst sowie die Spaziergänge mit dir. Du bist so gütig zu mir; Kṛṣṇa wird dich mit fortgeschrittenem Kṛṣṇa-Bewusstsein segnen, und du wirst im spirituellen Leben alles Glück finden. Vielen Dank. Die Gottgeweihten zogen Anfang November in die Bartelsstraße ein und taten ihr Bestes, das alte Lagerhaus in einen Tempel umzuwandeln. Bald strahlten die Wände und Fensterrahmen in leuchtendem Gelb, der alte Holzboden glänzte in Dunkelbraun, und neben der Tür hing ein Schild, das den Besuchern mitteilte, dass sie zu einem Tempel der Internationalen Gesellschaft für Krischna-Bewusstsein e.V. gekommen waren. * * * In London hatten die Gottgeweihten inzwischen ebenfalls einen geeigneten Ort gefunden: ein fünfstöckiges Gebäude in der Nähe des Britischen Museums. Ein Inder hatte ihnen außergewöhnlich schöne Rādhā-KṛṣṇaMūrtis aus Marmor geschenkt, und Prabhupāda wollte diese so bald wie möglich aufstellen. Seine ganze Aufmerksamkeit galt daher den Vorbereitungen zur Eröffnung des Londoner Tempels. Krishnadas hoffte, dass Prabhupāda bald nach Hamburg zurückkehren und Rādhā-Kṛṣṇa auf Ihrem neuen Altar aufstellen würde, und so fragte er seinen spirituellen Meister nach einem günstigen Tag für die Installation und nach Einzelheiten bezüglich der Zeremonie. Die Antwort kam am 7. November: Um die Rasa-Lila-Zeremonie zu feiern, schmückt die murtis mit so vielen Blumen wie möglich und dekoriert den Altar mit Lichtern und Blumenketten, und verteilt reichlich prasadam. Dann wird dies ein wundervoller Tag für die Eröffnung des Radha Krishna Tempels sein. Wenn ich also wider Erwarten nicht kommen kann, dann wird Tamal Krishna, der am Montag in London eintrifft, nach Hamburg gehen. Er und Yamuna haben Erfahrung, was die Schmückung von murtis betrifft, sodass es keine Schwierigkeit für die Eröffnungszeremonie geben wird. Bereite also auf alle Fälle diese Zeremonie vor, und informiere mich umgehend, ob du ein Paar Radha-Krishna-Murtis in der neuen Sendung [aus

Radha Krishna Tempel

Indien] erhalten hast. Wenn nicht, werden die murtis, die bei mir sind, dorthin zurückgehen. Ende August hatten die Gottgeweihten in England mit George Harrisons Hilfe eine Aufnahme des Hare Kṛṣṇa mahā-mantras veröffentlicht. Radha Krishna Temple (London), wie sich die Gesangsgruppe nannte, eroberte die europäischen Charts. In Deutschland hatte die Single „Hare Krishna Mantra“ es bis auf die oberen Plätze der Hitparade geschafft. Als die Gruppe Ende November eine Einladung erhielt, eine Woche lang durch Deutschland zu touren, schickte Prabhupāda Tamal Krishna, einen seiner erfahrenen Manager, der kürzlich aus Los Angeles gekommen war, um die Londoner Predigttätigkeit zu organisieren. Prabhupāda bat ihn, die Installation der mūrtis in seinem Namen durchzuführen.

