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rabhupādas Besuch in Schweden war für September geplant. Ajita und Vegavān hatten zusammen mit ihren Frauen Kṛṣṇa-premī und Padmavatī erst ein halbes Jahr in und um Stockholm gepredigt, aber sie hatten bereits einige wichtige Persönlichkeiten kennengelernt, darunter den indischen Botschafter, einen Sanskrit-Professor und einen Psychiater. Prabhupāda war eingeladen worden, an der renommierten Universität Uppsala einen Vortrag zu halten. Die Geweihten aus Deutschland sollten ihre Tonanlage mitbringen und mehrere Hare-Kṛṣṇa-Festivals veranstalten, jeweils mit einem Vortrag von Prabhupāda als Höhepunkt. Am 5. September 1973 landete Prabhupāda in Stockholm. Wie gewohnt hatten die Gottgeweihten am Flughafen eine Pressekonferenz organisiert. Für die meisten Reporter war dies ihre erste Begegnung mit dem KṛṣṇaBewusstsein, und Prabhupāda versuchte, ihnen den Unterschied zwischen materieller und spiritueller Natur zu erklären: Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen herzlich für Ihren freundlichen Empfang. Es ist das erste Mal, dass ich nach Schweden komme. P
Anfangs mag es etwas schwierig sein, diese Bewegung zu verstehen, weil sie sich vollständig auf der spirituellen Ebene befindet. Im Allgemeinen verstehen die Menschen nicht, was die spirituelle Ebene ist. Im gegenwärtigen Zustand sind wir eine Verbindung aus spiritueller Energie und Materie. Materie können wir verstehen, aber aufgrund unserer langen Verbindung mit dieser Materie können wir nicht verstehen, was die spirituelle Energie ist. Wir können uns jedoch vorstellen, dass es etwas gibt, das einen toten Körper von einem lebendigen Körper unterscheidet. Prabhupāda gab das Beispiel eines verstorbenen Vaters: Obwohl er auf dem Bett liegt, klagen seine Kinder: „Unser Vater ist von uns gegangen.“ Dies zeigt, dass sie den Unterschied zwischen der Leiche und der Person, die sie als ihren Vater kannten, spüren. Das, was den Körper verlassen hat, ist die spirituelle Seele; warum sonst sagen sie: „Unser Vater ist von uns gegangen“? Der Körper ist noch da. Als Erstes müssen wir daher zunächst den Unterschied zwischen der spirituellen Seele und dem materiellen Körper verstehen. Wenn wir die spirituelle Seele verstehen, dann können wir auch diese spirituelle Bewegung verstehen. Auf der Grundlage eines rein materiellen Verständnisses ist es sehr schwierig zu verstehen, was spirituelles Leben oder die spirituelle Ebene ist. Prabhupāda fasste seine Erklärung zusammen: Spirituelles Leben bedeutet ein ewiges und glückseliges Leben voller Wissen, wohingegen materielles Leben Vergänglichkeit und ein elendes Leben der Unwissenheit bedeutet. Unser Körper wird nicht ewig bestehen und befindet sich immer in einem elenden Zustand, aber aufgrund unserer langen Verbindung mit der Materie sind wir so stumpfsinnig geworden, dass es uns schwerfällt zu verstehen, was spirituelles Leben bedeutet, was spirituelle Aktivitäten sind, was die spirituelle Welt ist, was Gott ist und welche Beziehung wir zu Ihm haben. Daher ist die Bewegung für Kṛṣṇa-Bewusstsein eine Art Bildungsinstitution, die Wissen über das spirituelle Leben, die spirituelle Welt und Gott vermittelt. Prabhupāda forderte seine Zuhörer auf, die Lehre des Kṛṣṇa-Bewusstseins zu verstehen, indem sie Umgang mit den Gottgeweihten pflegen, die sich nun in Schweden niedergelassen hatten. Er betonte besonders, die einfache Methode, den Hare Kṛṣṇa mahā-mantra zu chanten:
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Wenn wir uns die Kraft dieses mantras zunutze machen, wird unser Herz allmählich gereinigt, und wir werden schnell verstehen, dass wir nicht der Körper, sondern eine spirituelle Seele sind. Dann wird es zu einem wahren Erwachen kommen. Als Nächstes gab er das Beispiel eines Mannes, der im Ozean treibt und nicht glücklich sein kann – egal wie sehr er sich bemüht –, bis er wieder an Land ist. Unser Programm besteht daher nicht darin, durch eine Veränderung unserer materiellen Umstände glücklich zu werden. Das ist nicht möglich. Besser ist es, zur spirituellen Ebene zu kommen und ein spirituelles Leben zu führen. Dann besteht die Möglichkeit, wahres Glück zu finden. Tyaktvā dehaṁ punar janma naiti māmeti kaunteya – in der Bhagavad-gītā heißt es, dass diejenigen, die ein spirituelles Leben und spirituelles Wissen kultivieren, nach Verlassen des Körpers in die spirituelle Welt gelangen. Dort erwartet sie ein ewiges, glückseliges Leben. Wenn wir also ernsthaft werden, wenn wir wirklich glücklich sein wollen, dann müssen wir verstehen, was die spirituelle Natur ist. Natürlich gibt es in jedem Land, in verschiedenen Teilen der Welt, religiöse Systeme, um zu verstehen, was spirituelles Leben bedeutet, aber leider ist kaum jemand an einem spirituellen oder religiösen System interessiert, denn die Menschen werden immer mehr dazu verleitet, sich materiellen und sinnlichen Aktivitäten hinzugeben. Auf diese Weise entfernen sie sich immer weiter vom spirituellen Leben. Überall auf der Welt sehen wir daher immer mehr Verwirrung und Enttäuschung. Um dieser Enttäuschung und Verwirrung entgegenzuwirken, müssen wir uns der Bewegung für KṛṣṇaBewusstsein anschließen und versuchen, die Philosophie zu verstehen und entsprechend zu handeln. Dann werden die Menschen glücklich sein. Das ist unser Programm. Vielen Dank. Hare Kṛṣṇa. Am Nachmittag kam Dr. Suneson, ein Sanskrit-Professor, der auch Hindi, Tamil und Bengali studiert hatte, zum Tempel. Prabhupāda war freudig überrascht, dass ein westlicher Wissenschaftler nicht nur mit der BhaktiTradition vertraut war, sondern auch ein lebhaftes Interesse am kīrtana zeigte. Gleich zu Beginn ihres Gesprächs fragte ihn der Professor: „Singen Sie auch Hymnen und kīrtanas auf Bengali?“ Prabhupāda: O ja. Dr. Suneson: Oder hauptsächlich auf Sanskrit? Prabhupāda: Nein, auch auf Bengali.