TAMAL KRISHNA GOSWAMI: Śrīla Prabhupāda erinnerte mich an die Installation von Rādhā und Kṛṣṇa, die ich ihn in Los Angeles hatte durchführen sehen, und sagte, dass alles auf genau dieselbe Weise geschehen solle. Mitten in unserem vollen Konzertplan reservierten wir einen Tag für die Installation der Rādhā-Kṛṣṇa-Mūrtis. Wäre es nicht Prabhupādas Anweisung gewesen, hätte ich eine so große Verantwortung gar nicht übernehmen können. Vielleicht war dies das erste Mal in der Geschichte der BrahmaMadhva-Gauḍīya-Sampradāya, dass jemand, der außerhalb Indiens geboren worden war, die Altargestalt des Herrn aufstellte und ein Feueropfer durchführte. Natürlich war die Geburt in Indien an sich weder eine Qualifikation noch eine Garantie dafür, Kṛṣṇa-bewusst zu sein. Die ācāryas in unserer paramparā waren alle hochgestellte, reine Persönlichkeiten, die gegenüber solchen körperlichen Bezeichnungen völlig transzendental waren. Aber die Wahrheit ist, dass ich nicht qualifiziert war. Ich hatte mit der Verehrung von mūrtis nur wenig Erfahrung. In Los Angeles, wie in all unseren Tempeln, waren die Standards noch einfach genug, dass ein einziger pūjārī die gesamte Verehrung übernehmen konnte. Ich hatte noch nicht einmal ārati dargebracht. Und was die Einzelheiten einer Abhiṣeka-Zeremonie betrifft, war ich nur einmal persönlich dabei gewesen. Aber all meine Unzulänglichkeiten wurden durch den starken Wunsch Śrīla Prabhupādas mehr als ausgeglichen. Er war es im Grunde, der Rādhā und Kṛṣṇa installierte; ich war lediglich der amtierende Priester. Auf seine Bitte hin war Kṛṣṇa einverstanden, herabzusteigen und in die Gestalt der mūrti, die nicht von Ihm verschieden ist, einzugehen. Prabhupāda war ein unsichtbarer Teilnehmer, denn ohne seine Anwesenheit an jenem Tag wäre Kṛṣṇa gewiss nicht sichtbar geworden. Während ich ācamana vollzog, die heiligen mantras rezitierte, die mūrtis badete und ankleidete und schließlich das Opferfeuer entzündete, war Prabhupāda der Zeremonienmeister, der jede meiner Handlungen leitete. Mit jedem svāhā warfen die Gottgeweihten mit geklärter Butter vermischte Getreidekörner ins Feuer, und das Feuer loderte hell auf. Kṛṣṇa war zufrieden; das Opfer war ein Erfolg. Als am Ende Rādhā und Kṛṣṇa auf dem Altar standen, brachten wir Ihnen die erste ārati dar und tanzten und sangen in Ekstase, um den glückverheißenden Anlass des Erscheinens des Höchsten Herrn zu feiern. Mehr als zuvor war der Tempelraum zu einem Ort ehrfürchtiger Verehrung geworden. Es herrschte ein Gefühl der Geborgenheit und des Schutzes aufgrund der Anwesenheit von Śrī Śrī Rādhā und Kṛṣṇa. All dies hatte durch die Barmherzigkeit des spirituellen Meisters stattgefunden. Durch seinen Segen war es uns vergönnt, den Segen des Höchsten Herrn zu empfangen. So wurde am 23. November 1969, an dem glückverheißenden Vollmondtag zum Gedenken an Śrī Kṛṣṇas rasa-līlā, der erste Rādhā-KṛṣṇaTempel in Europa eingeweiht. Gleichzeitig machten Rādhā und Kṛṣṇa in ihrer Klang-Inkarnation – dem Hare Kṛṣṇa mahā-mantra – ihren Einfluss im Leben Tausender bedingter Seelen spürbar.