hari hari biphale janama goṅāinu manuṣya-janama pāiyā, rādhā-kṛṣṇa nā bhajiyā, jāniyā śuniyā biṣa khāinu (Auf Prabhupādas Bitte bringen die Gottgeweihten ein Harmonium, und er singt das gesamte Lied.) Dr. Suneson: Wer hat das geschrieben? Prabhupāda: Narottama dāsa Ṭhākura. narottama-dāsa kaya, nā ṭheliha rāṅgā pāy tomā bine ke āche āmāra Narottama dāsa Ṭhākura singt: hari hari biphale janama goṅāinu: „Mein lieber Herr, ich habe kostbare Zeit vergeudet – biphale, ohne jeden Gewinn. Manuṣya-janama pāiyā, rādhā-kṛṣṇa nā bhajiyā. Denn ich habe dieses Leben als Mensch bekommen, doch habe ich nicht die Gelegenheit genutzt, Rādhā und Kṛṣṇa zu verehren.“ Jāniyā śuniyā biṣa khāinu. „Ich habe also wissentlich Gift genommen.“ Golokera prema-dhana, hari-nāma-saṅkīrtana. „Nāma-saṅkīrtana ist nichts Materielles. Es ist die ekstatische Liebe zu Kṛṣṇa in Goloka Vṛndāvana.” Rati nā janmila kene tāya. „Aber ich verspüre keine Anziehung zum harikīrtana.“ Saṁsāra-biṣānale, dibā-niśi hiyā jvale: „Mein Herz brennt ständig im materiellen Dasein.“ Jurāite nā kainu upāya: „Aber ich suche nach keinem Mittel, um den Schmerz zu lindern.“ Vrajendra-nandana yei, śacī-suta haila sei: “Dieselbe Persönlichkeit Gottes, Kṛṣṇa, der als der Sohn Nanda Mahārājas erschien, ist jetzt wieder erschienen, und zwar als der Sohn Śacīdevīs.“ Und balarāma haila nitāi: „Und Balarāma ist als Nityānanda Prabhu erschienen.“ Ihre Mission ist: dīnahīna jata chila, hari-nāme uddhārila. „Sie befreien durch die Verkündigung der saṅkīrtana-Bewegung alle möglichen sündigen und im materiellen Dasein leidenden Menschen.“ Tāra śākṣī jagāi mādhāi: „Jagāi und Mādhāi sind Zeugen.“ Hā hā prabhu nanda-suta, vṛṣabhānu-sutā-yuta. „O Kṛṣṇa, Sohn Nanda Mahārājas, hier stehst Du nun mit Rādhārāṇī, der Tochter König Vṛṣabhānus. Meine Bitte lautet: karuṇā karaha ei-bāra. „Sei mir gnädig.“ Narottama dāsa kaya, nā ṭheliho rāṅgā pāya, tomā bine ke āche āmāra. Narottama dāsa Ṭhākura sagt: „Bitte stoße mich nicht fort. Ich habe keine andere Zuflucht. Bitte nimm mich zu Dir.“
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Es gibt viele ansprechende Lieder in der vaiṣṇava-Literatur. Dr. Suneson: Wie alt ist dieses Lied? Prabhupāda: Es wurde vor etwa 450 Jahren geschrieben. Es gibt viele Lieder von Narottama Ṭhākura: gaurāṅga bolite habe pulaka-śarīra hari hari bolite nayane ba'be nīra āra kabe nitāi-cānder koruṇā hoibe saṁsāra-bāsanā mora kabe tuccha ha'be viṣaya chāriyā kabe śuddha ha'be mana kabe hāma herabo śrī-bṛndābana rūpa-raghunātha-pade hoibe ākuti kabe hāma bujhabo se jugala-pīriti Hier ist ein anderes bekanntes Lied: gaurāṅgera duṭi pada, jār dhana sampada, se jāne bhakati-rasa-sār Es gibt so viele Lieder. Auch Bhaktivinoda Ṭhākura hat zahlreiche Lieder verfasst. Wir haben auch Lieder von Locana dāsa Ṭhākura: parama karuṇa, pahuṅ dui jana, nitāi gauracandra saba avatāra-sāra śiromaṇi, kevala ānanda-kanda bhajo bhajo bhāi, caitanya nitāi, sudṛḍha biśwāsa kori' biṣaya chāriyā, se rase majiyā, mukhe bolo hari hari Es gibt so viele Lieder. Die meisten sind in sehr einfachem Bengali geschrieben. Besonders die Lieder von Narottama dāsa Ṭhākura sind von Viśvanātha Cakravartī Ṭhākura als vedische Evidenz anerkannt worden. Obwohl sie auf Bengali geschrieben sind, gelten sie als vedische Autorität. Sie haben eine Neigung zum bhakti-yoga, Dr. Suneson. Entwickeln Sie diese Neigung und machen Sie Ihr Leben erfolgreich. Das ist mein bescheidener Vorschlag. Manuṣya-janama pāiyā, rādhā-kṛṣṇa nā bhajiyā, jāniyā śuniyā. Wer als Mensch geboren wurde, aber es versäumt, Kṛṣṇa-
Bewusstsein zu entwickeln, trinkt wissentlich Gift. Jāniyā śuniyā biṣa khāinu. Biṣa bedeutet Gift. Das menschliche Leben bietet eine große Gelegenheit. Aber aufgrund einer körperlichen Weltanschauung hat die moderne Zivilisation ein solches Geflecht von Verstrickungen geschaffen, dass die Menschen verrotten und die Gelegenheit dieser menschlichen Lebensform verpassen. Auf Geheiß unserer Vorgänger versuchen wir deshalb, diese Kultur einzuführen. Das ist unsere Mission. Es macht uns traurig zu sehen, wie die Menschen ihr Leben im körperlichen Lebenskonzept vergeuden. Sie wissen nicht, was im nächsten Leben auf sie zukommt. Aber ein nächstes Leben wird es geben. Das ist eine Tatsache. So wie wir ein Leben als Kind, als Knabe und als junger Mann gelebt haben, so haben wir auch ein vergangenes Leben gehabt. Diese einfache Wahrheit können die meisten Menschen leider nicht verstehen.
Am nächsten Tag hielt Śrīla Prabhupāda einen Vortrag an der Universität Uppsala. Vor seiner Ankunft sorgten seine Schüler für die richtige Stimmung, indem sie kīrtanas und bhajanas sangen.
HṚMĀTĪ DEVĪ DĀSĪ: Zusammen mit Hansadutta, Avināścandra, Vedavyas und Kṛṣṇa-premī war ich Teil einer Gesangsgruppe auf der Bühne. Als Prabhupāda ankam, warfen wir uns alle nieder, um daṇḍavats darzubringen, und irgendwie lag ich genau vor dem vyāsāsana. Prabhupāda trat unbeabsichtigt auf meine Hände, aber es war, als würden sie wie von Rosenblättern berührt – seine Füße waren so weich. Gleich danach kam Pṛthu, um Prabhupāda eine Blumenkette um den Hals zu legen, und auch er trat auf meine Hände, aber diesmal tat es richtig weh. Zu aller Überraschung hielt Prabhupāda keinen einleitenden Vortrag, sondern begann das Programm mit dem Chanten von Versen aus der Brahmasaṁhitā, die Kṛṣṇa und die spirituelle Welt beschreiben. Er bat seine Schüler, die letzte Zeile jedes Verses mitzusingen: govindam ādi-puruṣaṁ tam ahaṁ bhajāmi, „Ich verehre Govinda, den urersten Herrn.“ Prabhupāda begann seinen Vortrag mit der Erklärung des Verses advaita acyuta anādi ananta-rūpam. Obwohl sowohl Gott als auch die jīvas ewige Lebewesen sind, fällt der Herr niemals von seiner Stellung, während wir jīvas
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fallen können. Prabhupāda erklärte kurz, was der Vers beschreibt: dass Kṛṣṇa der Anfang von allem ist; dass Er viele Formen hat, von denen eine die Welt erhält; dass Er ewig jung ist, obwohl Er der Älteste von allen ist, und dass Er leicht zugänglich ist, indem man sich einem Seiner Geweihten nähert. Um die Bedeutung von ānanda-cinmaya rasa zu vermitteln, erklärte Prabhupāda, dass in der spirituellen Welt alles eine Ausdehnung Kṛṣṇas und demnach reine spirituelle Energie ist.
HṚMĀTĪ DEVĪ DĀSĪ: Als Prabhupāda beschrieb, wie alles in der spirituellen Welt eine Ausdehnung Kṛṣṇas ist – die gopīs, sein Vater und seine Mutter, seine Freunde, die Bäume und Blumen, seine Kälber und Kühe –, hob er die Hand und zeigte, ohne sich umzudrehen, auf Vāsudevas Gemälde von Rādhā und Kṛṣṇa, das an der Seite des vyāsāsana hing, und veranschaulichte so seine Worte. Es war, als sähe er es; so bewusst war er sich aller Dinge um ihn herum. Ich war erstaunt.
Śrīla Prabhupāda beendete seinen Vortrag mit dem Vers cintāmaṇi prakāra sadmasu kalpa vṛkṣa lakṣāvṛteṣu surabhīr abhipālayantam: Auf Kṛṣṇas Planet gibt es viele Bäume und Paläste, aber sie sind alle spirituell. Cintāmaṇi bedeutet „spirituell“. Die Häuser sind aus dem Stein der Weisen gebaut. Und Kṛṣṇa hütet sehr gerne Kühe. Und was sind das für Kühe? Surabhī. Eine surabhi Kuh gibt so viel Milch, wie man möchte und so oft man möchte. Hier in der materiellen Welt haben wir auch Kühe, aber wir können nur eine begrenzte Menge Milch von ihnen bekommen. Die Brahma-saṁhitā gibt uns eine lebhafte Beschreibung der spirituellen Welt und der spirituellen Wesen dort: des Höchsten Herrn, Seiner Gefährten, Seines Landes und Seiner Spiele. Alles ist sehr schön beschrieben, und wenn wir den Wunsch entwickeln, an diesen Ort zu gehen, dann können wir uns vorbereiten, nach Hause, zu Gott, zurückzukehren. Das ist die Vollkommenheit des Lebens. Das ist die Mission der Bewegung für KṛṣṇaBewusstsein. Am nächsten Nachmittag sprach Prabhupāda vor einer Versammlung von Professoren und Studenten an der Universität Uppsala. In Kenntnis ihrer Neigung zur Politik wählte er Text 41 des achtzehnten Kapitels der Bhagavadgītā: „Brāhmaṇas, kṣatriyas, vaiśyas und śūdras unterscheiden sich durch ihre
Eigenschaften, die ihrer eigenen Natur entsprechend den materiellen Erscheinungsweisen entstammen.“ Er begann seinen Vortrag: Überall, sogar unter den Pflanzen und Tieren, wirken diese drei guṇas, die Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Manche Bäume sind praktisch nutzlos, da sie weder Blüten noch Früchte hervorbringen. Das ist drittklassig; sie befinden sich in Unwissenheit. Kühe sind erstklassige Tiere; sie befinden sich in der Erscheinungsweise der Tugend, da sie wertvolle und nahrhafte Milch liefern. Katzen und Hunde hingegen sind drittklassige Tiere. Das sind Bewertungen gemäß der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Unter den Menschen, Tieren, Bäumen oder Vögeln – überall, sagt Kṛṣṇa – sogar auf den höheren Planeten, überall wirken diese drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Folglich sollte die menschliche Gesellschaft entsprechend diesen drei Erscheinungsweisen wissenschaftlich in verschiedene Klassen unterteilt werden. Und das erklärt Śrī Kṛṣṇa in der Bhagavad-gītā: catur varṇyaṁ mayā sṛṣṭam, vier Klassen von Menschen. Prabhupāda erklärte die charakteristischen Merkmale und Pflichten der verschiedenen Gruppierungen und bewertete die Idee einer klassenlosen Gesellschaft als utopisch. Dann aber führte er einen neuen Blickwinkel ein: dass wir die Bedingtheit der materiellen Existenz überwinden können, indem wir auf die spirituelle Ebene gelangen: Obwohl es naturgemäß diese Einteilungen gibt, kann jeder, der einen menschlichen Körper hat, durch die Bewegung für Kṛṣṇa-Bewusstsein auf eine höhere Stufe erhoben werden. Was den materiellen Körper betrifft, kann man seine Beschaffenheit nicht ändern. Das ist bereits festgelegt. Jemand hat durch die Anordnung der Natur, entsprechend den guṇas, einen bestimmten Körpertyp erhalten. Wenn eine Person bessere Eigenschaften entwickeln möchte, muss sie sich dem Kṛṣṇa-Bewusstsein zuwenden, denn KṛṣṇaBewusstsein befindet sich auf der spirituellen Ebene. Es hat mit der materiellen Ebene nichts zu tun. Von der materiellen Ebene aus kann man die Eigenschaften einer Person nicht ändern. Prabhupāda verwies auf seine Schüler als lebendigen Beweis und erklärte, dass es für sie leicht gewesen sei, durch die Annahme des Kṛṣṇa-Bewusstseins alle sündhaften Gewohnheiten aufzugeben. Sie hätten sogar ihre körperliche Identifizierung als Amerikaner, Engländer, Deutsche oder Schweden vergessen. Sie dächten nicht mehr in Kategorien von Schwarz oder Weiß. Sie
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identifizierten sich nur noch als spirituelle Seelen, ewige Teile des Höchsten Herrn. Dann begann er eine Analyse der Seele und machte deutlich, dass sogar Tiere und Pflanzen Seelen sind, die Schutz verdienen, im Gegensatz zur kommunistischen Idee, nur für Menschen zu sorgen. „Kommunismus ist keine wahrhaft hochorganisierte Gesellschaft. In einer hochorganisierten Gesellschaft gibt es erstklassige Männer, brāhmaṇas, welche die zweitklassigen Männer, die Verwalter, beraten. Und die Verwalter sorgen dafür, dass alle Bürger die religiösen Prinzipien befolgen. Und die drittklassigen Männer, das heißt die Landwirte und Händler, sind für die Nahrungsversorgung verantwortlich. Nachdem er zum ursprünglichen Thema der Gesellschafts-einteilungen zurückgekehrt war, erklärte Prabhupāda als Nächstes, was es bedeutet, ein brāhmaṇa zu sein, und betonte die Notwendigkeit einer Einrichtung, die erstklassige Menschen ausbildet. Nachdem er seinen Vortrag beendet hatte, folgte eine lebhafte Frage-undAntwort-Runde, wobei einer der Studenten besonders hervortrat. Verärgert über die Idee einer Gesellschaft, die auf dem ihm verhassten Kastensystem zu beruhen schien, fragte er in einer herausfordernden Haltung: „Warum machen Sie diese Unterscheidungen?“ „Unterschiede...“ Prabhupāda hielt einen Augenblick nachdenklich inne, „Unterschiede existieren nur, solange man kein Gottgeweihter ist. Diese Unterschiede sind unvermeidlich, sie sind bereits vorhanden.“ Aber der Student hatte anscheinend nicht verstanden, was Prabhupāda mit „Unterschiede“ meinte. Erneut fragte er herausfordernd: „Aber warum?“ „Warum?“ fragte Prabhupāda erstaunt. „Weil es drittklassige, viertklassige und erstklassige Menschen bereits gibt. Wie können Sie fragen: ‚Warum?‘“ Sein Gegenüber wich der Frage aus und begann ein neues Argument, aber Prabhupāda unterbrach ihn, um seine uneinsichtige Haltung zu korrigieren: „Glauben Sie, dass jeder Mensch erstklassig ist? Ist es das, was Sie glauben?“ Als der Student die Frage verneinte, präsentierte Prabhupāda noch einmal die logische Schlussfolgerung: „Deshalb sollte ein erstklassiger Mensch bestimmte Eigenschaften aufweisen, ein zweitklassiger Mensch sollte ebenfalls bestimmte
Eigenschaften haben und so fort. Aber es gibt sie bereits, die erst-, zweit-, drittund viertklassigen Menschen.“ Als der Student merkte, dass er die Debatte zu verlieren drohte, änderte er seine Taktik und richtete die Aufmerksamkeit auf Prabhupāda selbst. „Sie behaupten also, ein erstklassiger Mensch zu sein, richtig?“ Doch er irrte sich, wenn er glaubte, seinen Gegner in Verlegenheit gebracht zu haben. Als bescheidener vaiṣṇava musste Prabhupāda keine Worte verdrehen, um den Angriff abzuwehren. Er sprach einfach aus persönlicher Überzeugung: „Ich bin ein fünftklassiger Mensch“, sagte er sachlich. „Ich beanspruche gar nichts, denn ich bin jedermanns Diener. Ich diene auch den viertklassigen Menschen.“ „Aber Sie sind ein brāhmaṇa, ein erstklassiger Mensch“, konterte der Student. Prabhupāda blieb unbeeindruckt: „Sie denken vielleicht, ich sei ein erstklassiger Mensch, aber ich halte mich für fünftklassig.“ Noch immer unzufrieden, wurden die Sätze des Studenten konfus, und Prabhupāda musste ihn unterbrechen: „Worauf wollen Sie hinaus? Ich kann Sie nicht verstehen.“ Nun griff Hansadutta in die Diskussion ein. Wohl wissend, dass ein reiner Gottgeweihter sich für niedriger hält als Stroh auf dem Boden und sich niemals gegen persönliche Angriffe verteidigt, sah er es als seine Pflicht an, Prabhupāda Beistand zu leisten. Warum sollte sich sein spiritueller Meister mit einem unvernünftigen Störenfried auseinandersetzen müssen? „Worauf wollen Sie hinaus?“, drängte er den Herausforderer. „Kommen Sie zur Sache. Formulieren Sie Ihre Frage deutlich.“ Als der Student Prabhupāda dafür kritisierte, auf einem erhöhten, mit Blumen geschmückten Sitz zu thronen, drehte Hansadutta die Herausforderung um: „Wollen Sie dort sitzen?“ „Nein“, kam die Antwort. „Gut. Dann seien Sie nicht neidisch. Wenn Sie dort sitzen und Wissen vermitteln könnten ...“ „Ich will dort nicht sitzen“, murrte der Student. „Was ist dann Ihr Einwand?“, fragte Hansadutta.