MUKUNDA GOSWAMI: Aufgrund des Erfolgs des Liedes „Hare Krishna Mantra“ wurde unsere Gruppe, Radha Krishna Temple, in ganz Europa bekannt. Bei unserer Ankunft in Hamburg war das Erste, was wir trotz der Kälte taten, mit allen Gottgeweihten auf die Straße zu gehen und vor einem Plattenladen einen gewaltigen kīrtana abzuhalten. Der Inhaber war hocherfreut, weil er unsere Platte verkaufte. Bald umgab uns eine neugierige Menschenmenge. Offensichtlich hatten sie so etwas noch nie gesehen. Sie standen und starrten, doch es schien, als gefiele ihnen das Chanten. ß

Radha Krishna Tempel

Am Abend sollten wir im berühmten Star-Club auftreten, wo die Beatles 1962 ihre Karriere begonnen hatten. Es war ein heruntergekommener Nachtklub auf der Reeperbahn in Hamburgs berüchtigtem Rotlichtviertel, und alles war schmutzig und wenig einladend. Wir hatten etwas Besseres erwartet. Der ganze Ort war düster; sogar die Beleuchtung war schummerig.

TAMAL KRISHNA GOSWAMI: Es war zweifelhaft, ob die Klubbesucher an jenem Abend uns für mehr als eine Musikgruppe hielten. Sie wussten nicht, dass die „Vorstellung“ eigentlich eine ewige Zeremonie war, die wir zur Freude der Höchsten Persönlichkeit Gottes durchführten. Sie waren gekommen, um sich zu unterhalten, zu tanzen und sich zu betrinken. Sie begrüßten uns mit begeistertem Applaus, in der Erwartung, dass wir ihnen einen genussvollen Abend bereiten würden. Unsere Absicht war natürlich eine ganz andere. Wir hatten nur Kṛṣṇas Freude im Sinn. Wir begannen mit dem Singen der praṇāma-mantras an Śrīla Prabhupāda, dann die Gebete an die sechs Gosvāmīs; als nächstes kam der Pañca-tattva mantra. Schließlich ließen wir Hare Kṛṣṇa auf sie los. Als der Rhythmus anzog, erhoben sich Paare von ihren Sitzen und bewegten sich von ihren Tischen auf die Tanzfläche. Während sie sich im Takt der mṛdaṅga und karatālas bewegten, ahnten sie nicht, dass sie am yuga-dharma teilnahmen, dem großen Chanten zur Befreiung in diesem Zeitalter, dem Kali-yuga. Am nächsten Tag waren wir im Fernsehen und sangen kīrtana auf dem Marktplatz von Kiel. Die Kameras fotografierten uns in unseren dhotīs und sārīs, während wir die Bürgersteige entlanggingen und die deutsche Ausgabe von Back to Godhead – Zurück zur Gottheit – verteilten.

MUKUNDA GOSWAMI: Unser Konzert in Kiel wurde zu einem der erstaunlichsten Ereignisse, die ich je erlebt habe. Bis dahin schien das ganze Musikgeschäft nicht sehr vielversprechend. Wir waren hauptsächlich degenerierten, unintelligenten Menschen begegnet, die nur an Drogen und Alkohol interessiert waren. Abgesehen von George Harrison hatten wir niemanden mit spirituellen Neigungen getroffen. Nach der enttäuschenden Erfahrung im Star-Club dachten wir: „Nun, so ist Deutschland eben.“ In Kiel erwarteten wir nichts anderes.