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„Was ist mit all den Blumen, die ihr Leben für seine Girlande und die Dekoration lassen mussten?“ provozierte der junge Mann. Ein Applaus der Studenten zeigte, dass er einen wunden Punkt angesprochen hatte. Prabhupāda wandte sich an Hansadutta: „Worum geht es?“ „Er beanstandet, dass so viele Blumen für deine Girlande und die Dekoration des vyāsāsana getötet wurden“, erklärte Hansadutta. Den Studenten fragte er: „Vergleichen Sie das also mit dem Töten von Tieren? Ist es dasselbe?“ Der junge Mann schien für einen Moment ratlos. Hansadutta brachte sein Argument schnell auf den Punkt: „Glauben Sie, dass das Pflücken einer Blume dasselbe ist wie das Töten einer Kuh im Schlachthof?“ „Natürlich nicht“, räumte der Student ein und fügte dann schnell hinzu: „Aber wer sagt das?“ Hansadutta ließ nicht locker: „Also essen Sie kein Fleisch, keinen Fisch oder Eier?“ „Doch“, gab der Student zu, ohne zu begreifen, was das Eine mit dem Anderen zu tun hat. Hansadutta machte den Widerspruch deutlich: „Das bedeutet, dass Sie nicht so handeln, wie Sie reden.“ Aber der Student drehte den Spieß um: „Er predigt, dass man nicht töten soll, aber er hält sich nicht daran.“ Es war an der Zeit für Nachweise aus den Schriften, und Hansadutta zitierte die Bhagavad-gītā, wo Kṛṣṇa über das Darbringen von Blumen spricht: „Bringe Mir mit Liebe eine Frucht, eine Blume und Wasser dar, und Ich werde diese annehmen.“ Das ist der Unterschied zwischen dem Töten eines Tieres und einer Blume – Kṛṣṇa akzeptiert Früchte, Blumen und Wasser, aber Er akzeptiert keine geschlachteten Kühe.“ Weit davon entfernt, von Kṛṣṇa als endgültige Autorität überzeugt zu sein, stellte der Student sofort die Gültigkeit der Worte der Höchsten Persönlichkeit Gottes in Frage: „Warum macht Er diesen Unterschied?“ Prabhupāda hatte die ganze Zeit den Argumenten seines Schülers mit Genugtuung zugehört, aber nun übernahm er wieder die Diskussion und erklärte die Stellung von Kṛṣṇas Geweihten: „Wir praktizieren KṛṣṇaBewusstsein. Wenn Kṛṣṇa einen Unterschied macht, dann tun wir dies auch.
Wir haben nicht unsere eigenen Vorstellungen. Das ist die Bewegung für Kṛṣṇa-Bewusstsein.“ Prabhupāda erklärte, dass das Pflücken einer Blume eigentlich kein Töten sei, aber der Student unterbrach ihn. „Was ist es dann?“ Prabhupāda appellierte an seinen gesunden Menschenverstand. „Was auch immer es sein mag. Ihrer Meinung nach ist es Töten. Aber glauben Sie, dass das Töten einer Blume und das Töten eines Menschen dasselbe ist? Wenn jemand Sie tötet, ist dieses Töten und das Töten einer Blume dasselbe? Ist das Ihre Ansicht?“ Der Student wich der offensichtlichen und logischen Antwort aus, indem er die Aufmerksamkeit zurück auf Prabhupāda lenkte: „Aber Ihrer Meinung nach...“ Doch Prabhupāda ließ sich nicht darauf ein. „Wir vertreten nicht unsere eigene Meinung“, sagte er. Der Student erwiderte: „Aber das haben Sie doch getan!“ Anstatt sich in eine hitzige Diskussion zu verwickeln, versuchte Prabhupāda, seinen Gegner zu besänftigen, indem er ihm einen Ausweg bot und ihm zeigte, wie er das Gesicht wahren könnte: „Nein. Dann haben Sie mich falsch verstanden. Dann handelt es sich um ein Missverständnis. Wir predigen Kṛṣṇa-Bewusstsein. Kṛṣṇa sagt: patraṁ puṣpaṁ phalaṁ toyaṁ yo me bhaktyā prayacchati, „Wenn Mir jemand eine Blume, eine Frucht oder etwas Wasser darbietet, nehme Ich es an.“ Also bringen wir diese Blume Kṛṣṇa dar. Wir verwenden sie nicht unabhängig. Wir nehmen die Überreste Seiner Speisen zu uns. Wir nehmen alles, was bereits von Kṛṣṇa benutzt worden ist, als Seine Gnade entgegen. Auf diesem Grundsatz beruht unsere Bewegung für Kṛṣṇa-Bewusstsein. Wir nehmen nichts direkt für uns selbst. Das ist unser Grundsatz. Das ist unsere Philosophie. Wenn Kṛṣṇa sagen würde, dass Er Fleisch akzeptiert, dann würden wir auch Fleisch essen. Aber das sagt Er nicht. Er sagt: patraṁ puṣpaṁ phalaṁ toyaṁ yo me bhaktyā prayacchati. Deshalb müssen wir dem folgen, was Er in der Bhagavad-gītā sagt. Wir können keine Anweisungen von anderen annehmen.“ Als der Student merkte, dass er Aussagen, die die Gottgeweihten als göttlichen Ursprungs betrachten, nichts entgegensetzen konnte, änderte er seine Taktik. Er versuchte, das Fundament des Kṛṣṇa-Bewusstseins in Frage zu
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stellen. „Was lässt Sie glauben, dass Kṛṣṇa Gott ist?“ lautete seine Herausforderung. Prabhupāda hielt dagegen: „Wenn Sie wissen, was Gottes Merkmale sind, dann werden Sie Gott akzeptieren. Wenn Sie Seine Eigenschaften kennen, dann werden Sie Ihn akzeptieren. Wissen Sie, woran man Gott erkennt?“ Der Student wusste nicht genau, wie er mit der Frage umgehen sollte. „Wissen Sie es?“ drängte Prabhupāda ihn. „Man kann es mit der Suche nach einem Arzt vergleichen. Wenn ich weiß, was die Qualifikation eines Arztes ist, dann kann ich verstehen, wer ein anerkannter Arzt ist. Ähnlich verhält es sich mit Gott. Wenn Sie wissen, was die Qualifikation Gottes ist, dann verstehen Sie, dass Kṛṣṇa Gott ist. Es ist nicht schwierig. Wenn Sie wissen, was Gold ist, dann können Sie echtes Gold erkennen. Wenn Sie es nicht wissen, dann kann es sein, dass Sie Eisen für Gold halten.“ Der Student machte einen letzten Versuch, das Thema erneut zu wechseln: „Beruht diese Erkenntnis auf reiner Logik?“ Aber Prabhupāda ließ nicht locker: „Was ist Ihr Verständnis von Gott?" „Keine Ahnung“, gab der Student zu. „Dann reden Sie nicht von Gott!“ sagte Prabhupāda mit Nachdruck. „Wenn Sie Gott nicht verstehen, warum reden Sie dann von Gott? Reden Sie von Gott, wenn Sie Ihn verstehen.“ Der Austausch mit dem Uppsala-Studenten zeigte wieder einmal, wie schwierig es war, selbst gebildete Menschen durch Philosophie und Argumentation zu überzeugen. Prabhupāda hatte so etwas schon oft erlebt, und diese Erfahrung war einer der Hauptgründe, warum er so großen Wert auf das gemeinschaftliche Chanten und die Verteilung von prasādam legte. Deshalb war ihm das Festivalprogramm so wichtig. Die Menschen mochten philosophischen Ideen widersprechen, aber sie waren selten gegen Singen, Tanzen und gutes Essen. Während sie ihren Spaß hatten, wurden sie, ohne es zu merken, innerlich gereinigt und machten spirituellen Fortschritt. Wenn jemand etwas über die Philosophie wissen wollte, konnte er ein Buch kaufen. Als Prabhupāda daher die Einladung erhielt, vor einer Gruppe von Akademikern zu sprechen, darunter der Indologieprofessor, den die Gottgeweihten kennengelernt hatten, gab er seinen Schülern den Auftrag, prasādam zu kochen und ihn damit zu begleiten.
PṚTHU DĀSA: Er wollte, dass wir gleich nach dem Vortrag heißes prasādam verteilten. Also standen wir dort, vor Gelehrten und Intellektuellen, mit unseren dampfenden Töpfen, die schnell den Duft von köstlichen purīs und halavā verbreiteten, während Prabhupāda über die Bhagavad-gītā sprach. Die ganze Szene unterschied sich deutlich von einem rein akademischen Umfeld. Aber die prasādam-Verteilung war wichtiger als den Eindruck zu erwecken, gelehrte Philosophen zu sein.