Wir waren im Krüger Klub gebucht, einem ehemaligen Kino, das in einen Tanzsaal umgebaut worden war. Alle Sitze waren herausgenommen worden, sodass es nur eine Bühne und eine riesige Tanzfläche gab. Das Gebäude war in schlechtem Zustand. Es gab kein fließendes Wasser, keine Toiletten, und zu unserer Enttäuschung waren auf der Bühne nicht einmal Mikrofone vorhanden. Man hatte uns als die einzige Gruppe des Abends angekündigt, und die tausend oder mehr Teenager, die kommen würden, erwarteten ein reguläres Konzert von zwei bis drei Stunden Dauer. Aber wir kannten nur zwei oder drei Lieder außer Hare Kṛṣṇa. Also wuchs unsere Angst, als immer mehr Menschen in den Saal strömten, viele von ihnen berauscht und lärmend. Vielleicht würden sie gewalttätig werden. Wahrscheinlich erwarteten sie Rock ’n’ Roll, aber hier standen wir nun, acht Hare-Kṛṣṇas ohne auch nur ein Mikrofon. Zum Glück war Sucandra mit uns gekommen; also baten wir ihn, sich an die Menge zu wenden und die Lage zu erklären. Nachdem sich alle beruhigt hatten, wandte er sich ans Publikum: „Hare Kṛṣṇa! Guten Abend allerseits! Wir bedauern, dass es keine Mikrofone gibt. Und um ehrlich zu sein, wir haben auch kein großes Repertoire an Liedern. Eigentlich sind wir nicht hier, um eine Show zu präsentieren. Wir wollen etwas mit euch teilen. Daher ist es sehr wichtig, dass ihr alle mitmacht. Bitte wiederholt nach mir: ‚Hare!‘“ Am Anfang waren das Publikum etwas zurückhaltend, aber bald machten immer mehr Menschen mit, und nach einiger Zeit, als er „Kṛṣṇa“ sagte, antwortete die ganze Menge enthusiastisch wie aus einem Munde: „Kṛṣṇa!“ Auf diese Weise brachte Sucandra ihnen den mantra bei. Dann bat er sie, mit uns zu singen, und wir übten eine einfache Melodie, bis sie sich eingestimmt hatten. Es müssen mindestens zweitausend Teenager gewesen sein, und während wir sie im Chanten von Hare Kṛṣṇa anleiteten, wurden sie immer ekstatischer. Als wir zu tanzen begannen, begannen sie auch zu tanzen. Wir lehrten sie sogar, mit erhobenen Armen zu tanzen, so wie Prabhupāda es uns gezeigt hatte. Wir sagten ihnen: „Das ist der Swami-Schritt,“ und sie alle tanzten mit erhobenen Armen, genau wie erfahrene Gottgeweihte. Bald wurde der kīrtana schneller und lauter, und nach zwanzig Minuten hielten wir an und sprachen die Praṇāma-Gebete. Natürlich verbeugten sich

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alle Gottgeweihten und riefen: „Jaya!“ Zu unserer Überraschung verbeugten sich auch diese Jugendlichen und wiederholten „Jaya!“ Als wir aufstanden, begannen sie plötzlich rhythmisch zu rufen: „Zu-ga-be! Zu-ga-be! Zu-ga-be!“ Wir waren verwirrt; sie schienen das Chanten zu mögen, aber vielleicht waren sie aus irgendeinem Grund verärgert? Dann teilte uns Sucandra mit, dass sie eine Zugabe verlangten; sie wollten mehr chanten. Erleichtert setzten wir den kīrtana für weitere dreißig Minuten fort, aber sobald wir aufhörten, riefen sie wieder: „Zugabe! Zugabe!“ Wir wussten nicht, was wir tun sollten. Also stiegen wir von der Bühne herunter und hielten einen tosenden kīrtana inmitten der Menge ab. Wir tanzten in ihrer Mitte, und alle tanzten um uns herum. Dann bildeten wir zwei Reihen und begannen den Gang tanzend und springend auf und ab zu laufen. Dann tanzten wir im Kreis und alle folgten uns. Gelegentlich kam jemand nach vorn, um auf einer der mṛdaṅgas zu spielen. Die Menge rastete aus. Einige packten die Gottgeweihten an Armen und Schultern und sprangen wie verrückt auf und ab. Es war fast hysterisch. Wir hatten das Gefühl, die Situation sei außer Kontrolle geraten. Nur mehr kīrtana vermochte sie einigermaßen zu beruhigen. Wir mussten lauter und schneller spielen; wer weiß, was sie sonst getan hätten? Wir schlugen die Trommeln so heftig, dass unsere Hände bluteten. Blutspritzer waren überall – auf den mṛdaṅgas, unseren dhotīs, dem Boden, den Kleidern der Leute. Doch es störte niemanden. Im Gegenteil: Es schien ihnen zu gefallen, dass es uns ebenfalls nicht störte. Wir wurden alle von der Ekstase des Chantens mitgerissen. Die Zeit stand still. Der kīrtana dauerte fast drei Stunden, und obwohl wir völlig erschöpft waren, wussten wir nicht, wie wir aufhören sollten. Dann entdeckte ein Gottgeweihter einen Plattenspieler und einen Verstärker auf der Bühne, also stoppten wir den kīrtana und legten unsere Platte mit dem Hare Kṛṣṇa Mantra auf. Wir drehten die Lautstärke voll auf – es war ohrenbetäubend –, und offensichtlich mochte das Publikum es. Sie waren zufrieden, dass der kīrtana irgendwie weiterging. Wir beobachteten von hinter der Bühne, wie alle chanteten und tanzten, obwohl wir gar nicht mehr da waren. Und als die Platte zu Ende war, verbeugten sich alle, so wie sie es während des kīrtanas mit uns getan hatten.

Als wir auf die Bühne zurückkehrten, applaudierte die Menge mehrere Minuten lang. Sucandra dankte ihnen, aber als wir die Bühne verlassen wollten, riefen sie wieder „Zugabe! Zugabe!“ Wir legten die Platte noch einmal auf – einen weiteren kīrtana in unserem Zustand auszuführen, war unmöglich. Nachdem sie zum letzten Mal begeistert gechantet hatten, kamen viele von ihnen auf die Bühne und baten uns um Autogramme. Einige schlugen sogar vor, einen Tempel in Kiel zu eröffnen. Alle waren sehr nett. Ich bin sicher, dass sie sich für den Rest ihres Lebens an dieses wunderbare Ereignis erinnert haben. Unser nächster Auftritt fand in Bremen in einem kleinen Klub am Ufer eines Sees statt und wurde hauptsächlich von Menschen in den Fünfzigern und Sechzigern besucht, die sich mehr um ihr Abendessen als um unsere Anwesenheit kümmerten. Die letzten beiden Konzerte, in Herford und Münden, wurden wieder von jungen Menschen besucht. Es waren nicht viele, aber diejenigen, die kamen, chanteten alle, und nach der Vorstellung kamen viele von ihnen auf die Bühne, um uns Fragen über das Kṛṣṇa-Bewusstsein zu stellen. Wir hatten das Gefühl, dass die Aussichten für die Verbreitung von Śrī Caitanyas Bewegung in Deutschland tatsächlich sehr vielversprechend waren. *** Nachdem Mukunda und Tamal Krishna nach London zurückgekehrt waren, gaben sie Prabhupāda einen begeisterten Bericht über ihre Reise durch Norddeutschland. Zugleich wiesen sie jedoch darauf hin, dass die Gottgeweihten dort viel erfolgreicher sein könnten, wenn der saṅkīrtana besser organisiert wäre. Als Prabhupāda daher einen Brief von Krishnadas erhielt, in dem dieser schrieb, dass er mehr Gemeinschaft mit älteren Gottbrüdern schätzen würde, antwortete Prabhupāda: Ich habe von Tamal und Mukunda gehört, dass es gute Aussichten gibt, unsere Bewegung in Deutschland zu verbreiten, vorausgesetzt, dass unsere Sankirtana-Gruppe gut organisiert ist. Zu diesem Zweck habe ich Tamal Krishna gebeten, für einige Zeit in Europa zu bleiben, und wann immer du seine Hilfe in Deutschland benötigst, kann er dorthin gehen und eine Zeit lang bleiben.