Für seinen Vortrag am Abend hatte Prabhupāda die Verse 1 und 2 des 13. Kapitels der Bhagavad-gītā gewählt. Dort fragt Arjuna nach der materiellen Natur, ihrem Genießer, dem Tätigkeitsfeld und dem Kenner des Feldes. Prabhupāda erklärte zunächst kurz die Beziehung zwischen Kṛṣṇa und Arjuna als spiritueller Meister und Schüler sowie die Notwendigkeit einer demütigen Haltung des Schülers beim Versuch, transzendentales Wissen zu verstehen. Er hatte dabei die herausfordende Haltung des Studenten jenes Nachmittags im Sinn: Eine ergebene Haltung bedeutet, dass ich mich an jemanden wende, der sich in einer besseren oder höheren Stellung befindet; andernfalls, was nützt es, jemanden um Rat zu fragen? Tad viddhi praṇipātena paripraśnena sevayā. Und sevā bedeutet Dienst. Man darf keine herausfordernde Haltung einnehmen. Man nähert sich jemandem, dessen Unterweisung man bereit ist zu akzeptieren. Man darf Fragen stellen, aber nicht in einer herausfordernden Haltung. Das ist im vedischen System nicht erlaubt. Samit-paniḥ śrotriyaṁ brahma-niṣṭham. Aus diesem Grund muss man, bevor man einen Lehrer auswählt, entscheiden, ob man sich ihm unterordnen kann. Wenn man dazu nicht bereit ist, dann sollte man sich nicht an ihn wenden und Zeit verschwenden. Als Prabhupāda begann, die Verse zu erläutern, erklärte er die Bedeutung Gottes, indem er Ihn als den höchsten Lenker definierte. Ein Lenker müsse jemand sein, der die Fähigkeit besitzt, Anweisungen zu geben, sagte er. Eines seiner Hauptanliegen war es, die unpersönliche Gottesauffassung zu widerlegen, die im modernen westlichen Denken so weit verbreitet ist. Die Professoren waren mit der Bhagavad-gītā und den Upaniṣaden vertraut, doch
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sie verstanden die Absolute Wahrheit als formlos und jenseits jeder Beschreibung. Getreu seiner Überzeugung, dass wir uns ein Bild von Gott machen können, indem wir zunächst uns selbst als spirituelle Seelen verstehen, erklärte Prabhupāda die erste Lektion der Bhagavad-gītā: Wir sind nicht der Körper. Die Seele wechselt zum Zeitpunkt des Todes von einem Körper zum anderen, obwohl niemand sterben möchte. Warum sollten wir einen bestimmten Körper annehmen, eine Zeit lang darin leben und ihn dann wieder wechseln? Das ist unsere Erfahrung. Jeder von uns wünscht sich, dass sein jugendlicher Körper erhalten bleibt. Wir versuchen durch so viele Medikamente und andere Mittel jung zu bleiben, aber die Natur erlaubt es nicht, für immer jung zu bleiben. Das ist nicht möglich. Wir sind gezwungen, uns zu verändern, alt zu werden. Man sollte sich fragen: „Warum befinde ich mich in einem alten, schwachen Körper, der unter Rheuma, Bronchitis und so vielen anderen Krankheiten leidet? Ich will diesen Körper nicht, aber ich bin gezwungen, darin zu leben.“ Das ist unser eigentliches Problem. „Ich möchte nicht sterben, aber der Tod wird mir aufgezwungen.“ Wahrhaft fortgeschrittene Menschen sollten sich solche Fragen stellen. Dann nahm Prabhupāda zu der altbekannten Frage Stellung: „Können Sie mir Gott zeigen?“ Er erklärte, dass unsere Fähigkeit zu sehen von bestimmten Bedingungen abhängig sei. Wir bräuchten zum Beispiel Licht. Wenn wir also Gott sehen wollten, müssten wir ebenfalls eine Voraussetzung erfüllen: Wir müssten die Salbe der Liebe auf unsere Augen auftragen. „Heilige Personen“, erklärte Prabhupāda, „die Gottesliebe entwickelt haben, können Gott ständig in ihrem Herzen sehen. Das ist möglich. Hier in der Bhagavad-gītā hören wir von Arjuna, der ebenfalls eine heilige Person ist. Er ist kein gewöhnlicher Mensch, denn er spricht persönlich mit Kṛṣṇa. Wenn Arjuna die Möglichkeit hat, mit Gott Freundschaft zu schließen und persönlich mit Ihm zu sprechen, dann hat jeder von uns dieselbe Chance, vorausgesetzt, wir erheben uns auf die Ebene von bhakti durch bhakti-yoga. Als Prabhupāda um Fragen bat, wurde deutlich, dass die Professoren an seinen Ausführungen nicht besonders interessiert gewesen waren. Vielmehr waren sie in ihren eigenen akademischen Überlegungen verfangen. „Was ist der Unterschied zwischen der Bhagavad-gītā und den Veden?“, fragte einer. Dies veranlasste Prabhupāda zu erklären, dass die Veden viele verschiedene Themen behandeln, das letztliche Ziel jedoch darin besteht, Gott zu erkennen. Wieder betonte er nachdrücklich seinen Standpunkt, dass wir Gott mit unseren gegenwärtigen Sinnen nicht erkennen können: „Mit unseren materiellen, stumpfen und unvollkommenen Sinnen können wir Gott nicht verstehen. Das ist nicht möglich. Aber wenn wir Gott durch unseren Dienst, durch unsere Liebe zufriedenstellen, offenbart Er sich. Offenbarung ist der Weg. Durch philosophische Spekulation oder wissenschaftliche Forschung können wir Gott nicht finden. Das ist nicht möglich.“ Ein anderer Gelehrter fragte nach dem Unterschied zwischen Brahman, Paramātmā und Bhagavān. Prabhupāda gab das Beispiel eines Berges, der aus drei verschiedenen Blickwinkeln unterschiedlich erscheint: Aus der Ferne ähnelt er einer Wolke; aus näherer Entfernung sieht man, dass es dort vielfältige Formen gibt, und aus der Nähe erkennt man, dass er von Bäumen und Tieren bevölkert ist. Dann präsentierte er die Schlussfolgerung, dass die Absolute Wahrheit letztlich Bhagavān ist, die Höchste Persönlichkeit Gottes. Das Wort „Persönlichkeit“ führte zu einer weiteren Frage: wie er Persönlichkeit verstehe. Als Prabhupāda aus der Kaṭha Upaniṣad zitierte, dass Gott die höchste Person ist, die die Bedürfnisse aller anderen Personen erfüllt, brachte der Professor den Einwand vor, die Upaniṣaden erklärten, dass „das Eine jenseits aller Worte liege“. Doch Prabhupāda gab nicht nach. Er brachte weitere Zitate vor, die bestätigen, dass Gott eine Person ist, auch wenn Sein transzendentaler Körper sich von unserem unterscheidet. Als klar wurde, dass ihre Ansichten unvereinbar waren, beendete der Professor, der die Gottgeweihten eingeladen hatte, die Diskussion höflich.
HARERNĀMĀNANDA DĀSA: Prabhupāda saß hinter dem Lehrerpult, während der Indologieprofessor, seine Kollegen und einige der Gottgeweihten auf den Sitzen der Studenten Platz genommen hatten. Mir schien, dass diese Professoren überhaupt nichts verstanden. Ihre Fragen nach dem Vortrag zeigten, dass sie mit Informationen aus ihrem akademischen Studium überladen waren und einfache Erklärungen oder klare Antworten nicht ernsthaft in Betracht zogen.
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Nach dem Vortrag waren Bhārgava, ein weiterer Fotograf, und ich mit Prabhupāda allein, da die anderen die Professoren nach draußen begleiteten. Prabhupāda wandte sich uns zu und fragte: „Was meint ihr? War es in Ordnung?“ Bhārgava drückte seine Wertschätzung für Prabhupādas Vortrag aus, doch ich brachte kein einziges Wort hervor. Es war, als wäre mein Geist völlig blank. Ich dachte: „Warum fragt mich Prabhupāda? Er weiß doch genau, wie es um diese Professoren steht.“ In seiner Gegenwart war ich immer von Ehrfurcht und Respekt erfüllt. Tatsächlich lernte ich ihn umso mehr zu achten, je länger ich mit ihm zusammen war. Ich fühlte mich in seiner Nähe eher unbedeutend. Obwohl ich es heute bedaure, dass ich nicht freier mit Prabhupāda sprechen konnte, denke ich, dass meine Zurückhaltung auch ihre positive Seite hatte. Es war sicherer. Wie es so schön heißt: „Zu viel Vertrautheit führt zu Verachtung.“ Für mich stand es außer Frage, mit Prabhupāda zu vertraut zu werden. Mit ihm zusammenzusein war eine intensive Erfahrung, zumindest für mich. Ich hatte immer das Gefühl, dass seine Augen wie Röntgenstrahlen waren. Wenn er mich ansah, hatte ich das Gefühl, als könne er mein Gesicht wie ein offenes Buch lesen.
NIKHILĀNANDA DĀSA: Am nächsten Morgen gingen wir mit Prabhupāda in der Nähe des Tempels spazieren. Er sprach nicht viel, sondern chantete leise japa. Es war September, und die schwedische Morgendämmerung war kühl und neblig. Als die große rote Sonne schließlich über dem Horizont aufging, bemerkte er nachdenklich: kṛṣṇa sūrya sāma. „Kṛṣṇa ist wie die Sonne.“ Damit erinnerte er uns daran, dass es nicht schwierig ist, Kṛṣṇa in allen Dingen zu sehen.
SMITA KṚṢṆA SWAMI: Vor jedem öffentlichen Programm gingen die Gottgeweihten immer zum harināma in der Innenstadt von Stockholm und luden die Menschen zu Prabhupādas Vortrag ein. Bei einer Gelegenheit – vermutlich mit der Absicht, den am tiefsten Gefallenen eine besondere Gnade zu erweisen – luden sie eine Gruppe Betrunkener ein mitzukommen. Glücklicherweise waren diese Leute harmlos und verursachten während des Programms keinerlei Störung.
Während Prabhupāda sprach, bemerkte er sie, und aus reiner Barmherzigkeit, jedem die Möglichkeit zu geben, sich zum Kṛṣṇa-Bewusstsein zu erheben, begann er über einen Vers aus der Bhagavad-gītā zu sprechen, in dem Kṛṣṇa erklärt, dass Er der Geschmack des Wassers ist: Kṛṣṇa sagt: raso ’ham apsu kaunteya „In jeder Flüssigkeit bin Ich der Geschmack, der anziehend wirkt.“ Selbst wenn jemand ein Trinker ist und den Geschmack von Wein liebt, empfehle ich, beim Trinken einfach daran zu denken, dass der Geschmack des Weines Kṛṣṇa ist. Das wird ihn zu einem yogī machen, zum größten yogī. Wenn er einfach denkt: „Ich trinke Wein – oh, ein sehr angenehmer Geschmack – das ist Kṛṣṇa“, verliert er etwas, wenn er so denkt? Dieser Gedanke ist Kṛṣṇa-Bewusstsein. MAṆIMAÑJARĪ DEVĪ DĀSĪ: Aus irgendeinem Grund hatte ich das Glück, zu denen zu gehören, die Prabhupāda an diesem Abend nach Uppsala begleiteten. In dem Hörsaal, in dem der Vortrag stattfand, saß ich in der zweiten Reihe, vielleicht drei Meter von Prabhupāda entfernt. Ich war noch nicht eingeweiht und wollte herausfinden, warum die Gottgeweihten Prabhupāda ständig mit so viel Begeisterung von ihm sprachen. Also starrte ich ihn eine ganze Weile einfach nur an, fast in einer herausfordernden Haltung, und hörte praktisch nicht, was er sagte. Ich wollte durch äußere Merkmale herausfinden, was an ihm so besonders war. Da sah mich Prabhupāda plötzlich an, und als sich unsere Blicke trafen, war mir, als hätte mich ein Blitz getroffen. Ich fühlte mich so unbehaglich, dass ich es nicht wagte, ihn den Rest des Abends noch einmal anzuschauen. Tatsächlich beobachtete ich ihn während der restlichen Tage seines Besuchs nur aus der Ferne. Am letzten Tag durfte ich mit einigen Schülern Prabhupāda zum Flughafen begleiten. Hansadutta leitete den kīrtana. Plötzlich war mir, als würde Prabhupāda direkt zu mir sprechen: „Wenn du mich kennenlernen möchtest, musst du dienen.“ Ich empfand große Erleichterung. Das war die Antwort. Es war nicht so, dass ich es in einem Buch gelesen und mich nun plötzlich daran erinnert hätte. Es war eher wie eine Offenbarung, wie Prabhupādas Barmherzigkeit mir gegenüber, um meine Niedergeschlagenheit und Verwirrung zu beenden: hingebungsvoller Dienst würde alles offenbaren. ***
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Der Tag nach Prabhupādas Treffen mit den Professoren war für ein HareKṛṣṇa-Festival vorgesehen. Überall in Stockholm waren Plakate aufgehängt worden. Während des ganzen Vormittags und frühen Nachmittags brachte eine große Harināma-Gruppe unter der Leitung von Hansadutta das Singen der heiligen Namen auf die Straßen der schwedischen Hauptstadt. Die Gottgeweihten waren so sehr ins Singen vertieft, dass sie es in der Festhalle fortsetzten, wo eine andere Gruppe von Geweihten den Saal dekorierte, die Verstärkeranlage aufbaute und prasādam vorbereitete.
MṚDĀṆĪ DEVĪ DĀSĪ: Ich half Himavatī dabei, purīs auszurollen, während Hansadutta im Saal den kīrtana leitete. Prabhupāda wurde jeden Moment erwartet. Ich liebte es wirklich, im kīrtana zu chanten und zu tanzen, besonders bei Hansaduttas kīrtanas, also fragte ich Himavatī, ob ich mitmachen dürfe. Als ich völlig im Chanten und Tanzen vertieft war, die Hände in die Luft erhoben, fast die Decke berührend, drehte ich mich um – und da war Prabhupāda. Er sah so zufrieden aus. Er blickte mir direkt in die Augen, und sein Blick war so tief und grenzenlos, dass ich einen Moment brauchte, um zu begreifen, dass ich Ehrerbietungen darbringen sollte. Ich konnte sehen, wie sehr er es schätzte, wenn wir das Chanten und Tanzen im kīrtana genossen.
VIBHĪṢAṆA DĀSA: Als Śrīla Prabhupāda den Saal betrat, wartete das Publikum bereits auf ihn, und die Leute erhoben sich von ihren Sitzen und neigten ihre Köpfe zu seiner Begrüßung. Es war eine spontane Reaktion, nicht wie in Fernsehstudios, wo ein rotes Licht angeht, um anzuzeigen, dass applaudiert werden soll.
Das Thema des Vortrags lautete „Der Guru und spirituelles Leben“. Hansadutta hatte Prabhupāda vorgeschlagen, die Verse des GurvāṣṭakaGebets zu erläutern. Prabhupāda begann damit, den Unterschied zwischen Materie und spiritueller Nature sowie zwischen der materiellen und der spirituellen Welt zu erklären. Er teilte seinen Zuhörern mit, dass es an ihnen liege zu entscheiden, wohin sie als Nächstes gehen wollten: „Der guru kann uns helfen, von diesem materiellen Planeten direkt in den spirituellen Himmel zu gelangen, wo es unzählige spirituelle Planeten gibt.“ Prabhupāda erwähnte den Vers aus der Bhagavad-gītā, der besagt, dass man entsprechend seinen Wünschen zu unterschiedlichen Planeten gelangen kann. „Das nennt man saṁsāra“, erläuterte er, „das Kreisen innerhalb dieser materiellen Welt. Und das wird mit dāvānala, einem Waldbrand, verglichen.“ Er steuerte auf den ersten Vers zu – saṁsāra-dāvānala-līḍha-loka trāṇāya karuṇā-ghanāghanatvam –, doch zunächst machte er die Bedeutung von saṁsāra-dāvānala klar. Denn ohne die Leiden des materiellen Lebens zu erkennen, warum sollte jemand einen guru annehmen, um diesem Kreislauf zu entkommen? Um die logische Schlussfolgerung deutlich zu machen, gab Prabhupāda mehrere Beispiele für den lodernden Waldbrand der materiellen Existenz: zwei Weltkriege, den Vietnamkrieg, den Krieg zwischen Indien und Pakistan: Sie mögen Ihr Bestes tun, um in Frieden zu leben, aber die Natur wird es nicht zulassen. Es muss Krieg geben. Besonders in der europäischen Geschichte gab es so viele Kriege: den Karthagischen Krieg, den Griechischen Krieg, den Römischen Krieg, den Siebenjährigen Krieg zwischen Frankreich und England und den Hundertjährigen Krieg. Und die Kriegsstimmung geht weiter, nicht nur zwischen Nation und Nation, sondern auch zwischen den Menschen, zwischen Nachbarn, sogar zwischen Mann und Frau, Vater und Sohn. Es gibt ständig Konflikte. Das ist es, was mit dāvānala, Waldbrand, gemeint ist. Niemand geht in den Wald, um Feuer zu legen, aber durch das Aneinanderreiben trockener Bambusstangen entstehen Funken, und das trockene Holz fängt Feuer. Ebenso erschaffen wir durch unsere Handlungen, obwohl wir nicht unglücklich sein wollen, Feinde und Freunde, es kommt zu Auseinandersetzungen, es gibt Krieg. Das wird immer so sein. Das nennt man saṁsāra-dāvānala. Der guru, der spirituelle Meister, ist jemand, der uns aus diesem Waldbrand befreien kann. Ein Waldbrand braucht Wasser, um gelöscht zu werden. Aber woher kommt das Wasser? Aus Ihrem Eimer oder von Ihrer Feuerwehr? Nein. Es muss vom Himmel kommen. Wenn es vom Himmel in Strömen regnet, kann ein lodernder Waldbrand gelöscht werden. Aber der Regen vom Himmel hängt nicht von Ihrer wissenschaftlichen Propaganda oder Manipulation ab. Er hängt von der Gnade des Höchsten Herrn ab.