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Während seines Aufenthalts in London erhielt Prabhupāda ein Paket von Vāsudeva. Es enthielt ein kleines Ölgemälde von Rādhā und Kṛṣṇa sowie einen Brief. Während seines Besuchs in Hamburg hatte Prabhupāda Vāsudeva ermutigt, so viel Zeit wie möglich dem Malen zu widmen. „Ein Bild ist tausend Worte wert“, sagte er, „und Kṛṣṇa-bewusste Gemälde wirken wie Fenster zur spirituellen Welt.“ Er benötigte Gemälde für seine neuen Tempel, denn solange noch keine mūrtis auf dem Altar waren, bestanden die Verehrungsobjekte der Gottgeweihten aus Bildern der guru-paramparā, von Śrī Caitanya Mahāprabhu und Seinen Gefährten, dem Pañca-tattva, sowie von Rādhā und Kṛṣṇa. Vāsudeva folgte mit Freude dieser direkten Anweisung seines spirituellen Meisters. Doch obwohl er begeistert war, seine ganze Aufmerksamkeit auf Kṛṣṇa zu richten, spürte er immer noch den starken Sog materieller Versuchungen. In seinem Brief erklärte er seine Lage, und Prabhupāda antwortete umgehend: Ich danke dir für deinen aufrichtigen Brief und das schöne Bild von RadhaKrishna, das du mir geschickt hast. Ich habe es sofort an die Wand direkt über meine Murtis gehängt, und es sieht dort sehr schön aus. Vielen Dank. Ich erinnere mich immer daran, dass du ein so aufrichtiger und guter Junge bist, und ich bin sicher, dass Krishna dir mehr und mehr helfen wird, im KrishnaBewusstsein Fortschritt zu machen. Krishna ist sehr barmherzig zu Seinen aufrichtigen Geweihten, aber wir müssen auch immer bedenken, dass Maya sehr stark ist. Deshalb müssen wir immer in Krishnas Dienst tätig sein. In jedem Augenblick sollten wir den einen oder anderen Dienst für Krishnas transzendentale Freude ausführen. Wenn wir uns daran nicht erinnern, dann ist Maya sofort da, um uns zu packen. Alles hängt davon ab, ob wir uns Krishna oder Maya zuwenden. Wenn du dich Krishna zuwendest, wirst du im Krishna-Bewusstsein sein, und wenn du dich Maya zuwendest, wirst du von der materiellen Natur gefangen genommen werden. Krishna und Maya sind wie Licht und Schatten, die unmittelbar nebeneinander liegen. Wenn du dich ein wenig in die eine Richtung bewegst, bist du im Licht und es gibt keinen Schatten. Aber wenn du dich ein wenig in die andere Richtung bewegst, bist du in der Dunkelheit. Wenn wir uns also daran erinnern, immer im Dienst für Krishna beschäftigt zu sein, dann wird es keine Maya geben und alles wird in Ordnung sein. Bitte erinnere dich immer an dieses große Geheimnis des Fortschritts im KrishnaBewusstsein. Da du also ein vielversprechender Künstler bist, denke ich, dass du als Nächstes die spirituellen Meister unserer Guru-parampara malen solltest. Hilf auch weiterhin dabei, den neuen Tempel einzurichten, und nimm so weit wie möglich am Sankirtana teil. Diese Dinge werden dir zusammen mit der Verbreitung unserer Literatur genügend Beschäftigung geben, um deine Zeit auszufüllen. Chante auch täglich weiter alle deine Runden und lies so viel wie möglich unsere Zeitschriften und Bücher. Dann sind die Aussichten für deine Zukunft glänzend, und du wirst in der Lage sein, dieser Bewegung in deinem Leben gewiss einen großen Dienst zu erweisen. VĀSUDEVA DĀSA: Prabhupāda kehrte Ende 1969 in die Vereinigten Staaten zurück. Ein paar Monate später, während er in Los Angeles war, schickte ich ihm ein Foto des ersten Porträts, das ich von ihm gemalt hatte. Eine Woche später schickte ich ihm ein weiteres Geschenk, ein Ölgemälde seines spirituellen Meisters, Bhaktisiddhānta Sarasvatī, zu dessen Erscheinungstag. Als ich mich erkundigte, wie lange ein Expresspaket nach L.A. brauchen würde, stellte ich fest, dass mir nur ein einziger Tag blieb, um das Bild zu malen. Es war bereits spät am Nachmittag, und ich musste mich beeilen, um noch vor Ladenschluss die notwendigen Materialien zu besorgen. Da das Gemälde am nächsten Tag noch feucht war, musste ich es so in einem großen Holzrahmen befestigen, dass es während des Transports trocknen konnte. Das Paket sah von außen so ungewöhnlich aus wie sein transzendentaler Inhalt. Nachdem Prabhupāda das Bild erhalten hatte, schrieb er mir: Bitte nimm meinen Segen entgegen. Ich habe deinen Brief vom 20. Februar 1970 zusammen mit der beigefügten Fotografie eines von dir gemalten Porträts des spirituellen Meisters erhalten. Vielen Dank. Etwas später ist auch ein Gemälde meines Guru Maharaja, Srila Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakura, angekommen. Beide Bilder sind sehr, sehr gut, und ich bitte dich daher, dich vollzeitlich der Entwicklung deines großen Talents zu widmen. Es werden viele Gemälde benötigt, nicht nur für unsere Tempel, sondern auch zur Illustration unserer Bücher. Ich denke daher, dass du genug zu tun haben wirst und dass diese Tätigkeit dich glücklich machen wird.