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Der spirituelle Meister wird mit einer Wolke verglichen. Aus der Wolke kommt strömender Regen. Ebenso gilt ein spiritueller Meister als eine Wolke. Die Wolke nimmt Wasser aus dem Meer. Die Wolke hat kein eigenes Wasser. In ähnlicher Weise bringt ein spiritueller Meister die Gnade der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Sehen Sie nur den Vergleich. Der guru hat keine eigene Gnade, aber er trägt die Gnade der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Das ist das Merkmal eines spirituellen Meisters. Ein spiritueller Meister wird niemals sagen: „Ich bin Gott. Ich kann Euch Barmherzigkeit erweisen.“ Nein, wer so redet, ist kein spiritueller Meister, sondern ein Betrüger, ein Scharlatan. Ein spiritueller Meister sagt von sich: „Ich bin ein Diener Gottes. Ich habe Seine Gnade gebracht. Bitte nehmt sie an und seid damit zufrieden.“ Dann sprach Prabhupāda über das Hauptmerkmal des materiellen Daseins – ein ständiges Angstgefühl – und sagte, dass die erste Prüfung eines echten spirituellen Meisters darin besteht, dass seine Schüler von dieser existentiellen Angst befreit werden, wenn sie seinen Anweisungen folgen. Der zweite Beweis besteht darin, dass er ständig die herrlichen Eigenschaften der Höchsten Persönlichkeit Gottes lobpreist: Im Zeitalter Kalis können Sie allein durch das Chanten der heiligen Namen des Herrn alle Vollkommenheit erlangen – die höchste Vollkommenheit. Unsere Bewegung, die Bewegung für Kṛṣṇa-Bewusstsein, ist für genau diesen Zweck gedacht. In Indien ist sie sehr populär. Aber in den westlichen Ländern haben wir sie erst vor fünf oder sechs Jahren eingeführt. Viele Menschen nehmen sie an und fühlen sich glücklich. Das ist die einzige wirksame Methode. Deshalb ist der guru immer mit Chanten beschäftigt: mahāprabho kīrtana-nṛtya-gīta: Chanten und Tanzen. Wenn er nicht selbst chantet und tanzt, wie kann er dann seine Schüler lehren? Prabhupāda beschrieb kurz das dritte Merkmal, die Verehrung der mūrtis im Tempel. Er erwähnte, dass in Schweden bisher noch keine mūrtis installiert worden seien, und ging dann zum nächsten Vers über, dessen ursprüngliche Bedeutung er erweiterte und mit seinem dynamischen Predigergeist auflud: Das vierte Merkmal ist, dass ein Guru, ein spiritueller Meister, die Verteilung von prasādam an die Öffentlichkeit fördert. Unsere Philosophie ist nicht spröde; wir reden nicht nur und gehen dann nach Hause. Nein. Wir verteilen prasādam, nahrhaftes und leckeres prasādam. Wenn Sie bhāgavata-prasādam probieren, werden sie allmählich spiritualisiert. Das ist die besondere Kraft, die spirituellen Speisen innewohnt. Deshalb heißt es, dass Gotteserkenntnis durch die Zunge erfolgen kann: sevonmukhe hi jihvādau. Wenn Sie Ihre Zunge im Dienst des Herrn beschäftigen, werden Sie Gott erkennen. Und womit soll die Zunge beschäftigt werden? Sie soll den heiligen Namen des Herrn chanten und prasādam, die Speisereste des Herrn, kosten. Dann werden Sie Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis erlangen. Die nächsten zwei Verse des Śrī Gurvāṣṭaka beschreiben die innige Beziehung zwischen dem guru und den gopīs, aber Prabhupāda vermied es, diese vertraulichen Themen in der Öffentlichkeit zu besprechen, und betonte stattdessen die Wichtigkeit, ständig an Kṛṣṇa zu denken. Er wandte die Idee, an Kṛṣṇas Spielen teilzunehmen, auf alle Ebenen der spirituellen Existenz an: Das letztendliche Ziel des spirituellen Meisters ist es also, auf Kṛṣṇas Planeten versetzt zu werden, wo er sich den gopīs anschließen möchte, um ihnen zu helfen, Kṛṣṇa zu dienen. Manche spirituellen Meister denken daran, Assistenten der gopīs zu werden; manche denken daran, Assistenten der Kuhhirtenjungen zu werden; manche denken daran, Assistenten von Mutter Yaśodā oder Nanda zu werden, oder Diener Gottes zu sein, und manche streben danach, eine Blume, ein Fruchtbaum, ein Kalb oder eine Kuh in Vṛndāvana zu werden. Prabhupāda erklärte erneut den Unterschied zwischen der materiellen Welt und der spirituellen Welt, konzentrierte sich diesmal aber auf die unterschiedlichen Formen der Liebe zu Kṛṣṇa: Wahre Liebe existiert in der spirituellen Welt zwischen Rādhā und Kṛṣṇa. Wahre Liebe gibt es zwischen Kṛṣṇa und den gopīs. Wahre Liebe, echte Freundschaft, existiert zwischen Kṛṣṇa und seinen Kuhhirtenfreunden. Dort findet man wahre Liebe zwischen Tier und Mensch. Kṛṣṇa liebt die Kühe und Kälber. Wahre Liebe zwischen Bäumen, Blumen, Wasser. Abschließend erinnerte Prabhupāda seine Zuhörer noch einmal daran, wie einfach es im Grunde ist, Kṛṣṇa bewusst zu werden: Sie brauchen einfach nur, die Altargestalt im Tempel zu verehren, prasādam zu essen, den heiligen Namen zu chanten und den Anweisungen des spirituellen Meisters zu folgen. Auf diese Weise lernen Sie, Kṛṣṇa zu verstehen, und dann ist Ihr Leben erfolgreich.