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Noch während seines Aufenthalts in Los Angeles erhielt Prabhupāda einen Brief von Krishnadas, der seine Vision für die Verbreitung des KṛṣṇaBewusstseins in Deutschland darlegte: Mit deinem Einverständnis, Prabhupāda, würden wir gerne mit der deutschen Sankirtana-Gruppe im Sommer eine Tour durch Deutschland machen und – mit deinem Segen – bis spätestens Ende 1970 einen zweiten Tempel, entweder in Berlin oder München, eröffnen. Westdeutschland hat, ohne Ostdeutschland mitzurechnen, über 50 Millionen Einwohner. In England sind es über 60 Millionen, aber der Unterschied liegt darin, dass es in England nur wenige Großstädte gibt, während die Menschen in Deutschland in Hunderten von Städten über das ganze Land verteilt leben und diese Städte nicht weit voneinander entfernt liegen. Deutschlands Bedeutung ist auch daran zu erkennen, dass die Deutsche Mark eine der stabilsten Währungen der Welt ist. Wie du schon oft festgestellt hast, sind die Deutschen ein hochintelligentes Volk. Das einzige Problem besteht darin, die Menschen in großer Zahl zu erreichen, und das wird durch die Sankirtana-Gruppen und neue Tempel geschehen. Vor allem in den Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Köln, München und Stuttgart, die alle zwischen einer halben und einer Million Einwohner haben (außer Berlin mit 3 Millionen). All diese Städte sind Knotenpunkte für Industrie, Handel, Kunst und Tourismus und verfügen über Universitäten. Krishnadas schlug Prabhupāda außerdem vor, dass Hansadutta und seine Frau Himavatī Deutschland besuchen könnten. Er kannte Hansadutta aus Berkeley und bewunderte dessen Enthusiasmus, die Gottgeweihten zum saṅkīrtana mitzunehmen. Himavatī, eine exzellente Köchin, wäre ebenfalls eine Bereicherung, da sie sich um die weiblichen Neulinge kümmern könnte. Maṇḍalibhadra war der einzige gṛhastha im Hamburger Tempel, aber seine Frau war wenig geneigt, am Tempelleben teilzunehmen, und den brahmacārīs fiel es schwer, mit weiblichen Neuankömmlingen umzugehen. Da Hansadutta Erfahrung in der Tempelleitung und im Predigen hatte, hoffte Krishnadas, dass er dabei helfen könnte, eine Revolution des KṛṣṇaBewusstseins in Deutschland herbeizuführen.