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*** Der kleine Tempelraum in Spånga, einem Dorf in der Nähe von Stockholm, war das umgebaute Wohnzimmer eines Hauses, das die Gottgeweihten gemietet hatten, und es bestand eigentlich kein Bedarf, Prabhupādas Stimme durch ein Mikrofon zu verstärken, aber Uthāl wollte unbedingt einen Teil der Festival-Tonanlage aufbauen, um die morgendlichen Vorträge lauter zu machen. Als Prabhupāda zu sprechen begann, war jedoch kein Ton zu hören. Er klopfte mehrmals auf das Mikrofon und sah Hansadutta an: „Es funktioniert nicht.“ Uthāl versuchte verzweifelt, die Ursache zu finden. Er überprüfte die Verbindungen, wechselte Kabel, drehte an Knöpfen, aber ohne Erfolg. Prabhupāda war eher amüsiert als verärgert und machte sich über die westliche Mentalität lustig, sich auf technologische Lösungen zu verlassen. Er zitierte die letzte Zeile eines Verses aus Chanakya Pandits Nīti-śāstra: bahvārambhe laghu kriyā – ein riesiger Aufwand aber ein geringes Ergebnis. „Was nützt ein großer Aufwand?" fragte Prabhupāda. „Was ist der Nutzen einer nutzlosen Maschine?" Er erwähnte die vier Beispiele, die Chanakya gibt: ajā-yuddhe, ein Kampf zwischen zwei Ziegenböcken; muni-śraddhe, ein Fest, das Weise im Dschungel feiern; dāmpatya kalahe, ein Streit zwischen Eheleuten; und megha garjane, Gewitterwolken am Morgen. „Habt ihr je Ziegenböcke kämpfen sehen?" fragte er. Alle lachten, als Prabhupāda das ungewöhnliche Geräusch kämpfender Ziegenböcke nachahmte: „Ongh! Ongh! Es sieht so aus, als ob zwei große Helden gegeneinander kämpften, aber sobald jemand kommt und ‚Hatt!' ruft, laufen sie auseinander.“ Das nächste Beispiel bezog sich auf munis, das heißt Weise, die im Dschungel leben und eine śrāddha-Zeremonie vorbereiten, um den Vorfahren Opfergaben darzubringen. „Doch was steht ihnen zur Verfügung?“, fragte Prabhupāda. „Das Fest besteht letztlich nur aus ein paar Blättern und etwas Wasser. Das ist alles. Keine Utensilien, kein Gold, keine Juwelen, nichts dergleichen. Dies ist ein weiteres Beispiel für bahvarambhe laghu-kriyā: Die Vorbereitungen sind gewaltig, aber das Ergebnis ist winzig.“ „Und Zank zwischen Eheleuten. In Indien steht eine Scheidung gar nicht erst zur Debatte. Deshalb nimmt es auch niemand besonders ernst, wenn es zwischen Mann und Frau zum Streit kommt. Da droht der eine dem anderen vielleicht sogar: ‚Ich werde dich verlassen, ich bringe dich um…‘ und was nicht alles, doch nach einer Stunde ist alles vorbei.“ Das vierte Beispiel waren morgendliche Gewitterwolken: „Wenn morgens Wolken aufziehen und man Donnergrollen hört, kann man sicher sein, dass es keinen Regen geben wird. Arambha: der Anfang ist sehr eindrucksvoll, aber laghu kriyā: das Ende ist belanglos. Das ist also nicht gut: bahvārambhe laghu kriyā.“ Prabhupāda wandte seine Aufmerksamkeit dem vor ihm liegenden Śrīmad-Bhāgavatam zu. Er sprach über Vers 1 aus dem 5. Kapitel des Fünften Canto, in welchem Ṛṣabhadeva Seine Söhne über die Notwendigkeit belehrt, die menschliche Lebensform richtig zu nutzen. Den Großteil des Vortrags widmete Prabhupāda einem seiner Lieblingsthemen: dem heruntergekommenen Zustand der modernen Zivilisation und ihren verfeinerten tierischen Neigungen – Essen, Schlafen, Sichpaaren und Sichverteidigen. Gegen Ende des Vortrags wandte er sich direkt an seine jungen Schüler: „Verschwendet eure Zeit nicht. Erledigt eure Aufgabe, Kṛṣṇa-bewusst zu werden, ein für alle Mal. Zeit zu verschwenden, ist nicht gut. Warum? Yato ātmano ’yam asann api kleśada āśa dehaḥ: Weil wir diesen elenden Zustand, in einem materiellen Körper zu leben, unseren vergangenen Handlungen zu verdanken haben. Wenn wir jetzt erneut so handeln, dann werden wir einen weiteren Körper annehmen müssen. Dann wird dieser elende Zustand fortgesetzt. Beendet diese missliche Lage. Deshalb müssen wir die Zeit, die uns bleibt, die Gelegenheit, die wir jetzt haben, nutzen und uns vorbereiten. Kein materieller Körper mehr. Und das ist nur möglich, wenn wir in die spirituelle Welt eingehen. Es war eine ereignisreiche Woche in Schweden gewesen. An manchen Tagen hatte Śrīla Prabhupāda zwei Vorträge gehalten und wichtige Persönlichkeiten getroffen, unter ihnen den indischen Botschafter. Er war besonders erfreut über das Festivalprogramm, das große Menschenmengen anzog und ihnen eine unmittelbare Erfahrung des Kṛṣṇa-Bewusstseins vermittelte. Nun, da er seine Weltreise fortsetzte und nach Los Angeles weiterflog, kehrten die deutschen Gottgeweihten mit erneuertem Enthusiasmus und
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gestärkter Überzeugung zu ihrer Predigttätigkeit in Hamburg, Berlin, Heidelberg und München zurück. Prabhupāda war mit Hansadutta und besonders den reisenden SaṅkīrtanaGruppen sehr zufrieden. Allein in Deutschland fuhren jede Woche mehr als ein Dutzend VW-Busse von den verschiedenen Tempeln aus zu Predigtausflügen. Die Buchund Schallplattenverteiler leisteten Außerordentliches und kehrten nur an den Wochenenden kurz zurück, um an den kīrtanas und den üppigen Sonntagsfesten teilzunehmen. Auch die regelmäßigen öffentlichen Festivals gefielen ihm. Als Hansadutta in seinem GBC-Bericht andeutete, dass es zu teuer werde, regelmäßig Säle anzumieten, Essen für kostenlose Verteilung zuzubereiten und Gruppen von Gottgeweihten, die sonst Geld sammeln könnten, zum Chanten und Tanzen einzusetzen, schickte Prabhupāda ihm am 12. Oktober 1973 einen Brief, in dem er ihm riet, bei der Planung klug vorzugehen: Was das Festivalprogramm betrifft, solltest du nicht damit aufhören, nur weil es nicht rentabel ist. Ihr könnt durch den Buchvertrieb Einnahmen erzielen und diese dann für die Festivals verwenden. Die Festivals sind sehr gut, um Menschen anzuziehen; dann könnt ihr ihnen leicht das Gift des KṛṣṇaBewusstseins verabreichen.” Er erinnerte Hansadutta daran, weiterhin mit Enthusiasmus zu predigen; dann sei aller Erfolg gewährleistet: Deine Saṅkīrtana-Gruppen sammeln mit großem Erfolg, besonders in Amsterdam. Solange wir auf diese Weise predigen, werden wir nicht verhungern. Es ist gut, dass die Berliner Gruppe herumreist. Müßiggang ist nicht gut. Ich bin ein alter Mann, aber ich reise ständig. Es freut mich, dass die Mūrti-Verehrung in Hamburg einen guten Standard hat. Wo es Altargestalten gibt, müssen wir uns erstklassig um Sie kümmern, indem wir Arati und Bhoga darbringen, alles sauber halten, jeden Tag die Kleider wechseln und regelmäßig Vorträge halten. Wenn dies nicht möglich ist, dann ist es besser zu reisen. Fahre mit der Übersetzungsarbeit fort und sorge für gute Qualität. Du leistest ausgezeichnete Predigtarbeit, während ich hier mit Frau Nair im Rechtsstreit liege. Wenn diese Angelegenheit erledigt ist, möchte ich, vielleicht über Afrika nach Europa oder Amerika zurückkehren. Du wirst dich freuen, dass die Londoner Geweihten, die du im saṅkīrtana und in der Buchverteilung ausgebildet hast, gute Erfolge verzeichnen.
Die deutschen Geweihten, die ich sowohl in Paris als auch in Stockholm gesehen habe, haben mich mit ihrem Enthusiasmus beeindruckt. Das ist sehr ermutigend, also bilde sie gut aus. Die Deutschen sind hochintelligent und werden die zukünftigen Prediger sein. Wenn du für gute Übersetzungen meiner Bücher sorgst, wirst du in Deutschland sehr erfolgreich sein. Unser Erfolg hängt von unserem Enthusiasmus ab. Daher sollten wir alles, was wir tun – Chanten, Lesen und das Befolgen der Regeln und Vorschriften – mit Enthusiasmus tun. Du bist ein erfahrenes, älteres Mitglied unserer Gesellschaft, und Kṛṣṇa hat dir eine ausgezeichnete Gelegenheit gegeben, Mitteleuropa zu organisieren. Ich bin sicher, dass du auch in Moskau etwas erreichen kannst. Die jungen Menschen dort sind sehr interessiert; nur die Regierung ist ein Hindernis. Es ist ein gutes Feld dort; du musst nur die Mittel finden. Aber sei versichert, dass du dort viele Abnehmer finden wirst. Dein Schwerpunkt auf die Verteilung von Büchern ist sehr gut. Du hast genug Tempel. Wenn mehr Mitglieder kommen, kannst du in Erwägung ziehen, weitere Tempel zu eröffnen. Das Bus-Programm ist überall erfolgreich, also setze es fort.